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  • Engere Wahl

    Lageplan (Oms. 1.500)

    Landschaftsarchitekten
    terra.nova Landschaftsarchitektur, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    mit Maier + Neuberger Architekten, München

    Erläuterungstext
    F r e i r a u m s t r u k t u r
    B a u s t r u k t u r 1 : 2 5 0 0

    K O N Z E P T
    Die Identität des Areals wird stark von seiner Lage, Topografie und Vegetation geprägt. Die Blickbeziehungen auf die Altstadt, die ausgeprägten Terrassen und der alte Baumbestand stellen starke Bezüge dar. Blick und Weite auf der einen Seite, die etwas düstere und feuchte Stimmung eines Nordhanges auf der anderen Seite erfordern eine Neubebauung mit einer eigenständigen Typologie, die kleinräumige, lokale Identität mit Fernwirkung verbindet.

    Die Wohnquartiere liegen als klar ablesbare Strukturen in einem neu entwickelten Grün- und Freiflächennetz. Die 6-geschossigen Kopfbauten zeichnen sich deutlich ab und verankern das Areal in der Stadtsilhouette. Die 4-geschossigen Sockelgebäude formulieren Hofräume. Aus dem Zusammenwirken von Kopfbauten und Sockel- gebäuden entstehen prägnante Raumsituationen, die eine klare Adressbildung ermöglichen. Mit dem Erhalt des Löwenbräu-Turmes erhält das Quartier einen erlebbaren Mittelpunkt, der den Bezug zum historischen Kontext herstellt. Der hier vorgeschlagene
    „Biergarten“ ist nicht als professionell bewirtschafteter Betrieb gedacht. Er ist vielmehr als flexibel nutzbarer Quartiersplatz konzipiert, dessen Name für die Historie des Ortes steht.

    PHASEN
    Das Projekt kann in mehreren Schritten realisiert werden. Dabei ist die Grundkonzeption so angelegt, dass jeweils räumlich und funktional eigenständige Bausteine realisiert werden können. Unbefriedigende Zwischenphasen können weitgehend vermieden werden. Das Phasenkonzept entwickelt sich aus der Verfügbarkeit der Grundstücke.

    ERSCHLIESSUNG
    MIV:
    Die einzelnen Baufelder werden über Erschliessungsstiche an das übergeordnete Verkehrsnetz angebunden. An den Zufahrten liegen Besucherstellplätze, von den Wendeflächen am Ende der Erschliessungsstiche werden die Tiefgaragen erschlossen. Untergeordnete Erschließungen für Ver- und Entsorgung, Feuerwehr und Notfallfahrzeuge sind in den Baufeldern und Grünflächen über befahrbare Wege und Platzflächen vorgesehen.

    Fußgänger / Radfahrer:
    Das gesamte Areal ist für Fußgänger und Radfahrer engmaschig erschlossen. An vorhandene Anschlusspunkte an das umgebende Wegenetz wird angebunden. Insgesamt entsteht eine hohe Durchlässigkeit des Quartiers, sowohl in Ost-West, als auch in Nord-Süd-Richtung.

    Tiefgaragen:
    Unter den Baufeldern sind Tiefgaragen angeordnet, die den Stellplatzbedarf jeweils für das Baufeld erfüllen. Die Modellierung des Geländes erlaubt in den Baufeldern 1b und 3b ebenerdige Tiefgaragenzufahrten. In Baufeld 1b ist zusätzlich eine zweite TG-Ebene vorgesehen.


    F R E I R A U M
    Das Konzept versucht, den größten Teil der bestehenden Vegetation (Bäume) zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der vorgefundene hohe Durchgrünungsgrad wird aufgegriffen, mit den Grünstrukturen der Umgebung über das neu entstehende Fußwegenetz eng verwoben und zu einem ablesbaren quartiersinternen Freiraumsystem weiterentwickelt. Wesentlich ist hierbei der Anschluss an den regionalen Grünzug und die Stärkung der quer zum Hang verlaufenden Grün- und Wegeverbindungen.

    Eingebettet in diesen grünen Rahmen erhalten die hofseitigen Freiräume charakteristische Eigenidentitäten. Je nach Höhenlage der einzelnen ‚Wohnterrassen’ werden diese durch spezifische Pflanzen- und Materialauswahl in ihrer Gestaltung bestimmt. Der Hanglage und Ausrichtung angepasst, können beispielsweise Felsenbirnenterrassen oder Kirschenhaine entstehen, die je nach Perspektive und Bewegungsrichtung einzeln oder hintereinander gestaffelt in Erscheinung treten. Auf diese Weise wird die dem Ort innewohnende Besonderheit seiner topographische Lage zum gestaltprägenden Element des gesamten Quartiers.

    Die Besonderheit des Ortes besteht in seiner nach Norden ausgerichteten Hanglage. Diese Orientierung verschafft Moosgesellschaften beste Lebensbedingungen. Moose zeichnen sich durch eine besonders hohe Regenerationsfähigkeit und eine breite Standortamplitude aus. Zur Bemoosung eignen sich verschiedenste Materialien wie Tuffsteine, Platten oder mineralhaltige Substrate.
    Zusammen mit den topographisch notwendigen Mauerelementen lassen sich hierdurch gartenähnliche vertikale Grünelemente anordnen, die bestimmte Orte des Quartiers mit einem eigenen Charme überziehen. So könnte die rückwärtige Mauer des Biergartens aus als „Moosgarten“ aus moosbewachsenen Tuffsteinquadern bestehen. Diese werden von Düsen, die zwischen den Fugen eingelassen sind, mit Wassernebel besprüht. Dadurch entsteht ein Bild aus variierenden Grüntönen,
    das sich im Laufe der Zeit den klimatischen Bedingungen anpasst. Es ist ein Abbild des Wechselspiels von Feuchtigkeit und Trockenheit. Sattes Grün als Kontrast zum Rieselbelag des ’Biergartens’.

    Der zentrale Hangpark wird durch parallel zum Hang eingebettete Mauerelemente gegliedert. Die vorhandenen Bäume werden integriert, der steile Hang durch eine leichte Terrassierung überwindbar und nutzbar gemacht.

    Die nördliche Flächen zur Stützwand der Kleingärten wird als Stadtterrasse formuliert. Die Stadtterrasse ist der südliche Abschluss des Quartiers und attraktiver Aufenthaltsbereich unter
    Apfelbäumen mit schönem Ausblick. Die Obstgehölze stellen die Verbindung zur tiefergelegenen Kleingartenanlage her. Eine neue Treppenanlage überwindet den Höhenversatz und bietet eine neue
    Wegeverbindung über Hangpark und Biergarten bis hin zur Haydnstrasse.


    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit hat eine hohe Qualität in der Raumbildung der Höfe und der Ausprägung der Hangkante. Sie verstärkt diese Wirkung noch durch Absenkung des unteren und Anhebung des oberen Niveaus. Insgesamt versprechen die Freiräume eine hohe Aufenthaltsqualität. Die Überhöhung der Hangkante führt jedoch zu Defiziten in der Besonnung der Wohnungen am Hangfuß. Durch die Grundtypologie wird für die meisten Bereiche ein guter Schallschutz erreicht. Durch die Hofstruktur entstehen jedoch Zonen mit schwierigen Belichtungsverhältnissen und Grundrissen mit teilweise geringer Attraktivität. Die Erschließung erfolgt über die Alfons-Auer-, Haydn- und Galgenbergstraße, wobei hier nur rechts ein- und rechts ausgefahren werden kann. Die Erschließung für Fußgänger und Radfahrer ist engmaschig und die Feuerwehrerschließung ist über befahrbare Wohnwege und Plätze gewährleistet. Der Erhalt eines Teils des Brauereigebäude Gebäudeteils wird gewürdigt, er kann den Gebietscharakter positiv prägen. Die Nutzbarkeit des erhaltenen Gebäudeteiles erscheint jedoch schwierig. Die Realisierbarkeit ist nur eingeschränkt gegeben, wenn über das >Naglergelände< nicht verfügt werden kann.