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  • DE-47279 Duisburg, DE-47053 Duisburg
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-253121)

Freiraum Wedau-Süd | Freiraumkonzept und Freianlagen Südfläche


  • 3. Preis

    Kanalachse mit Bachgärten und Uferpark, © A24 Landschaft + A. Calitz Visual

    Landschaftsarchitekten
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    23.500 EUR

    Erläuterungstext
    See im Blick
    Auf dem Gelände des ehemaligen Ausbesserungswerks und Rangierbahnhofs Duisburg-Wedau entsteht mit bis zu 3.000 Wohneinheiten in den nächsten 10 bis 15 Jahren ein sowohl gesamtstädtisch als auch regional bedeutender Wohn- und Wirtschaftsstandort. Die 5 neuen Quartiere fügen sich in die vorhandenen Baustrukturen ein und schließen die Zäsur der ehemaligen Bahnanlagen zwischen den Ortsteilen Wedau und Bissingheim. Eine weitläufige Freizeitlandschaft, die sich vom Sportpark Wedau über die Regattastrecke bis zum Masurensee zieht, bettet die Quartiere ein. Für die Wohnbebauung bildet sie den verbindenden Rahmen mit hoher landschaftlicher Qualität und vielseitigem Freizeitwert. Insbesondere der enge Bezug zum Wasser, sei es die Regattastrecke im Norden, der Masurensee als Teil der Sechs-Seen-Platte oder der kleine Wasserlauf der Kanalachse, stellt eine herausragende Lagegunst für die zukünftigen Wohnquartiere dar.
    Eine ca. 2 km lange Promenade erstreckt sich von Nord nach Süd durch alle Quartiere. Beginnend an der Regattastrecke führt sie im Seequartier entlang des Masurensees, folgt der Kanalachse und begleitet den Uferpark bis zum Sportpark und Kleingartenareal. Sie verbindet die einzelnen Quartiere und definiert deren Bezug zum Wasser. Im Seequartier wird sie zur urbanen Promenade mit Außengastronomie am Wasser, sie fasst die Kanalachse und schließt den Uferpark mit einem Spiel- und Sportband zur Wohnbebauung des Quartiers am Uferpark ab. Das Gegenstück zur „Wasserpromenade“ bildet der Lärmschutzwall entlang der verbleibenden Bahngleise, ein bis zu 15 m hohes Landschaftsbauwerk als markantes bauliches Rückgrat der Quartiere.
    Verbindungsfugen gliedern die Quartiere und setzen sie voneinander ab. Gleichzeitig bieten sie einen Erholungsraum mit vielfältigen Nutzungen für die direkt angrenzenden Quartiere. Als wichtige übergeordnete Freiraumverbindungen verspannen sie die Achse der „Wasserpromenade“ mit dem rückwärtigen Wallweg.
    Eine untergeordnete Fußwegeverbindung bildet eine interne Verbindungsspur zwischen den Einzelquartieren. Quartiersplätze bilden Trittsteine entlang des Wegeverlaufs. Sie schaffen informelle Treffpunkte sowie Orte für Märkte und Veranstaltungen. Die Plätze definieren den Charakter der Quartiere und verleihen ihnen eine eigene Identität.

    Uferpromenade
    Die Uferpromenade wird das Gesicht der neuen Quartiere zum Masurensee. Der höheren Bebauung des Seequartiers vorgelagert, ist die Uferpromenade deutlich urbaner als die weiteren Uferabschnitte. Eine großzügige Fläche aus Natursteinplatten ist multifunktional nutzbar, für Seefeste, Außengastronomie oder einfach nur zum Flanieren.
    Platanenreihen gliedern die Promenade. Intarsien aus wassergebundener Wegedecke unterbrechen den Plattenbelag und sind schattige Aufenthaltsplätze unter dem Baumdach. Sitzelemente mit wechselnden Rückenlehnen schaffen Orientierung sowohl zur Ufer- als auch zur Quartiersseite.
    Lange Sitzstufen aus Holz verbinden die Promenade mit dem Seespiegel. Als großzügiger Aufenthaltsbereich bieten sie einen malerischen Blick über den See. Der Uferbalkon markiert das Ende der Promenade und definiert den Übergang zum landschaftlichen Ufer des Uferparks.

    Kanalachse
    Bachgärten mit einem naturnahem Bewuchs aus Uferrand- und Auwaldstauden erzeugen ein interessantes Wechselspiel unterschiedlicher Grünschattierungen und Blatttexturen: Angelica archangelica, Eupatorium fistulosum, Hosta sieboldiana ‚Elegans‘, Matteuccia struthiopteris und Ploygonatum multiflorum. Gespeist werden die Gärten aus dem Bissingheimer Kanal. In Wechselwirkung mit den variierenden Wasserständen entsteht ein amphibischer Ort, der den See optisch tiefer in das Quartier hinein zieht und Lebensraum für zahlreiche aquatische Tierarten schafft. Die Siedlungsentwässerung wird über diesen Kanal aufgefangen, vorgefiltert, zwischengespeichert und sukzessive an den See abgegeben.
    Ein Fuß- und Radweg aus dunklem Asphalt schafft eine räumliche Klammer um den Kanal und verbindet somit das Seequartier mit dem Park. Uferseitige Aufenthaltsbereiche mit einer schmalkronigen Baumreihe aus Pyrus calleryana in wassergebundener Decke und Sitzblöcken aus Stirnholz schaffen stimmungsvolle Aufenthaltsbereiche mit Blick in Bachgärten und Uferpark.
    Den östlichen Endpunkt der Kanalachse betont der Panoramaturm. Das skulpturale Holzbauwerk ist durch seine markante Form weithin sichtbar. Die südwestliche Lagegunst lässt die breiten Holzterrassen zu einem attraktiven Ort insbesondere in den Nachmittags- und Abendstunden werden. Die der Hangneigung des Lärmschutzwalls folgenden Terrassen gehen nahtlos in den Panoramaturm über. Mit seinen zusätzlichen 6 m Höhe schafft er einen weiten 360° Rundumblick. Die mit verschattenden Holzlamellen verkleidete Außenhaut schafft auf Höhe des Deichkopfes eine zusätzliche Zwischenterrasse. Der überdachte Bereich bietet Wetter- und Sonnenschutz und fokussiert den Blick auf Kanalachse und Masurensee.

    Traverse
    Als grüner Anger schafft die Traverse eine direkte Verbindung über die Fuß- und Radwegebrücke nach Bissingheim. Der Auftakt der Masurenseepromenade wird durch einen Kiosk als räumliches Bindeglied verbunden. Ein zentraler Spielplatz sowie Schottergärten definieren besondere Orte an den Schnittstellen zu den Quartieren. Die Schotterflächen verweisen auf die ehemalige Bahnnutzung der Flächen und schaffen einen starken Kontrast zu den üppig bewachsenen Ufergärten. Die Artenzusammensetzung aus Präriestauden wie Calamagrostis x acutiflora, Exchinacea purpurea ‚Alba‘, Gaura lindheimeri, Pennisetum alopecuroides und Phlomis tuberosa schafft einen weißen bis zartrosa Blütenschleier in den Frühjahr- und Sommermonaten.

    Uferpark
    Eine breite Parkterrasse setzt das fortlaufende System der Promenaden fort und bildet einen klaren Abschluss zwischen Uferpark und Stadtquartier. Der Uferpark ist gedachter Bestandteil des Masurensees. Auch ohne Wasserfläche verlängert er die großzügige Weite der Seenlandschaft bis an die gebaute Kante der kleinteiligen Stadtquartiere. Ein Sport- und Spielband aus intensiven Freizeitnutzungen bespielt die Parkterrasse. Felder für Streetball, Beachvolleyball, ein Kinderspielplatz, Tischtennis und Boulespieflächen konzentrieren das gesamte Parkprogramm innerhalb dieses Streifens. Der Nutzungsdruck auf das Seeufer wird somit in diesem Uferabschnitt stark zurück genommen. Im Gegensatz dazu wird die restliche Parkfläche als offene Parkwiese mit malerischen Baumgruppen inszeniert. Das fortlaufende System der Promenade endet am Segelverein mit einem grünen Platz als südlichem Auftakt. Freie Baumgruppen aus Populus tremula, Salix alba und Alnus glutinosa greifen Baumarten der Weichholzaue auf und schaffen stimmungsvolle Orte im Park. Großzügige Picknickdecks aus Holz folgen dem Seeufer und führen fragmentarisch das System der hölzernen Seeterrassen fort.
    Die Auwaldinsel betont den Mündungsbereich und schafft mit ihrer „urbanen Wildnis“ ein attraktives Pendant zur befestigten Uferpromenade. Zwei kleine Brücken verbinden die Insel sowohl von der Promenade als auch vom Park.

    Park Am Wasserturm
    Der Park am Wasserturm bildet das nördliche Entree in den neuen Stadtteil, in direktem Anschluss an den Knotenpunkt mit neuem Bahnhaltepunkt an der Wedauer Brücke. Das Nahversorgungszentrum rahmt den nördlichen Parkkopf.
    Der Park am Wasserturm erhält ebenso wie der Uferpark eine mit Platanen bestandene Promenade als starkes räumliches Rückgrat. Unterhalb des schattigen Baumdaches orientieren sich Sitzelemente zu den offenen Parkwiesen. Intarsien aus Wieseneinsaaten unterbrechen die Wegeflächen aus Asphalt. Ein System aus Querwegen verknüpft die wichtigen Anschlusspunkte an die angrenzenden Stadtquartiere. Der markante Wasserturm bildet den visuellen Bezugspunkt im Zentrum des Parks. Er wird zum begehbaren Kletterturm umfunktioniert. Eine großzügige Fläche aus farbigem EPDM- Fallschutzbelag mit Boulderwand und Kletterobjekten verschiedenen Schwierigkeitsgrades ergänzt den Indoor-Spielbereich und lässt den Ort zu einem beliebten Treffpunkt werden.
    Der Bereich vor dem Nahversorgungszentrum wird platzartig ausgebaut. Eine großzügige Fläche aus wassergebundener Decke bindet die Bestandsgebäude der Bahn mit ein. Ein Bürgerhaus mit Parkcafé bildet einen beliebten Anziehungspunkt im Park. Gleisgärten übersetzen das Thema der ehemaligen Gleisspuren mit Schottergärten und Präriestauden.

    Neue Gartenstadt und Quartiersplätze
    Die neuen Quartiere der Gartenstadt führen die Kleinteiligkeit und Wegestruktur des Stadtteils Wedau fort. Kleine Quartiersplätze bilden Trittsteine entlang der internen Fußwegeverbindung und schaffen einzelne Schwerpunkte innerhalb der Stadtquartiere.
    Ein streifenartiger Plattenbelag aus Beton definiert die Platzflächen. Baumhaine aus Prunus serrulata ‚Shirotae‘ schaffen einen hohen Wiedererkennungswert. Die Zierobstbäume verweisen auf die ehemalige Kleingartennutzung und auf das städtebauliche Leitmotiv einer modernen Gartenstadt. Sie verdichten die Obstgehölzstruktur der Privatgärten zu einem öffentlichen Baumhain als gemeinsamen Begegnungsort für die Quartiersnachbarschaften. Sitzelemente aus Beton und Wasserbecken laden zum Verweilen ein.
    Über den Platz an der Kanalachse wird die Masurenallee niveaugleich geführt. Ein überdachter Wartebereich mit Buswendeschleife wird in die Platzfläche integriert.

    Lärmschutzwall
    Der 1,5 km lange Lärmschutzwall bildet das Rückgrat des Quartiers. Mit seinen bis zu 15 m Höhe (inkl. Lärmschutzwand) erzeugt er eine starke räumliche Klammer und blendet die lärmintensiven Gleisanlagen nicht nur akustisch sondern auch optisch aus. Punktuell wird er auf der gesamten Länge nur an drei Stellen perforiert. Zwei Fuß- und Radwegebrücken führen in die östlichen Stadtquartiere und ein Panoramaturm schafft einen weiten Rundumblick. Seine Funktion als ökologische Ausgleichsmaßnahme mit Gebüsch und Schotterflächen schafft einen wertvollen Lebensraum insbesondere für Zauneidechsen.

    Fazit
    Die neuen Wohnquartiere betten sich wie selbstverständlich in die Freizeitlandschaft Wedau ein. Die Freianlagen der Quartiere setzen vorhanden Strukturen fort, und werten diese mit neuen Programmen und klaren Wegebeziehungen auf. Es entstehen Freiräume mit hoher landschaftlicher Qualität und abwechslungsreichen Freizeitnutzungen, die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Attraktivität der zukünftigen Wohnquartiere leisten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch eine klare Formensprache in orthogonaler Ausprägung, die sie konsequent und gut ablesbar über das ganze Quartier verteilt einsetzt. Diese klare Formensprache wird unterstützt durch den schwarz-anthrazitfarbenen Bodenbelag, dessen Anmutung kontrovers diskutiert wird.

    Die Promenade an der Seekante kann aufgrund ihrer Ordnung überzeugen, die rhythmische Baumstellung und die eingeschoben Holzstufenanlagen werden positiv bewertet. Negativ gesehen werden aber die vorgesehenen (zu großen) Platanen, die nicht barrierefreie Nutzungsmöglichkeit der Holzstufen und die Dimension bzw. Länge der Stufenanlage.

    Die Chance, den angrenzenden Wohngärten an der Promenade mit einer anderen Höhenlage mehr Intimität zu geben, wurde ausgelassen.

    Der konsequente Übergang zum Bruchgraben in der analogen Ausbildung mit einem starken Kontrast von "harter Kante" zu naturnahem Freiraum wird der Aufgabenstellung gerecht. Die Spannung zwischen urbanem Raum und Landschaftsraum wird gelobt. Auch die Ausformulierung des Endpunkts durch einen expressiven Holzturm wird begrüßt.

    Die Fortführung des dunklen Belags bis in den Uferpark hinein ist nachvollziehbar, aber die Verortung von intensiven Sportmöglichkeiten vor der Wohnbebauung ist falsch. Der Uferpark überzeugt mit seiner landschaftlichen und multifunktionalen Ausprägung, leider erreicht dieser Entwurf nur bedingt eine Unterbindung der Bademöglichkeit am Masurensee.

    Auch die Gestaltungsvorschläge des Parks am Wasserturm, der Traverse und der kleinen Stadtplätze bleiben in der konsequenten Formensprache.

    Kritisch wird der hohe Anteil an befestigten Flächen in der Traverse gesehen. Der Entwurf scheint aufgrund seiner vielen baulichen "harten Kanten" aus wirtschaftlicher Sicht im oberen Bereich zu liegen.

    Im gesamten bietet der Entwurf einen durchaus angemessen Vorschlag für die Aufgabenstellung, er lässt aber aufgrund seiner konsequenten harten Formensprache die Chance vermissen, dem orthogonalen Städtebau eine eigenständige, freie Landschaftssprache zu Seite zu stellen.