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  • DE-86899 Landsberg am Lech, DE-82319 Starnberg
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-271986)

„Urbanes Leben am Papierbach“ Baufeld D - „Boardinghaus“ auf dem Gelände der ehemaligen Pflugfabrik


  • 3. Preis


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    Architekten
    atelier WW Architekten SIA AG, Zürich (CH)

    Mitarbeit
    Anna Abello, Reinhard Vier, Michael Frey, Axel Beck, Jan Busch, Flavio Häseli

    Erläuterungstext
    Städtebau und Konzept

    Das Projekt folgt in seiner Grundform der städtebaulichen Idee des vorhandenen Bebauungsplans. Die räumliche Vielschichtigkeit des Quartiers, sowie die klare Zonierung von öffentlichen Erschliessungsbereichen und privateren Freiräumen werden aufgegriffen und in der Projektierung als Leitidee formuliert.

    Der kontextuelle Dialog aus einer städtischen Prägung einerseits und einem naturnahen Grünraum andererseits, ist der Ausgangspunkt des Gebäudekonzeptes. Sowohl Gliederung, Ausrichtung als auch das Fassadenbild sind Ausdruck und Reaktion auf diese korrelierenden Parameter.
    In Richtung Südosten definiert die winkelförmige Gebäudeform einen introvertierteren, naturnahen Raum. Eine Balkonschicht, die vorgelagert als transparentes Volumen in Erscheinung tritt, macht diesen Freiraum für eine grösstmögliche Anzahl an Wohneinheiten erlebbar. Unter Einhaltung der maximalen Gebäudehöhe ist in Richtung Grünraum eine fünfgeschossige Zimmerschicht projektiert, sodass insgesamt 46 Wohneinheiten von diesen Ausrichtungs-Vorzügen profitieren.

    Seitens der urbanen Umgebung Richtung Westen und Norden reagiert der Projektvorschlag mit entsprechender städtischen Antwort in der Fassadengestaltung. Die beiden sich verschneidenden Gebäudeflügel bilden an ihrer Schnittstelle einen Einschnitt aus und akzentuieren damit volumetrisch den überdachten Eingangsbereich am Platz. Der öffentliche Charakter des nördlich gelegenen Empfangsbereichs wird durch diese Tektonik der Gebäudeteile verstärkt. Der Standort des Zugangs zum Boardinghaus belebt funktional den Raum zum Mutterturm und lässt die vielschichtigen Identitäten der Umgebung in einen Dialog treten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der vorliegende Entwurf reagiert auf den städtischen Raum und das Biotop mit einem Baukörper, der diese beiden konträren Parameter auf dementsprechend eindeutige Art und Weise in seinen Fassaden interpretiert – nach Norden und Westen wird eine strukturelle Analogie zum Karl-Schrem-Bau gewählt, die gitterförmige Struktur betont vornehmlich die Vertikale. Richtung Biotop akzentuieren umlaufende Balkone die Horizontale, dazwischen gespannt, generiert ein feines Maschengewebe Sonnenschutz,
    Rankhilfe für Pflanzen und gewisse Intimität der einzelnen Freiräume.

    An den prominenten Stirnseiten zum Mutterturm und zum Bahnhof verschränken sich die beiden Fassadenhaltungen, lassen auch von Norden kommend auf der Von-Kühlmann-Straße die atmosphärische Antwort auf das Biotop erahnen. Die janusköpfige Haltung erzeugt beidseitig ein eindeutiges und kraftvolles Gesicht, die an dieser Stelle durchaus als passend empfunden wird und als eigenständiger Auftakt zum Quartier gewertet wird.

    Das Herausarbeiten zweier zueinander gefügter Baukörper, was einen nordseitigen Versatz zur Folge hat, ist weniger überzeugend. Es unterwandert die starke Ansage der kraftvollen Struktur zum Platz am Muttertrum und dem „Karli“, dem Vorplatz des Karl-Schrem-Baus.

    Was in diesem Zusammenhang des Weiteren irritiert, ist das Negieren der Freiraumplanung, die den Teilnehmern im Vorfeld übermittelt wurde. Das vorliegende Konzept reagiert darauf in keiner Weise und bietet durch den alternativen Planungsansatz keinen entsprechenden Mehrwert.

    Im Inneren offerieren die Verfasser ein gut strukturiertes Gesamtgefüge, die Apartments weisen räum-liche Qualitäten auf, die Erschließung bietet gute Orientierung und räumliche Bezüge, einzig die Lobby ist äußerst knapp bemessen. Überzeugend sind die gut durchdachten Grundrisse und die zweigeschossigen Lofts mit beidseitiger Orientierung und Balkon. In diesem Zusammenhang muss eine Abweichung vom Bebauungsplan in Form einer Überschreitung der zulässigen Balkonanteile angemerkt werden.

    Grundsätzlich stellt die Arbeit einen sehr wertvollen Beitrag dar, der sich auch durch die hervorragende Ausarbeitung und Beschreibung hervortut. Allerdings kann der städtebauliche Eingriff im Modell nicht überzeugen, das Zurücknehmen der Ecke schwächt die räumliche Aussage aus dem Masterplan an dieser Stelle erheblich. Hinsichtlich der Materialisierung stellt die vorgeschlagene Ausführung in Faserzementplatten und Metallgeflecht einen Unsicherheitsfaktor dar. Hier ist nicht abzuschätzen, ob sich der gewünschte städtische Auftritt zum einen und der sich mit dem Naturraum verbündende Gestus zum anderen, in der Umsetzung tatsächlich erfüllen ließe.


INFO-BOX

Angelegt am 17.07.2017, 14:42
Zuletzt aktualisiert 25.07.2017, 16:18
Beitrags-ID 4-143113
Seitenaufrufe 248

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