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    Landschafts- / Umweltplaner
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Schedlbauer, Landschaftsarchitekt Mitarbeit: Miriam Ereth

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: rosenstiel architekten, Freiburg im Breisgau (DE)

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHES GESAMTKONZEPT

    Mit der Erschließung der beiden Baugebiete „Galgenberg und Schlatäcker“ erweitert Aalen seinen Entwicklungsbereich in attraktiver Lage direkt am Übergang zur freien Landschaft. Charakteristisch für den gesamten Siedlungsbereich östlich der Kernstadt ist die morphologische Grundlage aus Tälern und Höhenrücken. Der geschwungene Zuschnitt von Siedlungsflächen und Grünzügen ist eine wunderbare Vorgabe, die weiterentwickelt wird. Aussicht und Landschaftsbezug, bei optimaler städtebaulicher Anbindung, sind die Standortvorteile dieser neuen Baugebiete.

    Durch eine fingerartige Verzahnung von Grün- und Siedlungsbereichen bis in die Tiefe des Stadtkörpers entsteht eine hohe Wohnqualität durch die attraktive Randlage der Grundstücke an öffentlichen Grünbereichen.

    Es ist Aufgabe der Planung, sich in die Atmosphäre des Ortes einzufühlen. Mit einer neuen eigenständigen städtebaulichen Struktur wird den unterschiedlichen Baufeldern ein Angelpunkt verliehen. Im Unterschied zu den bestehenden bebauten Gebieten wird in den beiden neuen Bauflächen die 1A Lage auf den Höhenrücken mit öffentlichen Grünzügen belegt. In der grünen Mitte der Baugebiete sind öffentliche Freibereich für alle Altersgruppen mit Angeboten zur Geselligkeit und Bewegung. Damit werden nicht nur Baufelder erschlossen, sondern gemeinschaftsbildende Einrichtungen in zentraler Lage in die Planung integriert. Beidseits der Ziegelstraße wird der bereits vorhandene Grünzug aus der Stadt zur Landschaft durchgeführt. Südlich der Ziegelstraße wird eine räumliche Fassung des Grünbereichs im neuen Baugebiet formuliert. Nördlich der Ziegelstraße (die Sonnenseite) ist ein weicher Übergang zur Bebauung geplant.

    Bei der Konzeption der Wohngebiete werden klar definierte öffentliche Straßenräume und private Hofbereiche entstehen. Der Wechsel von definierten städtebaulichen Räumen im Nahbereich und Offenheit zum Grün und zur Landschaft ist eine der Grundideen der Planung.



    WOHNEN

    Beidseitig des neuen Grünzuges am Galgenberg entwickeln sich jeweils zwei Baustreifen. Nördlich, Richtung Freibad, mit zweigeschossiger Einzel- und Doppelhausbebauung, eventuell auch Reihenhäuser, südlich mit Geschosswohnungsbau dreigeschossig und zur Ziegelstraße eine südwestorientierte Reihenhausbebauung.

    Im Gebiet Schlatäcker schließt südlich des mittigen Grünzuges eine Bebauung mit Ketten-, Einzel- und Doppelhäusern an, die die vorhandene Struktur ergänzt und weiterführt. Nördlich des Grünzuges sind Wohnhöfe aus Reihen- und Doppelhäusern vorgesehen. Entlang des Grünzuges an der Ziegelstraße ist eine Baukante aus Geschosswohnungsbau dreigeschossig geplant.

    Es ist städtebauliches Ziel, die Straßen und Wohnwege räumlich zu fassen. Die Mitte der Wohngebiete wird durch öffentliche Grünflächen mit einem öffentlichen Platz bestimmt. Die Grundstückstiefe mit ca. 30 m ermöglicht eine flexible städtebauliche Struktur vom Einzelhaus über Doppelhäuser, Kettenhausbebauung, Gartenhofhäuser, Reihenhäuser, Stadthäuser mit Baugruppen. Dabei ist es beabsichtigt, mit Geschosswohnungsbau am Grünzug Galgenberg und südlich der Ziegelstraße die Wohngebiete mit einer raumbildenden Kante zu fassen.

    Der Einhaltung der Lärmgrenzwerte entlang der L1080 (Ziegelstraße) und an der Hegelstraße wird durch die Einhaltung von ausreichenden Abständen gewährleistet. Im Bereich des oberen Kreisverkehrs können zusätzliche passive Maßnahmen an den Gebäuden durchgeführt werden (Schallschutzfenster, verglaste Loggien an der Nordseite).


    ERSCHLIEßUNG UND WEGFÜHRUNG

    Die Erschließung der Baugebiete erfolgt autonom über zwei Kreisverkehre in der Ziegelstrasse. Zusätzlich wird durch die Kreisverkehre der Verkehr verlangsamt und damit der Schall reduziert. In den Kreisverkehren werden die Baugebiete über Erschließungsstraßen henkelförmig angebunden. Die Erschließungsstraßen zu den bestehenden Baugebieten sind verkehrlich untergeordnet. Sie dienen der städtebaulichen Anbindung zu den vorhandenen Wohngebieten.

    Quer zur Tallage laufen attraktive öffentliche Wegverbindungen zur Vernetzung der Quartiere untereinander und zu den angrenzenden Infrastruktur- und Freizeiteinrichtungen. So zum Beispiel: Aufwind - Kinderzentrum, Katholischer Kindergarten St. Nikolaus, Galgenberg-Schulzentrum, Grauleshofschule, Waldorfschule, Musikschule, Hirschbach-Freibad und Sportgelände Hirschbachtal. Die Anbindung an den ÖPNV wird durch die Einrichtung einer Bedarfshaltestelle für den Busverkehr im Bereich der möglichen Fußgängerbrücke ergänzt.


    PARKIERUNG

    Die Parkierung in den Wohngebieten ist grundsätzlich am Haus als offener Stellplatz, Carport oder Garage. Im Geschosswohnungsbau sind die Stellplätze in Tiefgaragen vorgesehen. Die öffentlichen Stellplätze sind entlang der Straßen und Wohnwege unter Bäumen als Längsparker konzipiert.



    ABSCHNITTSWEISE REALISIERUNG

    Die beiden Wohngebiete können durch die gewählte Erschließung nacheinander realisiert werden. In den Wohngebieten selbst bietet sich eine abschnittsweise Realisierung in Tal – Längsrichtung, jeweils bis zum Grünzug von der Ziegelstraße aus gesehen, an. Damit entstehen abgeschlossene Baufelder, die von Grünbereichen umschlossen sind.


    GRÜN- UND FREIFLÄCHEN

    Der hohe Anteil an öffentlichen Grün- und Freiflächen wertet den gesamten Bereich östlich der Bahnlinie auf ( siehe Schwarzplan ). Zugleich helfen die in die Tiefe der Siedlungsstruktur geführten Grünkeile, die in der Richtung der Fallwinkel liegen, bei der Durchlüftung der Stadtteile. Sie tragen damit zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

    Die morphologische Besonderheit der beiden Stadtteilparks als Höhenrücken und der vorhandene Baumbestand sollte als identitätsstiftende Maßnahme verstanden werden. Es wird vorgeschlagen, alle Ränder der Grünflächen durch verkehrsfreie Wege oder Wohnstraßen räumlich zu definieren. Durch die Grünflächen selbst führen verkehrsfreie Spazier- und Radwege.

    Die neuen Parkflächen werden möglichst pflegeleicht und zurückhaltend durch ortstypische Bäume, Wiesen, Wege und freie Spielflächen gestaltet. Wertvolle Obstbaumbestände werden erhalten. Ein zentraler befestigter Platz wird jeweils als Quartiersmitte ausgestaltet. In den Parkflächen werden neben dem vorhandenen Bewuchs die Ränder mit Bäumen bepflanzt. Die Hauptsichtachse und die Windrichtung bleiben damit frei.
    Alle parallel zur Talrichtung verlaufenden Wohnstraßen und Wohnwegen werden mit großen Bäumen bepflanzt, die Querstraßen und Wege mit kleinwüchsigeren Bäumen. Wohnwege werden mit Rasenpflaster belegt, die Wohnstraßen asphaltiert mit einem zwei Meter breiten Randstreifen (teilweise Längsparker).



    TYPOLOGIEN/ WOHNFORMEN

    Allgemein:

    Bauliche Vielfalt, Eigentumsformen auswechselbar durch Erschließungssystem und Grundstückszuschnitte.
    Dachformen Flachdach mit Dachterrassen (Aussicht) und extensiver Begrünung
    Wohnwege als Erschließungsprinzip
    Quartiersbildung und Wohnhöfe zur Stärkung von Nachbarschaften

    Typologien:

    Zweigeschossige Reihenhäuser plus Ausbaureserve im Dach, Breite 6 und 8 m mit Dachterrasse. Erschließung i.d.R. über privaten, gemeinsamen Wohnweg (gegenseitiges Wegerecht), der gleichzeitige als Aufenthalts- und geschützte Spielfläche dient. Stellplätze direkt gegenüber Hauseingang, mit der Möglichkeit für zusätzlichen Abstellraum/ Gartenhaus an Wohnweg bei 8 m-Typen.

    Zweigeschossige Kettenhäuser als flächensparende, individuelle Wohnform entlang der südlichen Quartiersstraße.

    Unterschiedlich gestaltete individuelle EFH- und Doppelhäuser in den Randbereichen der Quartiere, die flächenmäßig ein Wohnen von mehreren Generationen unter einem Dach ermöglichen.

    Geschoßwohnungsbau (Zwei- und Dreispänner) mit qualitätvollen Loggien oder eingeschnittenen Balkonen in zwei Orientierungen an den Gebäudeecken. Dreispänner mit offenen, großzügigen Treppenhäusern. Begrenzung auf drei Geschoße, maximal 6 bzw. 9 WE pro Gebäude. Anordnung i.d.R. als Hofsituation mit gemeinsamer Tiefgarage


    ENTWÄSSERUNGSKONZEPT

    Da eine Versickerung des Niederschlagswassers aufgrund der Bodenverhältnisse nicht möglich ist, ist eine gedrosselte Abgabe an das öffentliche Kanalnetz erforderlich. Durch die gewählte städtebaulichen Struktur, die sich an der Topografie orientiert, ergeben sich vier Entwässerungseinheiten analog zu den Bauabschnitten.

    Durch eine durchgängige extensive Dachbegrünung soll eine Retention des Niederschlagswassers erfolgen. Im Grünzug entlang der Ziegelstraße übernehmen Rigolen die weitere Retention des Wassers aus den angrenzenden Quartieren. Für den Bereich Hegelstraße wird das vorhandene Regenüberlaufbecken ausgebaut. Für den nördlichen Teil des Gebiets Galgenberg wird der Hirschbach als Vorfluter genutzt

    Für die privaten Grundstücksflächen soll eine Begrenzung der Versiegelung festgesetzt werden. Nach Möglichkeit kann der Wasserabfluß im Bereich der Wohnstraßen und privaten Wohnwege mittels offener Rinnen erfolgen


    ENERGIEKONZEPT

    Städtebauliche Rahmenbedingungen zum nachhaltigen Umgang mit Energie:


    A Energetischer Standard

    Verbesserte Niedrigenergiebauweise im KFW60-Standard soll als Basisstandard vorgeschrieben werden. Durch die überwiegend kompakten Bauformen sowie die gute solare Ausrichtung ist dieser Standard ohne wesentliche Mehrkosten erreichbar.

    Gleichzeitig können alle Bauherren die öffentliche Förderung der KfW Förderbank nutzen. Auf Nachweis des Bauherren kann im Einzelfall auch der gesetzliche Standard (Energieeinsparverordnung) akzeptiert werden, wenn der verbesserte Standard wirtschaftlich nicht vertretbar ist.

    Die besonders kompakten Baukörper (Mehrfamilienhäuser) sollen im Passivhausstandard / KfW40 Standard realisiert werden. Der Mehraufwand für Dämm-Maßnahmen ist hierbei verhältnismäßig gering.
    Versorgungsseitig soll regenerativen Energieträgern der Vorzug gegeben werden.


    B Bausteine des energetischen Konzepts
    Städtebau, Architektur und Haustechnik

    1. Kompakte Typologien mit günstigerem A/V-Verhältnis als dominierender Faktor. Einfache Gebäudeformen unter Verzicht auf Erker und Gauben.
    Bei den Eigentumsformen Schwerpunkt auf Reihen- und Doppelhäuser.

    2. Hoher Dämmstandard

    3. Lüftungsanlagen zur Verbesserung der energetischen und Wohnqualität
    Bei verbesserten Standards (Passivhaus/ KfW40) auch mit Wärmerückgewinnung

    4. Passive Solarnutzung / Gebäudestellung
    Abweichungen der Hauptfassade von der Südrichtung bis 45° sind nahezu unschädlich. Ausrichtung der Reihenhaustypen nach Südwesten. Fensteröffnungen nach Süden, Westen und Osten; kleiner Fensteranteil nach Norden. Geringe gegenseitige Verschattung der Gebäude durch Flach- oder Pultdächer.

    3. Nahwärmeversorgung
    Alternativ (Gas- BHKW oder Holzhackschnitzel- Heizwerk) abhängig von detaillierter Wirtschaftlichkeitsberechnung.
    Zwei Energiezentralen versorgen die verdichteten Baufelder entlang der L1080. Die Standorte an den Quartierseingängen sind für Holzlieferungen gut anfahrbar.

    4. Regenerative Energiesysteme Solar – Wind – Wasser
    (begrünte Flächendächer (Retentionsfunktion), Installation von solarthermischen Anlagen zur Warmwasserbereitung und Photovoltaik)


    C Umsetzung

    1. In Bebauungsplänen sind rechtssicher zur Zeit nur wenige Festsetzungsmöglichkeiten in Bezug auf energetische Standards vorhanden.

    2. Die Kommune hat die Möglichkeit, energetische Standards unter zu Hilfenahme städtebaulicher Verträge umzusetzen. Diese Entwicklungsmöglichkeit sollte geprüft werden.

    3. Verpflichtung von Grundstückserwerbern durch privatrechtliche Vereinbarungen zur Einhaltung von Standards. Bei Baugrundstücken im kommunalen Besitz lassen sich so sehr einfach Festsetzungen treffen. Diese Möglichkeit sollte vorrangig genutzt werden.

    4. Zusätzlich zu öffentlich-rechtlich oder privatrechtlich getroffenen Vereinbarungen sollten begleitende Maßnahmen, z.B. Informationen über stromsparende Haushaltsgeräte, erneuerbare Energien oder Fördermöglichkeiten durchgeführt werden. Werden Grundstücke an Investoren vergeben, so sollten gezielt Investoren angeworben werden, die Passivhausstandard umsetzen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Dem Verfasser gelingt es sehr gut, die bestehende Bebauung und das neue Baugebiet miteinander zu verknüpfen. Ihm gelingt es durch zwei neue Grünzüge jeweils auf den beiden Höhenrücken in Kombination mit dem Altbewuchs links und rechts der Ziegelstraße eine optimale Verflechtung mit der Landschaft herzustellen. Positiv anzumerken ist die Erhaltung und Einbeziehung des bestehenden Wäldchens.
    Die beiden Baugebiete rechts und links der Ziegelstraße werden gut erschlossen und erlauben die abschnittsweise Aufteilung in Bauabschnitte. Zwar wird die Problematik von zwei Kreiseln auf kürzester Distanz gesehen, jedoch ist eine Entschleunigung des Verkehrs auf der Landesstraße positiv zu bewerten.
    Durch kleine überschaubare Einheiten wird die Identitätsbildung gefördert. Jedoch wirkt die zwangsläufig an den längsverlaufenden Grünzügen sich immer wiederholende Bebauung fade. Dennoch lebt die vorgeschlagene Struktur stark durch ein gut durchdachtes offenes Entwässerungssystem. Das Oberflächenwasser wird in offenen Retentionsflächen gesammelt. Diese liegen geschickt in der Grünfläche entlang der Ziegelstraße.
    Der Flächenverbrauch erscheint angemessen bei überdurchschnittlich nachgewiesenen Wohneinheiten. Positiv angemerkt wird eine überdurchschnittlich ausgewiesene Zahl von Parkflächen ohne dass die städtebauliche Struktur zerstört wird.
    Die Arbeit hat die Vorgaben und Ziele gut erfüllt.