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  • DE-89077 Ulm
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-260218)

Städtebauliche Neuordnung des Areals an der Kirche St. Elisabeth


  • 3. Rang

    © ksg

    Architekten, Stadtplaner
    kister scheithauer gross architekten und stadtplaner GmbH, Köln (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Susanne Gross

    Mitarbeit
    Jan-Hendrik Lüttjohann, Ruth Hofmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: stern landschaften, Köln (DE), Seeheim-Jugenheim (DE)
    Visualisierer: rendertaxi architecture.visualisation, Aachen (DE), Barcelona (ES)

    Erläuterungstext
    Konzept

    Zwei neue bauliche Elemente schließen den Baublock: ein westlicher, winkelförmiger Wohnungsbauriegel und der östliche Eckbaustein, der alle kirchlichen Nutzungen in einen Gesamtbaukörper integriert. Zwischen den beiden Elementen ergibt sich auf Höhe des Kirchenportals eine Gasse, die in den von Bebauung freien Blockinnenraum führt.
    Während die Wohnungsbauten das vorhandene städtebauliche Muster des Baublockes variieren, entwickelt der Eckbaustein über seine Dachkontur und seine einladende Fassade eine Prägnanz, die dem Kirchplatz ein neues Gesicht verleiht.
    Die Kinder- und Jugendarbeit sowie die Kirchengemeinde stellen sich als Gesamtorganismus dar, der von seinen Synergien lebt und diese als Angebot nach außen trägt.

    Städtebau

    Die Grenzteilung nimmt die Linienführung der Teilgrundstücke exakt auf. Daraus ergeben sich zwei getrennte Baukörper, die Wohnbebauung und das Gemeindehaus mit allen kirchlichen Nutzungen. Das viergeschossige Gemeindehaus springt, der Baulinie folgend, leicht nach Norden vor und definiert die Platzfläche. Zwischen den beiden Baukörpern formt sich eine schmale Gasse. Sie ermöglicht – durch das Kirchenschiff vom Verkehrslärm geschützt – in einer Raumfolge den Zugang vom Kirchenplatz zum halböffentlichen Gartenraum der Kindertagesstätte im Blockinnenbereich. Alle Neubauten sind mit einem geneigten Dach versehen und verbinden sich so mit den bestehenden Altbauten zu einem Gesamtbaublock.

    Gemeindehaus

    Das Haus integriert alle kirchlichen Nutzungen. Es ist mit zwei kopfseitigen Treppenhäusern in einer asymmetrischen, zweihüftigen Anlage einfach organisiert. Im Erdgeschoss liegen nach Osten das Pfarrbüro und nach Westen der Zugang zur Kindertagesstätte. Über die beiden außenliegenden Treppenhäuser erstrecken sich dann, einander begleitend, alle kirchlichen Bereiche über drei Obergeschosse.
    Im obersten Geschoss befindet sich der Saal, der unter einem zeltartigen Dach die visuelle Nähe zur Kirche herstellt, siehe Skizze. Durch diese ‚Dramaturgie‘ bilden sich im ganzen Haus bis zum obersten Geschoss wesentliche Räume ab. Es entsteht ein lebendiges Fassadenspiel. Sowohl das geneigte Dach als auch alle Fassaden des Gemeindehauses sind mit roten Biberschwanz-Ziegeln bekleidet. Durch diese materielle Homogenität und die lebendige Dachkontur erwirbt das Gebäude den Rang eines offenen und öffentlichen Gebäudes, ohne der Kirche Konkurrenz zu machen.

    Kindertagesstätte im Gemeindehaus

    Die Kindertagesstätte wird ebenfalls vom Kirchenplatz aus erschlossen. Sie erstreckt sich im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss fast über die gesamte südliche Fassadenfront. Während die Verwaltungsräume – dem architektonischen Gesamtprinzip folgend – in geringerer Tiefe nach Norden, zum Kirchenplatz, gerichtet sind, sind die Spielflächen nach Süden, zum Blockinnenraum orientiert. Dieses Prinzip setzt sich im 1. Obergeschoss der Kita fort. Im 2. Obergeschoss befinden sich, dem gleichen Prinzip aus den Obergeschossen, wieder nach Norden Verwaltungsräume der Kita und nach Süden, angeschlossen an eine großräumige Loggia, der gemeinsame Essplatz. Vom 1. Obergeschoss aus führt, neben dem Treppenhaus und dem Aufzug, eine Rutsche in den Spielbereich der Kinder im Blockinnenraum. Auf dieser Ebene schließen sich, vom Kindergarten getrennt, die Jugendräume des Gemeindehauses an. Auch deren Anordnung folgt dem übergreifenden Organisationsprinzip des Gebäudes: während die Verwaltungsräume des Gemeindehauses nach Norden orientiert sind, partizipieren die Jugendräume mit einer großzügigen Loggia an der Südorientierung des Gebäudes. Durch die Organisation aller Räume zwischen den beiden kopfseitigen Treppenhäusern ergibt sich eine insgesamt flexible Raumzuordnung zwischen allen Organisationseinheiten des Gebäudes. Lediglich der große Saal im obersten Geschoss beansprucht mit den zugeordneten Küchen die gesamte Geschossfläche.

    Wohnungsbau

    Die Länge des Wohngebäudes reizt den vorgegebenen Spielraum des Verlaufs der Grundstücksgrenze nach Osten maximal aus. Es ergibt sich dadurch eine klare Realteilung. Die Giebeldächer stärken die Zugehörigkeit zu den Nachbarbauten. Dabei werden die Traufkantenhöhe und die Dachneigung aus der Blücherstraße übernommen. Die Firsthöhe entspricht dem gegenüberliegenden Wohngebäude.
    Mit drei Treppenhäusern ist die Anzahl der Erschließungselemente auf ein Minimum reduziert. Die geförderten Mietwohnungen sind an einem Erschließungselement zusammengefasst und von den Eigentumswohnungen separiert.
    Verschiedene Grundrisskonfigurationen sind durch die Möglichkeit der Spiegelung der Räume möglich. Dabei sind die obersten Wohnungen Maisonettewohnungen. Die Minimierung von Wohnungsfluren ermöglicht großzügige Wohnungszuschnitte.
    Bis auf die 1-Zimmerwohnungen befinden sich in allen Wohnungen außenliegende Bäder und abtrennbare Küchen. Bis auf die 1- und 2-Zimmer-Wohnungen verfügen alle Wohneinheiten über separate WCs und Abstellräume. Die Schranklänge in den Elternschlafzimmern beträgt mindestens die geforderte Länge von 3,05 Metern. Alle Kinderzimmer liegen über der geforderten Mindestfläche von 12 qm.
    Bis auf die Maisonettewohnungen in der obersten Ebene sind alle Räume barrierefrei.
    Die Lasten werden über die Außenwände, die Mittelachse und die Wohnungstrennwände abgetragen.

    Landschaftsarchitektur

    Während die Platzgestaltung Elemente aus der Geschichte der Heiligen Elisabeth und dem Rosenwunder im Brotkorb erzählt, handelt es sich im Blockinneren um eine geschützte Lage mit dem Thema ‚Vogelnest‘. Der Platz präsentiert sich als ein offener Ort. Eine Intarsie aus wassergebundener Wegedecke, in einem sonst mit Kleinpflaster im Passe-Format befestigten Platz, schafft eine weiche Mitte. Hier befindet sich eine Wasserschale. Eine lange Bank mit hoher Rückenlehne mildert den Verkehrslärm aus Richtung Söflinger Straße und bietet einen schönen Ort in der Sonne mit Südblick auf das Gemeindehaus und die Kirche. Ein abwechslungsreiches Vegetationsband aus Hecken, Rosen und Getreidepflanzen in Kombination mit Eschen belebt den Rand und schafft den nötigen Raumabschluss nach Norden. Die KiTa-Freiflächen im Blockinneren sind in drei Zonen gegliedert: eine befestigte Terrasse am Gebäude, ein rundes Sandbecken und die südliche Vegetationsfläche. Diese sind gestaltet mit Elementen aus der Vogelwelt: dem geschützten Nest, Eiern und Vogelrutsche. Die Erdgeschosswohnungen verfügen über private Gärten. Eine Blumenwiese mit Sitz- und Spielmöglichkeiten ergänzt das Angebot. Nach Norden und Westen gewährt ein Heckenband den sozialräumlichen Abstand zwischen Gasse und Wohnung.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.