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  • DE-30629 Hannover
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-266754)

Wohnen, Handel und Gewerbe Willi-Blume-Allee


  • Anerkennung

    Außenperspektive | Hans-Werner-Lampe-Weg, © SEP | ARCHITEKTEN

    Architekten
    SEP I ARCHITEKTEN Bockelmann Klaus PartG mbB, Hannover (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Bockelmann

    Mitarbeit
    Nicole Alpers, Ingo Henkel, Carmen Köhne, Diana Schmidt, Natalie Baranik, Malte Tams

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: nsp christoph schonhoff landschaftsarchitekten stadtplaner, Hannover (DE)
    Tragwerksplaner: DREWES + SPETH Beratende Ingenieure im Bauwesen Partnerschaftsgesellschaft mbB, Hannover (DE)

    Preisgeld
    3.875 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU
    Im Spannungsfeld heterogener Bebauungsformen aus den letzten Jahrzehnten, entsteht mit dem Neubau des Wohn-und Geschäftshaues ein markantes Quartierszentrum für das Neubaugebiet „Steinbruchsfeld“ in Misburg.
    Dabei bestimmen der Umgebung entlehnte Motive das gestalterische Grundgerüst der Konzeption für die neue Bebauung.
    Mit Besetzung der Grundstückskanten wird der Straßenraum beruhigt, der städtebaulichen Körnung, der für das Gebiet typischen Einzel-und Reihenhäuser, mit einer einfachen aber differenzierten Gebäudemodellierung entsprochen.
    So entwickelt sich ein Gebäudehybrid, welcher die Kraft besitzt, das vorgefundene vielschichtige Umfeld zu einen.
    Die präzise Setzung der Baukörper bildet zwei unterschiedliche Platzräume aus, welche den jeweiligen Anforderungen eine entsprechende Basis bietet. Der Quartiersplatz wird von Gewerbenutzungen flankiert und öffnet sich selbstbewusst zum Stadtteil. Der eher introvertierte Wohnhof verspricht attraktive Rückzugsbereiche für die Bewohner des Neubaus, ermöglicht aber Passagen durch das Wohngebiet und die Vernetzung mit den Grün- und Erholungsräumen der Umgebung.

    FUNKTIONEN
    Handel- und Gewerbeeinheiten flankieren den Quartiersplatz und gewährleisten durch flexibel unterteilbare Nutzungseinheiten eine Belebung des öffentlichen Raumes.
    Die KITA wird mit Adresse am Platz in bevorzugter Lage im obersten Geschoss des „Punkthauses“ situiert. Dachterrassen als Spielangebot im Freien, sowie das Angebot eines gesicherten, außenliegenden Klettergartens (optional Außenbereiche für die Büroeinheiten) unterstreichen die besondere Funktion und Bedeutung der KITA für das gesamte Quartier.
    Ein breit gefächertes Wohnungsangebot bietet überwiegend zwei-, teilweise dreiseitig orientierte „durchgesteckte“ Wohnungen und bedient unterschiedliche Kundenwünsche an moderne Wohnformen.
    Zeitgemäße, funktional geschnittene Einheiten mit größtenteils offenen Wohnbereichen werden im vorgeschlagenen Grundrisskonzept bevorzugt angeboten, Unterteilungen in Einzelräume sind aber ebenso möglich.
    Wohnräume und Balkone sind nach Süden orientiert.

    ERSCHLIESSUNG
    Die Positionierung der Zugänge dient der Belebung des Straßenraum und in gleichem Maße der Schaffung eines introvertierten, geschützten Gartenhofes für die Bewohner des Quartiers.
    Der Quartiersplatz steht durch Situierung der Stellplätze am westlichen Rand des Grundstücks für
    eine nicht motorisierte und vielfältig nutzbare Platzfläche zur Verfügung, von welchem auch die Gewerbeeinheiten erschlossen werden.
    Die Tiefgarage wird über den Hans-Werner-Lampe- Weg erreicht.

    GEBÄUDGESTALTUNG/ MATERIAL
    Der Neubau präsentiert sich in Form dreier kompakter Baukörper mit einem wertigen äußeren Erscheinungsbild aus dunklem Ziegel, im Farbton der Steine bündig verfugt. Die vor die Fassade gestellten, die Gebäudehülle nicht durchdringenden Balkone gliedern als leichte Konstruktion aus champagnerfarbenen Stahlprofilen, die steinernen Fassaden. Lamellenstrukturen an den seitlichen Brüstungen bieten Sichtschutz zu den nachbarschaftlichen Außenbereichen.
    Durch die Fügung der steinernen, in leicht unterschiedlichen Ziegeltönen gemauerten Häuser mit den vorgestellten Balkonelementen, entsteht ein abwechslungsreiches Bild von einzelnen Stadthäusern mit eigener Identität, die ein maßstäbliches Einfügen der Bebauung zum öffentlichen Raum sicherstellen.


    Die Dachflächen werden als Gründächer mit Solarthermie vorgeschlagen, optional können diese als zusätzliche Terrassen angeboten werden.

    Die hochgedämmten, 3-fach verglasten Fenster, als champagnerfarbene Holz-Alu Verbundkonstruktion, liegen vertieft, die Fassaden rhythmisierend, in leicht zurückgesetzten Nischen und bestehen aus drei Formaten. Großzügige Fenster als Festverglasungen mit Drehflügeln befinden sich im Bereich der nach Süden, Südwesten und Südosten orientierten Wohnräume, in den Schlafräumen und Bädern kommen Schwingfenster mit feststehendem unterem gläsernen Element auf einer niedrigen massiven Brüstung zur Anwendung.
    Hier werden zum einen herkömmliche Heizkörper beherbergt, sowie attraktive Sitzbänke mit Holz ausgekleideter Laibungen angeboten.
    Die Wohnungen und Gewerbeeinheiten sowie die Treppenhäuser im Dachgeschoss können optional mit gedämmten Oberlichtern versehen werden.
    Die Treppenräume und Stufen erhalten robuste kunststoffvergütetet Beschichtungen, in den Wohnungen werden Massivholzparkett und hochwertige Fliesen konzipiert.

    LANDSCHAFTSARCHITEKTUR
    Entwickelt aus dem urbanen und landschaftlichen Kontext und im Zusammenspiel mit den hochbaulichen Strukturen entsteht ein robustes, entwicklungsfähiges Freiraumkonzept, das besondere Angebote und spannende Räume anbietet. Ein Ensemble mit prägender Identität und eigener Charakteristik.
    Von der Willy-Blume-Allee kommend, öffnet sich der Quartierplatz, der zum Antritt und urbanen Treffpunkt für alle Bewohner und Besucher des Quartiers wird. Gesäumt von regelmäßig angeordneten Baumreihen entsteht ein belebter Ort mit gastronomischen Angeboten und hoher Aufenthaltsqualität im lichten Schatten der Bäume.
    Die unterschiedlichen Wohnformen werden durch eine entsprechende Freiraumgestaltung zu einer lebendigen Nachbarschaft entwickelt und bieten vielseitige Angebote für die Bewohner. Hecken, Sträucher und Gräser definieren die privaten und gemeinschaftlichen Bereiche. Von Nord nach Süd verläuft eine Erschließung in den grün geprägten Wohnhof. Über diese Verbindung funktioniert auch die Feuerwehrerschließung der anzuleiternden Gebäude. In eine leicht modellierte Pflanzfläche werden die Elemente für die natürliche Tiefgaragenbelüftung integriert und bieten zusätzlich Aufenthaltsmöglichkeiten. Ein Belag aus Betonwerkstein mit teilweise begrünten Fugen prägt das Bild und lässt im Übergang zu den privaten Gartenbereiche Pflanzflächen entstehen, die den Hof rahmen.
    Insgesamt entsteht durch die vorgeschlagenen landschaftsarchitektonischen Interventionen ein Wohnquartier, das durch das Zusammenspiel von Architektur und Freiraum besondere Angebote schafft und spannende Räume entstehen lässt.

    TRAGWERK
    Die Gebäude werden als Massivbauten aus tragenden Mauerwerkswänden geplant, auf die die mit wirtschaftlichen Spannweiten und Stärke konzipierten, schlaff bewehrten, Stahlbetondecken linienförmig aufgelegt werden.
    Die Tiefgarage wird als Stahlbetonkonstruktion mit Elementwänden und Stahlbetonstützen vorgeschlagen, auf die sich die Stahlbetondecke linienförmig und im Bereich der Hofflächen punktförmig auflegt. Die Konstruktion der Tiefgarage ist als „weiße Wanne“ konzipiert. Im Untergeschoss sind keine Gebäudefugen erforderlich. Oberhalb des Kellergeschoßes sind Gebäudefugen erforderlich und werden entsprechend eingeplant.
    Die Bauwerksaussteifung wird durch die geplanten Treppenhauskerne sichergestellt.
    Für die Gründung ist eine Flachgründung auf einer Sohlplatte h = 45 cm vorgesehen.

    BRANDSCHUTZ/ FLUCHTWEGEKONZEPT
    Das geplante „Punkthaus am Quartiersplatz“ wird als Sonderbau „Gebäude mit mindestens einem Geschoss, das mit mehr als 400 m² seiner Grundfläche Büro-oder Verwaltungszwecken dient“ in der Gebäudeklasse 5 gemäß der geltenden NBauO ausgelegt. Eingeführte Rechtsvorschriften, die die speziellen Belange dieses Gebäudetyps behandeln, gibt es allerdings nicht. Die im vorgeschlagenen Entwurf konzipierten Brandabschnittsbildungen berücksichtigen die geltenden Vorschriften. Die Besonderheit der Konzeption ist in der Umsetzung der Anforderungen des § 33 NBauO zu sehen. Danach ist es grundsätzlich zulässig auch in Büroeinheiten den zweiten Rettungsweg über Gerät der Feuerwehr darzustellen, wenn nicht mehr als 10 Personen auf diesen Rettungsweg angewiesen sind. Dies ist offenbar der Fall, wenn die Teileinheit eine Fläche von maximal 200 m² aufweist. Aus diesem Grunde ist es möglich, in diesem Haus am Quartiersplatz (Büroeinheit ≤ 200 m²) auf die Errichtung eines 2. baulichen Fluchtweges zu verzichten.
    Optional könnte ein 2. Fluchtweg als außenliegende Treppe im Bereich des vorgestellten „Balkonelementes“ vorgesehen werden.
    Im westlichen Gebäudeteil am Quartiersplatz sind auch größere Büroeinheiten bis 400 m² Bruttogeschossfläche möglich, die an zwei Treppenräume angebunden werden können und damit über zwei bauliche Rettungswege verfügen. Optional wäre jedoch auch eine flexible Teilung in Einheiten mit weniger als 200 m² BGF möglich. Somit wird mit der vorgeschlagenen Anordnung der Erschließungskerne eine größtmögliche Aufteilungsflexibilität für sämtliche Büroeinheiten erreicht.
    Die geplanten Wohnungen verfügen über einen baulichen Rettungsweg durch Anbindung an ein notwendiges, an der Aussenfassade liegendes, Treppenhaus. Der 2. Rettungsweg wird über Gerät der Feuerwehr sichergestellt, die die straßenseitigen Balkone und Fenster, sowie des Wohnungen im Bereich des Durchgangs am Wohnhof erreichen kann; entsprechende Feuerwehraufstellflächen werden planerisch vorgesehen.

    ENERGIEKONZEPT
    Energetische Gebäudehüllenqualität
    Die kompakten Kubatur der Baukörper (A/V um 0,35), der vorgeschlagene Dämmstandard und die Fensterqualitäten schaffen die Voraussetzungen zur Erfüllung der Anforderungen an den Passivhaustandard. Der zweischalige Außenwandaufbau mit einer Innenschale aus Poroton-Füllziegeln erlaubt eine wärmebrückenoptimierte Konstruktion, insbesondere im Bereich des Fußpunkts am Übergang zur Tiefgarage. Die Balkone sind als eigenständige Stahlkonstruktionen ohne signifikante Unterbrechung der thermischen Hülle vor die Fassaden der Baukörper gestellt.
    Moderate fassadenbezogene Fensterflächenanteile von im Mittel 25% bis 30% bilden die bauliche Grundlage für die Sicherstellung des sommerlichen Wärmeschutzes. Optional können exponierte Fassadenanteile zusätzlich mit externen Sonnenschutzeinrichtungen ausgestattet werden.

    Lüftungskonzept
    Das energetische Konzept sieht eine Be- und Entlüftung der Wohneinheiten über dezentrale Wohnungslüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung vor. Bei Einbau deckenmontierter Flachgeräte in den Dielen im Eingangsbereich der Wohneinheiten ist eine Wartung über entsprechende Revisionsöffnungen vom Treppenhaus aus möglich.

    Energieversorgung
    Vorgeschlagen wird eine geothermische Wärmeversorgung sowohl zur Raumheizung als auch zur Trinkwarmwasserbereitung. Das Versorgungskonzept sieht dazu eine Kombination aus Heizungswärmepumpe und Brauchwasserwärmepumpe mit Frischwasserstation vor. Die Wärmeübergabe zur Raumheizung erfolgt mit auf das Temperaturniveau einer geothermischen Wärmeversorgung abgestimmten Radiatoren.
    Die Wärmequelle der Wärmepumpen bildet ein unter der Tiefgarage angeordnetes Erdsondenfeld. Die Wärmeversorgung wird ergänzt durch dachmontierte thermische Solaranlagen zur Unterstützung der Trinkwarmwasserbereitung. Dies entlastet die geothermische Trinkwarmwasserbereitung über einen großen Zeitraum des Jahres und führt zu einer zusätzlichen Steigerung der energetischen Effizienz des Versorgungskonzepts. Das Konzept sieht eine großzügige Dimensionierung der thermischen Solaranlagen vor, so dass sommerliche Überschüsse zur Regeneration in das Erdsondenfeld eingespeist werden können. Einer bei Erdsondenfeldern häufig auftretenden langfristigen Auskühlung des Erdreichs und der daraus resultierenden Abnahme der Leistungsfähigkeit kann dadurch vorgebeugt werden.

    Weitere Nachhaltigkeitsaspekte
    Die vorgeschlagene zweischalige Fassadenkonstruktion erfüllt mit seiner Materialität und durch die lediglich mechanische Verbindung der Bauteilkomponenten in hohem Maße das Nachhaltigkeitskriterium der Demontagefreundlichkeit, Rückbaubarkeit und Recyclingfähigkeit am Ende der Lebensdauer der Gebäude. Die vorgeschlagene Konstruktion mit einer sehr schlanken Vormauerschale (d=65mm) erfüllt sowohl in der Wandgesamtstärke als auch in der Herstellung die hohen Anforderungen an Wirtschaftlichkeit und Einfachheit der Wandkonstruktion. Darüber hinaus wird mit dieser Konstruktion eine durable Konstruktion vorgeschlagen, die aufwändige, verklebte, wenig nachhaltige Verfahren vermeidet. Die überwiegende Ausführung der Fenster als Holz-Aluminium-Verbundkonstruktion erfüllt die Anforderungen einer nachhaltigen Bauweise an den Einsatz ökologischer Baustoffe und wartungsarmer sowie langlebiger Konstruktionen.
    Die extensive Dachbegrünung reduziert das Abwasseraufkommen durch Regenwasser und leistet einen positiven Beitrag zum Mikroklima in der Umgebung des Gebäudes.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.