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  • DE-69115 Heidelberg
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-264531)

Bahnstadt Heidelberg - Baufelder B1 und B2


  • 3. Preis

    © KSP Jürgen Engel Architekten

    Architekten
    KSP Jürgen Engel Architekten, Frankfurt am Main (DE), München (DE), Berlin (DE), Braunschweig (DE), Beijing (CN) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: FSWLA Landschaftsarchitektur GmbH, Düsseldorf (DE), Köln (DE)
    Tragwerksplaner: Weiske + Partner GmbH Beratende Ingenieure VBI, Stuttgart (DE), Berlin (DE), Illerkirchberg (DE)
    TGA-Fachplaner: Lemon Consult GmbH, Zürich (CH)
    Brandschutzplaner: Ingenieurbüro Michielsen, Neustadt an der Weinstraße (DE)
    Verkehrsplaner: Eger Consult, Darmstadt (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Den Kerngedanken des Entwurfs bildet das Gleichgewicht zweier Stadtplätze mit differenziertem Charakter: der geschäftige Bahnhofsplatz und der ruhigere Quartiersplatz. Die entwurfliche Ausformulierung des Gebietes leitet sich von diesen Plätzen und deren Vernetzung mit den um-gebenden Stadträumen der Bahnstadt und des Hauptbahnhofes ab.

    Die rechtwinklig zu den Gleisanlagen angelegte Ausrichtung des neuen Quartiers ergibt sich aus der städtebaulichen Struktur der umgebenden Bebauungsschiene entlang der Bahnanlagen. Hierbei entsteht, durch leichte Modifikationen an den Raumkanten des Masterplanentwurfs, ein großzügiger Platz mit klassischen Raumproportionen und einer ruhigen, klaren und orthogonalen Geometrie. Das neue Quartier setzt sich aus einer kleinteiligen, im Maßstab der städtebaulichen Körnung der Umgebung angepaßten Bebbauung aus mehreren Häusern zusammen.
    Obwohl der Cernyring eine starke stadträumliche Zäsur zum südlichen Bahnstadtquartier darstellt, werden alle wichtigen Straßen- und Wegeverbindungen aus dem bereits weitestgehend realisierten neuen Bahnstadt Quartier aufgenommen und weitergeführt.

    Die Anbindung des Quartiers an den Hauptbahnhof erfolgt über die Verlängerung des bestehenden Querbahnsteigs zum neuen Bahnhofsplatz Süd. Der Hotelturm als städtebauliche Dominante markiert weiträumig den südlichen Zugang zum Heidelberger Hauptbahnhof. Die beiden östlich anschließenden Geschäftshäuser auf dem Baufeld B2 sind so zurückversetzt, dass vom Bahnhof kommend ein direkter Blickbezug nach Süden zum geplanten Konferenzzentrum und zur bestehenden Straßenbahnhaltestelle möglich ist.

    An der Ost- und Westseite fassen die fünfgeschossigen Geschäftshäuser den Bahnhofsplatz. Deren Fassaden werden von Baumdächern aus doppelten Platanenreihen begleitet. Nach Norden erhält der Platz seinen Abschluss mit der zweigeschossiger Arkade und dem darauf ruhendem Hotelturm.
    Die leicht schräg verlaufende Max-Jarecki-Straße wird durch die Bauflucht des westlichen Geschäftshauses aufgenommen und mündet so direkt auf den Bahnhofsplatz. Damit der Platz sich nach Süden nicht in dem breiten Straßenraum verliert, steht hier eine Stadtloggia mit leichtem Dach auf hohen, schlanken Stützen. Unterhalb des Daches befindet sich die Zufahrtsrampe zum Fahrradparkhaus. Hierdurch erhält dieses besondere öffentliche Angebot der nachhaltigen Stadtentwicklung eine angemessene stadträumliche Inszenierung und ist leicht auffindbar. Die Abfahrts-rampe ist von Sitzbänken flankiert und kann so zum Warten und als Treffpunkt genutzt werden. Die zentrale Fläche des Bahnhofsplatzes wird durch Wasserfontänen im Sommer in eine kühlende Spiegelfläche verwandelt. Dies erhöht die Aufenthaltsqualität, verbessert das Mikroklima und schafft einen Mehrwert für die an den Randbereichen vorgesehene Aussengastromomie. Bei Bedarf lässt sich dieser Bereich temporär für Veranstaltungen nutzen.

    Eine lange zweigeschossige Arkade im Bereich des Hotels und des westlich anschließenden Geschäftshauses verbindet den Bahnhofsplatz mit dem kleineren Quartiersplatz und schafft eine überdeckte, qualitätsvolle Wegeverbindung zwischen Bahnhof und den Fernbushaltestellen. Die Passanten beleben die hier vorgesehenen Laden- und Gastromieflächen.
    Eine Gasse verbindet den Quartiersplatz mit dem Platz am Wasserturm im Süden. In der Achse dieser Gasse wird am nördlichen Platzende eine große Freitreppe, sowie optionale Rolltreppenanlage, zu den Fernbushaltestellen am Max-Planck-Ring heruntergeführt. An dieser Stelle findet auch die angedachte Fahrradbrücke über das Gleisfeld ihren Antritt. Im westlichen Teil des Baugebietes steht das Wohngebäude. Die östlich liegenden Geschäftshäuser und der kleine Quartiersplatz schirmen die Wohnbebauung von möglichem Veranstaltungslärm von dem zentralen Bahnhofsplatz ab.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überrascht mit einer klaren Blockstruktur in orthogonaler Ausrichtung – hergeleitet aus der Ausrichtung der Gleistrassen. Durch die Zuordnung der 6 Blöcke und dem die Platzachse abschließenden Hotelkomplex gelingt ein angenehm proportionierter Platzraum. Ein Glasdach als Überdachung der Fahrradrampe schafft als halbtransparente vierte Platzfassade Distanz und Abschirmung zum stark befahrenen Czernyring, ohne den Platz hermetisch abzuschließen. Die Bahnbrücke stößt unter ihrem Glasdach auf selbstverständliche Weise randlich auf den Platzraum, ohne den räumlichen Abschluss des Platzes nach Norden zu weit zu öffnen.

    Anstelle von Kolonnaden oder Arkaden schlagen die Verfasser randliche Platzfassungen der Längsseiten mit doppelten Baumreihen vor, die zusammen mit dem Glasdach einen angenehm gefassten und qualitätvollen Kernbereich des Platzes herausarbeiten können.

    Eingewoben ist der Platz in ein System öffentlicher Räume mit versetzten Gassen und einem Nebenplatz. Der sehr hohe Anteil öffentlicher Räume mit entsprechenden Randnutzungen wird allerdings kontrovers diskutiert.

    Der Verfasser schlägt eine einheitliche Architektursprache für die Fassadengestaltung vor, die alle Baublöcke miteinander verbinden soll. Aus geschosshohen Beton- oder Metallelementen, die den Fassaden eine räumliche Tiefe geben, werden die Fassaden leicht voneinander unterschieden. In der Hotelfassade werden zwei Geschosse zusammengefasst, um dem Hochhaus optisch geschickt die Höhe zu nehmen. Über die gut exponierten Kolonnaden im Sockelgeschoss wird das Hotel mit dem Gewerbeblock verbunden und bildet eine attraktive Sockelzone für Gastronomie auf dem Platz aus.

    Die äußere Erschließung ist einfach und schlüssig. Vor allem die Führung der Fußgänger und Radfahrer erfolgt auf selbstverständliche Weise: der Raum selbst gibt die Orientierung zum Bahnzugang vorbildlich vor. Eine Schwachstelle wird allerdings am etwas verschwenkten Zugang zur Fußgängerfurt am Czernyring erkannt.

    Der Ebenenwechsel vom UG zum EG an der Nordseite über Wendeltreppen wird kritisch bewertet.

    Im Hinblick auf die Funktionserfüllung des Raumprogramms liegt die Arbeit insgesamt im mittleren Bereich. Der Entwurf scheint wirtschaftlich umsetzbar zu sein. Dabei wird allerdings bemängelt, dass die Gewerbe- und Büroflächen in B2 etwas zu klein ausfallen. Die Lobby des Hotels ist deutlich zu gering dimensioniert.

    Insgesamt stellt die Arbeit mit ihren sorgfältig proportionierten und gut gestalteten Stadträumen einen interessanten Beitrag mit vielfältigen Einzelorten dar. Es verbleibt jedoch die Frage, ob der Standort Bahnstadt die ausreichende Vitalität aufweist, um die Vielzahl öffentlicher Räume mit Leben füllen zu können. Und weiter stellt sich die Frage, ob die entstehende Kleinteiligkeit der Bebauung in B1 in der Lage ist, den Räumen ausreichende Fassung zu geben.

    Die Radabstellplätze im 1. Untergeschoss werden über eine Rampe am südlichen Platzrand erreicht. Lage und Erreichbarkeit über Czernyrings sind sehr gut. Wünschenswert wäre, auch von Seiten des Max-Planck-Rings Nord aus Stellplätze ins UG einzulagern. Den Hauptbahnhof bzw. das Platzniveau erreicht man über zwei Treppenhäuser am nördlichen Ende der Radgarage. Diese sind sehr schmal dimensioniert und können als wichtige Erschließung für die Radabstellanlage nicht ausreichend wahrgenommen werden. Eine direkte Durchwegung von der Radgarage zum bahnparallelen Max-Planck-Ring wäre wünschenswert.

    Insgesamt handelt es sich bei der Arbeit um einen sehr eigenständigen Beitrag, der die Struktur des Rahmenplanes ungewöhnlich weiterentwickelt und damit einen wichtigen Beitrag zur Gesamtdiskussion liefert.