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  • 1. Preis

    Günter Hermann Architekten

    Architekten
    Günter Hermann Architekten, Stuttgart (DE), Tuttlingen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: w+p Landschaften, Berlin (DE), Offenburg (DE), Schiltach (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU
    Das neue Gebäude der Gemeinschaftsschule wird als zweigeschossiger Riegel ordnend an den südlichen Grundstücksrand platziert. Es begrenzt die Pausenhoffläche auf einer weiteren Seite und zoniert diese mit dem eingeschossigen Mensapavillon.
    Dieser bildet das neue Herzstück beider Schulen. Er wird umspült von der großzügigen Aufenthalts- und Pausenhoffläche und schafft so durch seine zentrale Lage eine neue, differenzierte Zugangssituation.

    Optionale Erweiterungen können in der klaren, neuen Struktur problemlos eingefügt werden. Die Sekundärstufe II kann so in Verlängerung des Riegels in östlicher Richtung des Grundstücks erfolgen. Die Mensa kann unterhalb der Überdachung erweitert werden und die Platzierung der geplanten Sporthalle wird an der Gymnasiumstraße im Nord-Westen des Komplexes vorgeschlagen. Dies ermöglicht nicht nur die Erweiterung des „Gesichts“ der Schulen zur Straße hin, sondern auch eine effiziente, fußläufige Verbindung zu den weiteren Sportanlagen. Die überdachten Fahrradstellplätze parallel der Gymnasiumstraße bilden gemeinsam mit der Halle einen klaren Abschluss. Sie eröffnen ein Zugangsportal zum Bildungsareal. In Anlehnung an die ursprüngliche Planung wird die Erschließung des Geländes auch weiterhin über die bestehende Achse erfolgen. Über diese Achse werden beide Schulhöfe sowie beide Schulen gemeinsam erschlossen. Auch können das Hausmeistergebäude sowie die Versorgungsstation an ihrem aktuellen Standort bestehen bleiben. Die PKW-Parkplätze werden von der Gymnasiumstraße aus hinter der Sporthalle erschlossen, somit ist das gesamte Schulgelände autofrei.

    ENTWURF
    Der eingeschossige Sonderbaustein wird das neue Herzstück der beiden Schulen. Die gemeinsam genutzten Funktionen finden ihren Platz an zentraler Stelle. Die großzügig überdachte Außenfläche ergänzt die Pausenhöfe um die Option einer Regenpause an der frischen Luft. Foyer, Mensa und Aula, mit ihren dazugehörigen Nebenräumen, bilden so eine zusätzliche gemeinsame Veranstaltungs- und Aufenthaltszone für alle Schüler und Lehrer. Durch ihre flexible Erweiterbarkeit ist sie multifunktional und für alle Arten von Aufführungen und Veranstaltungen nutzbar. Über das Foyer wird auch die neue Gemeinschaftsschule mittig erschlossen.
    Entlang einer Magistralen, der Schulstraße, reihen sich im Erdgeschoss Fachklassen sowie die erweiternden Räume der Realschule. Im Kopfbau zur Gymnasiumstraße hin befinden sich gesammelt die Verwaltung, darüber der Ganztagesbereich, der den Schülern Raum für Muße und Freizeit bietet. Im Obergeschoss des Riegels befinden sich die einzelnen Cluster, welche in ihrer Reihung die Struktur des Gebäudes vorgeben.

    Jeder Cluster erfüllt die Anforderungen an Sicht- und Raumbeziehungen. Die Lernzone ist an einen Lichthof angeschlossen, der neben Belichtung auch eine hohe Aufenthaltsqualität dieser Fläche garantiert. Um beide schließen sich die Klassenzimmer der Lerngruppen mit Blick ins Grüne. Jeder Cluster hat einen direkten Außenbezug durch die anschließenden Terrassen. Unter diesen bilden sich Höfe aus, die mit verschiedenen Themen belegt sind, wie beispielsweise einem Lese- oder Werkhof. Über die Höfe verzahnt das Gebäude sich mit dem Freibereich. Diese Struktur weicht die Kante zum Wald hin auf und bezieht diesen in das Gebäude mit ein.

    Die Gebäude der bestehenden Realschule werden in ihrer baulichen Struktur weitestgehend belassen oder auf die ursprüngliche Struktur zurückgeführt. Die Belegung der Klassenräume wurde teilweise neu geordnet. Im Neubau der Gemeinschaftsschule wurden fehlende Räumlichkeiten der Realschule berücksichtig. Fächer wie Biologie, Chemie, Physik, bildende Kunst werden hier direkt im Erdgeschoss mit direkter Verbindung an die Bestandsbauten angeschlossen. Durch diese Maßnahmen können im Bestandsgebäude der Realschule neue Technikräume und eine vergrößerte Verwaltung untergebracht werden. Der gesamte Komplex von Realschule und Gemeinschaftsschule kann über zentrale Aufzüge nun behindertengerecht und barrierefrei erschlossen werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem sehr einfachen und übersichtlichen Konzeptansatz gelingt es dem Verfasser einen sehr guten Beitrag zu der gestellten Aufgabe zu entwickeln. Der zentrale Baukörper des Mensa- und Aulabereiches, der von beiden Schulen genutzt wird, teilt den Schulhof in maßstäbliche Teilbereiche.
    Die Grundrissorganisation ist einfach und übersichtlich und führt zu sehr schönen räumliche Situationen, die sehr gut belichtet sind. Die Ausbildung der Lerncluster entspricht den Erwartungen als Beitrag zu den neuen Schul- und Lehrräumen.
    Die Lage und Organisation des Verwaltungsbereiches wird eher negativ gesehen. Auch erscheint die Baukörperausformung des Aula-Mensabereiches etwas starr. Hier sieht das Preisgericht architektonisches Entwicklungspotential für das Projekt. Die Ausrichtung der späteren Sporthalle - längs oder quer zur Gymnasiumstraße - wird in der Jury kontrovers diskutiert.
    Die wirtschaftlichen Kennwerte liegen im mittleren Bereich.
    Insgesamt überzeugt der Entwurf sowohl städtebaulich als auch grundrissorganisatorisch und stellt einen guten Beitrag zu der Aufgabenstellung dar.