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  • DE-22767 Hamburg
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-285057)

Bebauung nördlich der Hauptkirche St. Trinitatis


  • 1. Rang Nach Überarbeitung

    St.Trinitatis - Ein Ort für die Gemeinschaft, © kbnk/ponnie

    Architekten
    KBNK Architekten GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Landschafts.Architektur Birgit Hammer, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Der Leitgedanke

    Der Neubau des Gemeindezentrums St. Trinitatis stellt sich den vielfältigen Aufgaben einer inhaltlichen sozialen integrierten Stadtentwicklung zum einen und den Anforderungen einer sensiblen baulichen Umsetzung im Stadtgefüge zum anderen.
    Den vielfältigen Nutzungen entsprechend wird ein Ort für alle Menschen geschaffen, die Gemeinschaft erleben und leben.

    Städtebau und Freiraum

    Durchlässigkeit und Blickbeziehungen sind das bestimmende Thema für den gewachsenen Städtebau im Zusammenhang mit den umgebenden Grünräumen.
    Dieses Konzept setzt sich im Detail für das neue Gemeindezentrum fort. Die Bebauung beschreibt ein Ensemble mit vielfältigen Durchwegungen, Sichtachsen, Höfen und hochwertigen Freibereichen.
    Die wichtige Sichtachse auf das Nordportal der Kirche wird gewahrt ohne jedoch eine übertrieben wirkende, auf das Seitenportal ausgerichtete Achse in baulicher Form zu manifestieren.
    Der Grünzug Neu-Altona ist als historisches Zeugnis der Zerstörung und des Wiederaufbaus in Altona im besonderen Maß wertzuschätzen. Das städtebauliche Leitbild der Nachkriegszeit der gegliederten und aufgelockerten Stadt im Stadtgrundriss festgehalten.
    Die Kirche dient aus allen Himmelsrichtungen als Orientierungspunkt in der Stadtlandschaft. Der mit den Jahren dicht gewachsene Baumbestand ist daher sensibel auszuholzen. Ziel ist die Wiederherstellung einer offenen, mit einzelnen Baumsolitären und Baumgruppen überstellten Wiesenlandschaft.

    Das Gemeindezentrum

    Den Nutzungen entsprechend bilden die 5 Häuser als Ergänzung zur Kirche ein Ensemble.
    Das Gemeindehaus ist dem Hauptzugang der Kirche zugeordnet. Neben dem Pastorat und den Büroräumen im Erdgeschoss sowie dem Gemeindesaal im 1. Obergeschoss befindet sich auch die Pastoratswohnung im 2. Obergeschoss.
    Das Pilgerhaus mit Herberge befindet sich am Kreuzungsbereich Königstraße /Kirchenstraße und ist mit seinem Eingang leicht auffindbar.
    Der Baukörper für die Verwaltungsflächen (auch für die Pilgerverwaltung) beinhaltet im Erdgeschoss den Veranstaltungsraum und das Café.
    Das Haus für die Kinder und für die erweiterten Ersatzwohnungen bildet den östlichen Abschluss des Ensembles und wird entsprechend der Sichtbeziehung von der Königstraße zum Nordportal der Kirche weiter in den Grünzug positioniert. Die Freiflächen für die Kinder bilden weiterhin den Übergang zum Grünzug.
    Komplementiert wird das Ensemble um ein fünftes Haus. Tagespflege und die bislang fehlende Nutzung Wohnen mit Pflege werden an dieser Stelle integriert
    Die Kirche mit ihren Schmuckelementen und der lebhaften Ziegelmaterialität bildet den eindeutigen Hauptpunkt. Die neuen kubischen Baukörper entsprechen einer eher archaischen Grundform (Haus mit Dach) und treten nicht in Konkurrenz zur Kirche. Über das Material roter Ziegel wird die Zusammengehörigkeit betont.

    Nachhaltigkeit

    Ziel ist eine wirtschaftliche und nachhaltige Errichtung der Gebäude.
    Eine wärmebrückenfreie Gebäudehülle, Dreischeibenverglasung und hocheffiziente Wärmerück-gewinnung der Lüftungsanlagen sorgen für einen geringen Heizwärmebedarf. Heizflächen erlauben einen hocheffizienten Einsatz von Niedertemperaturwärme bzw. Hochtemperaturkälte. Die Kälte wird direkt aus Rohrschlangen in den Gründungspfählen gewonnen. Eine natürliche Lüftung über akustisch optimierte Fenster kann neben der Lüftungsanlage mit Sommerbypass das Raumklima regulieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Kirche und Neubebauung zeigen ein kleinmaßstäbliches, baukörperlich gut gesetztes Ensemble von fünf Baukörpern, das sich deutlich als eigenständiges Quartier im Grünzug Neu-Altona abzeichnet. Eine vielfältig nutzbare Platzfolge und Gebäudetypologie bietet Möglichkeiten für die Entwicklung eines lebendigen Ortes. Die deutliche Orientierung/Adressbildung zum Struenseequartier und zur Königstraße überzeugt und zeigt eine gute Einbindung in das angrenzende Umfeld. Die Neugestaltung des Grünzuges östlich des Quartiers ist gut gelöst. Der introvertierte Kirchplatz, umgeben von den fünf Baukörpern, eröffnet einen intimen Stadtraum, der im deutlichen Kontrast zu dem großzügig östlich verlaufenden Grünzug steht. Auch die Wegeführung, die die serpentinenförmige Verbindung aus dem südlichen Bereich aufnimmt, weiterführt und an das östliche Wohnquartier gut anschließt, ist gut gewählt.

    Der Entwurf bezieht sich in den Proportionen der einzelnen Baukörper sehr überzeugend auf die Dominanz der Kirche. Trotz unterschiedlicher Höhen berücksichtigen die Baukörper in ihrer Gesamtwirkung die Traufhöhe der Kirche. Sie stehen nicht in Konkurrenz zum Kirchenbauwerk, sondern bilden mit dem Kirchengebäude ein stimmiges Ensemble.

    Die Eingänge der einzelnen Gebäude sind gut gesetzt und akzentuieren die Zugänglichkeit des Quartiers von der Königstraße und der Kirchenstraße aus. Die kontrastreiche Raumgestaltung und die Erschließungsbereiche werden positiv bewertet. Die Gestaltung und Orientierung der Grundrisse ist zum Teil noch zu verbessern.

    Die Arbeit sieht fünf Einzelbaukörper mit klarer Nutzungszuordnung vor. Die Grundrissstruktur bedarf der Überarbeitung, da sie nicht in allen Fällen überzeugt. Auch die Fassadengliederung stimmt teilweise nicht mit der Grundrisstypologie überein.

    Die Nutzung der Gemeindeflächen ist dem Hauptportal der Kirche richtig zugeordnet, sie wirken platzbildend und belebend, wie auch das gut situierte Café am Kirchplatz. Die Anordnung der Büroflächen zur Königstraße ist ebenfalls richtig gewählt. Die überwiegend zur Königstraße angeordneten Wohnungen bedürfen einer besonderen Berücksichtigung im Hinblick auf Lärmimmissionen.