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  • DE-45141 Essen, DE-45121 Essen
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-242823)

Eltingstraße – Eltingplatz


  • Anerkennung

    © scape Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    scape Landschaftsarchitekten, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Funk , Hiltrud Maria Lintel , Prof. Rainer Sachse

    Mitarbeit
    Melanie Eiler, Vivien Ildikó Harmati, Ben Zemke, Lena Berneburg

    Preisgeld
    2.500 EUR

    Erläuterungstext
    Entwurfsidee

    Der Stadtraum um Eltingplatz und Eltingstraße wird als räumliche Einheit gestaltet, die Anwohner und Besucher zu gemeinsamer Aktivität und Erholung einlädt. Ausgehend von der wichtigen verbindenden Funktion der Eltingstraße über das Wettbewerbsgebiet nach Norden und Süden hinaus wird ein neues, grünes Rückgrat entwickelt. Dazu werden bisher vorhandene Hochbeete vollständig entfernt, so dass eine großzügige ebenengleiche Wegefläche entstehen kann, in der dem fußläufigen Verkehr der Vorrang eingeräumt wird und über die Oberflächengestaltung und den gezielten Einsatz von Baumpflanzungen und Ausstattungselementen Blickbeziehungen inszeniert werden. Der Straßenraum wird über polygonale Intarsien gegliedert, die in Wechselwirkung mit dem Eltingplatz und dem zukünftigen Kita-Grundstück treten. Während die Intarsien in der Eltingstraße urbanen Charakter erhalten, haben die beiden großen Freiflächen einen Parkcharakter. Auch die Freifläche an der Waterloostraße wird als ruhige Grünfläche, dem „Eltinggarten“, in Wert gesetzt. Für alle Bereiche wird die gleiche polygonale Formensprache gewählt, die einen Wiedererkennungswert schafft.


    Materialien

    Die Straßen und Wegeflächen im engeren Wettbewerbsgebiet werden mit Betonsteinpflaster im Reihenverband in einem warm-beigen Farbton befestigt. Vor den Gebäuden wird ein schmaler Streifen aus Natur-Kleinsteinpflaster ergänzt, der den Vorzonen der Häuser eine neue Qualität verleiht. Die Intarsien in der Eltingstraße werden über hochwertigeres, kontrastierendes Betonsteinpflaster im Reihenverband hervorgehoben. Sie werden zusätzlich, genauso wie die Grünflächen, über eine helle, breite Bänderung vom umgebenden Pflaster abgegrenzt. Der Straßenbelag am Zwingliplatz und im Querungsbereich der Beisingstraße wird mittels Farbasphalt als Teil der Platzflächen gestaltet.
    40 PKW-Stellplätze werden sinnvoll verortet. Nördlich und südlich des Eltingplatzes werden die Stellplätze über Pflasternägel in der Pflasterfläche markiert, am östliches Platzrand werden sie mittels Rasenfugenpflaster befestigt. Im Norden und Süden des Vonovia-Grundstückes werden Stellplätze in einem baumüberstandenen Funktionsband vorgesehen. In diesem Band sind auch zwei Flächen für Außengastronomie berücksichtigt, die bei Bedarf, zum Beispiel auch saisonal, in Stellplätze umgewandelt werden können, so dass das Konzept bis zu 46 PKW-Stellplätze ermöglicht.
    Der Eltingplatz erhält eine Platz- und Wegefläche aus wassergebundener Decke; die restliche Fläche kann als leicht modellierte Rasenfläche frei angeeignet werden. Lediglich an der nordwestlichen Ecke wird eine Spielfläche mit Fallschutzbelag platziert.
    Neben neuen Wegeflächen und einer großzügigen Wiesenfläche erhält der neue „Eltinggarten“ Felder für das urban gardening.


    Ausstattung

    Als Quersperren für den PKW-Verkehr werden an den geeigneten Stellen Poller eingebracht. Die Befahrbarkeit für Müllfahrzeuge und die Feuerwehr bleibt gewährleistet. Es wird vorgeschlagen die Trafostandorte in der Ostermannstraße und am Eltingplatz geringfügig zu verlagern, um deren Barrierewirkung zu minimieren.
    Die Sitzgelegenheiten werden auf die unterschiedlichen Teilbereiche abgestimmt. In den Intarsienbändern werden Hockerbänke mit Stahlfuß und Holzauflage eingebaut, am Eltingplatz drei identitätsstiftende Flügelbänke mit Holzauflage und Rückenlehnen. Die Bänke im Eltinggarten werden mit Rückenlehnen ausgeführt.
    Auch eine angemessene Anzahl an Fahrradanlehnbügeln und Mastaufsatzleuchten findet wie selbstverständlich ihren Platz.
    Das Spielangebot in der Eltingstraße bietet Anreize zur Interaktion für Jung und Alt. In den Intarsien wird über ein Fontänenfeld Wasserspiel ermöglicht und es werden zwei Trampoline und ein Tanzglockenspiel aufgenommen. Sprachrohre in einer Intarsie und auf dem Eltingplatz können die vorgesehene Verknüpfung der Teilräume noch weiter stärken. Bewusst wird auf die Verstellung von Blickbeziehungen durch eine Vielzahl an vertikalen Einbauten verzichtet. In der Spielfläche auf dem Eltingplatz soll eine Kombination aus Balancier-, Klettermöglichkeiten und Hängematten ebenfalls die Begegnung von Jung und Alt fördern. Dabei sollen auch die Kleinkinder ihren Raum finden können. Im südlichen Bereich der Rasenfläche werden Stangen zum Aufspannen von Slacklines eingebracht. Neben den vorgenannten Angeboten soll der Stadtraum auf möglichst weitläufigen Wege- und Grünflächen individuell bespielt werden. So kann beispielsweise auf den Wegeflächen geskatet und zeitgleich auf den Rasenflächen Federball gespielt werden.


    Bepflanzung

    Ziel des Pflanzkonzeptes ist die Stärkung vorhandener Qualitäten und die Unterstützung der Leitidee. Dazu werden einzelne Bäume behutsam entnommen und störender Unterwuchs entfernt. Der Baumbestand wird zur Schaffung von Sichtbeziehungen und zur Verbesserung der Orientierung aufgelichtet. Am Eltingplatz wird die Rahmung aus großkronigen Bäumen komplettiert und an der östlichen, der Eltingstraße zugewandten, Seite Zierkirschen gepflanzt. Als verbindendes Element, zur Stärkung der räumlichen Einheit des Quartiersmittelpunktes, werden auch eine Zierkirsche im Bereich des Gelenkpunktes der beiden Platzaufweitungen in der Eltingstraße und optional weitere Zierkirschen auf dem Vonovia-Grundstück vorgeschlagen. Solche Baumpflanzungen könnten problemlos auch nach Realisierung des Kita-Neubaues vorgenommen werden. Auch im Eltinggarten sind neben den unregelmäßig gesetzten Baumpflanzungen Zierkirschen projektiert. Alle Bäume mit besonderem Blühaspekt sollen über Baumstrahler illuminiert werden. In den Intarsien der Eltingstraße wachsen schmalkronige Gleditschien mit filigranem Laub. Durch das lichte Blätterdach kommt es zu einem interessanten Spiel von Licht und Schatten.
    Die leicht modellierte Rasenfläche des Eltingplatzes erhält ein Blütenband aus Frühjahrsblühern, das wie schon die Zierkirschen problemlos auf die Fläche zwischen Ostermann- und Theodorstraße überspringen kann. Im Eltinggarten soll es ein ähnliches Blütenband geben, das im Frühling einen besonderen Aspekt schafft. Im Rücken der Wegefläche schafft eine Heckenpflanzung Behaglichkeit. Mit der gleichen Absicht werden die PKW-Stellplätze auf dem Eltingplatz durch eine Heckenpflanzung kaschiert.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit entwickelt eine einheitliche Gestaltung mit wenigen, aber prägnanten Elementen, die hiermit entstehende Klarheit erstreckt sich über das gesamte Wettbewerbsgebiet und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Die Eltingstraße wird als Fußgängerbereich ausgebildet; mittig sind hier Spiel- und Aufenthaltsbereiche mit Bäumen angeordnet. Die Fußwege und die Straßenräume sind durchgehend polygonal verschwenkend ausgebildet; dabei besteht Gefahr, dass der Eltingplatz im Gestaltcharakter der Eltingstraße aufgeht und seine Eigenständigkeit verliert. Auch wird kontrovers diskutiert, ob die mittlere Baumreihe den Strassenraum nicht eher verstellt. Die Ostermann- und Theodorstraße sowie der Straßenbereich am Eltingplatz werden durch Poller für den motorisierten Individualverkehr abgeriegelt. Die Straßeneinbauten vis à vis des bestehenden Bolzplatzes machen eine Anfahrt für die Feuerwehr an die Fassaden nahezu unmöglich. Auch die Anordnung von Stellplätzen vor Zufahrten funktioniert nicht. Positiv hervorzuheben ist die Verortung von gastronomischen (Klein-) Angeboten im Bereich des Eltingplatzes.
    Die „grüne“ Gestaltung des Eltingplatzes bietet nur wenig Raum für Aktivitäten und Veranstaltungen.

    Der Bereich Waterloostraße ist angemessen und gut gestaltet.

    Der Entwurf erscheint durch die Beschränkung auf wenige Einzelelemente sehr robust und gleichzeitig pflege-extensiv. Der Kostenansatz liegt unter dem Durchschnitt.
    Die Idee der einheitlichen Gestaltung des gesamten Areals wird gewürdigt, letztlich jedoch zu gleichmacherisch gesehen.