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  • DE-72622 Nürtingen, DE-72622 Nürtingen
  • 09/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-249296)

Bahnstadt


  • Anerkennung


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    Architekten
    Sprenger Architekten, Hechingen (DE), Stuttgart (DE)

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Siegmund und Winz Landschaftsarchitekten, Balingen (DE)

    Preisgeld
    5.500 EUR

    Erläuterungstext
    Liegt nicht vor.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit entwickelt die vorgeschlagene Körnung aus den benachbarten Quartieren und bezieht ihre Raumbildung und Wegeführung auf den städtebaulichen Kontext. Die polygonale Geometrie der vorgeschlagenen Baukörper und Baufelder wirkt daher schlüssig. Der Ersatz des Bahnhofsgebäudes durch einen Hochpunkt ist ein interessanter Ansatz und insofern sinnvoll, als die Verfasser die Aufgabe der bestehenden Bahnhofs-Unterführung vorschlagen. Auch im Ideenteil sind die vorgeschlagenen Baukörper gut aus der Umgebung heraus entwickelt.

    Das Freiraumkonzept überzeugt und bildet die geplante Wegeführung in die angrenzenden Quartiere ab. Der öffentliche Raum auf dem Gelände des alten ZOB verbindet eine sinnvolle Führung der Fußgänger- und Radverkehre mit guter Aufenthaltsqualität, erscheint aber zu großzügig dimensioniert.

    Der Platz östlich der Bahnlinie ist gut geschnitten, überzeugt durch eine attraktive Einbeziehung des Saubach-Ufers, leidet aber unter der Rampe der Osttangente an seinem südwestlichen Rand. Die stark aufgeweitete und durch einen Lichthof zusätzlich natürlich belichtete Unterführung zwischen den beiden Plätzen verbessert die Verbindung zwischen den beiden Teilgebieten erheblich und schafft auf beiden Seiten eine eindeutige Eingangssituation.

    Der bisherige Bahnhofsplatz ist zwar in verlängerter Form räumlich gut definiert, zur Platzebene selbst wird aber nur wenig ausgesagt. Der Arkadenhof nördlich des neuen „Leuchtturms“ (anstelle des Bahnhofs) grenzt sich in unnötiger Weise vom Platz ab. Das Preisgericht würdigt die Idee einer zusammenhängenden Gestaltung der öffentlichen Räume zwischen Bahnhofstraße und Kreuzkirche (außerhalb des Planungsgebiets).

    Die Straßen und Höfe im Wohnquartier sind sinnvoll dimensioniert, die Einteilung der Straßenquerschnitte müsste allerdings nochmals überdacht werden. Ein quartiersbezogener attraktiver Platzraum wird vermisst.

    Die Verteilung der Nutzungen im Ostteil ist sinnvoll, das Mobilitätszentrum sitzt richtig, allerdings erscheint das nördlich davon vorgeschlagene Hotel an dieser Stelle wenig angemessen.

    Die Handelsnutzung auf dem alten ZOB-Gelände ist zugunsten der städtebaulichen Körnung in kleine Einheiten aufgeteilt und insofern funktional fragwürdig, da zwar reizvolle Vorbereiche und lange Schaufensterfronten, aber keine großen, zusammenhängenden Handelsflächen möglich sind. Auch ist die Anlieferung nicht nachgewiesen. Das zweite Einzelhandelsgeschoss wird nur im an die Bahnhofstraße angrenzenden Baukörper ebenerdig erschlossen. Am Standort Nürtingen werden nur ebenerdige und eingeschossige Ladeneinheiten nachhaltig und wirtschaftlich vermarktbar sein. Die interne Erschließung würde die nutzbare Fläche weiter verkleinern. In Summe reduziert sich die nutzbare Einzelhandelsfläche auf ca. 4.000 qm. Die Anlieferung der Einzelhandelsflächen ist bei der Planung nicht erkennbar berücksichtigt.

    Die Anordnung von kleinen Gewerbeeinheiten im aufgeweiteten Tunnel erscheint unrealistisch. Die Verlängerung der Unterführung in die Kirchheimer Straße im Ideenteil ist eine interessante Idee.

    Die Verfasser nutzen die Reduzierung des Verkehrs auf der Rümelinstraße für eine wünschenswerte Anbindung des Wohnquartiers an die bestehenden Wohngebiete. Das Parkierungskonzept mit quartiersbezogenen Tiefgaragen ist sinnvoll gelöst. Die Lage des Jugendhauses als überzeugt weder von seiner (zu peripheren) Lage noch in der Einbindung als Teil eines Blocks zwischen Wohnquartier und Bahn.

    Die bahnparallele Führung der Trasse für die Osttangente auf Gleisebene ergibt in der Logik Kontext des gewählten städtebaulichen Konzepts Sinn, ist aber zu schmal und wird teilweise sogar unter die Gebäude geschoben. Der Anschluss im Norden über einen Kreisverkehr dürfte nicht hinreichend leistungsfähig sein, im Süden macht der Niveau-Unterschied ein flächenaufwändiges Rampenbauwerk erforderlich, das die Qualität des Platzes empfindlich stört.

    Hinsichtlich des solaren Städtebaus sind die Kompaktheit der Baukörper, die großzügigen Abstände und die Orientierung der Wohngebäude positiv zu bewerten. Die Ausbildung von Attikageschossen reduziert die für Solaranlagen ansonsten gut nutzbare Dachfläche. Die im Westen vorgeschlagenen Baukörper für Handel und Gewerbe sind hingegen durch ihre kleine Körnung energetisch weniger günstig. Es werden keine Aussagen zu Energiekonzept und zur Regenwasserbewirtschaftung gemacht.

    Die Umsetzung der Einzelprojekte ist in sinnvoller Abschnittsbildung möglich, unabhängig von den weiteren Entwicklungen im Ideenteil.

    Die Arbeit überzeugt durch ihren differenzierten Umgang mit dem städtebaulichen Kontext und liefert einen wertvollen Beitrag zur gestellten Aufgabe. Die städtebauliche Integration essentieller Bausteine wie der Entlastungsstraße und des großflächigen Handels ist nicht ganz gelungen.


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