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  • CH-8052 Zürich
  • 01/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-7811)

Alterssiedlung Seebach


  • 1. Rang 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Rita Mettler Jennifer Winkelmann

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Allemann Bauer Eigenmann Architekten, Zürich (CH)
    Architekten: b+p baurealisation ag, Zürich (CH), Bern (CH)
    Bauingenieure: Aerni + Aerni Bauingenieure, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Seebach Aussenanlagen


    Das Gebäudeensemble bildet zusammen mit den Aussenanlagen eine Einheit. Die grosszügige Platzfläche ergibt sich aus den Fluchten der Gebäude. Wie Intarsien in der Fläche treten die verschiedenen Nutzungsbereiche hervor. Der Katzenbachplatz wird gemeinschaftlich als Kinderspielplatz der Krippe und als Aufenthaltsplatz des Zentrums für Eltern- und Kinder und des Alterswohnens genutzt. Er dient als zentraler Platz und ist von allen Seiten zugänglich, so auch von den Gärten der Häuser 1 und 3 und vom Weg entlang des Katzenbaches. Ein Wasserspiel trennt Spiel- und Platzfläche und ist zusätzlich Spielelement. Der Platz vor Haus 1 dient als Sitz- und Ruhefläche für das Alterswohnen. Hier laden Stühle inmitten blühender Staudenbeete zum verweilen ein.

    Der Verkehr ist untergeordnet, die Fussgänger haben Vorrang. Die Parkplätze aus wasserdurchlässigem Belag sind für alle Häuser nahe der Hauptzufahrt untergebracht. So entsteht kein unnötiger Verkehr in der Siedlung, auch die Lieferanten der Wäscherei ordnen sich diesem Verkehrskonzept unter. Lediglich behindertengerechte Kurzzeitparkplätze befinden sich unmittelbar vor den Gebäuden. Hier sind auch die überdachten Veloständer. Das gesamte Areal ist von den angrenzenden Strassenräumen leicht zu begehen. Die Allee aus Linden (Tilia cordata „Greenspire“) gliedert und fasst den Vorplatz zur Strasse hin. Ahornbäume (Acer x freemannii) auf dem Areal bestechen durch ihre leuchtende Herbstfärbung. Eine Buchenhecke (Fagus sylvatica und Carpinus betulus) umfasst die Gärten der Krippe. Auf dem Katzenbachplatz spenden Linden (Tilia cordata) Schatten.

    Die Umgebung ausserhalb der Siedlung ist als Parkanlage mit lockerer Baumpflanzung (Liriodendron tulipifera – Tulpenbaum, Eiche – Quercus robur, Schnurbaum – Sophora japonica und Esche – Fraxinus excelsior) angelegt, die den Baumbestand ergänzen. Aus der Wiesenfläche heraus schält sich die Dachfläche der Wäscherei. Hier sind Sitzplätze und eine Boule Anlage untergebraucht. Entlang des Katzenbachweges befinden Ruhe- und Aussichtspunkte, die von den Bewohnern wie auch von Passanten genutzt werden können.

    Die Platzfläche ist aus Glorit, einem wasserdurchlässigem Material gebaut. Die Flächen des Katzenbachplatzes und der Plätze im Park sind chaussiert und mit Stabilizer gebunden, so dass die Flächen problemlos von Rollstuhlfahrern genutzt werden können.

    Dezent ausgeleuchtete Wege führen zu den heller erleuchteten Plätzen und bieten eine angenehme Aufenthaltsqualität. Sicherheit bietet die Beleuchtung der Parkplätze und Veloständer.


    Beurteilung durch das Preisgericht

    Drei kräftige, sieben- bis achtgeschossige Volumen, in denen sich die Kinderkrippe, das Zentrum für Eltern und Kinder und die Alterswohnungen befinden, erzeugen zur Kreuzung Schaffhauserstrasse/Glatttalstrasse hin eine markante Verdichtung. Durch ihre Höhenstaffelung und die feinen Rücksprünge in den Baukörpern gelingt der Anschluss an die bestehenden Bebauungen entlang der beiden angrenzenden Strassen. Gleichzeitig verweist die entstehende Dichte auf den dem Katzenbach folgenden Grünraum Richtung Volière und Freibad. Ein weiteres formverwandtes, jedoch flaches Volumen im Park nimmt die Wäscherei auf. Es entsteht einerseits der Eindruck von Bauten im Parkraum, andererseits werden die Körper durch den asphaltierten Zwischenraum mit seinen eingelagerten «Intarsien» für spezifische Nutzungen und Bedürfnisse überzeugend an den Strassenraum angebunden. Eine hohe Durchlässigkeit der Siedlung für Fussgänger ist gewährleistet. Die Ausweitung des Grünraums Richtung Glatttalstrasse ist noch etwas undifferenziert und die Lage des Wäschereigebäudes in diesem Zusammenhang zu überdenken. Die Anordnung von Krippe und Zentrum für Eltern und Kinder im Erdgeschoss der Wohnhäuser ermöglicht Begegnungen zwischen den verschiedenen Nutzenden und lässt auch räumliche Synergien zu. Die Aufteilung der Krippe in zwei verschiedene Volumen bringt jedoch betriebliche Nachteile, insbesondere bei den Mahlzeiten, mit sich. Die Hauseingänge für die Mieterinnen und Mieter der Alterswohnungen fallen in den Häusern 1 und 3 etwas zu knapp aus, um als Begegnungszonen zu funktionieren.
    Alle drei Wohnbauten sind vierspännig organisiert. In der Folge haben sämtliche Wohnungen Bezug zu zwei Himmelsrichtungen. Auf der städtebaulichen Ebene hat diese Organisation den Vorteil, dass die Gebäude keine Rückfassaden zur Strasse ausbilden. Der Nachteil dieser Typologie bleibt, dass eine Wohnung pro Geschoss stets weniger direkte Sonneneinstrahlung bekommt als die anderen. Durch die Rücksprünge in den Volu-men wird der gewünschte Wohnungsschlüssel erreicht: nach oben hin werden die Wohnungen kleiner. In Folge dessen un-terscheidet sich eine 2-Zimmer-Wohnung nur über die Anzahl m2 von einer 2-Zimmer-Wohnung. Die Setzung eines «Kerns», bestehend aus Bad, Loggia und Küche teilt die Grundrisse in einen Schlaf- und einen Wohnbereich. Der im Erläuterungsbericht beschriebene «fliessende» Wohnraum ist nur in Ansätzen spürbar, da die Dimension der Schiebetüren zu den Schlafzimmern eine normale Türbreite kaum überschreitet. Die Umplatzierung der Küche würde die engen räumlichen Verhältnisse im Bereich des «Kerns» sicher entschärfen.
    Durch die sehr kompakten Baukörper weist das Projekt eine recht hohe Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit auf. Einzelne Wohnungsgrundrisse müssen auf Grund der Lärmsituation leicht angepasst werden.
    Die städtebauliche Situation, die aus der dichten Setzung der sorgfältig ausformulierten Wohnbauten entsteht, besticht durch ihre unverkrampfte Ambivalenz. Die Lage der Körper kann so-wohl als «im» Park wie auch «am» Park gelesen werden und verknüpft Strassen- und Grünraum in ungezwungener, elegan-ter Art. Auf der Erdgeschossebene wird das im Raumprogramm angelegte Potenzial der unterschiedlichen Nutzungen im Innen- wie auch im Aussenraum geschickt ausgeschöpft. Die gute Ausgangslage für die Wohnungen, die alle über Eck angelegt und somit zweiseitig belichtet sind, bleibt leider auf der Ebene der Grundrisse teilweise ein Versprechen. Zudem darf die Flexi-bilität der Wohnungen noch erhöht werden.