loading
  • DE-01445 Radebeul, DE-01445 Radebeul
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-246692)

Neubau Hort Oberlößnitz


  • 1. Preis

    Außenperspektive, © KOLB RIPKE

    Architekten
    KOLB RIPKE Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Landschafts.Architektur Birgit Hammer, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Stadträumliche Ordnung

    Die Umgebung ist durch eine kleinteilige Einfamilienhausbebauung, teils mit villenartiger Anmutung charakterisiert. Eine hohe Durchgrünung mit vereinzelten großen Solitärbäumen zeichnet den Stadtraum aus.
    Die Grundlage für die Einordnung des neuen Bauwerks bildete Auseinandersetzung mit dem Ort. Die „Villa Wach“ als Blickpunkt und das noch vorhandene Torhaus werden zusammen mit der Otto-Buchwitz-Schule zueinander in Beziehung gesetzt. Der Blick von der Augustusstraße auf die Villa, der unbedingt freigehalten werden sollte, bedingt, dass der Hortneubau senkrecht zum Hang gesetzt wird. Durch seine Anordnung östlich der Otto-Buchwitz-Schule bildet sich ein gemeinsamer Außenraum, der von beiden Einrichtungen als „Gartenhof“ genutzt werden kann. Ein kurzer eingeschossiger Seitenflügel bildet den Abschluss des Gartenhofs. Das alte Torhaus spielt als Relikt eine sehr wichtige Rolle und sollte nach Ansicht des Verfassers unbedingt erhalten werden. Es könnte weiterhin als Jugendclub genutzt werden, besser wäre aber eine Einbindung als „Gartenhaus“ für den Hort mit einer Nutzung als .ausgelagerter Lernraum für Biologie und Gartenbau.


    Architektonischer Entwurf

    Ausgehend von den stadträumlichen Überlegungen interpretiert der Baukörper den Ort. Ein Sockel angelehnt an Weinbergsterrassen bildet die Basis für drei Volumen, die Themenhäuser des Horts, die die Dimensionen der umliegenden Gebäude aufnehmen.
    Sie sind leicht zurückgesetzt zum Sockel und es entstehen nutzbare Terrassen, die mit dem Hang verzahnt sind. Ihre Kante zum „Gartenhof“ unterstützt den Blick vom Augustusweg auf die „Villa Wach“.
    Der Sockel, mit Gabionenverkleidung, nimmt den Zentralen Bereich sowie den Personalbereich des Horts auf, die weiß geputzten Themenhäuser beinhalten die Themenräume.
    Eine einläufige Haupttreppe verbindet beide Bereiche innen, außen sind sie über zwei Treppen, die auf die Dachterrasse führen, und die Topografie miteinander verbunden. Dieser „Umlauf“ macht das Gebäude auf besondere Weise für die Kinder erlebbar. Die Dachterrasse schafft eine enge Verknüpfung zwischen Gebäude und Gartenhof. Auch vom Obergeschoss aus können die Kinder mit denen im Gartenhof kommunizieren.
    Über einen mit vielen Verweil und Spielangeboten ausgestatteten Weg gelangen die Kinder zum Horteingang. Die erforderliche Rezeption zur Anmeldung befindet sich direkt am Eingang. Hinter ihr schließt sich der Personalbereich in dem Seitenflügel an. Gegenüber dem Empfang ist den Garderoben ein Loungebereich vorgelagert. Über die hier gelegene zentrale Treppe gelangen die Kinder in das Obergeschoss. Eine weitere Treppe, als Fluchttreppe ausgebildet, befindet sich auf der anderen Seite des Garderobenbereichs. Die weiteren Räume des Zentralen Bereichs schließen sich über ein gestrecktes Foyer an.

    Das Obergeschoss ist entsprechend des pädagogischen Konzeptes gegliedert und zwar in drei etwa gleichgroße Bereiche , die thematisch in „Kunst“, „Sport“ und „Kontemplation“ aufgeteilt sind. Sie sind um einen zentralen Innenbereich angeordnet. Diese sind jeweils in eine andere Richtung orientiert, um jeweils einen charakteristischen Ausblick (Schule, Villa, Sportgelände) zu schaffen. Alle Räume sind, um sich ändernden Konzepte Rechnung tragen zu können, als Einzelräume vorgesehen.
    Eine innere „Straße“ verbindet alle drei Bereiche. Die Fugen zwischen ihnen nehmen die Erschließung auf und gewähren den Ausgang auf die Dachterrasse.
    Die Konstruktion des Horts ist einfach und robust gehalten. Stahlbeton ist für die tragenden und außen-liegenden Wände im EG sowie die Decken vorgesehen. Die Außenwände im OG sollen aus geputzten Wärmedämmziegeln bestehen. Holzlattenroste bilden den Belag, der sich in den Holzdecks im Gartenhof fortsetzt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche Situation
    Die Verfasser wählen ein Baufeld entlang des östlichen Weges und entwickeln ein schmales langes Gebäude mit kleinteiligen Volumina auf einem massiven Sockel in Anlehnung an das Motiv der Weinbergsmauern.
    Die dem Augustusweg zugewandte Schmalseite nimmt sich im Straßenraum bewusst zurück, die Verfasser empfehlen den Erhalt des Torhauses des Ensembles Wachsche Villa und lassen damit die Parkanlage bis an den Augustusweg fließen.
    Dieser respektvolle Umgang mit der Parkanlage zeichnet die Arbeit aus.
    Schulhaus und Hort stehen souverän und respektvoll nebeneinander ohne zwanghafte Bezüge zueinander.

    Zugang
    Die Zugangssituation auf das durch das Schulgebäude definierte Niveau vom Augustusweg ist mit der geknickten Rampe wenig großzügig und nicht angemessen. Die Positionierung der Fahrradstellplätze von Schule und Hort im öffentlichen Straßenraum ist nicht zielführend.
    Der neue Eingang zum Hort liegt tief im Grundstück ist aber sowohl über den östlichen Weg als auch über die Freispielfläche vor der Schule gut zu erreichen.
    Vorbereich und Gartenhof sind gut nutzbar, über einen direkten Bezug des Mehrzweckraumes und des Foyers zum Vorbereich sollte nachgedacht werden.

    Architektonische Qualität
    Die Verfasser greifen das Motiv von Terrassenhäusern, steinernen Mauern und Sockeln auf und entwickeln daraus ein sehr einprägsames Bild von kleinmaßstäblichen Pavillons auf einem massiven Sockelgeschoss. Diese Idee wird durch die differenzierte Materialität von Sockelgeschoss und Obergeschoss (vorgeblendete Gabione und geputzte Pavillons) und durch die Anordnung auf einer großzügigen Terrasse unterstrichen.

    Funktionalität Nutzung
    Die Einordnung und Gestaltung der Garderobe als konzentrierter funktionaler Bereich im Foyer mit Sitzgelegenheiten wird gelobt, ebenso die Lage des Leiterinnenbüros. Das Obergeschoss gliedert sich in drei thematische Bereiche, die durch Treppen voneinander getrennt sind.
    Die über die Länge des Gebäudes eingeordnete Mittelerschließung wird durch Aufweitungen geschickt gegliedert und führt zu interessanten räumlichen Situationen mit gutem Außenbezug und Orientierbarkeit.
    Kritisiert wird die getrennte Lage von Hausmeisterbüro und Kinderwerkstatt.
    Der Erhalt des Torhauses ist abhängig von einer noch zu definierenden Nutzung.

    Freiraumplanerische Qualität
    Die Ideen zum Freiraum werden anerkannt, eine weitere Durcharbeitung und Präzisierung wäre wünschenswert gewesen. Die Aussagen zum Park sind ungenügend.
    Das Ballspielfeld im Vorbereich der Schule ist ungünstig, es gibt keine barrierefreie Erschließung des Gartenhofes von der Terrasse aus.

    Wirtschaftlichkeit
    Der Entwurf liegt mit Programmfläche und BGF über dem Durchschnittswert.
    In Bezug auf die Wirtschaftlichkeit ist die Lage im Hang zu beachten.
    Der Entwurf lebt von der gewählten Materialität, diese ist unter den gegebenen wirtschaftlichen Gegebenheiten umzusetzen.