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  • DE-13055 Berlin
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-249074)

Typenhochhaus 2.0


  • 1. Preis

    1. Preis, © LIN, Lavaland & Treibhaus

    Architekten
    LIN Finn Geipel + Giulia Andi, Berlin (DE), Paris (FR) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), München (DE), Wien (AT), Paris (FR), Oslo (NO), Melbourne (AU), Rom (IT)
    Bauingenieure: Pirmin Jung Ingenieure, Rain (CH), Sinzig (DE)
    TGA-Fachplaner: WINTER Beratende Ingenieure für Gebäudetechnik, Düsseldorf (DE), Hamburg (DE), Berlin (DE)
    Brandschutzplaner: Brandkontrolle Andreas Flock, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: LAVALAND Laura Vahl, Berlin (DE)
    Landschaftsarchitekten: Treibhaus Landschaftsarchitektur Berlin/Hamburg, Berlin (DE), Hamburg (DE)
    Architekten, Projektsteuerer: Höhler+Partner, Architekten und Ingenieure, Aachen (DE), Hamburg (DE), München (DE), Muscat, Sultanate of Oman (OM)
    Energieplaner: Transsolar Energietechnik GmbH, Stuttgart (DE), München (DE), New York, NY (US), Paris (FR)
    Visualisierer: PONNIE Images / BARTSCHER Architekten, Aachen (DE)

    Erläuterungstext
    Das Typenhochhaus ist als modulares Baukastensystem konzipiert. Dies ermöglicht eine hohe Adaptionsfähigkeit für unterschiedliche städtebauliche Situationen und einen hohen Grad an Flexibilität für die Realisierung von Grundrissen unterschiedlicher Größe und Organisation. Geschossigkeit, Wohnungsgemenge, ergänzende Programme und die Fassadengestaltung können so je nach Lage an den Kontext angepasst werden. Der Wohnungsbestand in den Quartieren wird um flexible und barrierefreie Grundrisstypen erweitert. Die unterschiedlichen Wohnungstypen können in vielfältigen Geschossvarianten kombiniert und in den Geschossen gestapelt werden. Dies schafft die Vorraussetzung für heterogene Bewohnerstrukturen und eine soziale Mischung.
    Eine konzentrische Schichtung von unterschiedlichen Funktionen strukturiert das Gebäude. Der innenliegende Kern ermöglicht hocheffiziente, flexible Grundrisstypen mit einer 6- bis 10-Spännererschließung. Um den Kern ist eine funktionale Schicht mit Nassbereichen und Schachtanbindungen ausgebildet. Die Wohnräume orientieren sich überwiegend zur Ost- und Westfassade und werden durch großzügige Öffnungen optimal belichtet. Vorgelagerte, umlaufende Balkone schaffen großzügige private Außenflächen. Sie sind von der Geometrie der Wohnung entkoppelt und bieten damit eine hohe Flexibilität. Die regelmäßige Fassadenteilung, die Stützenfreiheit in den Grundrissen und die klare Schachtgeometrie um den Kern erlauben vielfältige Grundrisseinteilungen und die mittelfristige Veränderung oder Zusammenlegung der Wohnungen sowie die Umwandlung in Arbeitsräume oder Büros.
    Sämtliche Geschosse weisen eine Höhe von 3m auf. Die modulare Konstruktion ermöglicht die einfache Ausbildung von zweigeschossigen Bereichen in denen gemeinschaftliche Nutzungen wie beispielsweise eine Gästewohnung und Coworking Spaces verortet werden können. Neben dem Eingangsbereich und Fahrradabstellplätzen mit Ladestationen für E-Bikes kann die Sockelzone weitere Funktionen und Nutzungen aufnehmen, wie z.B. eine Kita, eine Fahrradwerkstatt oder ein Café.
    Ein differenziertes Farb- und Materialkonzept dient als Leitsystem innerhalb des Gebäudes und schafft Identifikationsmöglichkeiten für Mieter und Nachbarn und unterstreicht die Adressbildung. Der doppelgeschossige Eingangsbereich im Erdgeschoss bietet einen großzügigen Raum für das gemeinsame Ankommen und Treffen. Die gemeinschaftlich genutzten Bereiche, die sich bewusst nicht auf ein Geschoss beschränken, sondern einen Weg durch das Gebäude formulieren, werden durch das Farbkonzept klar als solche gekennzeichnet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ausgehend von der Aufgabenstellung entwerfen die Projektverfassenden ein Typenhochhaus, welches als modulares Baukastensystem konzipiert ist. Der Grundriss ist als Rechteck ausgelegt, wobei geschickter Weise die Schmalseiten genordet resp. nach Süden ausgerichtet sind. Mit dieser einfachen Anordnung gelingt es, die Anzahl reiner Nordwohnungen zu minimieren. Ein optimierter, das gesamte Haus aussteifender Kern besetzt die Mitte des Hauses und erlaubt, die Grundrisse entsprechend dem Wettbewerbsprogramm mit sechs bis zehn Grundrissen wirtschaftlich zu erschliessen. Um diesen Kern mit der Erschliessung sind zwiebelartig von innen nach aussen die Sanitärzellen mit den entsprechenden Schächten und dann die Wohn- und Schlafräume stimmig angeordnet. Eine umlaufende Balkonschicht kann von jedem dieser Räume betreten werden. Mit dieser zwischen Innen und Aussen vermittelnden Schicht erscheinen die Wohnungen grösser als diese in Wirklichkeit sein werden. Zusätzlich schützt die Balkonschicht die Fassade, sichert den Brandüberschlag und gewährt je nach Tageszeit etwas Schatten. Gleichzeitig prägen diese durchgehenden Balkonschichten den Ausdruck des Gebäudes und erlauben die beliebige Befensterung der eigentlichen Fassade je nach Bedürfnissen der dahinterliegenden Räume. Später werden die Möblierungen und unterschiedliche Benutzung der Bewohner das Aussehen des Hochhauses prägen. Jedes dieser Typenhochhäuser würde seinen eigenen spezifischen Ausdruck erhalten. Einzig das Erdgeschoss ist als eigenständiger Sockel ausgebildet. Dank seiner teilweise zweigeschossigen Ausbildung erhält das Haus durch diesen einfachen architektonischen und städtebaulichen Trick eine eindeutige Adresse. In dem der Fluchtweg der Treppe in das Untergeschoss verlegt wird und über einen Fluchttunnel ins freie geführt wird, erhält das Erdgeschoss zusätzliche Flexibilität, die z.B. für eine Kindertagesstäte genutzt werden kann. Interessant ist aber auch der Wille, das Gebäude von innen nach aussen, resp. über die Konstruktion zu generieren. Richtigerweise und der Aufgabenstellung entsprechend wird das gesamte Haus in einem modularen und möglichst vorgefertigten System durchgedacht und es besteht die Absicht dieses auch so kostengünstig zu erstellen. Das im Haustechnikkonzept beschriebene System erscheint grundsätzlich richtig, die Umsetzbarkeit (z.Bsp. im Hinblick auf die fehlenden Flächen für Solarkollektoren), wäre im weiteren Prozess nachzuweisen. Nasszellen und Küchen sind immer über einen richtig gelegten durchgehenden Schacht gelegen. Die Dimension der Schächte ist zu verifizieren.
    Der Entwurf überzeugt in seiner Gesamtheit. Statik, Konstruktion, Ausdruck, die optimierten Grundrissorganisation zeugen von einer intensiven und gekonnten Auseinandersetzung mit der Aufgabenstellung.


INFO-BOX

Angelegt am 07.04.2017, 11:53
Zuletzt aktualisiert 20.04.2017, 12:43
Beitrags-ID 4-138467
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