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  • DE-77855 Achern, DE-77855 Achern
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250869)

Städtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen


  • 2. Rang 2. Preis

    Lageplan, © Stefan Fromm Landschaftsarchitekten

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    20.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Konzeption

    Das Konzept sieht eine klare, etwa hälftige Ost-West-Teilung der Illenauwiesen in Wohnbau- und öffentliche Parkflächen vor. Damit erfolgt eine Abstufung von einer „harten“ baulichen Struktur entlang der Illenauer Straße zum „weichen“ Park am naturnahen Mühlbach.

    Die Wohnbebauung wird in Form von drei aufgelockerten, aber klar strukturierten Wohnquartieren entwickelt, die sich jeweils um einen gemeinsamen Wohnhof gruppieren. Die Bebauung besteht aus unterschiedlichen Bauformen, wie z.B. Starterhäusern für junge Familien, Modulhäusern und punktförmige Stadthäusern, die den durchlässigen Rand zum Park markieren. Dieses variable und robuste Konzept ermöglicht eine marktorientierte, flexible Bebauung in unterschiedlichen Wohnungsgrößen und Bauherrenmodellen (z. B. Bauträger, Baugemeinschaften, Einzelbauherren). Den Erdgeschoßwohnungen sind jeweils eigene, private Gartenbereiche zugeordnet, die sich um einen gemeinschaftlichen Wohnhof mit Spielflächen (LBO) und Aufenthaltsbereichen gruppieren. Auf diese Weise entstehen attraktive Freiflächen und Kommunikationsbereiche. Zwischen den drei Quartierten stellen öffentliche Grünzüge die freiräumliche Verbindung zwischen Park und Illenauer Straße her und sorgen für eine gute stadträumliche Vernetzung und Anbindung zur Illenau. In den Grünzügen kann darüber hinaus das Niederschlagswasser in Versickerungsmulden (Mulden-Rigolen-System) gesammelt und an den Untergrund abgegeben werden.

    Im Süden wird die vorhandene Bebauung zu einer Zeilenstruktur ergänzt und bildet damit einem klaren stadträumlichen Abschluss zur Pappelallee. Im Norden wird die begonnen Zeilenbebauung an der Illenauer Straße fortgesetzt und damit die vorhandene Struktur arrondiert. Ein Winkelbau öffnet den Raum zur ehemalige Reithalle, die ein Gelenk darstellt zwischen Wohnquartier im Osten und Park im Westen. Der große Quartiersplatz inszeniert den historischen Solitär der Reithalle und verbindet zugleich den charakteristischen, ebenfalls historischen Bogen der Illenauer Allee mit den neuen „Illenauwiesen“. Die vorgeschlagene Nutzung der Reithalle als Brauhaus mit Brauereigaststätte könnte den Platz angemessen beleben. Ein großer, begrünter Parkplatz unter einem Baumdach bietet die notwendigen PKW-Stellplätze. Ein Fontänenfeld in einem Baumrahmen puffert den Verkehrslähm der Illenauer Straße- und ermöglicht eine attraktive und gute Nutzung des Platzes.

    Die Fahrerschließung der Wohnbebauung erfolgt über den Platz in Form einer einfachen Schleife. Die Zufahrten zu den drei Tiefgaragen liegen an der Illenauer Straße, um das Quartier möglichst verkehrsarm zu gestalten.

    Der Bürgerpark

    Der öffentliche, grüne Park erstreckt sich zwischen der klaren Kante der Wohnbebauung im Osten und dem Mühlbach im Westen. Der Park wird als „Bürgerpark“ mit Angeboten für alle Generationen konzipiert. Zwischen zwei intensiv gestalteten Randzonen mit verschiedenartig gestalteten Bürgergärten (z.B. Staudengärten, Wassergarten, Rosengarten, Schachgarten u.v.a.) auf der Ostseite und abwechslungsreichen Spiel-und Freizeitfeldern auf der Westseite spannt sich eine ruhige, öffentliche Grünzone mit großen Bestandsgehölzen und räumlich strukturierten Spiel- und Liegewiesen auf.


    Das historische ovale Badebecken wird denkmalpflegerisch wieder hergestellt und bildet ein markantes, identitässtiftendes Element der neuen „Illenauwiesen“.
    Zwei weitere Felder – jeweils an den Enden den Ost-West-Wegeverbindungen platziert – bieten Spiel- und Bewegungsangebote für Kinder und alle Generationen. Über grüne Sitzstufen wird der stellenweise aufgeweitete Mühlbach in den Park einbezogen und nutz- und erlebbar gemacht.

    Die Bestandsvegetation wird – wo gefordert – erhalten und in einen „ablesbare“ Grünstruktur aus bachbegleitendem Gehölzsaum, großen dominanten Einzelgehölzen und Gehölzgruppen sowie lockeren Baumstellungen eingebunden. Die vorhandenen Straßen erhalten zur Markierung der stadträumlichen Bezüge zwischen Stadtgarten, Illenauwiesen, Illenau und FFH-Gebiet prägnante Baumreihen oder Alleepflanzungen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    In dem Leitbild der Verfasser wird der Bezug der Illenauwiesen zur historischen Illenau thematisiert und gleichzeitig die Bedeutung des Bürgerparks herausgearbeitet.
    In der Grünstruktur ist der Mühlbach das Hauptelement. Der Blick von der Illenaustraße in den Park wird durch die neue Bebauung inszeniert.
    Die Maßstäblichkeit der Bebauung mit 2- bis 3-geschossigen Baukörpern verspricht eine hohe Qualität des Quartiers. Auch ergibt sich die Wohnqualität durch die umgebenden Freiflächen und die Wohnhöfe.

    Im Gebiet ist eine sehr gute Orientierung zu erwarten.

    Die strenge Anordnung der Baukörper wird im Preisgericht diskutiert – sie wird in der Realität durch die großzügigen Freiflächen und eine Varianz der Architektur gemildert werden.
    Die Haupteintrittspforte in den Bürgerpark mit Fontänenfeld wird Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Der Bürgerpark wird eine eigenständige und wertvolle Ergänzung zu den Acherner Freiflächen bieten und erreicht eine angemessene Flächengröße, die unterschiedliche Aufenthaltsqualitäten und Betätigungsmöglichkeiten eröffnet.
    Die Freiraumangebote entlang des Mühlbachs nehmen Rücksicht auf die ökologische Bedeutung des Gewässers.
    Als Filter zur Bebauung wirkt eine abwechslungsreiche Gartenzone. Trotzdem verbleibt mit der großen Wiesenfläche ausreichend Raum zur freien Aneignung.
    Aus ökologischer Sicht wird der Mühlbach in seinen naturnahen Qualitäten verbessert.
    Sehr sensibel ist die Aufnahme und Ergänzung des vorhandenen Baumbestands gestaltet, bis in die Wohnhöfe hineingreifend. Aus klimatischer Sicht ist ein Eindringen der Durchlüftung durch den ‚Achertäler‘ gegeben, was zusätzlich zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt.
    Die Erschließung ist angemessen. Die Flächen für den ruhenden Verkehr sind allerdings nicht ausreichend nachgewiesen.

    Die Arbeit stellt einen angemessenen Beitrag sowohl in städtebaulicher als auch freiräumlicher Hinsicht dar, der diese über viele Jahre unzugängliche Brache aufwertet.
    Die gestalterische Kraft des Konzepts arbeitet die Begabungen des Standorts gut heraus.