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  • DE-74243 Langenbrettach
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-248393)

Quartier Rathaus-Ortsmitte Brettach und Ortsdurchfahrt


  • 2. Preis


    Stadtplaner
    Holl Wieden Partnerschaft, Würzburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: licht|raum|stadt planung gmbh, Wuppertal (DE), Karlsruhe (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Das städtebauliche Konzept verfolgt folgende Ziele:

    Verdichtung und Erweiterung der öffentlichen und privaten Nutzungen im Kern der Ortsmitte
    Neugestaltung und Erweiterung der öffentlichen Freiräume im Ortskern zur Belebung der sozialen Aktivitäten

    Herzstück der Anlage ist die Aufwertung der Schlossanlage in der Mitte von Brettach. Sie besteht aus folgenden Ensembleteilen:

    Rathaus im ehemaligen Schlossgebäude
    Schlossscheune als Erweiterung der Rathausfunktionen mit Sitzungssaal, Lobby, WC-Anlage und kleinem Bistro
    Neubau einer Schlossterrasse auf der Tiefgarage
    Keinerbrunnenplatz unterhalb des Schlossgebäudes
    Festplatz
    neugestalteter Rathausplatz mit gewerblicher und wohnbaulicher Nutzung

    Das Ensemble aus historischen und neuen Gebäuden und aus zusammenhängenden Freiräumen bildet eine identitätsstiftende Einheit in der neuen Ortsmitte von Brettach.


    Schlossscheune als Rathauserweiterung

    Mit dem Ausbau der alten Schlossscheune kann das Rathaus mit einem großzügigen Sitzungssaal erweitert werden. Ein breiter, offener Durchgang durch das Gebäude trennt die kommunale Nutzung vom Bistrobetrieb. Als Teil des bedeutenden historischen Ensemble Schloss sollte der Altbau der Scheune erhalten bleiben. Auch wenn nähere Untersuchungen zeigen sollten, dass ganze Wandteile oder der Dachstuhl ersetzt werden müssen.

    Vor dem Rathaus ist eine Grünfläche anzulegen, die einen Hinweis auf den ehemaligen Schlossgarten gibt. Die Schlossterrasse ermöglicht einen weiten Rundumblick in die Landschaft, insbesondere nach Westen zur Kirche. Die Tiefgarage bietet 14 Stellplätze in der Ortsmitte. Über das Treppenhaus in der Schlossscheune ist ein direkter Zugang zur Tiefgarage möglich.


    Festplatz unterhalb der Schlossterrasse

    Unterhalb der Schlossterrasse entsteht ein großzügiger Festplatz, der für Veranstaltungen aller Art genutzt werden kann. Als Belag wird eine mit Riesel eingestreute wassergebundene Fläche vorgeschlagen. Ein breiter Treppenaufgang, auf dem man auch Sitzen kann, führt hinauf zum Rathausplatz.

    Entlang der Hauptstraße kann eine Mobilitätsstation mit Bushaltestelle, Fahrradständer, Ladestation und eventuell auch E-Bike-Verleih eingerichtet werden.


    Keiner-Brunnenplatz

    Unterhalb des Schlossgebäudes entsteht ein intimer baumüberdachter Aufenthaltsbereich. Der 5m lange Keiner-Brunnen kann hier einen neuen Standort bekommen.


    Gasthof zum Lamm

    Das Gebäudeensemble Gasthof zum Lamm mit seinem Scheunengebäude ist für die neue Mitte von Brettach besonders prägend. Der Ausbau der Nutzungen in der alten Scheune mit Ferienwohnungen und der verlagerten Metzgerei ist ein wichtiges Ziel der Neugestaltung der Ortsmitte. Vor der Metzgerei sind 4 Parkplätze zum schnellen Halten (z.B. eingeschränktes Halteverbot) eingerichtet. Das Gebäude wird profilgleich erweitert.





    Rathausplatz und Neubebauung

    Zwei Neubauten von Wohngeschäftshäusern begrenzen den Rathausplatz nach Osten, die Erdgeschosszonen sind für Büros oder Ladeneinheiten geeignet. Im OG und DG kommen Wohnungen untergebracht werden. Eine Tiefgarage ermöglicht 26 private Stellplätze. Auf der Tiefgarage können weitere 16 öffentliche Stellplätze mit Zufahrt von der Schillerstraße untergebracht werden. Der Rathausplatz selbst ist Fußgängerzone und wird vom Verkehr freigehalten.


    Platzraum an der Post

    Der kleine Platzraum an der Post wird durch die Neuanlage eines Parkplatzes (13 Stellplätze) aufgewertet. Das im Winkel gebaute Gebäudeensemble wird durch einen Pavillonbau ergänzt. Ein Großbaum, Bänke und ein Brunnen verbessern die Aufenthaltssituation, ohne dass die Anfahrten zu den Garagen der Wohnhäuser gestört werden. Für 5 Kurzparker entsteht vor dem Geschäft „Um‘s Eck“ eine Parkzeile.

    Das Dorf Brettach bietet eine gegenüber dem Urkataster im Grundriss wenig veränderte Baustruktur. Besonders hervorzuheben ist der Raum der ehemaligen Dorfstraße, der mit seinen Windungen und Verbreiterungen einen markanten geschlossenen Dorfinnenraum schafft, den es zu erhalten gilt.

    Der Verkehrsstraßenausbau der Kreisstraße hat diesen Raum stark verändert. Beim neuerlichen Ausbau der Kreisstraße ist daher folgendes zu beachten:
    Gemäß Auslobungsziel Ausbau zu einem verkehrsberuhigten Straßenraum mit maximal 30 km/h. Die Geschwindigkeiten der Radfahrer und Fußgängerbewegungen und des KFZ-Verkehrs werden sich daher dadurch annähern.

    Um den Raum zwischen den Hauswänden zu betonen, sollten die Gehwegflächen und Fahrbahn aneinander angeglichen werden:

    - mit hellem Splittmaterial aufgehellte Asphaltdecken
    - helle Betonpflastersteine auf den Gehwegflächen als Reihenpflaster
    - niveaugleicher Ausbau mit beidseitiger Muldenrinne (barrierefrei)
    - gefährliche Stellen sollten durch Poller gesichert werden

    Um die Raumwirkung zu stärken sind die Richtungswechsel des Straßenraums mit Großbäumen zu gliedern. Es entstehen leicht überschaubare Raumabschnitte, die den KFZ-Verkehr verlangsamen. In der Neuen Mitte sind Bereiche der Fahrbahn mit Betonpflastersteinen auszubauen. In diesen kurzen Abschnitten könnte auch Schrittgeschwindigkeit oder verkehrsberuhigter Geschäftsbereich (20 km/h) vorgeschrieben werden. Mit der Pflasterung des Kirchstraße und der Gerbergasse sollte langfristig die Verbindung zum Kirchplatz betont werden.

    Beleuchtungskonzept

    Das Beleuchtungskonzept verdeutlicht die künftige stadträumliche Situation und den Leitgedanken des Entwurfes.
    Das Erschließungsnetz wird entsprechend seiner verkehrlichen Hierarchie durch die Wahl der Leuchten und der Beleuchtungsstärken differenziert.
    Technische Mastleuchten klarer geometrischer Form für die Hauptstraße / Schillerstraße /Parkplätzen und Wandleuchten an den Gebäuden im Bereich der Plätze und fußläufigen Bereiche vermitteln maßstabsgerecht die Nutzungen durch das Individuum Mensch.

    Rhythmisch eingebunden in den Verlauf der Hauptstraße liegen 3 Plätze / Aufweitungen, die durch individuelle Lichtszenen charakterisiert werden.
    Dadurch entsteht auch nachts eine lebendige Raumfolge, die ein hohes Maß an Atmosphäre bietet, aber auch dem Sicherheitsaspekt gerecht wird.
    Die dreieckige Platzfläche zwischen Haupt- und Schillerstraße wird durch zwei Masten, von denen mehrere Strahler auf die Platzfläche gerichtet sind, spannungsreich ausgeleuchtet.
    Der Raum vor dem neuen Wohn- und Geschäftsgebäude wird durch technische Wandleuchten gezielt ausgeleuchtet.
    Der ebenfalls durch die Hauptstraße tangential erschlossene Platz an der Einmündung Kirchstraße ist ergänzend zur zurückhaltenden Funktionalbeleuchtung durch die lineare Nachzeichnung des Wasserbeckens und der Unterleuchtung des Solitärbaumes als individueller Ort im Raumgefüge gekennzeichnet.

    Ergänzt und unterstütz wird das Konzept durch die individuelle Lichtinszenierung einzelner Fassaden (ehemaliges Schulhaus, Chanofsky Schlössle, ehemaliges Rathaus und Gasthaus Zum Lamm) weiterhin einzelne Giebelflächen sowie Raum bildende Großbäume, um das Stadtgefüge ablesbar zu gestalten und Stadträume als solche zu begrenzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Grundidee basiert auf einer äußerst einfachen und anpassungsfähigen Struktur. Die bestehenden Gebäude werden dominant aufgenommen.

    Besonders hervorzuheben ist der Bereich vor der Bäckerei Discher, bereits heute ein hoch frequentierter Treffpunkt, der durch die Platzerweiterung aufgewertet wird.

    Die Zufahrt zum Industriegebiet über die Schillerstraße wurde funktional gelöst. Die Verkehrsberuhigung in der Schillerstraße wird durch das Asphaltband Schiller-/Rathausstraße unterstützt. Die Rathausstraße im Bereich Schlössle ist komplett verkehrsberuhigt bzw. es ist keine Durchfahrt mehr möglich.

    Die oberirdische Zufahrt zum Geschäftshaus Rathausstraße teilt sich in zwei Zu- und Abfahrtswege und dadurch wird ein reduziertes Verkehrsaufkommen erreicht.
    Der Platzbereich vor dem Gasthaus Lamm bietet mit einem Außenbereich die Möglichkeit einer Platzbelebung durch Außengastronomie.

    Die Einbindung „Scheune“ mit einem nach Norden geöffneten Garten mit Aufenthalts- und Grünbereich sowie der Treppe ist schön gestaltet und bietet weiteren Gestaltungsspielraum.
    Der Vorplatz von Norden bietet eine freie Sicht auf das Schlössle und kann bei Bedarf durch eine Überbauung leicht verändert und neu gestaltet werden. Jedoch wird die Anordnung dieses Festplatzes im Gremium kontrovers diskutiert. Besonders unter denkmalschutzrechtlichen Aspekten wird eine Einbindung in die örtliche Bebauung und damit eine sinnstiftende Umgebung gefordert.

    Besonders hervorzuheben ist, dass es dem Verfasser gelungen ist, die privaten Bereiche, insbesondere der Schiller-/Ilgenstraße und Rathausstraße unabhängig von den öffentlichen Plätzen zu bebauen. Daher kann individuell und ohne Zeitdruck vorgegangen werden.
    Die Neubebauung entlang der Rathausstraße ist hinsichtlich der giebelständigen Gebäude zu überdenken.

    Die mögliche Umgestaltung des Bereiches Post ist mit einer Aufenthaltsfläche und getrennter Parkierungsfläche sowie einem Kiosk jederzeit durchführbar. Dies kann auch nach der Baumaßnahme „Hauptstraße“ durchgeführt werden. Auch mit dem bestehendem Gebäude „Engelhardt Post“ kann die Hauptstraße realisiert werden.

    Die Fahrbahnen vom nördlichen Hauptbereich bis vor die Bushaltestelle vor dem Schlössle und von Süden bis zur Post sind in Asphalt ausgeführt. Die Fahrbahnbreite beträgt 5.50 m plus jeweils links und rechts Randstreifen mit 50 cm, ergibt eine durchgängige Fahrbahn von 6.50m.
    Die Gehwege und die stillgelegte Rathausstraße sowie die Flächen um die vorhandenen Gebäude Rathaus, Scheune bis Altes Schulhaus sind in Pflaster gestaltet.

    Im Kurveninnenbereich sollte ein Bordstein aus Verkehrssicherheitsgründen ausgebildet werden.
    Der gepflasterte Bereich der Straßenflächen kann auch ohne Verlust der gestalterischen Idee in Asphalt ausgeführt werden.

    Überprüft werden müssen die gepflasterten Überwege im Bereich Ortseinfahrt Nord, Schillerstraße und Cleversulzbacher Straße.
    Die Bedingung, eine sichere Radfahrverbindung von der Mühlstraße zur Cleversulzbacher Straße anzubieten, wurde nicht erfüllt.

    Die Arbeit überzeugt durch hochwertige öffentliche Freiräume.