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  • DE-07743 Jena, DE-99091 Erfurt
  • 04/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-243993)

Neubau des Campus Inselplatz der Friedrich-Schiller-Universität


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    QUERFELD EINS Landschaft | Städtebau | Architektur PartGmbB, Dresden (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Annegret Stöcker , Frank Großkopf , Daniel Stöcker-Fischer

    Mitarbeit
    Sebastian Lensch, Sebastian Weingart

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: CODE UNIQUE Architekten, Dresden (DE)

    Preisgeld
    60.000 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die strukturelle Leitidee der städtebaulichen Konfiguration liegt in der Ausformung von drei großen Schollen zu einem Ensemble aus ‚prägnanten Stadtbausteinen‘. Es gelingt den Verfassern, die Gebäudekubaturen gut proportioniert in den Stadtraum einzugliedern, sowohl in der Erdgeschosszone als auch in der allgemeinen Gebäudestruktur. Durch die Höhenversprünge in den Fassadenabwicklungen werden die Dimensionen gebrochen und sehr gut in die städtebauliche Umgebung eingepasst.

    Mit der geplanten kleinteiligen Gliederung der Erdgeschossflächen entstehen fließende Übergänge zwischen den öffentlichen und halböffentlichen Räumen, die einem Universitätscampus entsprechende Nutzungsperspektiven gut ermöglichen. Die Lage der Zugänge an diesen Durchwegungen lassen die angestrebte Belebung der öffentlichen/ halböffentlichen Räume realistisch erscheinen. Die öffentlichen Straßen und Plätze sind gut proportioniert und gestaltet. Der Brunnen auf dem Inselplatz bildet einen wirkungsvollen Mittelpunkt, auch die Zonierung der Bewegungs- und Sitzflächen ist gut durchdacht. Es ist jedoch fragwürdig, ob Baumpflanzungen in den Gassen notwendig, wenn nicht sogar hinderlich sind, insbesondere für die Andienung.

    Aus der Differenzierung der Baukörper, Plätze und Zugänge ist eine Adressbildung nicht eindeutig ablesbar, jedoch entsteht eine Quartiersidentität, die vor allem auch durch die feingliedrige Ausbildung einer – je nach Nutzung unterschiedlich entwickelter – Fassade geprägt wird. Proportionen und Farbgebung der modularen Fassadenbauteile reflektieren auf die Altstadt von Jena in einer geglückten Modernität. Die Fassaden werden durch die jeweilige angemessene Struktur und Fenstergröße lesbar und vermitteln feinsinnig die dahinterliegende Nutzung.

    Die Nutzungsverteilung ist sinnvoll und nachvollziehbar auf die drei großen Schollen aufgegliedert.
    Die Mitte des Campus zum Inselplatz hin nehmen Bibliothek und Cafeteria ein. Der Zugang zur Bibliothek führt über eine große Freitreppe entlang der Gasse zum Lutherplatz ins Obergeschoss. Diese Stufenanlage kann sowohl zur Erschließung als auch zum belebenden Aufenthalt und zur Kommunikation einladen. Der Teilbereich der Bibliothek nach der Querpassage ist vom Eingangsbereich abgehängt und lässt sich nur über das Obergeschoss erreichen. Das wird für die Nutzungsaufteilung als problematisch kritisiert, die insgesamt nicht optimal gelöst ist.
    Der Nutzungsbereich Mathematik im Westen des Campus wird im Erdgeschoss großzügig über das Hörsaalfoyer erschlossen. Im Obergeschoss bieten die verschiedenen Bürostrukturen genügend flexible Nutzungsmöglichkeiten. Die Anordnung der Nutzungsbereiche der Psychologie im Hochhaus wird geschickt konzipiert. Durch die Ausweitung des Gebäudes in den ersten drei Geschossen kann der große Hörsaal konstruktiv gut angeordnet werden und so eine günstige Lastabtragung des Hochhauses gewähren, die innere Organisation wird positiv gesehen. Insgesamt wird die Flexibilität der Nutzungen als gut eingeschätzt.
    Die Anordnung von Rechenzentrum und Parkhaus in einem gemeinsamen Baukörper wird als problematisch für die Flexibilität der Struktur, insbesondere der Umnutzungsmöglichkeiten, angesehen. Das Rechenzentrum hat bei guter Grundstruktur einige Mängel in der Nutzungsaufteilung. Das Parkhaus hat ein sehr geringes Stellplatzangebot. Die Parkhausfassade erfährt im Erdgeschoss zum Inselplatz mit einer Ladenfläche eine positive Aktivierung.

    Die Fassaden aus durchgefärbten Betonfertigteilen versprechen eine langlebige und dauerhafte Qualität für die Hochschulgebäude. Die ausdifferenzierte Detailierung der Fensterflächen, die hohe Transparenz und das durchgängige Fassadenraster bieten den Nutzern eine hohe Flexibilität und hervorragende Nutzbarkeit. Die Entwurfsidee, einen strukturellen Zusammenhang der Gebäude herzustellen, den Gebäuden im Einzelnen jedoch mit Hilfe von feinen Modifikationen eine eigene Identität zu verleihen, wird von der Jury als besonders gelungen bewertet.

    Die Erfüllung des Raum- und Flächenprogramms liegt im Toleranzbereich der Sollwerte. Die geschätzten Kosten liegen im erwarteten Bereich und versprechen eine wirtschaftliche Realisierbarkeit des Projektes.

    Der Vorschlag der Verfasser für den neuen Campus in Jena stellt einen hervorragenden und wohl gestalteten Beitrag für einen wirtschaftlichen, funktionalen und zukunftsfähigen Ausbau der Hochschule in der Altstadt dar.