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  • 3. Preis

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    Landschafts- / Umweltplaner
    Lohrberg Stadtlandschaftsarchitektur, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Dirk Meiser, Dr. Ing. Frank Lohrberg Dipl.-Ing. Dirk Meiser

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: WICK + PARTNER ARCHITEKTEN STADTPLANER, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliche Struktur
    Leitgedanke des Entwurfes ist es, sowohl die topografischen Lagen, als auch die vegetativen Charakteristika des Plangebietes aufzugreifen und zu thematisieren.
    Die beiden bestehenden, jeweils zentral in den beiden Teilbereichen Galgenberg und Schlatäcker gelegenen Gartengrundstücke werden zum identitätsstiftenden Fokus des jeweiligen Quartiers umgestaltet.
    Die beiden Bereiche gliedern sich jeweils in einen kleineren, die bestehende Siedlungsstruktur arrondierenden Abschnitt auf dem Höhensattel und ein durch eine Grünzäsur abgesetztes Quartier das mit dem natürlichen Gelände nach Nordosten ansteigt.
    Diese Quartiere gliedern sich entsprechend ihrer topografischen Lagen jeweils in eine über den Grat verlaufende Kernzone, in flach geneigte Bereiche entlang des Naturraums an der Ziegelstraße und die äußeren Ränder.
    Am Galgenberg bildet dieser äußere Rand den Abschluss zur freien Landschaft und die Silhouette oberhalb des Hirschbachtals.
    Im Schlatäcker ist dieser Rand durch die starke Hangneigung charakterisiert. Er bildet den Übergang und den Gegenhang zur bestehenden Siedlungsstruktur im Südosten.


    Freiraumstruktur
    Jedem Quartiersabschnitt ist ein charakteristischer Freiraum direkt zugeordnet:
    Die Kernzone integriert die zentralen Grünräume; der vorhandene Baumbestand wird erhalten. Er steht frei auf einem klar strukturierten Fond unterschiedlicher Beläge und Nutzung.
    Die Baufelder entlang der Ziegelstraße profitieren von ihrer direkten Nachbarschaft zu großzügigen, naturnahen Freiflächen und bilden zugleich einen klaren Rand aus.
    Der nordwestliche Rand zur freien Landschaft bildet eine klare Kante mit einzelnen, dezidierten Landschaftsfenstern. Von hier hat man unterschiedliche Ausblicke auf die umgebende Landschaft.
    Der Hang an der Hegelstraße öffnet sich weit in den abschließenden Retentionsbereich und eröffnet den Blick in die weitere Landschaft.
    Fuß- und Radwege vernetzen die unterschiedlichen Freiraumbereiche untereinander und knüpfen sowohl in Nordsüdrichtung über den Freiraum an der Ziegelstraße, als auch über die Grünzäsuren in ost-westlicher Richtung plangebietsübergreifende Ziele an (Freibad, Spielplatz am Tannenwäldle, Schafgärten- südlich angrenzende Wohnquartiere – Kernstadt, Schule, Kindergarten).


    Baustruktur
    Die Baustrukturen der Quartiersabschnitte sind flexibel an sich ändernde Entwicklungen anpassbar. Alle Bereiche können sowohl durch Dichte, als auch durch freistehende Bauformen besetzt werden.
    In den Quartieren werden vielfältige Nachbarschaften angestrebt. Die dichtere Kernzone ist durch Reihenbebauung mit differenzierten Ketten- und Gartenhofhäusern geprägt. Zum Naturraum an der Ziegelstraße sind Wohnhöfe mit gemischter Bebauung angedacht. In den Randbereichen wird durch offenere Struktur der Bezug zur Landschaft hergestellt.
    Die Dachformen sind überwiegend flach oder flach geneigt. Arrondierende Bereiche nehmen die klassischen Dachformen der angrenzenden Bebauung auf. Die Baukörper sind überwiegend zweigeschossig. An den Zufahrten der Quartiere setzen viergeschossige Baukörper Merkzeichen.
    Die Teilbereiche sind durch grüne Zäsuren voneinander getrennt und stellen somit mögliche Bauabschnitte dar.


    Erschließungsstruktur
    Die äußere Erschließung von Galgenberg und Schlatäcker erfolgt über einen gemeinsamen Anschluss am nordöstlichen Ende der Ziegelstraße. Der Galgenberg wird überdies über einen weiter südlich gelegenen Anschluss angebunden. Die Verlängerung der Walkstraße und eine Anknüpfung an die Hegelstraße stellen untergeordnete Anbindungen für den Bereich Schlatäcker dar.
    Entlang der Kernzone verbinden die lineare Haupterschließung und ein dazu parallel verlaufender Erschließungsraum die äußeren Anbindungen untereinander. Die Ausrichtung der Straßen entlang der Höhenrücken ermöglicht gezielte Blicke in die umgebende Landschaft.
    Von den Haupterschließungen führen Wohnhöfe in Richtung Ziegelstraße. Eine Beeinträchtigung des Naturraumes kann so minimiert werden.
    Alle Erschließungsräume sind als niveaugleiche Mischverkehrsflächen ausgebildet, die sich in einen Fahr- und einen Gehstreifen gliedern. Die Haupterschließung wird durch einen Baum bestandenen Multifunktionsstreifen begleitet.
    Öffentliche Stellplätze befinden sich in den Wohnhöfen und in den Zäsuren der Kernzone.


    Ökologie
    Die Baukörper sind mit der Hauptwohnseite überwiegend Südwest bis Südost ausgerichtet, sodass ein sehr gute Belichtung und eine effektive Solarnutzung möglich sind.
    Für die Energieversorgung werden kleine, wirkungsstarke Netzsysteme vorgeschlagen und ein Niedrigenergiestandard für die Gebäude angestrebt.
    Die Quartiere bilden einzelne Gruppenversorgungseinheiten als solar unterstützte Mininetze mit 5-12 Wohneinheiten. Die Heizenergiegewinnung erfolgt mit Holzpellets oder alternativ durch Erdgas in einer Heizzentrale sowie durch Kollektorflächen auf den Gebäuden. Zudem ist jedem Mininetz ein Wärmespeicher zugeordnet.
    Mit dem Aufbau einer dezentralen Energieversorgung in Mininetzen werden hohe Netzkosten einer Gesamtversorgung reduziert und eine abschnittsweise Realisierung einzelner Quartiere ermöglicht.

    Für die Oberflächenentwässerung ist ein mehrstufiges Regenwasserkonzept vorgesehen.
    Die anfallenden Dachflächenwässer werden über begrünte Dächer gepuffert. Zisternen sammeln das Oberflächenwasser der privaten Grundstücke. Entlang der Kernzone und zwischen den Wohnhöfen leiten offene, naturnah gestaltete Mulden das Oberflächenwasser in die Retentionsbereiche an Ziegel- und Hegelstraße. Dort, wo eine direkte Zufuhr zur Mulde nicht möglich ist, wird das Wasser über einen Trennkanal dorthin geleitet.
    Das Wasser wird in zwei Retentionsteichen an der Ziegelstraße und an der Hegelstraße gesammelt. Am Nordhang des Galgenberges wird das Wasser in Staukanälen gesammelt und kontrolliert in den Hirschbach geleitet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit nimmt die örtliche Landschaft sehr gut auf, respektiert auch die prägenden
    Grünbestände, indem sie sie als innenliegende Angerflächen erhält und neu formatiert.
    Auch die Grün- und Fußwegeverbindung aus der Innenstadt bis hin zum Tannenwäldchen
    überzeugt, wobei man sich eine Fußgängerbrücke über die Ziegelstraße wünschen würde.
    Die Siedlungsränder werden der Landschaft gerecht, besonders auch im Norden ist die
    Grenze zum Nordhang einfühlsam ausgelotet.
    Ganz selbstverständlich schließt in den übrigen Bereichen die neue Siedlung an der vorhandenen
    Bebauung an, hält aber auch die dazu notwendige Distanz.
    Grundeinheit der städtebaulichen Konzeption sind Wohnhöfe verschiedenster Ausformung,
    die dichter oder weniger dicht besetzt werden können. Diese Zellen addieren sich
    zu Quartieren, die sich um die zentralen Grünflächen gruppieren.
    Diese Grundstrukturen schaffen einerseits örtliche Identität, machen andererseits die abschnittsweise
    Realisierung gut möglich und eröffnen dazu Möglichkeiten, mehrere Wohneinheiten
    energetisch zusammenzufassen (zentrale solare Unterstützung, Mininetze).
    Die Erschließung ist für den nördlichen Bereich sehr gut gelöst. Für den südlichen Bereich
    sind die Anschlüsse an die Ziegelstraße und die Hegelstraße optimal geführt, lediglich die
    Anbindungen an Walkstraße und Jahnstraße würden zu unerwünschtem Durchgangsverkehr
    führen. Bei der Weiterplanung könnten diese Verbindungen entfallen, ohne das Konzept
    zu beeinträchtigen.
    Die gebäudetypologische Vielfalt steht in allerengstem Zusammenhang mit der städtebaulichen
    Grundstruktur. Vor allem die für Aalen relativ neuen Gebäudetypen am Rande der
    Bebauung strahlen weit in die Landschaft, vermitteln andererseits an dieser Kante aber
    auch eine gewisse Ruhe. Dieser Aspekt der strengen Randausbildung wurde allerdings in
    der Jury durchaus kontrovers diskutiert, vor allem auf dem Hintergrund des Übergangs in
    die Landschaft.
    Die Aufteilung der Wohneinheiten in Einfamilienhäuser und Geschosswohnungen entspricht
    weitgehend den Forderungen der Auslobung, führt aber zu einer relativ geringen
    Zahl von Wohneinheiten insgesamt. Das Konzept lässt allerdings weitere Verdichtungen
    schadlos zu.
    Insgesamt überzeugt diese Arbeit durch die einfühlsame Eingliederung in die Landschaft,
    durch sehr gute abschnittsweise Möglichkeiten der Realisierung, durch hohe Flexibilität bei
    der Baudichte, vor allem aber durch eine moderne, zeitgemäße und nachhaltige Architektur.