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  • DE-67547 Worms, DE-67547 Worms
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-266756)

Neugestaltung südliches Domumfeld, Dom St. Peter zu Worms


  • 1. Preis

    Südlicher Domplatz mit "Haus am Dom", © SINAI

    Landschaftsarchitekten
    SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    AW Faust

    Mitarbeit
    Heyden Freitag, Marta Balestri

    In Zusammenarbeit mit:
    Visualisierer: werk3 architekturvisualisierungen, berlin (DE)

    Preisgeld
    7.500 EUR

    Erläuterungstext
    Mit der offenen Kulisse des Domplatzes und dem kontemplativen Kreuzgang fügen sich zwei atmosphärisch konträre Stadträume in den Reigen der Plätze und Gärten im historischen Zentrum von Worms.
    Der Domplatz ist der Resonanzraum des Doms St. Peter, ein großzügiger, nach Süden offener Platzraum mit vielfältigen visuellen Korrespondenzen. In den Plattenteppich aus lokalem Naturstein ist eine präzise zugeschnittener Rasenspiegel eingesetzt. Während die zentrale Zone des Platzes zum Dom mit ca. 5% ansteigt, entwickelt sich vor der westlichen Platzkante ein spezifisches Relief. Eine Rampe zur Straße und eine Terrassierung mit zwei Treppenläufen binden das neue Besucherzentrum, das Haus am Dom, in den Platz ein.
    Der Kreuzgang stellt einen Resonanzraum des Inneren dar. Pflanzquadrate aus Ilex, überstanden von dachförmig gezogenen Linden, fassen im Zentrum des Wegekreuzes eine Bronzeschale mit einem feinen Wasserstrahl.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Kreuzgang besticht durch seine zurückhaltende, klare Struktur und stellt eine gelungene Mischung aus meditativem Rückzugsort und vielfältig nutzbarem Außenraum dar. Größe und Art des Wasserspiels im Zentrum des Kreuzgangs sind angemessenen und erzeugen im Kreuzgang eine atmosphärische Belebung. Das dargestellte Baumkarrée wird jedoch in seiner Größe kritisch gesehen – die Bäume rücken zu dicht an die Domfassade heran. Auftakt und Übergang von der Andreasstraße zum Domplatz werden durch die Weite und Auflösung der Stufenanlage überzeugend gelöst. Hierdurch entsteht eine großzügige Geste, die zugleich an den richtigen Stellen zu den Rändern hin nochmals akzentuiert wird. Der vorgeschlagene neue Baumstandort zwischen Rampe und Treppe irritiert zunächst und wird kontrovers diskutiert. Einerseits steht er in der Blickachse zwischen Dom-Südportal und Andreasstift; andererseits fasst er das westliche Ende des Platzzugangs und verdeckt die weniger attraktive Ansicht der Domhäuser. Besonders überzeugend wirkt der subtile Umgang mit den Mauerelementen, die durch leichtes Verschwenken eine Öffnung und Hinwendung zum Gemeindehaus und dem öffentlichen Café schaffen. Zugleich entsteht ein angemessen großer Bereich für die Außengastronomie, ohne das die Blick- oder Wegebeziehung zum Domportal beeinträchtigt würde. Das Geländer als Absturzsicherung ist zurückhaltend ausgebildet und in dieser Form gut umsetzbar. Die Standorte des Tastmodells und des Denkmals sind schlüssig aus dem Konzept heraus entwickelt. Allerdings sollte die Zuordnungen der beiden Objekte zu den Standorten überprüft und ggf. ein Tausch erwogen werden. Die Arbeit zeigt zudem ein durchdachtes Leit- und Orientierungssystem. Auch das Lichtkonzept ist gut nachvollziehbar dargestellt. Die vorhandenen Wege innerhalb der Grünfläche werden entfernt, neue Gestaltungselemente werden hier nicht vorgeschlagen. Dadurch besteht die Gefahr von »Trampelpfaden« entlang der diagonalen Wegebeziehungen über die Grünfläche. Im Bereich des Domplatzes wird ein Angebot an Sitzgelegenheiten vermisst. Die vorgeschlagenen Maßnahmen und Eingriffe in den Bestand beschränken sich auf die notwendigen Bereiche, was eine Realisierung innerhalb des Kostenraums erwarten lässt. Von einem wirtschaftlichen Unterhalt kann ebenfalls ausgegangen werden. Insgesamt besticht der Entwurf in seinem sehr sensiblen Umgang mit den vielfältigen Anforderungen der Aufgabenstellung und mit seinen detaillierten, durchdachten Lösungsvorschlägen und lässt in diesem Sinne auch eine besonders sorgfältige Umsetzung und qualitätsvolle Realisierung erwarten.