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  • DE-86150 Augsburg, DE-86161 Augsburg
  • 10/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-244322)

Neubau Umweltbildungszentrum Augsburg


  • 2. Preis Zuschlag

    © Hess / Talhof / Kusmierz / Architekten und Stadtplaner BDA

    Architekten
    Hess / Talhof / Kusmierz Architekten und Stadtplaner, München (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Thomas Hess , Fedor Kusmierz , Johannes Talhof

    Mitarbeit
    Felix Lowin, Lauriane Marty, Mascha Zach, Ana Fischer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Burger Landschaftsarchitekten Susanne Burger und Peter Kühn Partnerschaft, München (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    Das Umweltbildungszentrum wird an einer Schnittstelle zwischen Stadt und Natur errichtet. Diese Situation ist gestaltbildend für das vorgeschlagene Gebäude - aus dem städtischen Kontext des angrenzenden Betriebshofs wird die klare, orthogonale Gebäudefigur abgeleitet, aus der Natur des Botanischen Gartens stammen die organischen, weichen Formen für den Innenraum des UBZ. Das markante Gebäude verleiht dem Ort eine eigene Identität und eine unverwechselbare Atmosphäre im Sinne eines „Umweltbildungshauses“. Es sensibilisiert die Besucher auf die Angebote und Inhalte des UBZ. Dabei stehen die Exponate und Ausstellungsthemen im Vordergrund. Das UBZ steht für Nachhaltigkeit und vermittelt diese als gebautes Anschauungsobjekt. Die Prinzipien der Nachhaltigkeit werden in der Gestaltung und der Konstruktion des Gebäudes sichtbar und erlebbar gemacht.

    Das organisch geformte Foyer mit seinem lichten Zentrum und den fließenden Übergängen zwischen Innen und Außen ist Treffpunkt und Kommunikationsort zugleich. Die aus Stampflehm geformten Wände können mit Informationstafeln, Vitrinen, Flachbildschirmen und Touchscreens für eine Dauerausstellung zum Gebäude und den Themen der Umweltstation bespielt werden. Der freie Raumzuschnitt des Foyers ermöglicht zudem verschiedene Ausstellungsformen für Wechselausstellungen.
    Die zur „Umweltbildungs-Meile“ und dem Freiraum-Parcours des UBZ orientierten Seminarräume erhalten eine flexible und robuste Infrastruktur. Sie sind multifunktional nutzbar z.B. für Workshops, Vorträge und Gruppenarbeit. Durch ihren informellen Charakter können sie aber auch zum Treffpunkt unterschiedliche Alters- und Zielgruppen werden. Die Möblierung kann einfach umgebaut werden. Sie sind ausgestattet mit Beamer, Leinwand und Tagungstechnik und können für Präsentationen abgedunkelt werden. Im vorgeschlagenen Schranksystem können Mikroskope, Binokulare und weitere Unterrichtsmaterialien verstaut werden.

    Die Verwendung natürlicher und nachhaltiger Oberflächen ist zentraler Gedanke des Materialkonzepts – weich geformte Wände aus Stampflehm tragen eine stringente, orthogonale Struktur aus Holz, die mit Glas umhüllt und mit Holz ausgebaut wird.
    Die robuste Tragstruktur aus sichtbarem Holz im Inneren wird durch ein vor die Fassade gestelltes Holz-Stabwerk mit unterschiedlichen Abständen nach Außen geführt. Verglasungen als Holz-Elementfassaden umhüllen bandartig das Gebäude. Die Fassadengliederung wird durch die feine vertikale Struktur der Holz-Lamellen überlagert. Diese dienen zur Führung des außenliegenden Sonnenschutzes mit seinen textilen Screen-Behängen und regulieren die Ein- und Ausblicke in die Arbeitsbereiche. Vorhänge in kräftigen Farbtönen fungieren als innenliegender Blendschutz und sorgen zugleich für ein buntes, lebendiges Erscheinungsbild des UBZ von Außen.
    Auch im Innenraum entsteht durch den Einsatz von akustisch wirksamen Holz-Verkleidungen aus Weißtanne an den Raumtrennwänden eine warme und freundliche Atmosphäre. Besonders markant sind die geschwungen geformten Foyerwände aus Stampflehm.

    Durch den reduzierten Materialkanon wird den Nutzern die Möglichkeit gegeben, sich das Umweltbildungszentrum anzueignen und zu gestalten. Gleichzeitig sorgt die Verwendung natürlicher Materialen für eine subtile Sensibilisierung auf die Inhalte des UBZ und stellt die Exponate und Ausstellungsthemen in den Vordergrund.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Hauptzugang zum Gebäude erfolgt von Osten, so dass der Kontext mit zukünftigen baulichen Erweiterungen im Osten gut zu organisieren ist. Die „fließende“ Konzeption des zentralen Foyers setzt sich in den landschaftlich formulierten Wegen im Außenraum fort.


    Die Arbeit überzeugt durch ein klares und plastisches Entwurfskonzept: Während sich der Baukörper nach Außen als schlichte rechteckige Form artikuliert, ist das Foyer im Innenraum durch den organischen Verlauf geschwungener Stampflehmwände geprägt, die an einen ausgewaschenen Hohlkörper im Flussbett erinnern. Das Gebäude erhält dadurch nach Außen eine starke Prägnanz und eine unverwechselbare Identität im Inneren. Der zentrale, über ein Oberlicht belichtete Foyerraum ist flexibel nutzbar und erschließt alle Funktionsbereiche. Das Foyer ist jedoch deutlich größer als gefordert.


    Die vorgeschlagene Materialisierung der Innenoberflächen aus Holz und Stampflehm lässt sehr positive Effekte auf das Raumklima erwarten. Der eher hohe Fensterflächenanteil sorgt für eine sehr gute Tageslichtversorgung.


    Gemäß der Kennwerte bewegt sich die zu erwartende Wirtschaftlichkeit der vergleichsweise aufwendigen Konstruktion im Durchschnitt des Teilnehmerfelds. Die Arbeit liegt in Bezug auf die Energie- und Nachhaltigkeitskennwerte zumeist im Wettbewerbsmittel. Infolge der Kompaktheit, des Energiebedarfs, der grauen Energie und der PV-Stromproduktion erscheint die Klimaneutralität möglich.