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  • DE-88131 Bodolz
  • 07/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7992)

Ideen- und Realisierungswettbewerb Zukunft Bodolz


  • Ankauf


    Anzeige


    Visualisierer
    room4b, München (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: bogevischs buero, München (DE)
    Landschaftsarchitekten: Herman Salm, München (DE)
    TGA-Fachplaner: ibt ingenieurbüro tremmel & partner, München (DE)
    Tragwerksplaner: Jacques Durst, Paris (FR)

    Erläuterungstext
    Ideenteil

    Ziel des städtebaulichen Ideenteils zur neuen Ortsmitte von Boldolz ist es, den öffentlichen Raum erlebbarer zu gestalten und ihn - durch entsprechende Wegeführungen und Platzgestaltungen - stärker in die Wahrnehmung von Passanten und Anwohnern zu bringen. Die ortsteilprägenden Einzelgebäude an der Rathausstrasse sind bisher durch viele Einzelmaßnahmen mit dem Strassenraum verknüpft, durch Stützmauern, Pflanzeinfassungen, Rampen oder Abtreppungen. Das Charakteristikum für den Ort - die leichte Höhenstaffelung im Gelände - wird damit aufgenommen.

    Diese Einzelelemente möchten wir aufnehmen und zu einer Raumsequenz aus Strassenräumen, Plätzen und verkehrsberuhigten Zonen zusammenführen. So wird der Strassenraum nicht mehr in Teilabschnitten erfahren, sondern als eine zusammenhängende Abfolge von öffentlichen Raumqualitäten. Die einzelnen Teilabschnitte werden dabei mit Nutzungen belegt, die der angrenzenden Bebauung und dem Strassenraum an der jeweiligen Stelle entsprechen.

    Somit entsteht für Bodolz eine Höhenstaffelung von Plätzen und Erschliessung, die den Raum auch dreidimensional fasst, z.B. durch erhöhte Aussenterrassen für ein Café oder eine Ausstellungshalle, einen tieferliegenden begrünten Platz am Rückelebach, der zum Ausruhen einläd, den Feuerwehrplatz, auf dem in Teilen den Rückelebach freigelegt wird und auch als Überlaufbecken den Wasserpegelstand der entwässerten Wiesen im Nordosten verdeutlicht.
    Bei der Einmündung des Rückelebachs in den Ort wird ein Zentrum geschaffen, das die öffentlichen Aufenthaltsbereiche bündelt und auch eine Sichtbeziehung hangabwärts zur neuen Mehrzweckhalle aufbaut.

    Ein besondere Funktion nimmt die Stützmauer auch im Bereich des Schul- und Kindergartenareals auf. Eine Passarele, die sich ca. einen Meter über dem Erdboden befindet, führt die Kinder sicher zur verkehrsberuhigten Zone in der Ortsmitte. Von dort aus kann die Fußwegsverknüpfung zur Sporthalle genutzt werden. Die Passarele ist gesäumt von Bäumen, die das Areal zu einem zusammenhängenden Raum fasst, der auch noch die Möglichkeit zur Nachverdichtung lässt.

    Im Osten wird man durch die beiden zusammenhängenden Platzgestaltungen und Bepflanzungen trichterförmig in den Ort geführt und empfangen. Von dort aus erschliesst sich ein Plateau für gastronomische und kulturelle Nutzungen. Der Platz östlich des bestehenden Gasthofs wird temporär als Biergarten angelegt und kann später durch einen erweiternden Gastraum ersetzt werden. Im Anschluß daran befinden sich zwei Höhenebenen, auf Straßenniveau ein kleinerer Platz, der temporäre Nutzungen aufnehmen kann, oder als Einmündung dem Fahrraum zugeschlagen werden kann. Auf der höheren Ebene befindet sich das \"Haus Elisabeth\", das für den Fremdenverkehr ausgebaut wird und mit Bäumen umschlossen wird. Von dort aus verengen sich die Straßenräume wieder und führen aus dem Ort.

    Landschaftsplanerische Ausgestaltung

    Die Grundidee ist, einen neue Charakter für den Straßenraum zu bilden und die aneinander gereihtem Objekte zusammen zu bringen. Hierzu sind einige Elemente vorgesehen:

    Die Straße erhält einen neuen Belag, gemischt und kleinteilig, damit der Verkehr beruhigt und verlangsamt wird. Der Verkehrsteilnehmer soll einen Ortskern und ein Zentrum erkennen. Asphalt wird reduziert und in kleineren Flächen wieder angewendet. Einfahrten, Einbiegungen und Inseln werden mit Granitpflaster angelegt. Bereiche mit Höhenunterschied und alten Betonmauern werden mit Natursteinmauern wiederhergestellt und sind somit als ein durchgehendes Element verbunden, womit der Ort optisch zusammen gefasst wirkt.

    Neue Baumpflanzung säumen die Durchgangsstraße und bilden Plätze vor dem Haus der Generationen, dem alten Bauern Garten und vor dem Feuerwehrhaus.

    Der vorhandenen Bach wird wieder geöffnet und mit zwei kleinen Weihern freigelegt. Stauvorrichtungen sichern die Wassertiefe und ein Durchlass verbindet beide. Durch diese Maßnahmen werden lokale Gestaltungselemente, die für den Ort typisch sind, wieder zum Vorschein gebracht und somit den Einwohnern wieder ein Stück Heimat wieder gegeben.





    Realisierungsteil

    Städtebauliche Einfügung

    Die städtebauliche Einfügung der Mehrzweckhalle kennzeichnet die besondere Lage des Grundstücks im Talkessel zwischen den Ortsteilen Bodolz Dorf und Enzisweiler.

    Der Neubau soll mit seiner Zuordnung zum Ort die Mehrfachnutzung der Halle verdeutlichen.
    Zum einen befindet sich die Halle am Rand einer losen Siedlungskante von Wohnbebauungen, zum anderen verläuft das Grundstück entlang eines Südhanges geneigt zum Rückelebach mit Blick auf die neue Ortsmitte von Bodolz Dorf. Die Orientierung der Halle setzt sich mit den beiden unterschiedlichen Ortsbezügen auseinander. Das kompakt organisierte Gebäudevolumen fügt sich als ruhige Geste in den Landschaftsraum ein, zwei Nutzungsebenen werden dadurch verknüpft.

    Auf der oberen Ebene orientiert sich die Halle am Maßstab der angrenzenden Wohnbebauung. Die alltäglichen, weniger repräsentativen Räume der Mehrzweckhalle werden von dort aus erschlossen. Sportler, Musiker und die übrigen Nutzer des Proberaumes betreten das Gebäude über einen seperaten kleinen Vorbereich, der unmittelbar an die sonstigen Nutzungen der Halle angegliedert ist. Die Mehrzweckhalle wird ihrer differenzierten Nutzung gerecht - als Musikproberaum, Versammlungsraum, Seminarraum oder Gemeinderaum erhält sie ihre seperate Adresse zur Austraße.

    Bei Großveranstaltung wird das untere Foyer mit repräsentativem Vorplatz genutzt, der auch von der neuen Ortsmitte Bodolz eingesehen werden kann. Die beiden öffentlichen Räume fügen sich über den Landschaftsraum zusammen. Im Inneren kann das Spielfeld auf der unteren Hallenebene als zentrales Bindeglied für beide Nutzungen gesehen werden.

    Auch im Hinblick auf einen wirtschaftlich nachhaltigen Gebäudebetrieb lassen sich beide Nutzungszuordnungen separat betreiben. Bei Großveranstaltungen gewährleisten die beiden Zugänge eine konfliktfreie Erschließung zwischen Darstellern und Zuschauern. Die Wohnqualität der Anwohner wird durch Lärmentwicklung bei Veranstaltungen nicht beeinträchtigt.

    Die Eingriffe in das vorhandene Wiesengelände beschränken sich auf das Wesentliche. Eine asphaltierte Erschließungsstraße verläuft linear in das Grundstück und erschließt von dort aus beide Zugänge.

    Gebäudekubatur / Raumfolge

    Die Gestalt der Mehrzweckhalle wird ihrer Hanglage und solaren Orientierung gerecht: eine horizontal lagernde Holzschale stülpt sich über eine filigrane Stahlglaskonstruktion im Nord-Osten und stützt sich auf eine massive Stahlbetonkonstruktion im Süd-Westen, wo sich auch die Zuschauertribünen befinden. Die untergeordneten Funktionsräume sind in den Hang eingelassen, die Fassadenflächen reduzieren sich somit auf ein Minimum.

    Auch im Inneren der Halle wird die Gebäudestruktur sinnlich wahrnehmbar. Die verwendeten Materialien - Holz, Beton und Glas - zonieren die unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Innerhalb der einfachen Gebäudekubatur entstehen dadurch Bereiche mit unterschiedlichen Raumatmosphären.

    Die Struktur der Halle soll die Bewohner von Bodolz anleiten, die Verbindung zwischen Landschaftsraum und Ortsmitte wieder bewusster zu erleben. Die Wege- und Sichtverknüpfung zwischen Ortsmitte und Halle wird ausgebaut und rückt in den Fokus von Einwohnern und Besuchern. Durch die Transparenz im Norden können sich die verschiedenen Hallennutzungen nach außen projizieren und geben Auskunft über Feste, Turniere und kulturelle Veranstaltungen.

    Landschaftsarchitektur

    Eine streng mit dem Baukörper laufende Zufahrtstrasse bildet den Eingangsteppich für die Anlage. Von hier aus sind die temporären Parkplätze, die Dauerparkplätze und die vorgelagerten Eingangsbereiche der neuen Halle erschlossen.

    Die asphaltierte Straße ist zu jeder Jahreszeit einsatzfähig und zeichnet sich mit ihrer schwarzen Deckschicht als ein starkes Element ab.

    Die temporären Besucherplätze sind als Wiesenparkplätze ausgebildet. Der unteren Tragschicht der Stellflächen und Zufahrten wird zur besseren Stabilisierung Schotter beigemischt. Die Wiesenparkplätze zeichnen sich nur während Veranstaltungen oder in einer kurzen Zeit danach in der Anlage ab. Während der restlichen Zeit sind sie nicht wahrzunehmen, bei entsprechender Pflege verschmelzen sie mit den übrigen Wiesenflächen des Grundstücks.

    Der Eingang des Musiksaals ist im Vorbereich mit einer Rasenpflasterfläche versehen und nimmt die befestigten Stellflächen auf, die für die alltägliche Nutzung ausgelegt sind. Zudem befinden sich dort 15 Fahrradstellplätze, die in eine vorgelagerte Hofstruktur eingegliedert sind.

    Ein schlichter Innenhof ist gerahmt mit Betonwänden. Der Bodenbelag besteht aus einer Kiesfläche, als Hofbaum ist eine amelanchier lamarckii (Kupfer Felsenbirne) gepflanzt. Der Musikhof im Außenbereich vergrößert den Saal optisch von innen nach außen und bietet den Musikern die Möglichkeit, im Freien zu proben.

    Auf der unteren Ebene finden sich die übrigen Fahrradstellplätze in einem überdachten, absperrbaren Außenbereich, geschützt vor Witterung und Einsicht. Ein großzügiger Vorplatz aus Ortbeton bietet die Möglichkeit, eine Veranstaltung auch auf den Außenbereich auszuweiten - ein Treffpunkt als Ergänzung zur der im Innen verfügbaren Fläche. Vor dem Eingangsplatz befinden sich noch weitere befestigte Stellplätze, die ebenfalls auf Rasenpflastersteinen untergebracht sind.

    Der Rückelebach wird in seiner ursprünglichen Funktion wieder hergestellt. Die Gestaltung und
    Materialauswahl sind ortstypisch und dem Landschaftsbild gerecht. Zwischen Halle
    und Ortsmitte wird ein den Bach begleitender Fußweg auf einer wassergebundenen
    Sandstreudecke angelegt.

    Tragwerk

    Das Grundprinzip des Tragwerks folgt den Nutzungsanforderungen der Halle und ihrer speziellen Orientierung im Gelände. Die Entwicklung des Tragwerks mit einer optimierten Lastabtragung soll die Schlichtheit der Idee aufnehmen, nicht zuletzt durch die Anordnung und Verwendung massenoptimierter Bauteile.

    Die Dualität zwischen Massivität und Leichtigkeit, Innenraum und Hülle findet sich wieder in den zwei Teilen der Tragstruktur: massive, teilweise unterirdisch angeordnete tragende Elemente für den westlichen Gebäudeteil und aufgelöste stabförmige Elemente für die abgewinkelte Dachkonstruktion, vorgesehen als dreidimensional gefügter Trägerrost.

    Aus der Nutzung des Raumes wird die Tragwerksidee weiterentwickelt. Die Lage der Tribüne gibt der Struktur eine eindeutige Orientierung und leitet den Blick von einer geschlossenen Rückwand im Süden des Gebäudes zum Spielfeld. Von den Sitzplätzen auf der gestuften Tribüne erschließt sich durch die verglaste Nordfassade ein Blick in die freie Landschaft.
    Bei der Tragstruktur zeigt sich diese Transversalität in der Faltung des Trägerrosts. Seine vertikalen Teile werden im Süden unmittelbar auf die Tribünenrückwand abgestützt, während die Nordseite des Trägerrosts auf schlanke Doppelpendelstützen aufgelagert wird.

    Um der Struktur eine ausreichende Längsstabilität zu geben, werden die Fassadenpendelstützen in der Längsrichtung biegesteif befestigt und der Trägerrost in einem kleinen Raster am Betonkern verankert. Die Stabilität in der transversalen Richtung erfolgt über die Biegesteifigkeit der Trägerrostecke, um alle horizontalen Lasten in der Querrichtung zum Betonkern der Tribüne weiterleiten zu können.

    Vertikale Lasten werden über den Betonkern und über die Pendelstützen an den Boden weitergeleitet. Wegen der unzureichenden Tragfähigkeit des Bodens können die lastabtragenden Elemente des Gebäudes nicht unmittelbar auf Streifenfundamente gegründet werden. Die Streifenfundamente werden auf Mikropfähle (Verdrängungspfähle) gegründet, die Kräfte werden dort zum tragfähigen Boden übergeleitet.

    Energie- und Hauskonzept

    Die wesentlichen Grundlagen des ökologischen Energiekonzeptes sind:

    • Erdwärme / Erdkälte (Energiepfähle) mit Wärmepumpe
    • Erdkanal zur Vorwärmung der Außenluft
    • Bedarfsgeführte Lüftungsanlagen (Luftqualtitätssteuerung)
    • Solarthermie zur Heizungsunterstützung und Warmwasserbereitung
    • Regenwassernutzung
    • Hochwertige Dämmung der Gebäudehülle

    Heizung

    Die zur Gründung des Gebäudes erforderlichen Pfähle werden als Energiepfähle ausgeführt (mit Soleleitungen) und in Verbindung mit einer Wärmepumpe und thermischen Sonnenkollektoren am Dach wird das Gebäude damit beheizt.

    Lüftung

    Die Mehrzweckhalle erhält eine hybride Lüftung, das heißt dass die Be- und Entlüftung natürlich über Fensterquerlüftung erfolgen kann – bei extremen Temperaturen wird mechanisch Be- und Entlüftet. Dann wird die Außenluft über einen Erdkanal geführt und vorgewärmt, bzw. im Sommer vorgekühlt. Bei mechanischer Lüftung wird die Luftmenge über eine Luftqualitätssteuerung dem tatsächlichen Bedarf angepasst (Energieeinsparung).

    Regenwassernutzung

    Das anfallende Dachwasser wird in einer Zisterne gesammelt, aufbereitet und zur Toiletten- und Urinalspülung, sowie für Reinigungszwecke und Bewässerung der Außenanlagen verwendet.

    Gebäudehülle

    Die Außenwände, Dach und Fußboden gegen Erdreich werden entsprechend gedämmt, so dass U-Werte bei ca. 0,15 w/m²K liegen und in Verbindung mit einer thermisch hochwertigen Verglasung (U-Wert ca. 1,1W/m²K) und dem Energiekonzept ist das Gebäude als Niedrigstenergiehaus realisierbar. Der sommerliche Wärmeschutz wird mit einem hochwertigen Sonnenschutz sichergestellt, darüber steht die über den Erdkanal Vorgekühlte Außenluft zur Nachtauskühlung zur Verfügung.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

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