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  • DE-50935 Köln, DE-50968 Köln
  • 04/2016
  • Ergebnis
  • (ID 2-261730)

Erneuerung der Genossenschaftssiedlung Mannsfelderstraße 52-88


  • 1. Rang 1. Preis

    Nachbarschaftscafé am Platz, © Baufrösche / NH Studio

    Projekt
    Setzkasten

    Architekten
    Baufrösche - Architekten und Stadtplaner GmbH, Kassel (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel (DE)
    Visualisierer: NH Studio, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Konzepterläuterung
    Das neue Ensemble der Baugenossenschaft Grundstein bildet eine klare Kante an der Mannsfelderstraße. Die acht Häuser stehen in einer Flucht und verbinden die Hauskanten der Nachbarbauten.
    Den einzelnen Häusern sind Balkongalerien vorgestellt. Diese rhythmisieren die Straßenansicht und geben den Fassaden räumliche Tiefe mit einem schönen Licht- und Schattenspiel. Die Betonung der Hauszugänge, die Fugen zwischen den Balkongalerien, sowie die Farbigkeit der Fassaden betonen das einzelne Haus ohne die Gesamtidee zu schwächen. Dieses Konzept ergibt einen kompakten Baukörper (A/V Verhältnis), welcher die Grundvoraussetzung für eine kostengünstige Erstellung und die Minimierung des Energiebedarfs der neuen Wohnanlage ist.
    Alle Wohnungen sind barrierefrei über Aufzüge zu erreichen. Eine große Vielfalt an Grundrissen und Woh-nungstypologien bietet Raum für verschiedene Wohnvorstellungen und Lebensphasen. Die mit verschiebba-ren Sonnenschutzelementen ausgestatteten Balkongalerien auf der Südseite ergeben ein lebendiges Fassadenbild zur Mannsfelderstraße und steigern den Wohnwert zusätzlich. Die Wohnungen im Staffelgeschoss sind mit ihren Dachterrassen ein weiteres attraktives Angebot im Wohnungsmix.
    Die einheitliche Einfriedung zum Straßenraum mit Hecken und Pfeilern sichert das klassische Erscheinungs-bild einer städtischen Wohnanlage und der Vorgarten wird damit zu einem attraktiven grünen Freiraum für die Erdgeschosswohnungen.
    Der neu angelegte Quartiersplatz an der mächtigen Kastanie mit Bezug zum Vorgebirgspark ist Grund genug hier einen Nachbarschaftsladen erfolgreich im Quartier zu betreiben.
    Es entsteht so ein Ensemble, mit einem differenzierten und dem heutigen Standard entsprechendem Wohn-raumangebot, welches sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Rahmenbedingungen berücksichtigt und die städtebauliche Entwicklung im Stadtquartier unterstützt.

    Außenraumkonzept
    Der Entwurf der Außenanlagen gründet auf einer klaren Zonierung und Klassifizierung in öffentliche, halböf-fentliche und private Außenräume.
    Am Kopf der Bebauung wird ein neuer öffentlicher Platz mit angegliederten Stellplätzen angelegt, die be-stehende Rosskastanie setzt hierbei einen besonderen Akzent.
    Der Innenhof ist für die Anwohner als halböffentlicher Raum zugänglich. Unter kleinen Baumgruppen und Solitärbäumen (Erhalt und Ergänzung der Bestandgehölze) werden in dem grünen Hof geschützte Außen-räumen gebildet, die als Kleinkinderspielplatz, Fitnessspielplatz für Senioren, Grillplatz oder Ruhezone nutz-bar sind.
    Hier besteht die Möglichkeit, dass die Bewohner Gartenland zur Selbstversorgung bewirtschaften. Für not-wendiges Werkzeug können bei Bedarf in der Nähe gemeinschaftlich genutzte Schuppen errichtet werden. Schränke für Fahrräder, Kinderwägen und Rollatoren sind einseitig an den Wegen der internen Erschließung angegliedert.
    Alle Wege sind mit einer Oberfläche aus wasserdurchlässigen Einkornbeton geplant. Der alte, gepflegte Baumbestand wird mit Obstbäumen ergänzt. Mit diesen Maßnahmen soll zum einen ein nachbarschaftliches Miteinander entstehen, zum anderen soll die Identifizierung der Bewohner mit ihrem Wohnumfeld gestützt werden. Der Außenraum als Treffpunkt.
    Zusätzlich zu den gemeinschaftlich genutzten Flächen werden im Erdgeschoss private Gärten angelegt, die von Hecken umschlossen sind. Dieser private Außenraum ist durch eine ca. 130 cm hohe Rotbuchenhecke zu den Gemeinschaftsflächen im Hof abgetrennt.
    Eine mit Stelen rhythmisierte Sockelmauer und eine ganzjährig belaubten Buchenhecke rahmen die Vorgär-ten zum Straßenraum. Diese Gärten sind mit blühenden Obstbäumen beplant, die das Straßenbild mitbe-stimmen werden. Somit wird die Gestaltung der Vorgartenbereiche des Bestandes als Grundlage aufge-nommen und neu interpretiert.
    Insgesamt hält sich die Außenraumgestaltung zurück. Eine kostensparende Realisierung und ein geringer Pflegeaufwand stehen hierbei im Vordergrund. Der Anteil der versiegelten Fläche wird minimiert und die Bestandshöhen werden beibehalten. Zusätzlich wird ein Fokus auf robuste und langlebige Materialien und Ausstattungselemente gelegt, um auch hier den Pflege- und Wartungsaufwand zu mindern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Konzeption der Arbeit resultiert in einer dezidierten Ausformulierung der Straßen- und Hofseite. Straßenseitig wird der Baukörper durchgehend durch vorgestellte Loggien gegliedert. Hofseitig liegt an jedem Treppenhaus ein Hinterhaus mit zugeordneten „halbprivaten“ Gartenbereichen und einer vergleichsweisen schmalen, mehrfach genutzten Gartenzone.

    Insbesondere die durchgehende Loggia mit Schiebeläden für den Sichtschutz und den sommerlichen Wärmeschutz gibt dem Straßenbild einen überraschenden und einprägsamen Charakter. Im Gegensatz zu dieser gelungenen Gliederung des Baukörpers lassen die Fassaden und die Materialisierung noch einen Entwicklungsspielraum offen. Die für das Dachgeschoss vorgesehene Holzverschalung wird kritisch gesehen.

    Atmosphärisch kann insbesondere der Hofbereich noch nicht überzeugen. Noch versprühen die Hofflügel in ihrer Putzausbildung unzeitgemäßes Hinterhaus-Flair. Die Belichtungssituation der Erdgeschosswohnung im Hinterhaus wird kritisch hinterfragt. Auch die Überlegungen zum Übergang zwischen privaten Terrassen und gemeinschaftlichen Hofbereichen können noch nicht überzeugen.

    Der genossenschaftliche Charakter der Wohnanlage ist stimmig übersetzt und ablesbar. Das Angebot von Gartenparzellen entlang der Grundstücksgrenze nach Norden und auch der Vorschlag eines Gemeinschaftstreffs an der Rosskastanie mit einem kleinen Platz, der für die Straße einen Zugewinn darstellt, werden positiv gewürdigt. Die Platzgestaltung an der Rosskastanie vermag jedoch die Erwartung an einen entsprechenden „Gemeinschaftsort“ noch nicht voll einzulösen.

    Die Arbeit setzt den angestrebten Wohnungsmix insgesamt gut um. Die Grundrisse versprechen differenzierte Wohn-qualitäten. Die Kammerung der Grundrisse erlaubt eine hohe Anpassungsfähigkeit und Rückzugsmöglichkeiten im Lebensalltag. Die Anordnung vieler Bäder und der Küchen an der Außenfassade ist im Hinblick auf die Belichtung, Belüftung und die Vermietung der Wohnungen ein Pluspunkt.

    Die Wohnungsgrößen vieler Ein- und Zweizimmer- Seniorenwohnungen liegen an der Obergrenze der Vorgaben und sind im Hinblick auf die Förderfähigkeit zu überprüfen.

    Die aus der Geschosshöhe von 3m abzuleitende Raumhöhe von 2,65 wird vom Bauherrn aus wirtschaftlichen Gründen kritisch gesehen. Sie bietet jedoch aus Sicht der Jury einen dauerhaften Zugewinn an Wohnqualität, der nach Möglichkeit umgesetzt werden sollte.

    Die Arbeit zeichnet sich insgesamt durch ein günstiges Verhältnis von Wohnfläche zur Bruttogeschossfläche aus. Gleichzeitig sind die Kostenrisiken durchschnittlich. Die Arbeit erscheint zudem vergleichsweise anpassungsfähig, auf Kostenrisiken zu reagieren.

    Der Umfang der Loggien- und Balkonflächen ist vergleichsweise hoch. Die überschaubare Gebäudetiefe lässt trotz der Loggien auch für die unteren Geschosse eine angemessene Belichtung erwarten. Die Entkoppelung des Balkonbauwerks zur Straße hin lässt zudem eine wirtschaftliche Realisierbarkeit bei gleichzeitigem Zugewinn für die Wohnqualität erwarten, zumal straßenseitig vor allem die Familienwohnungen liegen.

    Die vorgeschlagene Realisierung in Abschnitten lässt eine wirtschaftliche Umsetzung zu. Die Anordnung der Technikbereiche im Untergeschoss überzeugt. Das Energie- und Gebäudekonzept lässt eine Umsetzbarkeit der energetischen Vorgaben und geringe Energiekosten erwarten, erscheint jedoch noch überdimensioniert und wird aufgrund der zu erwartenden Baukosten vom Bauherrn kritisch gesehen.

    Insgesamt bietet die Arbeit, trotz oben beschriebenen architektonischen, atmosphärischen und wirtschaftlichen Kritikpunkte, einen stimmigen und bedarfsgerechten Lösungsansatz, der eine sehr hohe Wohnqualität erwarten lässt