Der Entwurf besticht durch eine klare städtebauliche Struktur, die einen Stadtteil mit eigener Identität entstehen lässt und gleichzeitig eine gewisse Robustheit in Bezug auf mögliche Änderungen im Laufe des Umsetzungsprozesses verspricht.
Der Grünzug ist durchgängig erlebbar und hat doch unterschiedliche Charaktere: Naturpark, Quartierspark und Sportpark. Das Abknicken unterstützt die Ablesbarkeit der Teilbereiche, gleichzeitig werden so spannungsvoll immer andere Raumkanten ins Blickfeld gerückt und viele hochwertige Adressen gebildet. Der Entwurf akzentuiert über die Hochpunkte außerdem sehr überzeugend die Mitte des Quartiers. Positiv wird auch der durchgängige Radschnellweg entlang der Bahn beurteilt. Die drei Nachbarschaftsplätze öffnen sich zum Grünzug und lassen so auch die Bebauung in der „2. Reihe“ am zentralen Freiraum teilhaben. Dabei müssen diese Räume nicht durchgestaltet werden, sondern können ganz „unaufgeregt“ zum Verweilen einladen. Die Nutzung der Plätze als Freiflächen der im Blockrand untergebrachten Kindertagesstätten wird kritisch gesehen, doch könnten die Freiflächen auch im Blockinnenbereich untergebracht oder aber die Kitas an geeigneten Standorten freigestellt werden. Die Einbindung der denkmalgeschützten Bestandsgebäude gelingt über räumliche Setzungen und maßvolles Reagieren der angrenzenden Strukturen gut.
Die Teilungsmöglichkeiten der gut dimensionierten Blöcke erlauben eine gute Vermarktung. Die im Entwurf nachgewiesene Geschossfläche ist zwar niedriger als in anderen Entwürfen, doch weist die Bebauung geringere Gebäudetiefen auf und kann noch angepasst werden. Aus Sicht des Projektentwicklers sollten die Blockstrukturen im Norden durchlässiger und aufgelockerter sein, was auch zu einer besseren Innenhofbelüftung beitragen würde. Der Ansatz, unterschiedliche Wohnformen anzubieten, wird begrüßt, das „experimentelle Wohnen“ im Süden bedarf aber einer inhaltlichen und vermarktungsseitigen Vertiefung.
Der gemeinsame Schulcampus von Oberschule und Grundschule im Norden wird von der Jury kontrovers diskutiert. Während die Erreichbarkeit für die Oberschule aufgrund der Nähe zum ÖPNV als gut beurteilt wird, sollte die Grundschule im Zusammenhang mit den Schulen im Umfeld zentraler im Gebiet liegen. Außerdem beeinträchtigen die Lärmbelastungen und die Luftqualität die Schulnutzung. In diesem Zusammenhang muss auch die Konzentration der Sportnutzungen in diesem Bereich überprüft werden. Einerseits stellt der Sportpark ein gutes Angebot auch für die benachbarten Quartiere dar und sollte so von außen erlebbar sein, andererseits sind unter Umständen Lärmschutzmaßnehmen zur Straße notwendig. Aus Sicht des Sachverständigen entschärft die Höhenlage der Lärmquellen das Problem, es bedarf aber einer Detailprüfung.
Während vom Projektentwickler die Kombination von Sport, Kultur und Gewerbe in diesem Bereich begrüßt wird, wird von anderen die Frage nach der Erreichbarkeit und der Entwicklungsmöglichkeit der „Kulturmeile“ entlang des Lokschuppens gestellt. In der Wechselwirkung von Kreativszene und Schulcampus kann aber auch ein besonderes Potenzial in Bezug auf die Gestaltung des Ganztagesangebotes der Schule und die Möglichkeiten außerschulischer Nutzungen nach Schulschluss gesehen werden.
Aus verkehrsplanerischer Sicht ist der Anknüpfungspunkt an die Theresienstraße nicht gelöst. Hier sollten nur 30 % des Verkehrs anfallen, aufgrund der Lage beider Schulen ist aber von wesentlich mehr auszugehen. Um eine Querung des Grünzuges mit dem motorisierten Verkehr zu vermeiden und auch aus oben genannten Gründen sollte der Standort der Grundschule überdacht werden. Auch sollten die verkehrliche Anbindung an die Theresienstraße und der Haupteingang des Schulcampus getrennt werden. Insgesamt sind die Wendeanlagen der Stichstraßen zu prüfen, z. B. im Bereich der östlich gelegenen Kita. Der Knotenpunkt im Südwesten erscheint durch seinen versetzten Einmündungsbereich ungünstig.
Insgesamt sollten Gewerbeflächen eher an geeigneten und gut frequentieren Standorten gebündelt werden. Die Größe der Einzelhandelsflächen ist zu optimieren. Die Sporthalle des Leibniz-‐Gymnasiums über dem Supermarkt an der Delitzscher Straße anzuordnen, ist eine interessante Idee, stellt aber verwaltungstechnisch eine Herausforderung dar. Die Entfernung zu den Sportfreiflächen wird kritisch gesehen.
Durch die Anordnung der Tiefgaragen kommt es zu einer Teil-‐Unterbauung der privaten Baufelder. Die schränkt die Versickerungsmöglichkeiten stark ein. Die Anordnung von Baumrigolen in den Straßenräumen entspricht zwar nicht der Auslobung, erscheint aber sinnvoll und sollte überprüft werden. Aus stadtklimatischer Sicht sollten im westlichen Straßenzug zwar Bäume eingeordnet werden; um den Schadstoffabfluss nach oben zu erlauben sollte jedoch ein Kronenschluss vermieden werden.
| Angelegt am | 28.08.2017, 16:17 |
| Zuletzt aktualisiert | 04.04.2018, 13:07 |
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