loading
  • DE-10787 Berlin, DE Berlin
  • 06/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-270994)

Neubau der Bundesvorstandsverwaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes


  • Gewinner

    Blick aus Richtung Nollendorfplatz, An der Urania Ecke Kleiststraße, © O&O Baukunst / Finest-Images

    Architekten
    O&O Baukunst, Berlin (DE), Köln (DE), Wien (AT) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Energieplaner: IPJ Ingenieurbüro P. Jung GmbH, Köln (DE), Wien (AT)

    Erläuterungstext
    IDEE UND KONZEPT

    Das neue Haus des DGB wird urbaner Teil von selbstbewusster Größe im Stadtkörper und baulich Teil einer urbanen Stadtgesellschaft. Der DGB wird als Institution von nationaler Bedeutung seiner Rolle auch baulich gerecht.
    Der Neubau wird zu einem fein gegliederten Ensemble mit unterschiedlichen Höhen und Bezügen. Die Gebäudeteile ergeben einen markanten Baukörper und erscheinen zusammen als Eins. Das Gebäude komplettiert den traditionellen Stadtblock und spannt mit dem Hochhaus einen Raum zwischen den umliegenden Solisten der Nachkriegsarchitektur.
    Die seitlichen Gebäudeteile in der Kleiststrasse und Keithstrasse übernehmen die Traufhöhen der lagetypischen, angrenzenden Nachbarbebauungen. Zum städtebaulich aufgerissenen Kreuzungsbereich der ehemalig projektierten Stadtautobahn (Lietzenburger Strasse / An der Urania) wird aus dem Kontext der weiteren Solitärbauten ein Hochhaus mit einer Höhe von 52 Meter positioniert. Weithin sichtbar wird der Raum an der Kleiststrasse und über die Kreuzungssituation neu aufgespannt und die Verbindung zum Wittenbergplatz gestärkt.
    Bautypologisch entzieht sich das Hochhaus den klassischen Kategorien von „Punkthaus“ oder „Scheibenhaus“. Vielmehr wird der zentrale Gebäudeteil des DGB aus dem Maßstab des Blockes zu einem „Grossen Haus“ aufgezogen. Die Ausrichtung der Schmalseite des DGB-Hauses in den aufgeweiteten Stadtraum erzeugt dabei eine solide und markante Präsenz.
    Die Ausrichtung der Schmalseite des neuen DGB-Hauses nimmt Bezug auf das filigrane Dorland-Haus von Rolf Gutbrod. Die schmal aufragenden Fassadenseiten werden ein typisches Merkmal für den neu gefassten Vorplatz. Die rückwärtige polygonale Blockstruktur wird in der Außenkontur des DGB-Hauses aufgenommen und fortgeführt. Das Dorland-Haus wird als freistehender Solitär unterstützt.Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude von Hans Soll vis-a-vis der Kleiststraße wird ohne jede Verniedlichung gewürdigt. Der selbstbewusste Auftritt des moderat hohen DGB-Neubaues korrespondiert mit dem Format der urbanen Großform des Denkmals. Die räumliche Öffnung zum Wittenbergplatz wird ohne die Setzung eines Anfangs- oder Endpunktes gestärkt.

    ERSCHLIESSUNG UND FUNKTION

    Die Zugänge werden klar getrennt mit Adressen zur Keithstraße für den DGB-Bundesvorstand und Kleiststraße für Fremd- und Bestandsmieter. Mit einer großen einladenden Öffnung in der Keithstrasse wird der Eingang Bundesvorstand des DGB weithin sichtbar. In einer geschichteten Raumfolge erschließen sich die öffentlichen Bereiche. Das DGB-Forum eröffnet zentral den Zugang in den DGB-Bundesvorstand als großer und lichter Raum. Das DGB-Forum zeigt sich kompakt durchlässig und verbindet alle Gebäudeteile und Funktionen, alle Mitarbeiter und Besucher – der zentrale Raum des Zusammenkommens und Zusammenbringens. Brücken und Galerien fördern die Atmosphäre eines verbindenden und offenen Ortes auch für weitere Veranstaltungen und Wechselausstellungen. Mit einer zentralen Treppe und der seitlich angeordneten Liftgruppe wird ideale Orientierung und Zugänglichkeit in die Büroetagen und der Konferenzbereich im 1.Obergeschoss gewährleistet. An das DGB-Forum schließt ebenerdig der große Saal mit Foyer an und verbindet sich – bei geöffneten Saaltüren - in einer fließenden Raumfigur mit dem Hofgarten und Cafeteria.
    Der Hofgarten ist die Übersetzung des DGB-Forum ins Grüne und Freie - mit Zugang aus dem DGB-Forum, dem großen Saal (250 Personen), der Büchergilde und der Cafeteria/Kantine (optional oder zu gegebenen Anlässen) sowie der Terrasse für den Saal im 1.Obergeschoss (150 Personen).
    Mit dem Ziel maximal nachhaltiger Flexibilität werden die einzelnen Nutzungsbereiche horizontal angeordnet. Zukünftige Veränderungen der Raumbedarfe lassen sich mit den vorgesehenen Erschließungen umsetzen. Der Erschließungskern Zugang Fremdmieter kann optional an das DGB-Forum angebunden werden. Die kompakte zweiflügelige Gebäudefigur des DGB gewährleistet mit freier Aussicht aus allen Aufenthalts- und Bürobereichen gesunde Arbeitsverhältnisse
    Entlang der frequentierten Kleiststraße sind die Einrichtungen für eine urbane Öffentlichkeit vorgesehen: Büchergilde, Cafeteria/Kantine (mit der Option eines externen Betreibers) und eines DGB-affinen Gewerbes. Anlieferung und Tiefgaragenzufahrt erfolgen über die Keithstraße.

    NACHHALTIGKEIT UND ENERGIE

    Gebäudehülle - Die sehr kompakte Ausgestaltung des Baukörpers führt zu einem energetisch sehr günstigen Verhältnis von Außenfläche zu Gebäudevolumen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet das Atrium, das die Außenfläche des Gebäudes reduziert und den angrenzenden Nutzungsbereichen als Pufferzone dient. Eine Überhitzung des Atriums wird durch die südlich orientierten Turmgeschosse in Verbindung mit einer farbneutralen Sonnenschutzverglasung ausgeschlossen. Die Lüftung des Atriums erfolgt natürlich über Zu- und Abluftöffnungen, angeordnet im Bereich der verglasten Stirnseite. Die Gebäudehülle weist Dämmwerte auf, welche die Mindestanforderungen nach aktueller Energieeinsparverordnung deutlich unterschreiten: Für die Außenwände werden 20 cm, für die Dächer 24 cm und für die Bodenflächen gegen außen bzw. unbeheizt 18 cm Dämmstärke berücksichtigt. Unter Berücksichtigung ökologischer und ökonomischer Aspekte wird in Verbindung mi der technischen Gebäudeausstattung ein Gesamtoptimum erreicht. Die Außenwände werden als Betonfassade ausgebildet, welche eine robuste und langlebige sowie wartungsarme Nutzung ermöglicht. Die Fassade wird mit 3-Scheibenverglasung als Verbundfassade / Kastenfenster ausgebildet; der integrierte, lichtlenkende Sonnenschutz kann dadurch wettergeschützt uneingeschränkt genutzt werden und bleibt zu Wartungszwecken gut zugänglich. Die Nutzungsbereiche weisen eine sehr gute Tageslichtversorgung auf; der Einsatz von Kunstlicht wird bestmöglich reduziert. Zur Steigerung des Nutzerkomforts kann, ergänzend zur mechanischen Lüftung, freie Lüftung über einen zusätzlichen Öffnungsflügel erfolgen.
    Die geplanten Gärten / Dachgärten mit ihrem hohen soziokulturellen Beitrag wirken darüber hinaus dem Heat-Island-Effekt sowie der Überschwemmungsgefahr durch Regenwasser entgegen und leisten somit einen insgesamt sehr hohen Nachhaltigkeitsbeitrag für das Gebäude sowie für das gesamte Umfeld.
    Gebäudeversorgung - Die Wärme- und Kälteversorgung des Gebäudes wird über einen unterhalb der Bodenplatte im Erdreich angeordneten Eisspeicher in Verbindung mit einer Wärmepumpe realisiert. Im Winter entzieht die Wärmepumpe dem Speicher Wärme; innerhalb des Eisspeichers wird flüssiges Wasser in Eis umgewandelt. Die Wärmepumpe versorgt die Lüftungsanlagen sowie die Heizungssysteme innerhalb der Nutzungsbereiche. Das „Abfallprodukt“ Eis innerhalb des Eisspeichers wird zur Kühlung der Serverräume sowie im Sommer zur Kühlung der Nutzungsbereiche und der Zuluft über RLT-Anlagen genutzt. Die Warmwasserversorgung der Kantine erfolgt vorrangig über Solarkollektoren, angeordnet auf dem Dach der Turmgeschosse, und wird durch Fernwärme ergänzt. Aufgrund der Außenlärmbelastung sowie der Gebäudehöhe erfolgt die Lüftung der Nutzungsbereiche über Lüftungsanlagen mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung. Für die Beleuchtung über Kunstlicht wird im gesamten Gebäude LED-Beleuchtung tlw. mit ergänzender Tageslichtsteuerung und Präsenzerkennung vorgesehen. PV-Module mit 6°-Neigung und Ost-West-Ausrichtung auf dem Dach der Turmgeschosse führen zu einer über den Tag gleichmäßigen Stromproduktion und erlauben eine optimale Ausnutzung der vorhandenen Dachfläche. Der produzierte Strom wird vorrangig im Gebäude selbst genutzt. Eine Zisterne im UG für Grau- / Regenwasser dient für Toilettenspülung im Erdgeschoss. Die notwendige Berücksichtigung eines parallelen Wasserverteilnetzes wird dadurch örtlich begrenzt. Die Wirtschaftlichkeit des Systems wird so verbessert.
    Raumsysteme - Die Nutzungsbereiche werden vorrangig über Flächensysteme beheizt und gekühlt, welche optimal mit den Systemen zur Gebäudeversorgung harmonieren und einen sehr hohen Nutzerkomfort ermöglichen. Die Grundbeheizung und Kühlung der Büro- und Verwaltungsräume erfolgt über das sehr wirtschaftliche Raumsystem Betonkerntemperierung, welches einen guten ganzjährigen Raumkomfort ermöglicht. Die Ausregulierung der Raumtemperatur erfolgt über Heizkörper.Die mechanisch geförderte Zuluft über Quellluftauslässe im fassadennahen Bereich bzw. in Besprechungsbereichen ergänzend im Bereich der seitlichen Trennwände wird mittels Überströmung innerhalb der Kommunikationszonen weitergenutzt. Eine Absaugung erfolgt an zentralen Punkten im Bereich der Kerne. Ein bestmöglicher Nutzerkomfort wird innerhalb der Konferenzbereiche durch Berücksichtigung von Heiz- / Kühldecken in Verbindung mit mechanischer Lüftung erzielt. Für den großen Saal im Erdgeschoss wird aufgrund der Raumhöhe eine ergänzende Fußbodenheizung geplant. Die Kantine im Erdgeschoss wird über Fußbodenheizung / -kühlung in Verbindung mit mechanischer Lüftung klimatisiert. Die Aufenthaltsbereiche Forum / Foyer im Atrium werden ebenfalls über eine Fußbodenheizung / -kühlung versorgt und natürlich belüftet. Der Einzelhandelsbereich wird über Heizkörper und mechanische Lüftung klimatisiert.
    Gebäudezertifizierung - Die sehr hohen ökologischen, ökonomischen und sozialen Qualitäten des Gebäudes machen eine Gebäudezertifizierung nach DGNB in Gold oder Platin möglich.

    Bereits in der Auslobung wird der Fokus auf relevante Nachhaltigkeitsthemen gerichtet:
    • hohe Energieeffizienz
    • geringe Lebenszykluskosten
    • Grauwassernutzung
    • Umnutzungsfähigkeit / Drittverwendungsmöglichkeit / Marktfähigkeit
    • Hoher Nutzerkomfort
    • Barrierefreiheit
    • Berücksichtigung von Sicherheitsbelangen
    • Öffentliche Zugänglichkeit
    • Ladestationen für PKW und Fahrräder

    Der vorgelegte Entwurf ergänzt sinnvolle weitere Nachhaltigkeitsthemen:
    • Schaffung von hochwertigen Aufenthaltszonen (Atrium, Kommunikationsbereiche)
    • Realisierung von Gärten / Dachgärten
    • Verwendung langlebiger und wartungsarmer Gebäudekomponenten
    • Verwendung emissionsfreier Baumaterialien und zertifizierter Hölzer

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 07.07.2017, 09:36
Zuletzt aktualisiert 13.05.2019, 14:36
Beitrags-ID 4-142691
Seitenaufrufe 435