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  • CH-8021 Zürich, CH-8049 Zürich
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-247996)

Ersatzneubau Garderoben- und Clubgebäude Hönggerberg


  • 3. Rang 3. Preis


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    Projekt
    Drei Flügel

    Landschaftsarchitekten
    Johannes Heine

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Donet Schäfer Architekten, Zürich (CH)
    TGA-Fachplaner: anex Ingenieure AG, Zürich, Zürich (CH)

    Erläuterungstext
    Landschaft und Infrastruktur
    Die Sportanlagen sind auf einem landschaftlich geprägten Sattel des Hönggerbergs gelegen, der neben dem Fussballbetrieb, auch für andere Sportarten und als Naherholungsgebiet genutzt wird. In der unmittelbaren Umgebung des Wettbewerbsperimeters befinden sich vereinzelte Bauten, eingebettet in einen Bestand von grossen Solitärbäumen. In diese grünräumliche Atmosphäre schieben sich eine Vielzahl von infrastrukturellen Elementen wie Zäune, Masten und Pfosten. Es soll in diesem Kontext ein neues Garderoben- und Clubgebäude für den Fussballbetrieb des SV Höngg und dessen Gäste entstehen.
    Drei Baukörper werden präzise entlang der Grundstücksgrenzen auf dem Wettbewerbsperimeter positioniert. Diese werden durch eine leichte Erschliessungsschicht miteinander verbunden.
    Gegenüber des Hauptspielfelds entsteht eine Raumkante, die einerseits als Schaufassade, andererseits als Belvedere für den Zuschauer verstanden werden kann.
    Nach Nordosten wird der Armbrustschützenverein gerahmt, nach Südosten entsteht ein grosszügiger Freiraum, der den gesamten Bestand der schützenswerten Föhren integriert.

    Ein Haus für den Sport und dessen Feste
    Das Raumprogramm setzt sich massgeblich aus zwei Raumgruppen zusammen. Den grössten Teil bildet die Infrastruktur für den Fussballbetrieb; Den anderen Teil das Clubhaus als Restaurant und Veranstaltungsort für Zuschauer und Sportler.
    Das Haus muss robust den sportlichen Alltag bestehen und den Feierlichkeiten, als wesentlicher Bestandteil von Wettkampf und Sieg, einen würdigen Platz bieten.
    Beide Nutzungsgruppen werden in einer Raumstruktur organisiert, um Synergien zu schaffen. Die Erschliessung aller Nutzungen wird als ein zusammenhängender außenliegender Laubengang organisiert, der von Sportlern und Zuschauern auch genutzt werden kann, um das Spielgeschehen zu verfolgen.
    Für die verschiedenen Nutzergruppen ist jeweils ein eigener Zugang vorgesehen. Diese Eingänge an den Stirnseiten der Gebäudeflügel werden um eine platzartige Aufweitung ergänzt, welche die bestehenden Bäume als Landmarks integriert.
    Zuschauer und Gäste betreten das Gebäude von der Kappenbühlstrasse im Südwesten. Der Haupteingang für den Sportbetrieb befindet sich an der Seitenstrasse der Kappenbühlstrasse nahe der Bushaltestelle mit Orientierung zum Naturrasenplatz. Ein zusätzlicher Eingang wird für die Spieler und Schiedsrichter der 1. Liga angeboten: Zwischen Armbrustschützenverein und Schiessanlage gelangen sie direkt und abgeschirmt vom Mannschaftsbus zu ihren Garderoben. Alle Nutzerströme können auf diese Weise entflochten, bei Bedarf aber auch den anderen Einheiten zugeschaltet werden. Im Gelenk der drei Flügel verbindet eine grosszügige Treppe die Geschosse miteinander. Alle Sportler erreichen die Gastronomie auf kurzem Weg, ohne das Gebäude verlassen zu müssen.

    Breitensport und 1.Liga
    Die Gebäudefigur setzt sich aus drei schlanken Flügeln zusammen. Diese werden im Erdgeschoss den drei unterschiedlichen Raumgruppen zugeteilt.
    Der Westflügel beherbergt die übergeordneten Räume für den Breitensport. Der Eingang erfolgt über die Stirnseite des Laubengangs, wo das Foyer und das Büro des Platzwarts den Auftakt bilden. Weitere Räume wie Sanität, Theorieraum, Materialräume mit Vereinskästen und Trainergarderoben werden hier zentral angeordnet. Die Schuhwaschanlage befindet sich unmittelbar am Eingang innerhalb des Laubengangs. Im Gelenk der drei Flügel befindet sich das Haupttreppenhaus über welches man ins Obergeschoss gelangt. Hier nehmen die Garderoben des Breitensports alle drei Flügel ein.
    Die Anordnung aller Garderoben des Breitensports auf einem Geschoss ermöglicht eine flexible Zuteilung und effiziente Handhabung der Garderobenwagen, welche zentral zur Verfügung stehen, aber bei Gebrauch in den Vorräumen der Garderobenpaare verstaut werden können. Die Garderoben werden so organisiert, dass sie dank der geringen Gebäudetiefe maximal von der grosszügigen Belichtungssituation profitieren.
    Der Betrieb der 1. Liga wird im Nordflügel mit Ausrichtung zum Hauptspielfeld untergebracht. Hier befinden sich die Garderoben der Spieler sowie der Schiedsrichter. Der Flügel kann wahlweise über den Parkplatz im Norden oder über den Laubengang der anderen Flügel betreten werden. Die Spieler und Schiedsrichter haben zudem einen direkten Zugang auf den Kunstrasenplatz.

    Das Clubhaus
    Die Gastronomie besetzt den südlichen Flügel und grenzt direkt an das Spielfeld an. Den Kopf des Gebäudeteils bildet ein zweigeschossiger Gastraum mit langer Theke.
    Die darüber liegende Empore kann als abgetrennter Bereich für VIP und Sponsoren genutzt werden. Der ebenerdige Gastraum richtet sich zum Spielfeld aus; auf der platzabgewandten Raumseite wird zur Belichtung ein hohes Oberlicht nach Süden ausgebildet.
    Angrenzend befinden sich die Sanitäranlagen, welche direkt aus dem Gastraum oder von Aussen erschlossen werden können. Die Küche wird als offene Küche mit BackOffice-Bereich konzipiert. Die Lagerflächen im Untergeschoss sind mit einer internen Treppe und einem Kleingüteraufzug direkt mit der Küche verbunden. Die zugehörigen Technikflächen sind ebenfalls unter dem Gastronomieflügel angeordnet. Das Restaurant ist in die Gebäudestruktur der Garderoben eingebunden und weitet sich zu einem grosszügigen zweigeschossigen Raum auf. Als Clubhaus bietet es einen feierlichen
    Raum für den Sport und dessen Feierlichkeiten.

    Synchrone Konstruktion
    Die Ausbildung und Anmutung der Loggia- und Laubengang-Typologie wird aus der Konstruktion und Materialisierung der Zaunanlagen abgeleitet. Der Zaun wird zu einem
    räumlichen Element erhoben. Die Laubengänge werden als selbsttragende Stahlkonstruktion ausgebildet, die gegenüber dem Spielfeld mit Drahtgeflechten als Ballfang bzw. Absturzsicherung ausgefacht werden.
    Die beheizten Volumen werden als Holzbau in Rahmenbauweise konstruiert. Die geringen Spannweiten, der hohe Vorfertigungsgrad, sowie ökologische Aspekte sprechen für einen Holzbau. Basierend auf der Tragstruktur wird die Konstruktion der Wände als zweigeschossige Rahmen konzipiert. Die Decken werden als Rippendecken ausgebildet, in der die haustechnische Ausstattung der Räume reversibel und nachrüstbar integriert werden kann.
    Die Fassade wird mit lackierten Holzwerkstoffplatten verkleidet und feinen Holzlisenen strukturiert. Zu den Gängen werden Öffnungen als grosszügige Oberlichtbänder ausgebildet. In den anderen Fassaden werden gezielt Öffnungen eingeschnitten, die in einer grossen Oberlichtverglasung für das Clubhaus münden.
    Die Tragwerke des Stahl- und Holzbaus sind parallel konzipiert und basieren auf dem gleichen Raster. Die Lastabtragung beider Konstruktionen ist autark, so dass keine unerwünschten Durchdringungen der Fassade entstehen.
    Lediglich die Aussteifung des Stahlbaus wird vom Holzbau übernommen. Die Materialisierung und Farbigkeit der Bauten wird ausgehend vom verzinkten Stahl der Loggia entwickelt. Lackierte Holzoberflächen werden dahingehend farblich harmonisiert. Die gesamte Anmutung soll die Leichtigkeit der Konstruktion widerspiegeln und einen einladenden Charakter erhalten.

    Die Logistik
    Die Anlieferung und Entsorgung für Gastronomie- und Sportbetrieb befindet sich im Untergeschoss auf der Nordseite und kann aufgrund des topografisch bedingten Niveauunterschieds ebenerdig erschlossen werden. Die Ver- und Entsorgung wird über Schleusenräume neben dem Haupttreppenhaus ermöglicht. Die Lagerräume für die Gartenwirtschaft sowie die Materialräume für die Spielfelder können direkt mit Hubwagen oder sonstigen Fahrzeugen von der Nordseite angefahren werden. Zusätzlich befinden sich unter dem Breitensportflügel die Betriebsparkplätze und ein Teil der Veloabstellplätze.
    Im Flügel unter der 1. Liga wird die Technik des Sportbetriebs zentral gebündelt und die Räume mit entsprechender Raumhöhe ausgestattet. Über die Flure im Untergeschoss werden alle Steigzonen mit den haustechnischen Medien erschlossen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfassenden entwickeln eine dreiflügelige Gebäudefigur, die sich entlang der Grundstückgrenzen ausbreitet und als Raum- körper verschiedene Aussenräume mit unterschiedlichen Qualitäten definiert. Das Hauptspielfeld wird von einer neuen Raumkante flankiert, die mit ihren Laubengängen als «Belvedere» das Spielfeld aufwertet. Die bestehende, als Bolzplatz genutzte Wiese im Süden der Parzelle wird zweiseitig räumlich gefasst und erhält ebenfalls einen flankierenden Laubengang. Nord- und Ostflügel stehen exakt auf der Geländekante des vorhandenen Niveausprungs und nützen diese Höhendifferenz für die Erschliessung des Untergeschosses. Alle drei Flügel münden an ihren Enden in eine Zugangssituation, die das Gebäude eng und funktional schlüssig mit dem Kontext verknüpft. Im Süden befindet sich der Zugang für die Besuchenden und das Restaurant, im Osten jener für den Breitensport und im Norden die separate Erschliessung für die Mannschaften der Ersten Liga sowie die Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter. Die elegante Schlankheit der Baukörper und die filigranen Lau- bengänge relativieren den sehr ausgreifenden Charakter der Ge- bäudeanlage auf überraschende Weise und ermöglichen den Erhalt fast aller Föhren. Die Angemessenheit der raumgreifenden Setzung im sensiblen Landschaftsraum wird in der Jury kontrovers diskutiert. Der südliche Flügel, der das Clubrestaurant aufnimmt, empfängt die Besuchenden mit einer einladenden Geste. Der zweigeschossige Gästeraum wird zum Platz hin von einem gedeckten Aussenbereich flankiert. Eine zusätzliche gedeckte Zone für die VIP-Gäste befindet sich im Obergeschoss. Ein Grossteil der Nebenräume und deren Anlieferung sind im Untergeschoss angeordnet. Die Verteilung des Gastrobetriebs auf drei Geschosse ist ein erheblicher Nachteil für die betrieblichen Abläufe. Die Garderoben des Breitensports sind in den Obergeschossen aller drei Flügel untergebracht und werden durch offene Laubengänge erschlossen. Zwei gut platzierte Treppen – die Haupttreppe als Drehscheibe im Angelpunkt der drei Flügel und eine zweite Treppe beim Zugang zum Bereich Breitensport im Osten – erschliessen das Obergeschoss. Die Garderoben sind gut pro- portioniert und aufgrund der geringen Gebäudetiefe sehr gut belichtet. Jeweils zwei Garderobenwagen können pro Doppelgarderobeneingang in abschliessbaren Nischen deponiert werden. Der Bereich der Ersten Liga befindet sich im Erdgeschoss des Nordflügels. Er ist separat von Norden über eine Treppe vom unteren Niveau des Geländesprungs her erschlossen. Auch der separierte Zugang zum Hauptspielfeld funktioniert einwandfrei. Im Untergeschoss scheint noch erhebliches Sparpotenzial zuliegen. Abgesehen davon, dass dort Velo- und Betriebsparkplätze angeordnet sind, könnten mittels einer direkten Erschliessung von aussen auch Teile der Erschliessungsgänge eliminiert werden. Die Gebäude sind in Holzrahmenbauweise mit Rippendecken konstruiert. Die Fassadenhaut wird durch lackierte Holzwerkstoffplatten gebildet. Die Laubengänge sind als etwas gar feingliedrige Stahlkonstruktionen vorgeschlagen, die den Sportzäunen nachempfunden sind. Ihre Aussteifung wird von den Holzbauten gewährleistet. Es gelingt den Verfassenden, über die Anordnung und Organisation der Gebäudeteile, die Proportion der Baukörper und Laubengänge sowie über die Konstruktion und deren architektonischen Ausdruck eine sehr stimmige Anlage zu entwerfen, die für die Sportstätte und die Identität des Sportvereins einen deutlichen Mehrwert darstellen kann. Leider führt die ausgreifende Organisationsform aber auch zu betrieb- lichen und ökologischen Nachteilen: Die langen Wege stellen für den Betrieb eine Herausforderung dar. Das Projekt weist eine sehr hohe Energiebezugsfläche auf. Zusammen mit der grossen Fassadenabwicklung führt dies zu einem vergleichsweise hohen Jahresenergiebedarf und hohen Erstellungskosten.


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