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  • DE-33775 Versmold, DE-33775 Versmold
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-246491)

Innenstadtachse, Rathaus-, Markt- und Kirchplatz


  • 3. Preis

    Perspektive | Rathausplatz, © Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten

    Landschaftsarchitekten
    Kortemeier Brokmann Landschaftsarchitekten GmbH, Herford (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Nils Kortemeier

    Mitarbeit
    Daniel Hagedorn, Jan-Hendrik Hüsken

    Erläuterungstext
    Ziel

    Die Münsterstraße ist die Schlagader des öffentlichen Lebens der Stadt Versmold. An ihr befinden sich wichtige städtische, kirchliche und private Institutionen, die im derzeitigen Zustand jedoch eher neben-, als miteinander existieren. Ziel ist es, die Zentrumsfunktion der Straße und ihrer benachbarten Plätze in ihrer örtlichen und überörtlichen Wahrnehmung und Nutzbarkeit zu stärken.
    Ein Rhythmus von Raumfolgen – vom großbaumbestandenen, pflasterbetonten Rathausplatz über die mit mittelkronigen Bäumen bestandene Münsterstraße hin zu einem großbaumbestandenen und grünbetonten Kirchplatz über die ebenfalls mit mittelkronigen Bäumen bestandene Berliner Straße hin zu einem pflasterbetonten Marktplatz und weiter in Richtung Osten – erzeugt Spannung und bietet eine Vielzahl attraktiver Nutzungsangebote für sämtliche Bevölkerungsgruppen.
    Der Straßenraum wird zudem ohne deutliches Aufzeigen von Nutzungshierarchien ausgebaut. Ziel ist es, sämtliche Nutzungsansprüche, wie z.B. PKW-, Rad-, Fußgängerverkehr sowie Aufenthalt auf einem homogenen Stadtpassepartout gleichberechtigt abzuwickeln. Dieses System kann im Laufe der Zeit zur weiteren Stärkung des Versmolder Stadtkerns auf Nachbarstraßen wie Gartenstraße, Ravensberger Straße, Altstadtstraße und Mittelstraße erweitert werden.

    Die Münsterstraße, mit der Berliner Straße als Verlängerung, soll wieder als zusammenhängender Straßenzug wahrgenommen werden, der die einzelnen Teilräume wie auch Institutionen sowohl gestalterisch als auch funktional verbindet. Zur Aufwertung der Nebenanlagen und Stärkung des Fußgängerverkehrs wird die Münsterstraße analog zum Vorschlag 11b des Büros Hahm in weiten Teilen als Einbahnstraße in W-O Richtung geführt. Der Kreuzungsbereich mit der Ringallee wird aufgeräumt, neu strukturiert und somit entschärft. Er erhält eine sog. „Abbiegetasche“, die es den von Westen kommenden Durchgangsverkehr ermöglicht, an auf Einfahrt in die Münsterstraße wartenden Linksabbiegern vorbeizufahren.
    Der Straßenraum gliedert sich nunmehr in eine 3,5 m breite Fahrbahn bei 1-Richtungs- bzw. min. 4,1 m bei 2-Richtungsverkehr. Beiderseits der Fahrbahn werden die Nebenanlagen höhengleich und ohne deutliche visuelle oder bauliche Trennung angeschlossen.
    Auf der südlichen Straßenseite gliedert eine Ulmenreihe (Ulmus ‚Rebona‘ resista ®) den Raum, trennt so vertikal Fahrbereich und Flächen für den ruhenden Verkehr. Die Baumbeete sind mit einer Staudenmischpflanzung bepflanzt, und an der den Gebäuden zugewandten Seite mit Sitzbänken belegt. Zwischen den Baumstandorten bieten sich sowohl Abstellmöglichkeiten für PKW und Fahrräder, wie auch Flächen für Kinderspiel an. Im Rahmen des St. Petri Marktes ist auch eine Aufstellung von Verkaufsständen möglich.
    Auf der nördlichen Straßenseite wird sowohl die Beleuchtung als auch ein taktiles Leitsystem für Blinde und Sehbehinderte implementiert. Parken ist hier – mit Ausnahme zweier Bereiche: Rathausplatz, sowie westliches Ende der Berliner Straße – nicht möglich.
    Die Entwässerung des gesamten Straßenraumes erfolgt über eine mittig im Fahrbahnbereich liegende Gosse. Diese gibt dem Autofahrer Orientierung und führt ihn sicher durch den Raum. Zugleich reduziert der Verzicht auf Rinnen in vorzugsweise von Fußgängern genutzten Bereichen mögliche Stolperfallen. Eine einheitliche Pflasterung aus Betonwerksteinen fügt den Straßenraum mit seinen benachbarten Teilräumen zu einem Ganzen zusammen. Leichte Farbunterschiede im Pflaster zwischen befahr- und begehbaren Flächen gliedern jedoch subtil zwischen den Nutzungsbereichen.

    Der Rathausplatz wird als städtischer Möglichkeitsraum gestaltet. Durch Entnahme einzelner Bäume sowie Abbruch der hohen Baumbeete an seiner westlichen Kante wird die Verbindung zwischen dem Rathaus und den westlich angrenzenden Geschäften und Institutionen an der Ringallee gestärkt. Der durchgehende Pflasterbelag rückt zudem die südlichen Gebäude der Sparkasse neben einem funktionalen auch in einen räumlichen Zusammenhang.
    Der Höhenunterschied zwischen dem Rathauseingang und dem Straßenlevel wird mithilfe eines Zwischenplateaus auf Höhe des vorhandenen Catalpa bignonioides vermittelt. Dem markanten Baum zugeordnet wird ein vegetativ geprägter Aufenthaltsbereich mit Überblick – sowohl über den Platz als auch zum Rathausentree. Die barrierefreie Erschließung sowohl des Rathauses wie auch des auf dem mittleren Level gelegenen Aufenthaltsbereichs erfolgt über Rampen: von Nordosten wie auch Südwesten. Im Sinne der Inklusion integrieren sich diese Rampen wie selbstverständlich Die Treppenanlagen zur Abwicklung des Höhenunterschieds werden in Richtung Rathaus geschoben. Die untere Ebene wird somit vergrößert. Hier befinden sich mit markanten Sitzbänken sowie einem flächenbündig eingebauten, und mit Staudenmischpflanzung bepflanzten, Beet, Objekte, die sowohl eine subtile Grenze der Befahrbarkeit darstellen, als auch attraktive Blickfänge, sowie Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Die Bänke können im Rahmen des St. Petri Marktes entnommen, das Beet aufgrund der gewählten Bauweise auch temporär überstellt werden. An der südwestlichen Platzkante können Stellplätze für Behinderte angeboten werden.
    Ein im Bereich der Treppenanlage flächenbündig in den Belag eingelassenes Wasserspiel erzeugt speziell in den Sommermonaten zusätzliche Attraktivität. Der Platz bietet in diesem Bereich auch die Möglichkeit Außengastronomie der benachbarten Bäckerei zu implementieren.
    Der Platz ist mit großformatigen Betonsteinplatten im gleichen Farbkanon der Pflaster im Straßenraum befestigt und unterscheidet diese Räume somit subtil, ohne jedoch den übergeordneten gestalterischen Zusammenhang aufzugeben.

    Der Kirchplatz wird – im Gegensatz zum Rathaus- und Marktplatz – auf zwei Ebenen als grünbetonter Platzraum gestaltet. Die vorhandenen Natursteinmauern bleiben größtenteils erhalten, bzw. werden ergänzt. An der südöstlichen Platzkante werden sie durch eine Stufenanlage, die zum Betreten des Rasens einlädt, ersetzt. Im nördlichen Bereich dieser Stufenanlage ist bedingt durch die Höhenentwicklung der Ravensberger Straße auch ein barrierefreier Zutritt auf das untere, nunmehr ohne Quergefälle ausgeführte Level möglich. Im Sinne einer Verbesserung der Nutzungsmöglichkeiten wird auch der obere, zwischen Denkmal und Kirche befindliche Bereich als ebene Rasenfläche ausgebildet. Es ergibt sich somit eine Stufe in Sitzhöhe, die zur Inbesitznahme einlädt. Im Bereich des der Kirche vorgelagerten Weges wird die Rasenfläche partiell befestigt um den veränderten Nutzungsanforderungen (z.B. Aufstellung Weihnachtsmarkt, Vorfahrt Hochzeitsauto) gerecht zu werden.

    Der Marktplatz bleibt in wesentlichen Bereichen unverändert. In den Randbereichen umspült der neue Pflasterbelag des Straßenraumes die bestehenbleibende zentrale Platzfläche, sorgt somit für eine barrierefreie Erschließung und bindet sie in das übergeordnete Konzept ein. Der Brunnen wird leicht vom befahrbaren Bereich entrückt. Zum einen, um seine zentrale Position auf dem Platz zu stärken, zum anderen auch, um bessere, da ruhigere Aufenthaltsmöglichkeiten in seiner unmittelbaren Nähe zu schaffen. Der Verzicht auf einen Baumstandort an seiner nordwestlichen Kante stärkt die Sichtbeziehung auf den Kirchplatz. Die südliche Zufahrt zum Marktplatz wird ebenfalls überarbeitet. Die Baumreihe wird entlang der westlichen Raumkante erstellt und der ruhende Verkehr somit von den zum Aufenthalt attraktiven östlichen Raumkanten entfernt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Wettbewerbsbeitrag zeigt durch die Gestaltung des Straßenraumes mit einer Baumreihe und dem gewählten Pflastermuster eine zusammenhängende Fläche.
    Die Plätze orientieren sich gut zum Straßenraum hin, öffnen sich und stellen gute zukünftige Nutzungsmöglichkeiten zur Verfügung.
    Die terrassierte Gestaltung des Rathausplatzes schränkt im Detail diese großzügige Nutzung jedoch ein, das zentrale Beet – auch wenn es temporär überbaubar gestaltet wird – wirkt in der Lage nicht optimal.
    Der Kirchplatz erfährt bessere Nutzung durch den eingezogenen Weg mit Sitzmöglichkeiten und die Absenkung zum Straßenraum.
    Es entsteht durch die offene Eckausbildung eine gute Sichtbeziehung zum Marktplatz.
    Der Marktplatz bleibt in den Proportionen ca. erhalten, allerdings werden sämtliche Bäume gefällt und der Brunnen verschoben. Zumindest der Entfall der Bäume führt nicht zu einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität, die Verschiebung des Brunnens kann im weiteren Planungsprozess angedacht werden.
    Die großzügigen Sitzmöglichkeiten an der Nordseite werden positiv bewertet.
    Die Verkehrsführung mit Einbahnregelung und in Teilen Zweibahnregelung ist genauso nachvollziehbar, wie auch die Anordnung des ruhenden Verkehrs. Im Hinblick auf die Verkehrsführung erscheint der Jury die Lesbarkeit der einzelnen Nutzungsbereiche nicht eindeutig.
    Forderungen nach einem Leitsystem und zusätzlichen Aufenthaltsmöglichkeiten sind im gesamten Wettbewerbsgebiet dargestellt und nachvollziehbar, größtenteils gut gelöst.
    Das gewählte Pflaster in Materialität, Form und Farbe erscheint dem Ort angemessen. Es entsteht eine sanfte Differenzierung der Nutzungsbereiche durch minimale Farbunterschiede.
    Die Entwässerungsrinne in der Farbbahnmitte stellt ein Alleinstellungsmerkmal dieses Entwurfes dar. Sie ist im weiteren Planungsprozess bautechnisch weiter zu prüfen.
    Fazit: Der aufwendige Entwurf zeigt eine gute Lösung der gestellten Aufgabe, die Bereiche Rathausplatz und Marktplatz müssten in den o.g. Punkten jedoch überarbeitet werden.


INFO-BOX

Angelegt am 19.06.2017, 10:59
Zuletzt aktualisiert 05.06.2018, 08:52
Beitrags-ID 4-141697
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