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  • DE-78467 Konstanz
  • 02/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-256768)

Bürogebäude Weiherhof Nord


  • Anerkennung

    Perspektive

    Architekten
    Braun + Müller Architekten BDA, Konstanz (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jana Lohrer, Nadja Buergmann

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Situation
    Auf einer grossen brachliegenden Parkierungsfläche im Konstanzer Stadtteil Petershausen soll ein neues Quartier entstehen. Mit dem Neubau eines Bürogebäudes für den Businesspark Konstanz besteht die städtebauliche Chance einen ersten prägenden Baustein zu errichten.

    Städtebau
    Die Idee der bestehenden Bandstruktur mit hohen und niedrigen Gebäuden soll im Neubau aufgenommen und neu interpretiert werden. Aus einem zweigeschossigen Sockel entwickelt sich eine siebengeschossige Scheibe, die zum einen die bestehenden Gewerbeeinheiten arrondiert und zum anderen eine prägnante Raumkante für die neue Fuss- und Fahrradachse in Nord- Südrichtung bildet.

    Architektur
    Das Gebäude setzt sich aus drei wesentlichen Elementen zusammen:
    Sockel, Regelgeschosse und Krone

    Im Sockelbereich werden alle Gewerbeeinheiten über einen linearen gläsernen Einschnitt im Erdgeschoss erschlossen. Die Versicherung im Erdgeschoss erhält ihren Zugang von Süden.
    Alle Einheiten in den Obergeschossen werden über zwei attraktive Lobbys mit Erschliessungskernen
    von der Ostseite erschlossen.
    Die Versicherung stellt sich als eine offene und freundliche Bürolandschaft dar, die sich um einen zentralen grünen Lichthof organisiert. Die Kundenbereiche schliessen sich an die Empfangs- und Wartezone im Süden an. Im Anschluss finden sich die internen Verwaltungs- und Besprechungs-bereiche. Über einen weiteren erdgeschossigen Fassadeneinschnitt im Norden erfolgt die Anlieferung und Beschickung der Poststelle. Im ersten Obergeschoss des Sockels wird ein flexibel unterteilbares Ärztezentrum angeboten, dessen Warte- und Rezeptionsbereiche sich um den Lichthof gruppieren.

    Im 2. – 6. Obergeschoss werden unterschiedlich grosse Büroeinheiten angeboten, die über die beiden Erschliessungskerne erreicht werden können. Eine Rasterbreite von 8.10 m und eine Gebäudetiefe von 13.50 m im Konstruktionsraster ermöglichen eine effiziente Tagesbelichtung der Büroflächen. Jeweils dem Treppen- und Aufzugsbereich zugeordnet befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Sanitäranlagen. Im 2. Obergeschoss können die Nutzer des Gebäudes die grosszügige Dachterrasse geniessen.

    In der zweigeschossigen Krone des Bauwerks wird ein weiträumiges Fitness Center angeboten. Während sich im ersten Geschoss Empfang, Bar, Umkleiden und Fitnessbereiche befinden sind im zweiten Geschoss die Räumlichkeiten des Wellnessbereichs untergebracht. Als weiteres Grünelement soll hier über zwei Geschosse ein Dachgarten entstehen, der sich nach Süden orientiert und attraktive Blickbeziehungen zu Altstadt und Bodensee bietet.

    Das Gebäude verfügt über zwei Untergeschosse, in denen eine natürlich belüftete Parkgarage mit
    99 Stellplätzen und Nebenräume für Fahrräder, Müll, Technik und Lagerbereiche im durchgehenden Stützenraster des oberirdischen Gebäudes organisiert sind. Die Ein- und Ausfahrt erfolgt im südwestlichen Bereich des Grundstücks.

    Materialien
    Die Stahlbetonkonstruktion erhält eine Fassade aus raumhohen Glaselementen und vorgehängten weiss pigmentierten Sichtbetonfertigteilen. Die Rythmisierung der Fassadenelemente der Regelgeschosse weitet sich in der Gebäudekrone auf – ebenso wie in den rückversetzten Eingangsbereichen im Erdgeschoss. Dadurch erhält das prägnante Volumen eine wohltuende Staffelung und Höhenproportionierung. Im Innenraum soll sich die helle und freundliche Atmosphäre fortsetzen, die durch die verschiedenen Nutzer mit individuellem Leben gefüllt werden kann.

    Energie und Nachhaltigkeit
    Das kompakte Gebäude wird im Standard der ENEV 2016 errichtet. Im Rahmen eines ganzheitlichen Energiekonzepts werden zur Wärmeerzeugung Luft- / Wasserwärmepumpen eingesetzt, welche im Heizfall die Grundlast der Wärmeversorgung decken und im Sommerfall das Gebäude mit Kälte versorgen. Für die Spitzenlast im Winter wird ein Gasbrennwertkessel eingesetzt. Alle Räume erhalten ein Fussbodenheizungssystem mit Thermoleitblech aus Aluminium. Das System ermöglicht einen schnellen und direkten Wärmeübergang auf den Estrich sowie eine hohe Kühlleistung.

    Die Warmwasserbereitung erfolgt über einen Heizungswasserpufferspeicher und kaskadierten Frischwasserlademodulen für den Fitness- / Wellnessbereich. In den Bürobereichen werden dezentral elektronisch geregelte Komfortdurchlauferhitzer vorgesehen.

    Das Lüftungskonzept sieht für den Fitness- / Wellnessbereich eine eigene Zu- und Abluftanlage mit Hochleistungswärmerückgewinnung und einer adiabatischen Kühlung vor. Die Büroflächen erhalten dezentral angeordnete Lüftungsgeräte für jeden Mieterbereich. Zusätzlich sind die Fensterelemente mit vorgesetzter Glasbrüstung für Stosslüftung und individuelle Regulierbarkeit öffenbar, so dass auf eine Fassadenreinigungsanlage verzichtet werden kann. Auf dem Dach des Gebäudes wird eine Photovoltaikanlage vorgeschlagen.

    Durch einen aussenliegenden Sonnenschutz und einen zusätzlichen Blendschutz im Inneren kann flexibel auf unterschiedliche Licht- und Wärmeverhältnisse reagiert werden. Der Stromeinsatz für die Beleuchtung wird durch die gute Tageslichtversorgung minimiert. Eine zusätzliche Optimierung erfolgt über Leuchten mit hohem Wirkungsgrad und verschiedene Sensoren wie Präsenz- und Bewegungsmelder.

    Schall- und Brandschutz
    Die Anforderungen der DIN 4109 werden in der Ausführung der Aussenwandbauteile erfüllt. Die Büroräume orientieren sich mehrheitlich nach Westen und Osten, so dass auch konzeptionell auf
    die Lärmquelle Bahn reagiert wird. Zur Verbesserung der Raumakustik werden partiell Akustiksegel und Wandpaneele sowie schallschluckende Bodenbeläge eingesetzt.

    Das 32 m hohe Gebäude verfügt über zwei Treppenhauskerne mit vorgelagertem Vorraum. Im Brandfall führen zusätzliche Nottüren über die benachbarten Nutzungseinheiten zum zweiten Treppenhaus. Ein Aufzug wird als Feuerwehraufzug ausgebildet. Im Erdgeschoss besteht über die Lobbyflächen eine direkte Verbindung ins Freie.

    Freiraum
    Der geplante Fuss- und Fahrradweg wird durch versetzte Baumpflanzungen beidseitig gefasst.
    Das Umfeld des Bürogebäudes erhält eine Natursteinfläche, die sich in die überdeckten Eingangsbereiche erstreckt und sich auch im Gebäudeinneren wiederfindet. Zusätzliche Baumpflanzungen im südlichen Vorplatz mit eingestreuten Bänken sorgen für eine hohe Aufenthaltsqualität. Im westlichen Bereich des Neubaus entsteht ein schützender Heckenstreifen sowie eine weitere Baumreihe mit zusätzlichen Stellplätzen. Grüne Themen sollen sich nicht nur im Umfeld des Gebäudes finden sondern sich bewusst im Innenraum fortsetzen. Dies sind die bereits erwähnten Elemente Lichthof, Dachterrasse und Dachgarten, die sich selbstverständlich in die Gebäudestruktur einfügen und diese mit neuen Qualitäten bereichern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich wird die Idee des bereits bestehenden Businessparks aus hohen Scheiben und flachen Gebäuden aufgenommen und eine starke Raumkante zum Fahrradweg geschaffen – allerdings mit Konsequenzen für die Verschattung des für Wohnbebauung geplante Grundstücks östlich des Fahrradweges. Das gestalterische und architektonische Konzept ist durch Einfachheit und Strenge gekennzeichnet, die allerdings eher für zentrale Business-Distrikts angemessen sein dürften als für einen vorstädtischen, gemischt genutzten Stadtteil wie Petershausen. Funktional erfüllt die Arbeit grundsätzlich die gestellten Anforderungen, allerdings muss die Frage gestellt werden ob tatsächlich gut nutzbar, an verschiedene Office-Konzepte anpassbare Raumstruktur geschaffen werden. Das Fitnesscenter in den obersten beiden Geschossen besitzt attraktive Innen- und Außenflächen, ist aber deutlich zu klein.

    Hinsichtlich Nutzbarkeit und Funktionalität sieht die Jury auch die beiden getrennten Adressbildungen kritisch. Die sich an die Foyers anschließenden Erschließungskerne führen in den Obergeschossen zu zum Teil beengten Situationen. Insgesamt liegen die Stärken im städtebaulichen Bereich, während Aspekte der Nachhaltigkeit und der Wirtschaftlichkeit (zwei Tiefgaragengeschosse, Raumfunktionalität) kritisch gesehen werden.


INFO-BOX

Angelegt am 09.05.2017, 12:27
Zuletzt aktualisiert 10.05.2017, 16:56
Beitrags-ID 4-139839
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