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  • DE-76275 Ettlingen
  • 03/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-246620)

Altes Feuerwehrareal


  • 3. Preis


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    Architekten
    PLAN-Z ARCHITEKTEN, München (DE)

    Verfasser
    Ulrich Häfner , Andreas Höck

    Mitarbeit
    Sophie Müller, Serena Dallachiesa

    In Zusammenarbeit mit:
    Projektentwickler: Dreßler Bau GmbH, Aschaffenburg (DE), Rastatt (DE)
    Landschaftsarchitekten: michael eberl landschaftsarchitektur, München (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept / Städtebau
    Die Pforzheimer Straße trennt die historisch gewachsene Altstadt von den späteren Stadterweiterungen mit ihrem heterogenen Mix aus Wohngebäuden und vereinzelten öffentlichen und halböffentlichen Nutzungen. Das Wettbewerbsgebiet ist an dieser Schnittstelle gelegen und bildet zudem eine Ecksituation zum parkähnlichen Grundstück mit der dominanten Herz-Jesu Kirche.
    Im Vergleich zur Altstadt werden an dieser Stelle räumliche und gestalterische Defizite erkennbar: - die Raumkante zum Straßenraum der Pforzheimer Straße fehlt oder ist schwach ausgeprägt - die Gestaltung der Freiflächen öffentlich-privat ist unausgewogen - die Verkehrserschließung und die Flächen für den ruhenden Verkehr erscheinen ungeordnet
    Der vorliegende Entwurf soll die Identität des Ortes stärken ohne in Konkurrenz mit der historischen Altstadt treten zu wollen.
    - Die Raumkante entlang der Pforzheimer Straße wird klar formuliert. Zur Herz Jesu Kirche hin steigt die Trauflinie der Satteldächer stetig an. Als Fehlstelle bleibt die Unterbrechung der geschlossenen Strassenfront am Gasthof Sonne. Wir regen an, die Überplanung dieses Grundstückes einzubinden, auch bautechnisch wäre eine synchrone Entwicklung gerade hinsichtlich der Tiefgarage sinnhaft. Die gewerblich genutzten Einheiten befinden sich im Sockelgeschoss und dem 1. Obergeschoss und orientieren sich zur Pforzheimer Strasse.
    - Zur Ludwig-Albert Strasse bleibt die Durchlässigkeit der baulichen Kante erhalten. Die Giebelwand des Satteldaches am Eckgebäude ist freigestellt, die nördlich gelegenen Gebäude setzen sich durch die Flachdächer bewußt davon ab. In den beiden Zäsuren in Richtung Nordwesten sind die Tiefgaragenabfahrt und ein Durchgang zum Hof angeordnet. Die Höhe der Trauflinie entlang der Ludwig-Albert Strasse fällt ausgehend von der Pforzheimer Strasse hin zur nördlich gelegenen Einfamilienhausbebauung. Das Eckgebäude am Fußweg zum Gemeindezentrum ist dreigeschossig mit einem zurückgesetzten Terrassengeschoss. Die über Kreuz angeordneten Dachterrassen bieten ein hohes Mass an Privatheit. Die etwas höhere Dichte der Bebauung entlang der Strasse bildet ein ausgewogenes Gegenüber zur Herz Jesu Kirche.
    - Die hofseitige Bebauung sieht zwei größere Baukörper mit jeweils zwei Vollgeschossen und einem Terrassengeschoss vor. Ergänzt wird das Ensemble durch ein zweigeschossiges Gebäude mit einem erdgeschossigen Gemeinschaftsbereich. Die Räumlichkeiten stehen primär der Baugemeinschaft zur Verfügung, können aber auch als quartierweites Angebot genutzt werden. Dem Gemeinschaftsraum vorgelagert ist der zentrale Spielbereich im Innenhof.
    - Im Innenhof werden die Übergänge der öffentlichen Hofflächen hin zu den privaten Freibereichen klar formuliert. Dem Bedürfnis nach Privatheit in den Gärten der Erdgeschosswohnungen wird durch vorgelagerte Filterzonen mit pflanzlichen Barrieren und Steinsetzungen auch ohne störende Einfriedungen Rechnung getragen.
    - Anknüpfend an die im städtebaulichen Gutachten vorgedachte Änderung des Grenzverlaufes an der einspringenden nordöstlichen Grundstücksecke schlagen wir die Ausstülpung des Grenzlinie zum Kolping Garten vor. Alternativ wäre zur Wahrung des zentralen Hofbereiches unter Beibehaltung der Position von Haus 6 eine Abstandsflächenübernahme zu verhandeln. Dies erscheint angemessen, da der Grenzverlauf baurechtlich betrachtet für beide Flurnummern nachteilig erscheint.
    - Die Fassaden werden als zurückhaltende Lochfassaden ausformuliert und wirken durch einheitliche Gestaltungsmerkmale (abgesetzte Putzfaschen, Formate) als verbindendes Element des neuen Quartiers.

    Ideenteil
    Der Ideenteil sieht zwei weitere Baukörper im Innenhof ( 2 Vollgeschosse + Terrassengeschoss ) vor, die in Fortsetzung des ersten Bauabschnittes eine Abfolge differenzierter Hofbereiche ergeben. Die Erweiterung der Tiefgarage ist an zwei Anknüpfungspunkten möglich. Einerseits in der nördlichen Fahrgasse hin zum Kolpinggrundstück, zum anderen in der südlichen Fahrgasse hin zum Grundstück Gasthof Sonne. Dadurch kann in der zweiten Ausbaustufe ein Ringschluß, mit einer zweiten Zu- / Abfahrt zur Adolf-Kolping Strasse realisiert werden. Wie eingangs beschrieben, sehen wir die Einbindung des Flurstückes Gasthof Sonne als einen Bestandteil des Ideenteils.v

    Wohngebäude
    Die Baukörper werden als Zwei - und Dreispänner organisiert. Jede Wohnung hat einen Freibereich, in den Erdgeschossen über die Gartenanteile, in den Obergeschossen in Form von Loggien Balkonen und Dachterrassen. Alle Baukörper haben auf der Ebene der Tiefgarage Kellergeschosse mit Abstellräumen und Gemeinschaftseinrichtungen wie Wasch- und Trockenräumen. Der Bedarf an Fahrradstellplätzen für die Wohnungen wird durch die den Einzelgebäuden zugeordneten Fahrradräume voll abgedeckt. Ergänzend befinden sich Fahrradstellplätze im Hofbereich und an den Gewerbeeinheiten zur Pforzheimer Strasse. Die Wohnungszuschnitte stellen mit dem Mix aus 2 – 6 Zimmerwohnungen ein ausreichend flexibles Angebot mit dem Schwerpunkt „Familienwohnen“. Die kleineren Wohneinheiten in den Dreispännern können je nach Nachfragesituation aufgelöst und den randständigen Wohneinheiten zugeschlagen werden. Alle Wohnungen, mit Ausnahme der Einheit im 1. Obergeschoss von Haus 5 sind barrierefrei.
    In den Wohnungen wurde auf durchgesteckte Wohn- Esszimmer mit offenen Kochbereichen wert gelegt, die im Tageslauf einen spannungsvollen Aussenbezug ergeben. Die Raumhöhen variieren zwischen 2,6 und 3,0 m, im Dachgeschoss von Haus 1 unter dem Satteldach auch höher. Die großzügigen Raumhöhen, speziell im Haus 1 reagieren auf die östlich gelegene Bestandsbebauung und das Längsgefälle entlang der Pforzheimer Strasse. Der Zugang zu Haus 1 erfolgt auf Strassenniveau der Pforzheimer Strasse. Die Erdgeschosse der hofseitigen Gebäude liegen erhöht und haben zur Ludwig-Albert Strasse einen nach Norden abnehmenden Sockel. Die Höhendifferenz beträgt zwischen 1,20 m im Bereich der Tiefgaragenzufahrt und verschleift sich zu einem ebenerdigen Übergang im Bereich des Gehwegs zum Gemeindezentrum im Norden.
    Die straßenbegleitenden Häuser werden über Drehleitern angeleitert, in den Obergeschossen im Hofbereich ist die Personenrettung über Handleitern möglich. Die Stellplätze können weitestgehend in der Tiefgarage nachgewiesen werden. Der Stellplatzschlüssel erscheint etwas hoch angesetzt, die vorliegende Planung ergibt bei annähernder Vollunterbauung 55 Kfz-Stellplätze. Besucherstellplätze bzw. Stellplätze für die Gewerbeeinheiten werden entlang der Pforzheimer Strasse vorgehalten. Eine Erhöhung der Stellplatzzahl in der Tiefgarage wäre bspw. über Duplexparker möglich, die wir aber nicht für sinnhaft praktikabel halten. Stattdessen regen wir an, den Stellplatzschlüssel über ein in der Baugemeinschaft zu entwickelndes Mobilitätskonzept ( Car-Sharing / E-Bikes als Gemeinschaftsangebot) zu reduzieren.

    Baugemeinschaft
    Sowohl der Investor als auch die Planer vefügen über Erfahrung bei der Realisierung von Baugemeinschaftsprojekten. Je nach Nachfrage können einzelne Gebäude als Baugemeinschaftsmodell umgesetzt werden. Sollten auf absehbare Zeit nicht genug Baugemeinschaftsmitglieder gefunden werden , ist auch eine Zwischenfinanzierung einzelner Wohnungen durch den Investor möglich.

    Energie / Nachhaltigkeit
    Die Option die Wärmeversorgung über den Fernwärmeanschluß sicherzustellen wird aufgegriffen. Kombiniert mit einem überdurchschnittlichen Dämmstandard und der Reduzierung von Lüftungswärmeverlusten durch Wärmerückgewinnung wird ein hohes Maß an Energieeffizienz erreicht. Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen sowie die Verwendung von recycelten Baustoffen werden bei gleicher Eignung bevorzugt.

    Freiflächenkonzept

    Pforzheimer Strasse
    - die breite, platzartige Vorfläche wird zur Gebäude-Erschließung der erdgeschossigen Gewerbeeinheiten genutzt
    - gleichzeitig Aufenthaltsbereich, Freischank-Flächen ( Blickrichtung Altstadt ) Fußgänger- und Radfahrbereiche
    - zur Straße hin Sitzblöcke bzw. Mauerstücke, breite, teils tiefer liegende Vegetationsflächen mit Stauden- und Gräser-Flächen unterstützen die Trennung zwischen den Verkehrsbereichen
    - straßenbegleitend Längsparker
    - Zufahrtsmöglichkeiten zu den Nachbargebäuden ( Gasthof Sonne, Kolpinghaus und Musikschule ) bleiben bestehen
    - Einschränkung der Zufahrtsmöglichkeit auf die unmittelbaren Anlieger
    - Baumart: analog zur bereits umgebauten Süd-Seite ( Ahorn/Linde ), bzw. Bestandbäume vor Hotel Sonne
    - Belag: Pflasterplatten, befahrbar (Naturstein, Beton), alternativ Farb-Asphalt

    Ludwig Albert Strasse
    - Straße ansteigend von Süd nach Nord; einseitig Parkbereiche für KFZ
    - höhengleiche Übergänge zu den Gehsteigen
    - Belag: Pflasterplatten, befahrbar (Naturstein z.B. Porphyr, Beton, Fahrbahn evtl. Asphalt) - Baumart: Schmale Trauben-Kirsche in Pflanzgruben mit Baumrost und Anfahrschutz

    Wohnhof
    - locker mit Bäumen überstellt, bietet der Hofraum den Bewohnern Platz und Gelegenheit für Begegnungen, Aufenthalt und Kinderspiel
    - Baumart z.B.: Essbare Eberesche
    - Kinderspiel findet in inselartigen Aktionszonen, z.B. Schaukeln, Klettern, Rutschen, Laufen und Sandspiel statt
    - den EG-Wohnungen ist jeweils eine private Freifläche zugeordnet
    - die Wohnungsgärten sind offengestaltet und ohne Einfriedung ausgebildet
    - eine halbhohe Strauch- und Stauden-Pflanzung schafft für die privaten Gartenbereiche den nötigen Abstand zu den Erschließungswegen
    - an allen Hauszugängen ist Platz für Besucher-Fahrräder vorgesehen
    - eine große gemeinschaftlich nutzbare Terrasse, die dem Gemeinschaftraum der Baugemeinschaft zugeordnet ist, steht allen Bewohnern zur Verfügung
    - die Wegeverbindung zum Pfarrzentrum wird aufgewertet, der Weg geweitet und eine Rampentreppe erleichtert die Begehbarkeit

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser nehmen mit ihrem Entwurf überzeugend die vorgefundenen, unterschiedlichen städtebaulichen Körnungen der Umgebung auf. Die klare Aufnahme der städtebaulichen Raumkante zum Straßenraum der Pforzheimer Straße wird durch die Besetzung der Ecke mit einem einfachen traufständigen Satteldachhaus entsprochen. Ein Motiv, das sich am anderen Ende der Gebäudezeile an der Bismarckstraße wiederfindet. Unter Fortführung der Traufhöhe des Hotels Sonne erscheint die Giebelhöhe gegenüber der Herz-Jesu-Kirche als angemessen.

    Entlang der Ludwig-Albert-Straße sieht der Entwurf ebenfalls eine klare Raumkante vor, die durch zwei Einzelgebäude die Maßstäblichkeit am Übergang zur offenen Bauweise sehr gut vermittelt. Die in diesem Bereich teilweise vorhandene Viergeschossigkeit durch das aufgesetzte Staffelgeschoss wird kontrovers diskutiert. Im Inneren des Grundstücks reduzieren sich die Gebäudehöhen der weiteren Einzelgebäude des Ideeteils auf II+D. Insgesamt gelingt den Verfassern ein stimmiges Ensemble der Gesamtanlage, die wohltuend keine Unterscheidung zwischen den Gebäude des Investors und den Baugruppen vorsieht.

    Die architektonische Sprache der Verfasser verspricht eine sehr unaufgeregte Haltung, die das einfache städtebauliche Konzept in seiner Grundaussage unterstützt. Mit 20 Wohnungen im Realisierungsteil liegt die Arbeit am unteren Ende der Arbeiten. Dies ist einem sehr hohen Anteil an sehr großen Wohneinheiten von ca. 110 bis 165 qm geschuldet.

    Alle Neubauten partizipieren in hohem Maße von einem großzügigen, differenzierten und vielfältig nutzbarem Gemeinschaftshof. Die freiräumlichen guten Qualitäten binden die unterschiedlichen Wohnformen sehr gut zusammen. Es ist darauf zu achten, die vielen neuen Baumstandorte mit einem entsprechenden Tiefgargendachaufbau zu sichern.

    Aufgrund des tatsächlichen Verlaufs der Grundstücksgrenze wird der Grenzabstand vom östlichen Baugruppengebäude nicht eingehalten. Dies könnte eine Verschiebung nach Süden zur Folge haben.

    Eine Realteilung ist in der Tiefgarage noch nicht ablesbar und müsste auch in Hinsicht einer abschnittsweise Realisierung eindeutig formuliert werden. Die vom Auslober geforderte Anzahl der Tiefgaragenstellplätze wird sehr deutlich unterschritten.

    Die Kompaktheit der Gebäudekörper ist aus energetischer Sicht günstig zu beurteilen. Die Hauptfassaden sind in alle Himmelsrichtungen, aber anteilig auch nach Süden orientiert. Durch die gewählten Abstände zwischen den Gebäuden ist eine passivsolare Nutzung der Sonne insgesamt gut gewährleistet. Die Flachdächer erlauben thermische und photovoltaische Solarnutzung. Der Fensterflächenanteil ist bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes günstig zu bewerten.

    Das Gesamtkonzept ist insgesamt gut umsetzbar. An der Ecke Pforzheimer / Ludwig-Albert-Straße wird der stadträumliche Außenbezug und ein deutlich städtischer, architektonischer Ausdruck vermisst.


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