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  • DE-33775 Versmold, DE-33775 Versmold
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-246491)

Innenstadtachse, Rathaus-, Markt- und Kirchplatz


  • 1. Preis

    Perspektive Rathausplatz, © Willi Landers

    Projekt
    Drei Plätze und ein Kirschblütenband

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    Mitarbeit
    Lutz Zangenberg, Willi Landers

    Erläuterungstext
    „Drei Plätze und ein Kirschblütenband“

    Eine identitätsstiftende Neugestaltung der zentralen Plätze und die Ausbildung einer zusammenhängenden Innenstadtachse über verbindende Elemente stehen im Mittelpunkt aller Entwurfsgedanken. Die Betonung des städtebaulichen Zusammenspiels zwischen Enge und Weite, Linie und Fläche, Verbindung und Aufenthalt bilden dabei das Grundgerüst des Entwurfes.

    Diese Leitidee – die individuellen Charaktere der verschiedenen Plätze zu betonen und gleichzeitig zu einem zusammenhängenden Innerstädtischen Raumgefüge zu verbinden – findet sich in allen Ebenen der Gestaltung wieder.



    Drei Plätze – drei Charaktere


    Rathausplatz – der Repräsentative

    Der Rathausplatz ist flexibel in seiner Nutzung und wird zum repräsentativen Stadtplatz und zur Bühne des kulturellen Lebens für Versmold. Zentraler Entwurfsgedanke ist die Ausbildung einer großzügigen, zusammenhängenden Platzfläche die schwach geneigt die vorhandene Topgraphie aufnimmt und leduiglich durch die Bebauung in seinen Raumkanten gefasst ist. Das zentral platzierte Wasserspiel wird zur Hauptattraktion für Jung und Alt. Die umlaufende Sitzeinfassung des Beckens lädt ein das Wasser in all seinen Facetten hautnah zu erleben.
    Die Rahmung des Platzes erfolgt zum Rathaus hin durch Sitzmauern, die sich dort wo es die Topographie zulässt zu einer Tribüne verdichten. Aus dieser Perspektive wird der ganze Platz zur Bühne und seine Nutzer zu den Akteuren. Der zentrale Bereich lässt auch die Möglichkeit zu eine temporäre Bühne für besondere Veranstaltungen zu installieren. Über den Platzbereich verteilte Sitzquader offerieren viele Aufenthaltsqualitäten und wirken als kommunikationsfördernde Treffpunkte. Eine barrierefreie Erschließung des Rathauseingangs ist nördlich des prägenden Bestandsbaumes entlang der Rathausfassade möglich. In den sonst homogenen Belag werden Pflasterintarsien eingelassen, die den Eingang des Rathauses betonen. Ebenso wie die Nutzer werden die Bestandsbäume zu den Akteuren des Platzes und dienen partiell als Schattenspender.

    Der Rathausplatz - flexibel in seiner Nutzung, repräsentativ und bedeutsam als neue Bühne des kulturellen Lebens in Versmold.



    Grüner Kirchplatz – der Kontemplative

    Der grüne Kirchplatz bildet einen Ruhepol im Raumgefüge der Innenstadtachse. Die großzügige, ruhige Rasenfläche ist begehbar und eine Zuwegung zum Denkmal wird über im Rasen liegende Pflasterbänder geschaffen. Die neue Form der umlaufenden Sitzmauer fügt sich in das städtebauliche Gesamtbild ein und findet eine Antwort auf die räumliche Situation mit gleichzeitiger Betonung der Kirche als stadtprägendes Gebäude.
    Die Bestandsbäume werden erhalten und in die Gestaltung eingebunden, es entsteht eine interessante Höhensituation. Der begehbare Pflasterbelag auf der südlichen Seite der Kirche wird erweitert und bietet somit genug Raum für Zusammentreffen im kirchlichen Rahmen. Dabei wird beachtet, dass zukünftig im Rahmen des neuen Gemeindezentrums eine erhöhte Anforderung an die der Kirche umliegenden befestigten Flächen gestellt wird. Neue Sitzangebote um die Kirchmauer herum, sowie auf der Rasenfläche selbst motivieren zum Aufenthalt am grünen Kirchplatz.

    Der grüne Kirchplatz – kontemplativ, ein Ort des Innehaltens und der Begegnung.



    Marktplatz – der Geschäftige

    Der Marktplatz bleibt weitestgehend unverändert. Die bestehende Belagsstruktur liegt innerhalb eines Platzrahmens. Die dadurch etablierte neue Form des Platzes in Verbindung mit der neuen Form des grünen Kirchplatzes schafft Ruhe im räumlichen Gesamtgefüge. Um den Platzrahmen herum wird der im gesamten Innenstadtgebiet verwendete Belag als barrierefrei begehbare Zuwegung fortgeführt. Längst des Platzrahmens angeordnete Sitzelemente stärken die neue Form des Platzes und locker um den Brunnen verteilte Sitzquader betonen diesen. Die Bestandsbäume werden in die neue Gestaltung eingebunden. Neben einer funktionalen Aufwertung des Platzes steht also ein respektvoller Umgang mit dem Bestand und eine durch klare Strukturen ruhig forcierte Raumwirkung im Mittelpunkt der Gestaltung.

    Der Marktplatz – geschäftig, strukturgebend und funktionell.



    Die Verbinder – Belag, Vegetation und Ausstattung

    Neben der Verstärkung der individuellen Charaktere der drei Plätze steht eine Verbindung dieser im Rahmen einer zusammenhängenden Innenstadt im Fokus der Leitidee.
    Diese Kontraktion zieht sich durch alle Gestaltungselemente.

    Ein einheitlicher Belag zieht sich durch das gesamte Planungsgebiet und zeigt klar an, wenn die Innenstadt betreten wird.
    Durch einen Belagswechsel von 20/40 Pflaster in Reihe verlegt im fußläufigen Bereich zu 10/20er Pflaster im Ellbogen-Verband im befahrbaren Bereich wird eine klare Trennung zwischen Straße und Gehweg geschaffen. Dies wird durch die wasserführende Basamentrinne entlang der Straßenführung verstärkt.

    Kernelement der Gestaltung bildet das Kirschblütenband. Entlang der Münsterstraße, der Ravensberger Straße und der Berlinerstraße werden als straßenbegleitende Vegetation Kirschbäume gepflanzt. Diese stärken die Ost – West Verbindung und die Ravensberger Straße als wichtige Achsen der Innenstadt. Zwei Kirschbäume an den jeweiligen Eingängen der Innenstadt schaffen Torsituationen und bilden einen würdigen Auftakt der Innenstadt.

    Die für den Freiraum prägenden Ausstattungselemente einheitlicher Bänke und locker verteilter Sitzquader wirken ebenfalls verbindend für die Wahrnehmung einer erkennbaren Innenstadtachse. Eine durchdachte Positionierung stärkt die klare Strukturierung und neuen Formen der einzelnen Plätze und erhöht die Aufenthaltsqualität in gewünschten Bereichen, wie etwa dem grünen Kirchplatz.



    Infrastruktur

    Die defizitäre, bestehende Situation einer undeutlichen infrastrukturellen Zonierung wird behoben und es wird eine klare Struktur geschaffen. Ab dem westlichen Innenstadtauftakt bis zur Abzweigung der Gartenstraße ist zwei-Richtungsverkehr möglich, um ein Erreichen des nördlich vom Rathaus liegenden Parkplatzes zu ermöglichen, ohne die gesamte Innenstadt durchfahren zu müssen. Ab dieser Abzweigung bis zum Beginn der Berliner Straße und entlang der Ravensberger Straße schafft ein-Richtungsverkehr mehr Raum für Gehwege und Platzflächen. Im ganzen Planungsbereich werden 88 Parkplätze über den Wechsel zwischen Längs-und Querparkern ermöglicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das von den Verfassern gewählte Motto „Drei Plätze und ein Kirschblütenband“ bildet die Klammer für die präsentierte Arbeit.
    Den Auftakt bildet im Westen der neu gestaltete Rathausvorplatz: Ein großzügiger, zusammenhängender, schwach geneigter Platz, in dessen Mitte ein attraktives Wasserspiel platziert ist. Dadurch ist viel Freiraum entstanden, der multifunktional (Kirmes, Stadtfest, Konzert) bespielbar ist. Die Stellplätze für Rathausbesucher sind gut entlang der Gartenstraße angeordnet. Durch den geplanten Zweibahnverkehr ist der Platz optimal an die Ringallee angeschlossen.
    Die Aufenthaltsqualität vor dem Rathaus wird durch lange, nach Süden orientierte, Sitzstufen gesteigert.
    Der Straßenraum ist klar strukturiert: Auf der Südseite Stellplätze unter Kirschbäumen, auf der Nordseite sind zahlreiche lange Bänke aufgestellt, die zum Verweilen einladen.
    Im Frühjahr lädt die Kirschblüte zum Besuch in der Stadt ein.
    Der neu gestaltete grüne Kirchplatz erhält eine umlaufende Sitzmauer. Durch die Beschränkung der Stellplätze auf der Südseite, erhält der Kirchplatz deutlich mehr Ruhe. Kritisch wird die Aufwertung des Denkmals durch die darauf zulaufenden Rasen-PlattenBänder gesehen. Wünschenswert wäre eine großzügigere Zuwegung zum Hauptportal der Kirche. Die Anbindung des Kirchenparkplatzes über die Ravensberger Straße (Einbahnregelung) sollte optimiert werden, da sich im Zuge der Umgestaltung des Gemeindezentrums Verkehre bündeln werden und eine Erreichbarkeit von Norden in diesem Entwurf nicht möglich ist.
    Der respektvolle Umgang mit dem Bestand am Marktplatz (inklusive der Einbindung des Blumenladens/ Wochenmarkt) wird begrüßt.
    Durch einen einheitlichen Belag (Betonsteinpflaster mit Splittvorsatz) wird das Plangebiet zusammengehalten. Durch zwei Verlegearten (in Reihe: fußläufig; Fischgrät: Straße) sind die Verkehrsräume klar strukturiert und sehr gut ablesbar.
    Fazit: Das vorliegende Konzept verspricht einen einfachen und gut strukturierten Plan zur angemessenen Umgestaltung der Versmolder Innenstadtachse


INFO-BOX

Angelegt am 19.06.2017, 10:58
Zuletzt aktualisiert 22.06.2017, 13:55
Beitrags-ID 4-141695
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