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  • DE-88131 Bodolz
  • 07/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-7992)

Ideen- und Realisierungswettbewerb Zukunft Bodolz


  • Ankauf

    Kulturlandschaft

    Architekten
    FRANKE SEIFFERT ARCHITEKTEN, Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Cornelia Biegert Landschaftsarchitektur GmbH, Bad Friedrichshall (DE)

    Erläuterungstext
    Alpen, See, Kulturlandschaft

    Die Gemeinde Bodolz liegt in landschaftlich reizvoller Umgebung in unmittelbarer Nähe der Alpen und des Bodensees. Besonderes landwirtschaftliches Charakteristikum ist die Pflege der Kulturlandschaft mit ihren Streuobstwiesen und Obstbaumreihen. Durch die Schönheit der Landschaft liegt die Gemeinde stark im touristischen Interesse.

    Städtebau, Ortskern, Gebäude

    Der Ortskern ist geprägt durch ländliche Idylle. Die Gemeinde verfügt jedoch weder über eine städtebauliche Ausprägung noch besitzt sie eine klare Ortsmitte. Zentrale Funktionen wie Handel, Gastronomie und Kultur sind nur bedingt vorhanden. Die Rathausstraße als zentrale Achse wirkt gleichförmig. Allerdings verfügt sie über einige charakteristische erhaltenswerte Gebäude wie das Rathaus, die Alte Schule, den alten Dorfstadel und das Gasthaus Koeberle.

    Pluspunkte stärken, Schwächen beheben

    Der vorliegende Entwurf stand unter der Prämisse, die Schönheiten und Stärken der Gemeinde herauszustellen und seinen Schwächen mit gezielten und maßvollen Eingriffen zu begegnen. Die Ortsmitte erfährt eine Aufwertung in Gestalt und Nutzung. Durch bauliche Nachverdichtung wird die Ortsmitte zur Bahnlinie hin geschlossen und die Rathausstraße durch Stärkung der Raumkanten gefasst. Straßenbegleitende Baumpflanzungen unterstützen die Ausbildung einer Kante, verdichten den Straßenraum und schaffen so ein positives ländliches Bild. Durch die Verkehrsberuhigung sowie fußgängerfreundliche Gestaltung der Rathausstraße wird ihre Aufenthaltsqualität gestärkt. Niveaugleiche Platz- und Straßengestaltung ermöglicht barrierefreie Erschließung.

    Drei Plätze für Bodolz

    Die Ausbildung dreier unterschiedlicher Platzräume schafft Kristallisations- und Identifikationspunkte. Diese werden durch sinnvolle Ergänzung und Ausbau vorhandener Nutzungen realisiert und durch Stärkung von Raumkanten und Wechsel der Bodenbeläge kenntlich gemacht.

    Als neue Ortsmitte versteht sich der zentrale Marktplatz. Er erstreckt sich zwischen dem Gasthof Koeberle und dem Haus Elisabeth bis an die Rathausstraße. Das Haus Elisabeth wird behutsam zum Bürgerhaus mit Touristeninformation umgebaut und um eine Markthalle zur Rathausstraße hin erweitert. Der alte Stadel wird zum Heimatmuseum ausgebaut. Der Gasthof Koeberle erhält eine großzügige, belebende Außenbewirtschaftung. Der Marktplatz mit seinen verschiedenen Nutzungen, seinen Ständen und der Außengastronomie ist ein lebendiger, pulsierender Ort.

    Die Landschaftskultivierung im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne soll im Dorfzentrum thematisiert werden. Im bestehenden Bauerngarten wird traditionelle Arten- und Kulturpflege betrieben. Die gläserne Produktion im Norden des Marktplatzes hingegen vermittelt moderne Anbaumethoden.

    Der Rathausplatz als vorhandener Platzraum erfährt eine Aufwertung. Er wird durch bauliche Nachverdichtung nach Norden gefasst. Hier wird Seniorenwohnen als Nutzung vorgeschlagen. Der Rückelebach wird als Bachlauf freigelegt und speist den neuen Dorfbrunnen. Der Rathausplatz ist ein atmosphärischer Ort, an dem Ruhe und Begegnung gleichermaßen möglich sind.

    An der Schule wird ein neuer Platz geschaffen, der den Bedürfnissen der Jugend gerecht wird. Eine große befestigte Freifläche stellt Spiel-, Bewegungs- und Pausenraum für Kindergarten und Schule dar. Mit seinem Skatergraben ist der Platz auch Treffpunkt außerhalb der Schulzeit.

    Verkehr

    In der Rathausstraße werden am zentralen Marktplatz sowie vor der Schule Bushaltestellen angeboten. Die fuß- und radläufige Anbindung des Gebietes Bodolz Nord an das Ortszentrum wird verbessert. Die Verbindung zwischen Rathausplatz und Mehrzweckhalle wird durch einen Naturweg entlang des renaturierten Rückelebachs inszeniert. Es werden Baumergänzungsmaßnahmen mit regionalen Gehölzen entlang des Bachlaufs vorgeschlagen. Eine ausreichende Anzahl an Parkplätzen wird an zentraler Stelle angeboten.

    Ein Findling auf der Grünen Wiese

    Einem Findling auf einer Wiese gleich sitzt das neue Haus wie selbstverständlich erdverbunden in der Landschaft. Als Stein im Landschaftsgefälle bildet das Gebäude zur Hangseite eine Fuge aus. Durch diese Zäsur erhält das Gebäude Kontakt zum Außenraum. Durch seine polygonale Form orientiert es sich in alle Richtungen.

    Unter einem großen Dach

    Das ausladende Dach lehnt sich an den regionalen Scheuentypus an. Durch die Kombination des Satteldaches mit einem fünfeckigen Grundriss wird die Übertragung in eine zeitgemäße Architektursprache bewerkstelligt. Der Saal ist zentral im Gebäude eingebettet und versteht sich als Ort des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens in der Gemeinde. Er bietet Raum für die unterschiedlichsten Nutzungen wie Sport, Versammlungen, Vorführungen und Feste mit bis zu 500 Personen.

    Landschaft, Licht und Luft

    Das Gebäude öffnet sich mit seinem Eingang großzügig zur Austraße. Zum Rückelebach hin gewährt das weit auskragende und aufsteigende Tribünendach einen weiten Blick in die Landschaft. Bewusst positionierte Panoramafenster in verschiedene Richtungen eröffnen einen weiten Blick. Punktuelle Oberlichter im Dach schaffen einen großzügige Belichtungssituation des Saales. Fensterband und Oberlichter sind verdunkelbar und gewährleisten so die multifunktionale Nutzung des Saales. Die Bühne ist für separate Nutzungen abtrennbar.

    Umsetzung in Konstruktion und Materialität

    Ein Trägerrost bildet ein sinnvolles und wirtschaftliches Dachtragwerk. Die Konstruktion ist im Foyer und im Saal erlebbar und macht die Struktur des Gebäudes ablesbar. Horizontale Holzbretterschalung als Fassadenmaterial schafft die Anknüpfung an das Erscheinungsbild regionaler Scheunen und Stadel, die für den Entwurf Pate standen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.