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  • DE-47279 Duisburg, DE-47053 Duisburg
  • 07/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-253121)

Freiraum Wedau-Süd | Freiraumkonzept und Freianlagen Südfläche


  • Anerkennung

    Seepromenade, © FUGMANN JANOTTA PARTNER mit KUBIK - studio für architektur

    Landschaftsarchitekten
    FUGMANN JANOTTA PARTNER Landschaftsarchitekten und Landschaftsplaner bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Harald Fugmann , Reinhard Busch

    Mitarbeit
    Marlen Matthäus, Sonja Rozman

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: KK urbanism architecture landscape | Christoph Kohl Architekten, Berlin (DE)
    Bauingenieure: ingenieurbüro obermeyer, Potsdam (DE)
    Visualisierer: STUDIOKUBIK Architekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    10.500 EUR

    Erläuterungstext
    Die Freiräume in WEDAU-SÜD –
    von der Transformation der Natur zum offenen Stadtraum


    Leitidee

    Wasser ist das Synonym für die Lagegunst Wedaus. Die Inszenierung des Themas ‚Wasser’ definiert auch die besondere Entwicklungschance des neuen Stadtteils Wedau-Süd. Für die Freiraumgestaltung ist denn auch die ehemalige WEiDenAUen-Landschaft eine wesentliche Orientierung.
    Ziel des Freiraumkonzeptes ist es, dem Entwicklungsgebiet und seinen einzelnen Quartieren eine besondere Identität zu vermitteln und für einen hochwertigen Nutzungsmix für alle Bevölkerungsgruppen zu sorgen.
    Landschaftszitate übersetzen die tradierten Bilder von Gewässern und Landschaft in eine moderne, artifizielle Formensprache. Das Ufer des Masurensees korrespondiert mit dem Uferpark und der Promenade - es entsteht eine harmonische Kante, die Natur und Urbanität miteinander verbindet.

    Drei Achsen verknüpfen die neuen Stadtquartiere in dem langgezogenen, von ehemaliger Bahnnutzung geprägten Siedlungsgebiet:

    Die See-Achse
    Die See-Achse schlägt eine Brücke zwischen der südlichen Sechsseenplatte und dem nördlich gelegenen Sportpark Wedau. Sie bildet das Rückgrat des öffentlichen Freiraums sowie ein Raumkontinuum. Das prägende Bild des Wassers leitet im Bereich der Gartenstadt in abstrahierter Form als landschaftliche ‚Uferkante’ mit Pflanzinseln zum Wassersportpark Wedau über. Mittelpunkt und Visitenkarte der Quartiersentwicklung sind die neue Masurensee-Promenade und der Uferpark. Die vielfältigen Aufenthalts- und Nutzungsangebote richten sich sowohl an die zukünftigen Bewohner als auch an Erholungssuchende aus den umgebenden Städten.

    Die Mobilitäts-Achse
    Die Erschließung Wedau-Süds in Nord-Süd-Richtung erfolgt über eine Allee-gesäumte Mobilitäts-Achse, an der die einzelnen Quartiere andocken. Sie ist Sammelstraße für den gebietsinternen Quellverkehr und den Busverkehr sowie für den übergeordneten Fahrradverkehr zwischen neuem S-Bahn-Halt und umliegenden Naherholungsgebieten. Die Großzügigkeit wird durch die begleitende Entwässerungsmulde unterstrichen, die zugleich den motorisierten Verkehr von Radfahrern und Fußgängern trennt.

    Die Natur-Achse
    Das Rückgrat des Biotopverbundes zwischen Huckinger Mark und Duisburger Stadtwald bildet der sonnenexponierte Lärmschutzwall entlang der Bahnfläche. Artenreiche, blühende Wiesen werden punktuell durch Gehölze ergänzt. Steinkuben, Trockenmauern und Holzpacklagen mit Nist- und Zufluchtsmöglichkeiten sorgen für bedeutende Kleinstrukturen und bilden vielfältige Lebensräume mit hoher Biodiversität - insbesondere für Tier- und Pflanzenarten des sonnenexponierten Offenlandes.
    Besondere Akzente bilden die drei Verknüpfungspunkte nach Bissingheim. Die Rampen, Treppen und Brücken sind eingebettet in trichterförmige, von Natursteinmauern gebildete Terrassen, die aufgrund ihrer Öffnung nach Südwesten ideal für den Weinanbau geeignet sind.



    Bausteine

    Der Freiraum bildet ein Patchwork differenzierter Frei- und Grünflächen innerhalb des Entwicklungsgebietes und verknüpft dieses mit den historischen Ortsteilen Wedau und Bissingheim. Es entstehen introvertierte, den vier Quartieren zugeordnete Treffpunkte für nachbarschaftliche Kommunikation sowie vielfältige Spiel- und Bewegungsorte und Treffpunkte für Bewohner und erholungssuchende Besucher aus der Umgebung.

    Die Masurensee-Promenade
    Flanieren und Natur-Genießen, an den vielfältigen Wassersportaktivitäten teilhaben oder zuschauen, den vielfältigen gastronomischen Angeboten zusprechen – das sind die Möglichkeiten, die den Besuch der großzügigen Promenade über das gesamte Jahr attraktiv gestalten und Urbanität ausdrücken.
    Auftakt der Promenade ist ein großzügiger Eingangsplatz. Der sich öffnende Blick auf den Masurensee sorgt für Orientierung. Ein zylinderförmiger Bau, in dem ein Kiosk und öffentliche Toiletten untergebracht sind, sowie Fahrradstellplätze stellen die erforderliche Infrastruktur her. Entlang des Masurensees entwickelt sich die Promenade auf zwei Ebenen – der 3m breite Seesteg sorgt für den unmittelbaren physischen Bezug zum Wasser; die großzügige Esplanade auf dem oberen Niveau eignet sich zum Flanieren und längerem Aufenthalt. Der Höhenunterschied wird von einer verklinkerten, ca. 2,0 m hohen Stützwand abgefangen.
    Der Seesteg wird mittels einer Rampe und einer (Sitz-)Treppenanlage erschlossen. In Höhe der Treppenanlage dockt ein Ponton an. Hier starten Wassersportler mit Kleinbooten, Sup's und Kajaks bzw. legen an. Außerdem eignet sich der Ponton als Seebühne; die Treppenanlage dient dann als Tribüne.
    In die Stützwand sind Sitznischen zum Verweilen eingelassen. Hier schaut man dem Treiben auf dem Wasser zu oder bestaunt die ‚Tide-Gärten‘. Diese haben vor dem Hintergrund des schwankenden Wasserspiegels verschiedene Höhenniveaus und präsentieren Pflanzen mit unterschiedlicher Überflutungstoleranz.
    Die Esplanade-Ebene ist durch üppig bepflanzte ‚Inseln‘ als Landschaftszitat räumlich strukturiert, die durch unterschiedlich tiefe Einfassungen zum Sitzen einladen. Angrenzend an die Treppenanlage befindet sich ein weiterer Pavillon, der die angrenzende ‚Strand-Lounge’ versorgt. Am südlichen Ende der Esplanade befindet sich der Seebalkon, der den Blick auf die beeindruckende Fußgängerbrücke zwischen Masuren- und Wolfssee richtet.

    Der Uferpark
    Im Uferpark stehen Landschaftserleben und sportliche Aktivitäten im Vordergrund. Eine ‚Seeterrasse‘ aus Holz lädt zum Verweilen ein und bietet den direkten Bezug zum Wasser. Die Uferkante ist durch Steinschüttungen und einen Schilfsaum geprägt, die gleichzeitig eine Badenutzung unterbinden.
    In den Park sind Nischen für besondere Freiraumnutzungen wie Beachvolleyball, Sportparcour zum Trainieren im Freien und Spielen untergebracht. Weite Wiesenflächen bieten Freiraum für Entspannung.
    Eine trapezförmig ausgebildete Mulde dient der Retention des anfallenden Regenwassers und markiert gleichzeitig die Grenze zwischen Quartier und Park.

    Traverse und Kanalachse
    Die Traverse ist ein wesentlicher Baustein der Verbindung zwischen der Gartenstadt Wedau und Bissingheim. Der landschaftliche Grünzug wird begleitet von trapezfömigen Flächen für Spiel- und Bewegungsangebote auch für Erwachsene. Ein Retentionsgraben grenzt die Traverse zur nördlichen Bebauung ab.
    Die vom Bruchgraben begleitete Kanalachse verbindet den Masurensee mit der Endhaltestelle der Buslinie sowie einem Aussichtsturm auf dem Lärmschutzwall. Eine visuelle Verbindung stellt einen spürbaren Bezug zwischen den alten, Nord und Süd markierenden Wassertürmen, die als Erinnerung an die ehemalige Nutzung des Geländes als Rangierbahnhof erhalten bleiben, her. Die Silhouette des Aussichtsturms ist eine zeitgenössische und abstrahierte Interpretation der histori¬schen Bauten. Die zylindrische Form ist gestaucht und gestreckt, um so mit der Land¬schaft und dem Lärmschutzwall zu verschmelzen. Die Landschaft zieht sich vertikal in den Turm hinein. Am Ende der Kanalachse endet diese nicht abrupt, sondern erweitert sich in eine Spirale, die letztendlich über den Lärmschutzwall und die Gebäude hinausragt. Von der Plattform genießt man einen weitläufigen Ausblick über die umliegende Landschaft, die Wälder und Seen sowie den alten und neuen gartenstadtartigen Siedlungen.

    Platz und Park am Wasserturm
    Platz und Park am Wasserturm im gleichnamigen Quartier bilden den urbanen Mittelpunkt des Entwicklungsgebietes. Hier befinden sich das Nahversorgungszentrum und der Schulcampus. Die neue S-Bahn-Station bildet die wichtigste Schnittstelle des öffentlichen Nahverkehrs. Die ehemalige Bahnnutzung ist durch das Stellwerk, das Verwaltungsgebäude und den Wasserturm besonders präsent.
    Die Freiflächen bieten Orientierung und einen vielfältigen Nutzungsmix. Der Platz ist Treffpunkt für die Wedauer und Bissingheimer Bevölkerung und bietet Möglichkeiten für Außengastronomie, Wochenmarkt und Open-Air-Events.
    Die Platzfläche springt über die Straße hinweg und vermittelt zur S-Bahn-Station. Hier entsteht ein Ort für die Jugend und eine Bühne für deren ungestörte Inszenierung. ‚Lärmintensive’ Nutzungen wie Skaten, Streetball und Fußball befinden sich in der durch die Bahnhofs-Rampen eingefassten Platz.
    Im ‚Wasserturmpark‘ sind neben weiten Wiesenflächen Spielplätze für Kinder bis 12 Jahre untergebracht. Liegedecks laden zum Verweilen und Beobachten ein.

    Die Quartiersplätze
    Die drei Wohnquartiere von Wedau-Süd verfügen über introvertierte Quartiersplätze, die Freiräume der nachbarschaftlichen Begegnung und Kommunikation sind. Markante Gestaltungselemente, die das übergeordnete Gestaltungsthema transportieren, sind die Pflanzinsel sowie ein Wasserspiel. Die Möblierung wird durch einen langen ‚Quartiers-Tisch’ und einen Sandspielbereich für Kleinkinder abgerundet.


    Materialität und Bepflanzung

    Als Hommage an die vorherige Bahnnutzung ist die Verwendung charakteristischer Materialien zu verstehen. Es findet sich Ziegelmauerwerk in den Stützwänden und -mauern wieder; Corten-Stahlplatten bilden die Brückenwangen.
    Die Esplanade sowie Traverse und Kanalachse erhalten einen Belag aus gebändertem Natursteinpflaster in grau/beige. Während der Seesteg aus Ortbeton mit eingeschnittenen Fugen gegossen wird, bestehen die Parkwege und die Wege aller übrigen Freiflächen zur Maximierung des Bewegungskomforts aus aufgehelltem Asphalt.

    Die Pflanzungen müssen widerstandsfähig gegenüber sich verändernden klimatischen Rahmenbedingungen sein und sollen durch ihre phänologischen Besonderheiten die Identität und Eigenständigkeit der Quartiere befördern.
    Auentypische Bäume und Gehölze in den Pflanzinseln begleiten die Freiräume vom Masurensee bis hin zur Regattabahn, während die übrigen öffentlichen Grünflächen mit standortangepassten, einheimischen Baum- und Gehölzarten ausgestattet werden.
    Die quartiersübergreifende Sammelstraße sowie die eher städtisch geprägten Quartiere am Wasserturm und Seequartier werden mit mittel-großkronigen Bäumen (z. B. Amberbaum mit prächtiger Herbstfärbung für die Sammelstraße, Nordamerikanische Rotesche für das Quartier am Wasserturm und Gleditschie für das Seequartier) bepflanzt ist. Die Erschließungsstraßen der von Einzel- und Reihenhäusern geprägte Quartiere werden mit mittelgroßen Bäumen ausgestattet (z.B. Gartenstadtquartier: Obstgehölze, Seequartier: Kobushi-Magnolie oder Blumen-Esche).

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Grundidee der Arbeit basiert auf den drei Achsen „Seeachse“, „Mobilitätsachse“ und „Naturachse“. Mit den ersten beiden Achsen werden gute Verbindungen in das und in dem neuen Quartier in Nord-Süd-Richtung geschaffen. Die „Naturachse“ umfasst den Lärmschutzwall und bleibt auslobungskonform außer für Wartungsarbeiten unzugänglich.

    Wenig ausgearbeitet sind demgegenüber Querbeziehungen in Ost-West-Richtung, innerhalb des Quartiers und zu den angrenzenden Stadt- und Freiräumen. Die wünschenswerte Anbindung an die Gartenstadt Wedau wird nicht hergestellt.

    Die dem Wettbewerb zugrundeliegende Rahmenplanung wird insgesamt gut durchdrungen. Allerdings wird die Vernetzung der vorgegebenen Freiraumstrukturen nicht in der erforderlichen Tiefe herausgearbeitet. Insbesondere die chiffreartige und gleichbleibende Ausgestaltung der Quartiersplätze kann nicht überzeugen, weil hier die Chance vergeben wird, wiedererkennbare Orte zu schaffen.

    Die Aufteilung der Promenade in einen oberen und einen unteren Teil ist ein nachvollziehbarer Ansatz. Gleiches gilt für die variierende Breite der Promenade und den geschwungenen Uferverlauf. Der untere Weg ist jedoch so schmal bemessen, dass im Gebrauch mit erheblichen Einschränkungen seiner Nutzbarkeit zu rechnen ist. Schon die Begegnung von Fußgängern erscheint problematisch. Die Nutzung des unteren Weges durch Radfahrer, die die Verfasser nicht ausschließen und auch nicht ausschließen können, führt sogar zu Gefährdungssituationen.

    Die der Promenade vorgelagerten Elemente („Tidegärten“) überzeugen aufgrund ihrer Kleinteiligkeit und beliebig erscheinenden Anordnung nicht. Aus Sicht der Barrierefreiheit ist kritisch anzumerken, dass nur ein Zugang zur unteren Promenade existiert. Außerdem wären weitere Treppenaufgänge zur Gliederung der zu lang erscheinenden Ufermauer und zur Verbesserung der Erreichbarkeit des unteren Weges wünschenswert.

    Die vorgeschlagenen Kleinarchitekturen für zwei Kioske auf der oberen Promenade scheinen unnötig. Insbesondere erzeugen der Kiosk im Bereich der Traverse und deren gleichzeitige Ausdehnung nach Westen eine pfropfartige Engstelle.

    Die Verfasser setzen sich erfreulich intensiv mit differenzierten Spielangeboten im gesamten neuen Quartier auseinander und bieten qualitätvolle Lösungsansätze. Sehr kritisch wird demgegenüber die große Heterogenität in der Formensprache und der Materialauswahl beurteilt, so dass die Arbeit insgesamt eher nicht als Grundlage für die Entwicklung des neuen Stadtteils überzeugen kann.