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  • DE-87616 Marktoberdorf
  • 09/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-279769)

Neubau Gemeindehaus


  • 3. Preis

    Skizze, © muellerschurr.architekten

    Architekten
    m2s müller.schurr.architekten PartG mbB, Marktoberdorf (DE), Bad Wörishofen (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: geiger & waltner landschaftsarchitekten, Kempten (DE)
    Modellbauer: Modellbau Michael Rast, Bregenz (AT)

    Preisgeld
    1.300 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAU | RAUM | ARCHITEKTUR | GEBÄUDE
    Das Baugrundstück entlang der Bahnhofstraße bildet eine Schnittstelle zwischen dem großflächigen süd- und westseitigen Nahversorgungsareal sowie der nord- und ostseitigen, kleinteiligen Wohnbebauung. Der Neubau wird in die vorhandene Struktur eingepasst und parallel zur Bahnhofstraße positioniert. Die Baumasse wird der Nutzungs- und Baudichte des städtebaulichen Raums entsprechend angepasst, die Dachform der Bestandslagen der vornehmlich nord-süd-gerichteten Satteldächer aufgenommen.
    Die Neubauflächen werden als kompaktes Raumvolumen in zwei Geschosse aufgeteilt. Somit sind im Zugangsbereich klare und kurze Erschließungsachsen möglich, die den öffentlichen Kirchenvorplatz sowie den ruhigeren und privateren Innenhofplatz miteinander verbinden und erlebbar machen. Durch die Lage entlang der Bahnhofstraße sowie der zweigeschossigen Ausführung werden die Außenplatzflächen klar gegliedert, flächenmäßig optimiert und maßstabsgerecht ablesbar.
    Das Gebäude ist schwellenlos nutzbar und behindertengerecht erschlossen.
    Die inneren Strukturen der Raumbereiche Saal, Gruppenraum und Foyer werden mit Schiebe- und Faltwänden vorgeschlagen, sodass sich eine Vielzahl von flexiblen Nutzungsmöglichkeiten ergeben. Die Lage der Räume ermöglicht so bei Komplettzusammenfassung den gewünschten Großraum für größere Veranstaltungen.
    Durch Oberlichtschlitze nach Süden wird der Saal mit ausreichend blendfreiem Licht versorgt. Die Gesamtraumkomposition des Saals wirkt, unterstützt durch die gewählten Lichtachsen, als Raumskulptur und bietet mit der Tageszeit wechselnde Lichtstimmungen, die ergänzt durch die Holzoberflächen der Innenraumgestaltung stimmungsvolle und der Nutzung angemessenen Aura schaffen.

    ENERGETISCHE EINORDNUNG | MATERIALITÄT | TECHNIK
    Das kompakte Gebäude ist energetisch optimiert als Passivhaus geplant. Die Konstruktion der Gebäudehülle ist hochwärmedämmend und ökologisch optimiert als Massivholz-Betonhybridbau sowie wärmebrückenfrei vorgesehen.
    Die statisch tragenden Wandschotten sowie Decken in Sichtbetonausführung wirken als direkte Speichermassen. Sie sorgen für ein verbessertes Mikroklima und dienen zur Reduzierung von Überhitzungsspitzen im Sommerfall.
    Zur Sicherstellung einer hohen Luftqualität wird ein zentrales Lüftungsgerät mit Hocheffizienz-Wärmetauscher vorgesehen. Die Möglichkeit der natürlichen Lüftung mittels Fenster wird durch ein Hybrid-Querlüftungssystem ergänzend ermöglicht und reduziert dadurch die Wartungs- und Unterhaltskosten erheblich.
    Durch die Materialwahl aus überwiegend nachwachsenden Rohstoffen ist eine optimale CO2-Bilanz und die Reduzierung der sogenannten "grauen Primärenergie" sichergestellt. Eine DGNB- sowie Passivhauszertifizierung sind angestrebt.

    FREIANLAGEN
    Die Differenzierung der Raumnotwendigkeiten und die damit verbundenen unterschiedlichen Anforderungen an private und öffentliche Bereiche, werden den Nutzungen entsprechend in drei Teilplätze aufgeteilt.
    Vor der Kirche entsteht eine öffentlich wahrnehmbare Platzfläche mit Wasserband und Sitzmöglichkeiten für Begegnung und Austausch. Der Kirchturm wird freigestellt, die bisherigen Sicht-und Trennwände werden entfernt. Der Platz öffnet sich zur Bahnhofstraße und lädt Besucher und Interessierte ein.
    Durch einen zentralen, überdachten Zugangsbereich von der Bahnhofstraße zur Kirche, werden unter einem Dach alle Verkehrswege und Achsen gesammelt. Der dadurch entstehende Mittelhof dient als Sammel- und Verteilfläche und bietet wettergeschütztes Verweilen.
    Von diesem Mittelplatz aus wird der große Hofraum- und Platzbereich erschlossen. Dieser ist den Foyer-und Saalräumen direkt vorgelagert und kann direkt in die Nutzung des Gemeindehauses einbezogen werden. Durch die ostseitige und straßengeschützte Lage ist eine hohe Nutzungsqualität vorhanden. Die befestigten Oberflächen sind mit einheitlichem Pflastermaterial vorgesehen. Die durch Grünflächen und Gestaltungselemente differenzierten Platzflächen bieten nach Gottesdiensten und bei Veranstaltungen Raum für Begegnung, Spiel und Miteinander. Ein großer Hofbaum bietet Schatten.
    Der Pfarrgarten sowie der Zugang zur Privatwohnung des Pfarrers erhalten eine neue Zuwegung. Der Baumbestand bleibt erhalten.
    Auf der Südseite der Kirche werden die benötigten PKW-Stellplätze neu angeordnet und ein überdachter Bereich für Fahrräder, direkt vom Kirchvorplatz aus erreichbar, geschaffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Als Neubau ist der zweigeschossige Bau gut erkennbar und gibt dem Ensemble Gewicht. Die Modellierung der Baumasse ist eigenständig und wird vom Preisgericht als möglich neben der Kirche erachtet. Alle Funktionen werden am großen Innenhof zusammengefasst. Die dafür vorgeschlagene im Entwurf schwebende Überdachung hat aber keine Aussage zur Architektur und Gestaltung. Dadurch fehlt dem Eingang wichtige Prägnanz.
    Der Kirchplatz wird vom Preisgericht als übermöbliert empfunden. Die Gemeinderäume sind plausibel in der Funktionsabfolge. Erschließungsflächen sind aber sehr knapp dimensioniert. Durch die Zweigeschossigkeit werden sie dann doch eher zu Fluren als zu gewünschten Begegnungsflächen. Dies betrifft vor allem das wichtige Foyer. Die Proportionen der Räume einzeln und in der Zusammenschaltung sind gut gelungen. Die Gestaltung als zweigeschossiger Holzplattenbau im Passivhausstandard tritt nachteilig in Konkurrenz zum weiß verputzten Kirchenbau aus den 1960er Jahren. An der Fassade im Eingang zeichnen sich Nebenräume unverständlich prominent ab. Holzkonstruktion und energetischer Standard werden sich zusammen mit der komplexen Lichtführung für den raumhaltigen Saal im Kostenrahmen kaum verwirklichen lassen.