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  • DE-77815 Bühl, DE-77815 Bühl
  • 05/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-243814)

Campus Bühl | Erweiterung Aloys-Schreiber-Schule


  • 3. Preis

    Grundriss EG, © Lehmann Architekten GmbH

    Architekten
    Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Helleckes Landschaftsarchitektur, Karlsruhe (DE)

    Preisgeld
    18.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Ziel des städtebaulichen Entwurfes ist die Stärkung des Gesamtzusammenhangs des Campus Bühl auf der Basis der bereits erfolgten Baumaßnahmen und der Bestand-strukturen, insbesondere des Parkplatzangebotes. Durch achtsames Fügen wird eine neue Logik entwickelt:

    Der Campus Bühl wird durch eine leistungsfähigere äußere Erschließung und eine klarere innere Ordnung gestärkt. Dies erfolgt einerseits durch die Verbesserung der Abbiegemöglichkeiten aus der Rheinstraße in die Güterstraße, die Steinstraße und die Elisabethenstraße mit der Zufahrt zur neuen Tiefgarage der Aloys-Schreiber-Schule und ihrer Anbindung an die Sparkassentiefgarage.

    Der Knotenpunkt Rhein-/Steinstraße wird über einen kleinen Kreisverkehr so gelöst, dass eine leistungsfähige Verbindung zur Sporthalle für die Fußgänger entsteht. Während hierdurch der Schwerpunkt der äußeren Erschließung von Norden gestärkt wird, ist die Eisenbahnstraße im Süden vor allem als flankierende Fußgängerpromenade gedacht, die sowohl den Zugang in das Quartier als auch die Ver-bindung zwischen Innenstadt und Bahnhof stärkt.

    Die verbesserte innere Ordnung und Orientierung wird durch ein windmühlenartiges Erschließungsnetz mit dem Platz Villefranche als Herz gestärkt. Aus allen vier Richtungen erhält das Quartier einen markanten Zugang. Die Aufenthaltsqualität des Platzes wird verbessert. Zusätzlich erfährt er eine Aufwertung durch die räumliche Verknüpfung mit dem Garten des Kinder- und Familienzentrums. Hier sind auch die übergeordneten Mensen und das Schülercafé vorgesehen.

    Alle Freiräume, Platzräume und baulichen Maßnahmen werden im Kontext dieser Ordnung weiterentwickelt. Die Baumreihen der ,Windmühle’ werden gestärkt. Die vorhandenen Platzräume wie Villafranca und Europaplatz werden vereinfacht und in ihrer Abgrenzung klarer definiert. Der Vorbereich der Sparkasse wird aufgeweitet und die Fassade entsprechend vereinfacht. Wir sehen hier am Eingang der Sparkasse den eigentlichen Sparkassenplatz.Durch die Verkehrsberuhigung im angrenzenden Abschnitt der Eisenbahnstraße entsteht ein Gegenüber zum Eingang des Stadtgartens.

    Der Neubau des Kauflands bildet zusammen mit dem Elektromarkt ein Versorgungs-zentrum, das durch das Dach am ZOB mit seiner nördlichen Verlängerung und dem Mobilitätszentrum einen attraktiven Raum bildet. Entlang der Güterstraße wird die Wegeverbindung zwischen Bahnhof im Süden und Sporthalle im Norden entlang der Realschule geführt und springt im Platzbereich des Mobilitätszentrums auf die neue Freifläche entlang der Bahngleise über. Durch die Konzentration der Stellplätze unter dem Kaufland entsteht hier der notwendige Spielraum.

    Der Neubau der Aloys-Schreiber-Schule wird an der Marktstraße positioniert. Der großzügige Schulhof wird nach Primar- und Sekundarstufe gegliedert.

    Durch die Erweiterung der Realschule auf dem Dach kann der Platz Vilafranca als Schulhof und Gegenüber der Mediathek in der ihm angemessenen Größe und Ausrichtung erhalten werden. Für das südlich angrenzende Grundstück wird kleinteilige Wohnbebauung und die Arrondierung des Schulgrundstückes vorgeschlagen.

    In der Summe der Maßnahmen wird das zentral im Stadtzentrum gelegene Quartier zu einem Campus für Bildung und Kultur weiterentwickelt.


    Erläuterungen Hochbaumaßnahmen:

    Kaufland
    Die Neubaumaßnahme von Kaufland ist für die gewünschte Aufwertung und Neugestaltung der öffentlichen Flächen am nordöstlichen Eingang zum Quartier ein wichtiger Baustein. Herausforderung ist die Gestaltung von ca. 5.800 qm Verkaufs- und Lagerfläche auf einer Ebene und die Organisation von weiteren 230 Stellplätzen (ca. 5.750 qm) für die funktional mit der Verkaufsfläche verbundene Parkierungsanlage.

    Es wird vorgeschlagen, den Geländeanstieg von Nordosten nach Südwesten von über einem Meter zu nutzen: durch eine halbgeschossige Absenkung der Parkierung im Nordwesten und eine Anhebung des Eingangsbereichs im Süden wird erreicht, dass die Parkierung einfach als offene Garage hergestellt werden kann. Gleichzeitig sind Haupteingang und Verkaufsebene auf dem Niveau des Erdgeschosses angebunden. Das Kaufland kann so zu einem städtischen Baustein werden.

    Die Verwaltung im Süden betont den Eingang und den städtischen Anspruch des Gebäudes. Durch eine intensiv begrünte Dachfläche könnte auch den ökologischen Anforderungen Genüge getan werden. Die Einfahrt zur Parkierung sowie zur Anlieferung erfolgt über die Güterstraße nördlich des Gebäudes, so dass im Süden als Pendant zum Geschäftszentrum Octomedia ein großzügiger Eingangsbereich in Verbindung mit der verkehrsberuhigten Luisenstrasse gestaltet werden kann.

    Wohn- und Geschäftshaus, Steinstr. 2
    Die Chance für eine Neubebauung sollte in Verbindung mit dem Neubau des Kauflandmarktes genutzt werden und die Dimensionen der Nachbarbebauung der Seniorenwohnanlage aufnehmen. Die Er-schließung könnte von der östlich verlaufenden Heidlauffstraße erfolgen.

    Kinder- und Familienzentrum
    Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude wird in seinem äußeren Erscheinungsbild
    erhalten und im Innern in geringem Umfang organisatorisch verbessert. Der nördliche
    Anbau in Nachbarschaft des neuen Aufzugelementes wird zurückgebaut und erhält ein
    eingeschossiges Eingangsgebäude mit Foyer und Garderobe. Über die vorgelagerte und barrierefrei erschlossene Terrasse kann der Saal im Erdgeschoss sowie die Mensa der Unterstufe direkt von der Elisabethenstrasse und der Aloys-Schreiber-Schule aus erreicht werden.

    Mensa und Schülercafé
    Die vorhandene Infrastruktur und die zentrale Lage des Kinder- und Familienzentrums mit einem sehr schönen Garten schaffen gute Voraussetzungen für die Platzierung der Mensa und des Schülercafés. Die vorgeschlagene pavillonartige, eingeschossige Bebauung nimmt Bezug zu dem neuen Anbau am Bestandsgebäude und schafft im Garten mit schönen Außenbereichen die Voraussetzung für die notwendige Aufenthalts-qualität.

    Aloys-Schreiber-Schule
    Die Fläche für die Erweiterung der Schule wird in einem kompakten Baukörper geplant, der gleichzeitig die Sporthalle beinhaltet. Die Platzierung an der Süd-Ost-Ecke an der Marktstraße ermöglicht die ge-wünschte externe Erschließung. Der Baukörper definiert im Nordosten einen großzügigen Freiraum, der für die Gestaltung der Pausenhöfe genutzt werden kann. Hier besteht auch die Möglichkeit, eine weitere Tiefgarage zu anzuordnen. Diese kann bei Bedarf mit der vorhandenen Tiefgarage der Sparkasse ver-bunden werden.

    Die Spielfläche der Sporthalle wird gegenüber dem Außengelände um ca. 3 m abgesenkt. Die schulinterne und die externe Erschließung der Halle erfolgt getrennt auf dem Niveau des Erdgeschosses. Im 1. Obergeschoss befinden sich die neuen Klassenräume mit einem großzügigen und flexibel nutzbaren Lernatelier. Diese Räume sind im Obergeschoss direkt mit dem Bestandgebäude verbunden.

    Mit der Klinkerfassade in hellem Farbton und lebendigem Farbspiel bildet die Erweiterung zusammen mit dem Bestandsbau ein spannendes Ensemble. Der Erweiterungsbau bleibt dabei insbesondere zur Marktstraße als eigenständiger Baustein ablesbar.

    Carl-Netter-Realschule
    Die Carl-Netter-Realschule bildet einen prägnanten Baukörper im Stadtraum. Im Norden und Osten sowie im Westen zum Platz Vilafranca schließt der öffentliche Raum unmittelbar an das Schulgebäude an. Der Außenbereich der Schule im Süden ist räumlich sehr begrenzt. Daher wird vorgeschlagen, die zusätzlich benötigten Räume auf dem Dach anzuordnen. Hierzu wird der vorhandene Treppen- und Luftraum sowie der Aufzug auf das Dach erweitert. Der neue Dachaufbau für die außerschulische Betreuung ergänzt das bereits bestehende Oberlicht im Osten der Schule.

    Mobilitätsstation für Fahrräder und E-Autos
    Um das Stadtquartier im Westen räumlich besser zu fassen, wird vorgeschlagen, den neugestalteten Platzraum zwischen Kaufland und Geschäftszentrum Octomedia mit einem Gebäude abzuschließen, in dem künftig Einrichtungen in Verbindung mit dem ZOB und Bahnhof untergebracht werden können. Ausgehend von diesem Gebäude könnte mit einer pergolaähnlichen Dachkonzeption der ZOB aufgewertet werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Ziel der Verfasser ist es, den Campus Bühl über eine leistungsfähigere äußere Erschließung zu stärken und zu ordnen. Sehr positiv bewertet wird die neue Fassung des ZOB mit langgestrecktem Dach und Mobilitätsstation.
    Der mit einem Baumkarree gefasste neue Platz Villefranche als zentraler Punkt der inneren Erschließungsachsen respektiert zwar die Liegenschaftsverhältnisse, wirkt aber zu klein und vermag nicht, die wichtige neue Mensa mit Cafeteria einzubinden. Generell wirkt das Freiraum- und Grünkonzept sehr formal und in seiner Maßstäblichkeit nicht durchdacht.

    Die neue Mensa bildet mit ihrer Winkelform ein Pendant zum Kifaz, wirkt aber als eingeschossiger Baukörper in ihrem Umfeld zu schwach. Die Verknüpfung von Mensa und Schülercafé und die klare Zuordnung separater Terrassen wird begrüßt.

    Die Erweiterung der ASS ist funktional gelungen, die 2-geschossige Anbindung an das Bestandsgebäude wird jedoch hinterfragt: Mit der Platzierung des Lehrerzimmers im südlichen Abschnitt des 2. OG geht eins der gewünschten Dreier-Module (Unterricht- Lernatelier) verloren. Die Zweiteilung des Schulhofs mit Hecke und Baumreihe ist in dieser Konsequenz nicht erforderlich.

    Die Erweiterung der Realschule mittels Dachgeschoss ist grundsätzlich denkbar, statisch aber noch zu prüfen.

    Verkehrsführung und Erschließung sind funktional gut gelöst, die Hierarchien wären allerdings noch auszubilden: So sollte die Steinstraße z.B. deutlicher untergeordnet werden. Der Raumbedarf für Ein-/Ausfahrt und Anlieferung des Kauflands wäre zu berücksichtigen, die Erschließung hier zu optimieren.

    Insgesamt liegen die Stärken der Arbeit in ihrem architektonisch-funktionalen Ansatz. In städtebaulicher und freiraumplanerischer Hinsicht wäre eine stärkere Positionierung wünschenswert.