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  • DE-70173 Stuttgart, DE-70191 Stuttgart
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-243163)

Areale Bürgerhospital / AWS und Umgebung Stuttgart-Nord 2016


  • 2. Preis


    Landschaftsarchitekten, Stadtplaner
    Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten und Stadtplaner BDLA, Bockhorn bei Erding (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rita Lex-Kerfers

    Mitarbeit
    Heike Kluge, Jonas Wagner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: hirner & riehl architekten und stadtplaner partg mbb, München (DE)

    Erläuterungstext
    Das ehemalige Krankenhausgebäude und der neue Quartiersplatz sind wichtige Identifikationspunkte, quasi das „Herz“ des Gesamtquartiers. Mit den anschließenden Straßen- und Gassenräumen und angelagerten Plätzen bilden sie ein Geflecht öffentlicher Räume, an das alle Bewohner auf kurzem Wege angebunden sind.

    Durch die Erschließung der Tiefgaragen von den umgebenden Straßen aus ist das neue Quartier im Inneren quasi verkehrsfrei. Die Wohnstraßen und Gassen werden bespielbare Erschließungsräume = Orte der Begegnung, die Höfe zu Rückzugsräumen und Orten nachbarschaftlicher Aktivitäten.

    Die vorhandenen Freiflächen werden aufgewertet und bieten ein vielfältiges Angebot an öffentlich und gemeinschaftlich nutzbaren Freiräumen für die Bewohner des Quartiers. Der ehemalige Patientengarten wird in seinem Charakter erhalten und mit Spiel- und Sitzmöglichkeiten ergänzt. Die Zugänge werden neu formuliert. Die Wassertreppe und ein „Rahmen“ aus Stauden und Gräsern setzen neue Akzente. Die „Grüne Fuge“ erhält durch eine behutsame Auslichtung des Gehölzbestandes einen offeneren Charakter, in den ein Kinderspielplatz integriert ist. Das Hospital erhält eine größere Terrasse und einen eigenen mit Pflanzbändern abgegrenzten Patientengarten.

    Im Zuge der Neubebauung wird die Nutzung von Dachflächen für Bewohnergärten und Gemeinschaftsdachterrassen zur Ergänzung des Flächenangebotes vorgeschlagen. Kindergärten werden mit Außenspielflächen z. T. auf Dachflächen positioniert, zugunsten öffentlicher Freiflächen und Durchwegungen im Erdgeschoss.

    In Verbindung mit Kindertagesstätte und Jugendzentrum befinden sich weitere Spiel- und Sportangebote sowie sogenannte „Wilde Flächen“ zur Aneignung durch die Bewohner. Ein Teil der ehemaligen Pferdeställe wird als „Quartierswerkstatt“ und „Gartenstützpunkt“ für gemeinschaftliche Nutzung erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Projekt besetzt mit vier Höfen und drei Zeilen das ganze Feld. Die Höfe, in den Proportionen ähnlich und mit leichten Staffelungen und Öffnungen in der Situation verzahnt, versprechen eine gute Wohnqualität um einen gemeinschaftlichen Wohnhof. Die Höfe bilden Sockel gegen Süden, in denen Gewerberäume und die Tiefgarageneinfahrten liegen. Die Zeilen mit Laubengangerschließung entlang der Gäubahn lösen die dortige Lärmproblematik, werden aber bezüglich ihrer Riegelwirkung und Wohnqualität kontrovers diskutiert. Die Zwischenräume zwischen Zeilen und Höfen sind Teil eines Wegsystems, das die Höfe auf dem oberen Niveau erschließt. Dieses Wegsystem weitet sich in der Längsachse zu öffentlicheren Plätze unterschiedlicher Qualität und Bespielbarkeit. An der Südostecke des Bettentrakts entsteht eine Gelenksituation, die das obere Niveau über den Patientengarten mit der Tunzhofer-Straße verbindet. Die nördliche Zeile, fast gleich lang wie der Bettentrakt, spannt einen großen Platz auf, indem das Kesselhaus liegt. Die Gestaltung der verschiedenen Freiräume ist sorgfältig und ihren unterschiedlichen Bedeutungen angemessen.

    Haus 1 wird gegen Südosten mit einem Akzent verlängert, der den Raum zur HeilbronnerStraße gut proportioniert und den Patientengarten auf angemessene Weise schützt.

    Bei der Bebauung auf dem Gelände der ASW schmälert der Erhalt, der zum Rudiment gestutzten Ställe die Qualität. Abgesehen davon, dass sie den Hof im Grundriss beengen, geben sie eine tiefliegende Erdgeschosskote vor, die weder dem Hof noch der angrenzenden, in der Böschung versinkenden Bebauung gut tut.

    Zum großen Platz liegt in der nördlichen Zeile der Bürgersaal, der sich im Volumen selbstbewusster auszeichnen dürfte. Dies gilt auch für die Pflegewohnungen und die auf dem Dach liegende Kita, die dem Gebäude eine spezielle, hybride Nutzung geben. Neben einer weiteren Kita auf dem Dach mit vorgelagerter Terrasse, sind drei Kitas in den Erdgeschossen vorgesehen. Der Außenraum der Kita im Bettentrakt schränkt die Qualität und Nutzbarkeit des Patientengartens ein.

    Die Erschließung der Tiefgaragen erfolgt konsequent von Außen. Von der Tunzhofer- und der Mönchhaldenstraße in die Sockelbauwerke und von der Wolframstraße in eine Tiefgarage unter dem großen Platz.

    Die Wohnungen werden schematisch nachgewiesen. Neben den Laubengang-Typen in den Zeilen, sind die Höfe zwei- und dreispännig organisiert, die Lösung der Ecken in der mäßig tiefen Bebauung ist möglich.