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  • DE-06686 Lützen, DE-06686 Lützen
  • 09/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-256220)

Erweiterung der Gustav-Adolf-Gedenkstätte


  • 1. Preis

    Lageplan Gedenkstätte M500, © Station C23

    Landschaftsarchitekten
    Station C23 - Büro für Architektur, Landschaftsarchitektur und Städtebau, Leipzig (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Sigrun Langner

    Mitarbeit
    Sebastian Pietzsch, Michael Rudolph

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: F29 Architekten, Dresden (DE)
    Modellbauer: modellwerk weimar | Architekturmodelle, Modellbau, Frässervice, Laserservice, Weimar (DE)
    Architekten: Peter Zirkel Gesellschaft von Architekten mbH, Dresden (DE)

    Erläuterungstext
    Ausgehend vom historischen Bestand mit Schinkel-Baldachin, Kirche, Schwedenhäusern, sowie den raumprägenden Einfriedungen und Großbäumen, soll das Ensemble in Form eines Museumscampus erweitert werden. Das neue Gebäude wird an der nordöstlichen Grundstücksecke positioniert, der breite Gehweg entlang der Bundesstraße wird auf der Ostseite als durchgehendes Band um das Gebäude herumgezogen und verbindet den äußeren Teil mit dem neuen Campus. Die Erschließung vom Parkplatz erfolgt über dieses Band, der Zugang befindet sich in der Achse der historischen Via Regia, welche den Campus quert und in der östlich anschließenden Allee sichtbar im Bestand fortgeführt wird.

    Der Zugang in das neue Gebäude erfolgt von der Südseite in das Foyer, welches die gesamte Südwestfassade einnimmt und somit die Ausstellungen im Museum mit den im Freiraum vorhandenen „Ausstellungsstücken“ Baldachin, Kirche und Schwedenhäusern verbindet. Der Campus ist, aufbauend auf den Bestand, in vier Teile gegliedert: Kirchhof mit Baldachin, Schwedenhof mit den Schwedenhäusern, und Museumshof mit einem kleinen Parterre im Anschluss an das neue Gebäude. Vom Museumshof aus betreten die Besucher den Campus und erreichen die beiden anderen Gebäude sowie den Schwedenstein. Der Verlauf der Via Regia wird als abgesetzter Belag im Boden sichtbar gemacht und verbindet die bestehende Allee mit dem Campus.

    Das Parterre ergänzt die Ausstellung im Museum durch eine optische Installation im Freiraum. Von der etwas tiefer gelegene Fläche werden drei definierte Blicke auf das historische Schlachtfeld nördlich der Straße inszeniert. Das Parterre steigt in Richtung Straße leicht an und bildet so einen künstlichen Horizont in Höhe des Sockels des bestehenden Zaunes (so dass die Autos nicht mehr wahrnehmbar sind), der historische Stahlgitterzaun am Baldachin wird ebenfalls in abgewandelter Form fortgesetzt. Vertikale Lamellen stehen in einem engen Abstand und sind stellenweise so verdickt, dass von den Blickpunkten im Parterre aus gesehen schematische Bilder entstehen. Der Zaun wirkt also wie eine Projektion, es werden drei Bilder nach historischen Vorlagen erzeugt, sie sind in zeitlicher Reihenfolge entsprechend den historischen Ereignissen geordnet:

    10:30 Das Heer.
    Auf Grundlage historischer Karten und Abbildungen wie dem Kupferstich von Matthäus Merian wird die Schlachtordnung nördlich der Straße in Blöcken visualisiert. Dem Betrachter bietet sich vor dem Hintergrund des realen Feldes eine Überblendung mit den Abteilungen und Reihen der Soldaten, so dass die Dimensionen der historischen Schlachtordnung direkt erfahrbar werden.

    11:30 Die Schlacht von Lützen.
    Ein Auszug aus der Radierung von Johann Wilhelm Baur zeigt eine Szene aus dem eigentlichen Kampf, die schematische Darstellung projiziert die Kampfhandlungen im Detail.

    12:00 Tod Gustav II. Adolfs.
    Mit Blick auf genau die Stelle, an welcher Gustav Adolf starb, wird die reale Szenerie des heutigen Ackers mit einem Auszug aus der Lithogaphie von Julius Giere überblendet.


    Diese Überblendung des realen Ortes, heute wie damals ein landwirtschaftlich genutztes Feld, mit den räumlichen Dimensionen und Szenen aus der Schlacht, verknüpfen das historische Ereignis mit dem Ort. Somit sind weitere Installationen auf dem Feld nicht erforderlich, die gelenkten Blicke ordnen das historische Geschehen räumlich ein. Ganz praktisch ist dieses Observatorium auch eine Einfriedung des Museumscampus, und die changierenden und in der Bewegung der Besucher veränderlichen Bilder sind auch von außen im vorbeifahren kurz wahrnehmbar und machen so neugierig auf das neue Museum, welches wie ein stiller Begleiter, unaufdringlich die neu geschaffene Situation zum Parkplatz hin abschließen. Das klare Gebäudevolumen führt im ländlichen Kontext zu einer fast lapidar wirkenden Anmutung des Hauses, wie man sie von landwirtschaftlich genutzten Gebäuden gewohnt ist. Die Wahl von schwarz eingefärbten Beton, sowie die dunkle Blechdeckung und klare Details verfremden den ländlichen Charakter hin zu einem selbstbewussten musealen Gebäude. Der schwarze Beton dominiert auch im Innenraum. Die sensible Beleuchtung der Räume über Oberlichter, sowie die bewusst gesetzten großformatigen Öffnungen, die gezielte Ausblicke wie Bilder frei geben, führen zu einer Atmosphäre die einerseits auf das Umgebende fokussiert, andererseits auf das Hauptexponat vorbereitet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Leitgedanke des Entwurfes, den Bestand durch einen schlichten Baukörper zu einem Museumscampus zu erweitern, wird sehr begrüßt. Das steile Pultdach schafft es, von Nordosten kommend eine deutliche Landmarke an der Bundesstraße zu bilden, sich aber gleichzeitig zur Kapelle hin wohltuend unterzuordnen. Die Anordnung des Hauptzugangs nahe den Parkplätzen bildet eine klar definierte Zugangssituation zum neu geplanten Museumshof, der durch einen bildhaft geprägten Lamellenzaun mit Bezug zur Via Regia klar zur Straße hin abgegrenzt wird. Die Kfz-Einfahrt zum Parkplatz sollte allerdings in ihrer Lage überprüft, wenn möglich von den wartenden Besuchergruppensepariert und nach Norden verschoben werden.

    Die Anordnung des Gebäudes und dessen Zugang erlauben den Besuchern klare und funktional zuordenbare Blick- und Wegebeziehungen zu Kapelle, Kirche und den Schwedenhäusern. Die Freiflächen des entstehenden Museumshofes werden ebenfalls schlicht und klar gegliedert und lassen einen geführten Rundgang durch das gesamte Gelände zu. Die Schlichtheit des Gebäudeentwurfes überzeugt in architektonischer, funktionaler und musealer Qualität und fügt sich ins Gesamtensemble zurückhaltend, aber durchaus adressbildend ein. Die interne Wegeführung und Ausstellungskonzeption ist barrierefrei und funktional sehr gelungen. Die Ausstellungsanordnung, Belichtung und notwendigen Abstände zum Hauptexponat im Untergeschoss lassen eine hohe Ausstellungsqualität erwarten. Die Einbringung des Hauptexponates in den Kellerbereich ist jedoch nicht schlüssig dargelegt und müsste gemeinsam mit dem Nutzern genauer abgestimmt werden.

    Die Schlichtheit der äußeren Gebäudehülle setzt sich auch in der Konstruktion und Materialität der Innenräume sehr wohltuend und dem Ort angemessen fort. Die angedeutete Konstruktion aus Betonfertigteilen und die klaren baulich und funktionellen Raumstrukturen, sowie die zurückhaltende Materialität des Außenraumes lassen eine wirtschaftliche und flächeneffiziente Realisierbarkeit erwarten. Der überaus gelungene Entwurf rundet die Gedenkstätte zu einem attraktiven Gesamtensemble ab.

    Denkmalschutz:
    Von allen Wettbewerbsentwürfen ist dieser derjenige, der die städtebauliche Situation der Bestandsbauten und -freiflächen am wenigsten verändert und dennoch gegenüber Parkplatz und Bundesstraße abschirmt. Mit der scheinbar selbstverständlichen Kombination einer einfachen Form des ländlichen Bauens mit der Typologie eines gläsernen Ausstellunggebäudes im Park entsteht ein Bau von nachhaltiger Ästhetik und städtebaulich-denkmalpflegerischer Rücksichtnahme.