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  • DE-38300 Wolfenbüttel
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-284618)

Errichtung eines Funktionsgebäudes auf der Sportanlage Meesche


  • ein 3. Preis

    Perspektive, © KPN ARCHITEKTEN BDA

    Architekten
    KPN ARCHITEKTEN BDA PLANUNGSGESELLSCHAFT MBH, Braunschweig (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    1.500 EUR

    Erläuterungstext
    Lage und Einbindung:
    Das neue Gebäude vereint interne Vereinsfunktionen und öffentliche Gastronomie und soll im Zuge einer umfangreichen Neugestaltung und Aufwertung des Sportplatzes entstehen.
    Seine mittige Lage am Hauptspielfeld und in unmittelbarer Okernähe legt das Herausarbeiten des Genius Loci dieser okerumflossenen Sporthalbinsel im Zentrum der Anlage nahe.
    Der Baukörper stellt sich in die Verlängerung der Mittellinie des A-Platzes. Nach Westen nimmt er über das Spielfeld hinweg Bezug zu den überdachten Tribünenplätzen auf, nach Osten schiebt sich eine Terrassenplattform über die Böschung des Flusses, auf dessen anderer Uferseite der europäische Fahrradwanderweg verläuft und den Sportgedanken symbolisch weitertragen soll.
    Die "Sportbar im Meesche-Haus" nimmt den Kopf des Gebäudes ein und bildet den Endpunkt einer gestalteten Achse vom Süden kommend, die den Besucher an der Herzog August Bibliothek abholt und ins Herz der Sportinsel leitet.
    Um dem Gebäude die ordnende Prominenz und inhaltliche Bedeutung als Klammer zwischen Sport, Kultur und Natur geben zu können, wurde der Wirtschaftshof mit direkter Anlieferung von außen seitlich an den Zugang zur Anlage verlegt. So entsteht vor dem Meesche-Haus eine offene Fläche bis zur Oker, die mit Beach-Volleyball und Meesche-Strand an der Uferpromenade die Besonderheit der Flusslage thematisiert.

    Baukörper:
    Der Baukörper ist in seiner Formsprache und Materialität in seinem Inneren und Äußeren eine Reduktion auf die wesentlichen Materialien "Sichtbeton und Holz". Die Gestaltung in schlichter Eleganz wird durch den Kontrast zwischen kühler Robustheit und warmer Anmutung geprägt.

    Fassade:
    Die eingefärbten Betonflächen mit vertikalem Lamellenrelief (formgebend durch Matrizen) als Vorhangfassade im Verlauf zu raumhohen Glasflächen mit Holzlamellen (Tanz- und Bewegungsraum) stehen im Kontrast zu großformatigen Öffnungen der Sportbar und Eingangszone.

    Freianlagen:
    Ein breit angelegter Eingang in die Sportanlage wird mit einer leichten Überdachung zwischen neuem Kassenhäuschen und einer Informationsscheibe überspannt. Als Teil der Gesamtachse beginnt hier eine baumgesäumte Fußgängerpromenade mit einer platzartigen Aufweitung, die in die verschiedenen Bereiche der Sporthalbinsel überleitet. Die Promenade verengt sich anschließend trichterförmig und führt zu den Beach-Volleyball Feldern vor der öffentlichen "Sportbar im Meesche-Haus". Im Schatten der Alleebäume bietet dort eine lockere Außenmöblierung der Bar hohe Aufenthaltsqualität.
    Die längsseitig zum Gebäude angelegte Terrasse (analog zur Fassade aus gefärbten Sichtbetonplatten) wird an der Oker zur öffentlichen Plattform und bildet zusammen mit der befestigten Uferkante am Meesche-Strand und einer großzügigen Stufenanlage ins Wasser mit Kanu-Anlegersteg die Schnittstelle mit der neuen Uferpromenade.
    Die Beschränkung auf die Materialien Sand, wassergebundene Wegedecke (sog. Stiefmütterchenkies) und sand- bis ockerfarbene Betonplatten (eingelegte Betonplattenstreifen, Terrassen) korrespondiert mit den Materialien und Farben der Fassade.
    Das Gebäude und seine Außenbereiche stehen für den ausgleichenden Pol geordneter Ruhe im Mittelpunkt der Bewegung und Dynamik der Sportstätte.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Verfasser hat sich von den Vorgaben gelöst und den Wirtschaftshof mit der Lagerfläche, vom Funktionsgebäude getrennt, neben dem Entree der Sportanlage angeordnet. Dadurch entsteht Raum, das zweigeschossige Gebäude in West-Ost-Ausrichtung, eingespannt zwischen A-Platz und Oker, anzuordnen und die Verbindung von Sportnutzung und Naturraum an der Oker entwurfsbestimmend hervorzuheben. Die klare Südausrichtung ermöglicht somit enge Zuordnung zu den südlich angeordneten Freizeitsportflächen (Volleyball- und Multifunktionsfeld). Damit richtet sich allerdings lediglich die schmale Gebäudeseite zum A-Platz aus, mit dem Resultat, dass sich der Schwerpunkt der sportlichen Zuwendung vom Fußballfeld hin zu den Freizeitsportflächen verlagert.

    Materialität und Ausformulierung der Fassaden zeugen von hohem architektonischem Anspruch. Die Außenhülle ist plastisch durchgearbeitet und verleiht dem Haus eine ambitioniert vorgetragene Gestaltqualität. Die der Bauaufgabe angemessene Wahl der gestalterischen Mittel wird kritisch in Frage gestellt.

    Die Funktionsräume sind kompakt und nutzungsorientiert gut angeordnet. Der zweigeschossige Begegnungsraum steigert die Erlebnis- und Aufenthaltsqualität wesentlich und bietet gute Aussicht auf die Spielfelder. Dies wird als gute Kombination der vielfältigen Sportbereiche auf der Sportanlage gewürdigt. Einschränkend wird die bipolare Anordnung der Kernfunktionen Bewegungsraum und Begegnungsstätte bewertet, die funktional nicht verknüpft werden können.
    Der große Anteil an Technikräumen zzgl. eines Staffelgeschosses erschließt sich nicht.

    Die Wirtschaftlichkeit wird aufgrund der raumgreifenden, großzügigen Flächen (Luftraum) und Volumen eher kritisch betrachtet. Die ambitionierte Fassadengestaltung ist für ein Funktionsgebäude nicht angemessen gewählt.


INFO-BOX

Angelegt am 22.11.2017, 09:35
Zuletzt aktualisiert 28.11.2017, 12:06
Beitrags-ID 4-148821
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