loading
  • DE-46483 Wesel
  • 09/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-8122)

Neugestaltung der Fußgängerzone


  • 4. Preis


    Landschafts- / Umweltplaner
    RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, Bonn (DE), Hamburg (DE), Köln (DE), Mannheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: ASTOC ARCHITECTS AND PLANNERS GmbH, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Boulevard Wesel – ein Shopping-Hain in Grün

    Viele deutsche Städte bemühen sich um eine Attraktivitätssteigerung ihrer in die Jahre gekommenen Fußgängerzonen, die überwiegend aus den 60 er und 70er Jahren stammen. Besonders betroffen hiervon sind die mittelgroßen Städte, die - wie Wesel - sich einem zunehmenden Standortwettbewerb ausgesetzt sehen. Mit dem „Aufrüsten“ der Einzelhandelsangebote in den Oberzentren werden die mittelgroßen Innenstädte nicht mehr als Versorgungszentren akzeptiert, da Sie den Anforderungen des großflächigen Einzelhandels und der Filialisten nicht mehr genügen. Letztlich ist eine Auszehrung der ehemaligen Mittelpunkte städtischen Lebens vorauszusehen, erkennbar an zunehmenden Kundenschwund, Leerständen, Trading-Down-Prozessen und Desinvestition. Ein insbesondere für Familien qualitativ unzureichendes Wohnangebot führt zu einem weiteren Funktionsverlust der Innenstädte in Mittelzentren.

    Die Frage nach einer Gestaltungsidee für die Fußgängerzone in Wesel ist somit verbunden mit der Frage nach der zukünftigen Funktion unter Berücksichtigung der veränderten Bedingungen.

    Die Weseler Innenstadt selbst bildet einen Siedlungsschwerpunkt. Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal im Unterschied zu anderen Innenstädten.
    Unsere Vorschläge zur Neugestaltung der Fußgängerzone in Wesel sollen nicht nur zu einer Attraktivitätssteigerung bezogen auf die Einkaufsfunktion beitragen sondern auch zur Stärkung der Innenstadt als Wohnviertel.

    Atmosphäre
    Konkret bedeutet dies eine Steigerung der Aufenthaltsqualität insbesondere für die Bewohner. Dies schafft der Entwurf durch die räumliche Gliederung des Profils das heute als überbreit wahrgenommen wird in Flanierzone und Verweilzone mit Aktionsflächen, es entsteht ein mittlerer Boulevardbereich. Ein Blätterdach als prägendes und durchgängiges Element bildet die Fortsetzung des Alleecharakters der am Bahnhof beginnt und in unterschiedlichen Ausprägungen sich bis zum Markt weiterzieht .

    Identität
    Das Prinzip der Baumsetzungen, des Baumrasters und der Baumart bildet einen Spannungsbogen von dicht zu locker, von intensiv grün zu hellgelb, von geordnet zu frei, konkret auch von Liquidamber, über Alnus spaethii zu Gleditsia „Sunburst“. Dieser „Verlauf“ der Bäume gewährt ein Kontinuum des grünen Shopping-Boulevards bei gleichzeitiger Respektierung der drei räumlichen Abschnitte, welche sich in der Unterschiedlichkeit der Straßentiefe voneinander unterscheiden. Es entsteht eine durchgängige Gestaltungsidee in der zweiten Ebene.

    Kontinuität
    Dieser innerstädtische Baumhain stärkt die Vernetzung der Fußgängerzone mit anderen Freizeit- und Grünbereichen wie den Glacisanlagen entlang des ehemaligen Festungsgürtels oder dem Rheinauen Park im Westen.
    Durch das Raumbildende Element des Blätterdachs treten die Aspekte Werbeanlagen und Fassadengestaltung von mindergenutzten Grundstücken in den Hintergrund. Wenn der positive und prägende Gesamteindruck einer Baumallee überwiegt ist die Bedeutung einer regulierenden Gestaltungssatzung und weiterer Ideen zu baulichen Maßnahmen auf privaten Grundstücken als nachrangig zu betrachten. Desweiteren erhält der neue grüne Shopping-Hain Blicke in die Tiefe des Raums.

    Homogenität
    Um den gesamten Stadtraum zwischen Berliner Tor und Dom wieder erlebbar zu machen und in seinen Funktionen als Wohn-, Einzelhandels- und Gastronomiestandort zu stärken, setzt das Freiraumkonzept an der Gestaltung, der Rhythmisierung und Attraktivität des Weges an.
    Der klar strukturierte Bodenbelag aus Betonplatten auf Asphalttragschicht schafft einerseits optische Ruhe und reagiert mit seiner Homogenität auf die Schlichtheit der umgebenden Gebäude und andererseits bietet er adäquate Belastbarkeit für seine Nutzungen.
    Das steinerne Band erstreckt sich vom Eingang der Fußgängerzone bis zum Großen Markt. Es wird in 3 Bereiche gegliedert, die jedoch nicht durch Materialwechsel markiert sind, sondern lediglich durch eine offen Rinne und die Verwendung unterschiedlicher Plattenformate. Dabei sind die außen liegenden Bereiche die ausschließlichen Bewegungsräume vorbei an den Schaufenstern der Geschäfte. Hier wird auch der 1,5m breite Vorhaltebereich für die Auslagen und der Anlieferverkehr mit mindestens 3,5m breiten befahrbaren Bereich in allen Abschnitten der Fußgängerzone integriert. Im mittleren Plattenband befinden sich Stadtmobiliar und Gastronomiezonen.

    Flexibilität
    Die Möblierung der Fußgängerzone wird nicht auf die gesamte Länge verteilt sondern an vorbestimmten Orten auf „Plattformen“ mit eigenem Gestaltungskodex konzentriert. Die Plattformen sind modulartig aufgebaut und betonen die Längsausrichtung der Verweilzone. Die Ausstattung der Plattformen richtet sich nach Lage und Programmierung und ist daher noch flexibel. Dargestellt werden mögliche Kombinationen aus Sitzgelegenheit, Spielgerät und Pflanzbeet. Weitere Ausstattungen wie , Telefonzellen, Fahrradständern, Infotafeln, Veranstaltungshinweise oder Müllbehältern sollen ebenfalls hier konzentriert werden.
    Diese Verortung sämtlicher Einbauten und Informationsträger auf die eine homogene Plattform sorgt für die Beibehaltung der Qualität de inneren Straßenraums, ein grüner Shopping-Hain.

    Individualität
    Neben diesem durchgängigen Gestaltungsansatz hebt das Konzept bewusst drei Teilräume in ihrer Gestaltungssprache besonders ab.
    Der Große Markt behält seinen Oberflächenbelag aus Natursteinpflaster, seine Sonnenseite wird durch die Setzung von Aufenthaltsmodulen in seiner Verweilqualität verstärkt, immer kongruent mit seiner multifunktionalen Ebene für Großveranstaltungen.
    Der Beginn der Hohe Straße am Berliner Tor behält das Thema Wasserspiel als Anziehungspunkt in gestalterischer Modifikation.
    Der Leyensplatz, die einzige Platzaufweitung innerhalb des Straßenabschnittes, wird durch die bewusste Akzentuierung des Bodenbelags durch Formatwechsel und Bodenkeile in monolithischer Bauweise als Platzraum betont.
    Ein neuer öffentlicher Identifikationspunkt mit hoher Aufenthaltsqualität im Gelenkbereich von Dom und Rhein.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.