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  • DE-22083 Hamburg, DE-20459 Hamburg
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-242967)

Mesterkamp


  • 2. Preis

    eins:eins architekten mit HAHN, HERTLING VON HANTELMANN, © eins:eins architekten

    Architekten
    eins:eins architekten Hillenkamp & Roselius Partnerschaft mbB, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Christoph Roselius , Julian Hillenkamp

    Mitarbeit
    Tania Lembke

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: HAHN HERTLING VON HANTELMANN, Berlin (DE), Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept – Leitidee
    Ein neuer Grünzug am Südrand des ehemaligen Busbetriebshofs verbindet den Biedermannpark mit der Hamburger Straße. An diesem werden Baufelder aufgereiht, deren Bebauung von Westen nach Osten von Zeilenbauten bis hin zu einem geschlossenen Block verdichtet wird. Eine geschlossene Bebauung entlang der Hamburger Straße schließt das Quartier gegen die von dort ausgehenden Schallemissionen ab. Die Blockränder nördlich des Quartiers werden durch Ergänzungen vervollständigt.

    Bestandsanalyse
    Die Bebauungsstruktur in Barmbek ist eine hybride Mischung aus ursprünglicher Blockrandbebauung, eingewobenen Zeilenstrukturen des Wiederaufbaus, und Großstrukturen entlang der unabkömmlichen Verkehrsschneisen. Die vorgeschlagene Bebauung trägt dieser besonderen Gemengelage Rechnung, indem eine Grundstruktur aus Gebäudezeilen durch Ergänzungen flexibel an die wechselnden städtebaulichen Umgebungen angepasst wird.

    Zeilen und Verdichtung auf dem ehemaligen Busbetriebshofgelände
    Auf dem Gelände des ehemaligen Busbahnhofs werden vier Baufelder ausgewiesen und mit vielfältigen Wohntypologien fünfgeschossig bebaut. Die Erschließungsseite der Baufelder befindet sich jeweils außen, so dass öffentliche und private Seiten klar geschieden sind.
    Auf den beiden westlichen Baufeldern sind Gebäudezeilen vorgesehen. Alternierend werden Vierspänner, Zweispänner und eine Sondertypologie abgewechselt. In der Sondertypologie werden gestapelte Maisonetten, sowie Geschosswohnen an Treppenhäusern und an Laubengängen zu einem Gebäude vereint.
    Auf dem dritten Baufeld ist die die Bebauung auf der Nordseite U-förmig Geschlossen. Sie korrespondiert so mit der gegenüberliegenden Blockrandbebauung. Während in den Gebäudeflügeln Wohnungen vorgesehen sind, können in dem Verbindungsbau kleine Läden, Restaurants, und Flächen für die Verbindung von Wohnen und Arbeiten vorgesehen werden.
    Auf dem östlich anschließenden vierten Baufeld ist die Bebauung an der Nord- und der Südseite ringförmig geschlossen. Auf diese Weise wird der zunehmenden Dichte hin zur Hamburger Straße, und der Lage an der inneren Erschließungsstraße Rechnung getragen. Auch hier ist in den unteren Geschossen an der Nordseite Kleingewerbe vorgesehen.

    Blockränder an der Weidestraße, Wohnhochhaus, Kita an der katholischen Schule
    Die von der Weidestraße ausgehende Blockrandbebauung wird an den Südrändern vervollständigt. Dieser ergänzende Blockrand wird in fünf Grundstücke parzelliert, um hier insbesondere Baugemeinschaften Realisierungsmöglichkeiten zu bieten. Die vorhandene Geschossigkeit wird aufgenommen. Im Erdgeschoss der ergänzenden Wohnungsbau-Blockrandbebauung könnte vorhandenes Gewerbe erneut angesiedelt werden. Das vorhandene Wohnhochhaus soll saniert und erhalten werden. Es wird zu beiden durch die neue Bebauung räumlich gefasst und so insbesondere in Richtung der großen Kreuzung des Barmbeker Marktes geschützt. Das Baufeld an der katholischen Kirche ist durch öffentliche Nutzungen geprägt. Hier ist an der Südostecke eine große Kita vorgesehen.

    Wohnen, Einzelhandel und Gewerbe entlang der Hamburger Straße
    Die Bebauung des zweiten Bauabschnittes ist durch die Lage an der Hamburger Straße und die parzellierten Eigentumsverhältnisse geprägt. Der Entwurf schlägt eine geschlossene Kammstruktur vor. Die Bebauung ist entsprechend der vorhandenen Grundstücke in vier Bauabschnitte unterteilt, die zeitlich gestaffelt realisiert werden könnten. In den Erdgeschossen ist vollflächig Einzelhandel vorgesehen, der von der Hamburger Straße aus beliefert wird. Das Eckgebäude an der Kreuzung ist mit acht Geschossen am höchsten. In dieser exponierten Lage sind in allen Obergeschossen Büro- und Gewerbeflächen vorgesehen. In den Obergeschossen der südlich anschließenden fünf bis sechsgeschossigen Bebauung ist Wohnen vorgesehen. Die T-förmig angeordneten Obergeschosse werden effizient durch ein Treppenhaus je Gebäude und die anschließenden Laubengänge erschlossen. Alle Wohnungen sind zur lärmabgewandten Seite orientiert. Auf den Dächern des erdgeschossigen Gewerbes erhalten sie grüne Innenhöfe. Insbesondere hier sind kleine Wohnungen in großer Anzahl vorgesehen.

    Erschließung
    Das neue Wohnquartier wird für private PKWs durch eine Ringstraße erschlossen, die von der Einfahrt des ehemaligen Betriebshofes an der Weidestraße ausgehend, den vervollständigten Wohnblock umfährt und westlich an der Zufahrt des ehemaligen Gewerbehofs wieder in die Weidestraße mündet. Von dieser Ringstraße werden die Tiefgarageneinfahrten der östlichen Baufelder erreicht.
    Die Zufahrt zu den Tiefgaragen der westlichen Baufelder erfolgt von der Elsastraße. Die Wegeverbindung zwischen Elsastraße und Ringstraße ist für den privaten PKW-Verkehr gesperrt und vervollständigt lediglich die Erschließung des Quartiers durch die Feuerwehr und die Müllabfuhr.
    Während der PKW-Verkehr auf ein Minimum reduziert wird, wird das neue Quartier für Fahrradfahrer und Fußgänger sowohl in Nord-Südrichtung als auch in Ost-Westrichtung mit der Umgebung vielfältig verknüpft und erschlossen. Insbesondere der Grünzug trifft genau an der Fußgängerampel zur U-Bahn Dehnhaide auf die Hamburger Straße. Über den Grünzug kann das gesamte Quartier von Süden erschlossen werden.

    Freiräume
    Der neue Grünzug ergänzt und verstärkt die besondere stadträumliche Qualität Barmbeks als einer durchgrünten Stadt. Westlich des Biedermannparks ist bereits ein Grünzug in ost-westlicher Richtung vorhanden, der bis zur Batholomäusstraße reicht. Östlich des Parks wird nun ein weiterer Grünzug ergänzt, der als grüne Wegeverbindung vom Biedermannpark bis zur Hamburger Straße reicht. Offene Parkrasenflächen wechseln sich hier mit Baumgruppen ab. Die geschwungene Wegeführung knüpft nahtlos an das Wegesystem des Biedermannparks an.
    Die Grünflächen zwischen den Gebäuden der neuen Baufelder werden in private Gärten der Erdgeschosswohnungen und gemeinschaftlich genutzte Flächen untergliedert. Wohnungsnahe Kinderspielflächen sind auf modellierten Grünflächen zwischen den Gebäudekörpern angeordnet. Nach Süden in Richtung Grünzug werden diese Flächen durch schilfbestandene offene Versickerungsbeete geschützt, über die jeweils eine kleine Brücke in den öffentlichen Freiraum führt.
    Entlang der Hamburger Straße wird eine Doppelbaumreihe als atmosphärischer Puffer zwischen den Fahrspuren und der Bebauung eingefügt. Anstelle der aufgegebenen Nebenfahrspur wird das Trottoir zu einem grünen Boulevard aufgeweitet, über den lediglich die Anlieferung abgewickelt wird. Längsparkerzonen und Fahrradweg verlaufen parallel zu den neuen Baumreihen. Das Pflaster des Gehwegs führt bis zur Fahrbahnkante für einen qualitativ hochwertigen Raumeindruck bei dem der Fußgänger und Radfahrer im Vordergrund steht.
    Baumpflanzungen entlang der neuen Erschließungsringstraße im Norden des neuen Quartiers werden mit Besucherstellplätzen kombiniert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auf dem in vier Baufeldern gegliederten ersten Bauabschnitt entwickeln die Verfasser mit Zeilen- und geschlossenen sowie nach Süden offenen Hofstrukturen eine für Barmbek charakteristische Baustruktur.
    Die einfache und klare Bauweise funktioniert gut für die im Quartier vorgesehenen Nutzungen und bietet eine eindeutige Zuordnung von öffentlichen und privaten Freiflächen. Die grüne, in der Dimensionierung angemessene Zäsur und Wegeverbindung zum südlichen Bestand ist mit der Integration von Retentionsflächen auch in ökologischer Hinsicht ein interessanter und wertvoller Vorschlag und hat mit der landschaftlichen Einbindung ein hohes Identifikationspotential. Überprüft werden muss jedoch, ob der erste Bauabschnitt der geforderten städtebaulichen Dichte entspricht. Dazu gehört auch der hohe Anteil an öffentlichen Flächen, bei der die Zuständigkeit und Pflege geklärt werden muss.
    Während der erste Bauabschnitt durch ein prägnantes Raumkonzept bestimmt wird, erscheint die Baustruktur des zweiten Bauabschnitts für eine Aufnahme von Gewerbe bzw. Handwerkerhöfen in den Basisgeschossen und Wohnen in den Obergeschossen zu grafisch vorgetragen und sowohl zur Hamburger Straße wie Hofseite räumlich-funktional zu wenig ausdifferenziert.
    Zusammenfassend überzeugt der erste Bauabschnitt durch sein städtebaulich-landschaftliches Konzept. Dagegen bedarf der zweite Bauabschnitt einer Überarbeitung.