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  • DE-77855 Achern, DE-77855 Achern
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-250869)

Städtebauliche Neuordnung der Illenauwiesen


  • 3. Rang Anerkennung

    Lageplan

    Stadtplaner, Architekten
    rheinflügel severin, Düsseldorf (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: hermanns landschaftsarchitektur umweltplanung, Schwalmtal (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    Der Entwurf sieht für das Areal der Illenauwiesen eine klare Gliederung von Bebauung im Osten und Freiraum im West vor. Entlang der Illenauer Straße entwickelt sich eine um Gartenhöfe organisierte Wohnbebauung. Westlich davon entsteht ein Bürgerpark - die Illenauwiesen. Der Mühlbach bleibt über die gesamte Länge des Areals von Bebauung frei, sodass der Bürgerpark durch Einbeziehung der Uferbereiche an Großzügigkeit gewinnt.

    Auf der Ostseite der ehemaligen Reithalle signalisiert ein Ankunftsplatz die Besonderheit des Ortes. Die räumliche Öffnung erlaubt Einblicke in beide Richtungen – sowohl nach Westen zum Park einschließlich der denkmalgeschützten Halle, als auch nach Osten zur Illenau. Der Ankunftsplatz schafft Orientierung, fungiert als Gelenk und stellt eine angemessene Zahl von Stellplätzen zur Verfügung. Die Stellplätze dienen der Illenau, den neuen Nutzungen in der ehemaligen Reithalle, sowie dem geförderten Wohnungsbau im nördlichen Teilbereich.

    Für das denkmalgeschützte Gebäude werden unter dem Begriff „Actionhalle“ Freizeitnutzungen vorgeschlagen. Denkbar wäre eine Kletterhalle, eine Trampolinhalle oder ein Indoorspielplatz, ggf. in Kombination miteinander. Darüber hinaus soll das Angebot mit Gastronomie abgerundet werden. Zwischen der „Actionhalle“ und den südlich anschließenden Wohnhöfen vermittelt ein solitärhafter Wohnungsbau mit Cafénutzung im Erdgeschoss. Der Baukörper greift in seinem Zuschnitt die verschiedenen Richtungen des Ortes auf und definiert auf der Westseite im Zusammenspiel mit der Halle einen geschützten Außenraum mit Terrassen und einem großen Spielplatz in der Mitte.

    Von hier aus hat man einen weiten Blick in den weniger intensiv genutzten südlichen Teil des Bürgerparks, dessen Gestaltung dem Prinzip eines Landschaftsgartens folgt. Die Gestaltung erfolgt hierbei unter Beachtung des vorhandenen Gehölzbestands sowie einzelner markanter Baumsolitäre. Das ehemalige Illenaufreibad ist integrierter Bestandteil dieses Parkbereichs. Verschiedene Wegetypen verlaufen durch den Park, wodurch dieser vielfältig wahrgenommen wird. Von Ost nach West verläuft ein Aktionsband mit generationsübergreifenden Freizeitangeboten in Analogie zur neuen Hallennutzung. Entlang des Mühlbachs verläuft ein Spazierweg im Schatten der bestehenden Bäume. Begleitend zur Bebauung verläuft auf der Ostseite eine klassische Promenade in Nord-Süd-Richtung. Zusammen bilden die Wege ein System mit Anbindungen zu allen Seiten. Der Park ermöglicht darüber hinaus neue Fuß- und Radverbindungen von übergeordneter Bedeutung. Die wichtigste neue Verbindung führt vom Ortskern im Nordwesten über die Allerheiligenstraße, die Plaukelmatte, durch den Bürgerpark zur Illenau. Weitere Verbindungen führen vom Ortskern zur Pappelallee und von der Martinstraße zur Pappelallee. Somit ist der neue Park trotz seiner Binnenlage sehr gut vernetzt und stellt in Ergänzung zum Stadtgarten ein attraktives Freiraumangebot für die Acherner Bürger dar.

    Auf der Ostseite wird der Park durch die neue Wohnbebauung räumlich gefasst. Die Gebäude staffeln sich von 2 – 3 Geschossen im Süden zu 5 Geschossen am Ankunftsplatz, womit die Firsthöhe der ehemaligen Reithalle erreicht wird. Weiter nördlich staffelt sich die Bebauung wieder von 5 auf 3 Geschosse herunter, um möglichst unmittelbar an die angrenzende Reihenhauszeile anzuschließen. Insgesamt wird ein breites Spektrum von Wohntypologien angeboten. Beim südlichsten Hof dominiert Einfamilienhausbebauung. Bei jedem der folgenden Gartenhöfe erhöht sich der Geschosswohnungsbauanteil. Im südlichen Teilbereich handelt es sich dabei um frei finanzierten Geschosswohnungsbau mit Tiefgaragen. Im nördlichen Teilbereich entstehen insgesamt 36 förderfähige Wohnungen ohne Tiefgarage.

    Aufgrund der unmittelbaren Lage der Wohnbebauung an der Illenauer Straße, sind die erforderlichen Erschließungsmaßnahmen sehr gering. Zwischen den einzelnen Höfen führen Mischverkehrsflächen als Stiche bis zur Parkpromenade. Der Knotenpunkt Illenauer Straße/Illenauer Allee wird zugunsten einer Kreuzung mit Anbindung der Stellplätze auf dem Ankunftsplatz umgebaut. Die Stellplätze des geförderten Wohnungsbaus erreicht man unmittelbar über die Illenauer Straße auf der Höhe der Robert-Schuman-Straße.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Quartier besteht aus drei offenen Blockrändern, die jeweils private Wohnhöfe umschließen und sich von Süden nach Norden von zwei bis zu fünf Geschossen nach oben staffeln. Im Norden wird mit zwei Gebäudekörpern, die dem Geschosswohnungsbau gewidmet sind, zur Umgebung vermittelt. Positiv bewertet werden die klare kompakte städtebauliche Ordnung und hohe Dichte, die einen großen Freiraum ermöglicht, der die Idee der Illenauwiesen konsequent umsetzt. Die Höhendifferenzierung wird als Element räumlicher Gliederung prinzipiell anerkannt, jedoch erscheinen die angebotenen unterschiedlichen Gebäudehöhen im stadträumlichen Kontext nicht schlüssig.

    An das Wohnquartier im Norden anschließend wird ein Solitärgebäude mit öffentlichen Nutzungen im Erdgeschoss und darüberliegenden Wohnungen platziert. Offensichtlich als räumlicher Abschluss und städtebaulicher Akzent gedacht, wirkt der Hochpunkt im städtebaulichen Kontext unverhältnismäßig und verstellt den Blick auf die denkmalgeschützte Reithalle von der Illenauer Alle kommend. Mit den Stellplätzen auf dem Platz entsteht kein angemessenes Entree – die Chance zur Adressbildung wird vertan.

    Die Nutzung der ehemaligen Reithalle als Actionhalle mit Sport- und Freizeitnutzungen ist denkbar, jedoch bleibt die im Süden angebotene Freiraumspange mit Fitnessparcours/ das Generationenband, das einen Spielplatz rahmt, in der gestalterischen Ausbildung etwas holzschnittartig.

    Das Erschließungssystem überzeugt nicht bzw. ist nur in Teilen funktionsfähig – die Tiefgarageneinfahrten, die an Blocköffnungen liegen, beeinträchtigen die Qualität der Wohnhöfe. Die durch Stichstraßen ohne ausreichend dimensionierte Wendeplätze freigehaltene Westseite des Quartiers überzeugt gestalterisch nicht. Die flankierende fußläufige Erschließung wirkt seltsam starr - für eine sinnfällige Achsbildung fehlen Anfang und Ende.

    Die Idee eines großen Parks, der das neue Quartier mit der Nachbarschaft und dem Stadtpark verbinden könnte, wird nicht in ein überzeugendes Freiraumkonzept überführt.
    Die Fassadenansichten wirken fremd und versprechen keine dem Ort und Umfeld angemessene, hochwertige Qualität.

    Insgesamt weist der Beitrag anerkennenswerte Entwurfsansätze auf, er wird jedoch nicht als ganzheitliches, erfolgversprechendes Konzept für die Entwicklung der Illenauwiesen eingeschätzt.