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  • DE-86919 Utting am Ammersee, DE-86919 Utting am Ammersee
  • 04/2018
  • Ergebnis
  • (ID 2-270987)

Errichtung von geförderten Wohnungen auf dem Schmucker-Areal


  • Anerkennung

    © Atelier Lüps

    Landschaftsarchitekten
    LATZ+PARTNER LandschaftsArchitektur Stadtplanung, Kranzberg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Atelier Lüps, Schondorf (DE)

    Preisgeld
    9.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ein geschützter Raum, ein öffentlicher Raum, ein privater Raum:

    Die neue Wohnanlage in Utting hat vielfältige Aufgaben zu leisten. Die Freianlagen sollen aber dennoch großzügig und entwicklungsfähig erscheinen, eine gemeinschaftliche Atmosphäre herstellen, kommunikativ wirken und einladend auch für die
    Nachbarn sein.
    Die Vielfalt der räumlichen Erlebnisse reflektiert den Ort, seine kleinteilige Struktur und das direkte Miteinander.
    Dies soll über drei gestalterische Strategien erreicht werden:

    1. Einheitliche Materialität,
    2. Attraktive Raumfolgen,
    3. Vielfältige Programmierung.

    Einheitliche Materialität
    Die öffentliche Durchwegung wird als Asphalteinstreudecke hergestellt, die in der Regel nur durch Fahrradfahrer und Fußgänger genutzt werden soll, aber auch
    für einzelne Be- und Entladefälle befahren werden kann.
    In der gleichen Materialität werden größere genutzte Wegeflächen und
    Platzbereiche als wassergebundene Decke erstellt.
    Farblich einheitlich entsteht so ein großzügiger Eindruck der Anlage. Die
    Flächen sind erst einmal flexibel nutzbar, können sich aber in den
    weniger genutzten Bereichen langsam zu einer grünen Oberfläche
    weiterentwickeln. Alle privaten Flächen werden als Holzterrassen
    oder klassische Rasenflächen erstellt. Niedrige Hecken grenzen die Bereiche
    untereinander ab, sorgen für den notwendigen Schutz,
    intensivieren aber auch gleichzeitig die Kommunikation zwischen
    den Bewohnern und ggf. Besuchern.

    Attraktive Raumfolgen
    Unterschiedliche große Räume begleiten die Gebäudefolge und
    erhalten durch eine freie Baumstellung und unterschiedliche Ausrichtung einen jeweils
    besonderen Charakter. Dabei werden auf jedem Platz ausreichend
    Bänke vorgesehen, um Genuss und optimale Nutzung des
    Freiraumes zu ermöglichen.

    Vielfältige Programmierung
    Durch die Stellung der Gebäude entsteht eine vielfältige, attraktive Raumfolge, die individuell programmiert wird, keine Leer- und Restflächen hat und für jedes Gebäude ein besonderes Umfeld herstellt. Von Osten nach Westen entstehen ein kleiner, mit Platten
    belegter Platz um den Gemeinschaftsraum an der Schondorfer Straße, eine Obstbaumwiese für alle neuen Bewohner, ein kleiner Platz als Treff und multifunktionaler Raum für die gemeinschaftliche Nutzung, ein Kinderspielbereich, ein natürlicher Wasserspielplatz am Moosgraben und daran anschließend ein weiterer kleiner Platz mit Spielmöglichkeiten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebauliche Komposition / Erschließung: Den Verfassern gelingt es mit der städtebaulichen Anordnung eine Durchlässigkeit von Osten nach Westen zu organisieren und gleichzeitig Räume mit unterschiedlichen Aufenthaltsqualitäten zu schaffen. Die Hausgruppe am westlichen Bereich weist leider in ihrer räumlichen Anordnung diese Qualitäten nicht auf. Sie erscheint beliebig und verspricht auf Grund ihrer Größe und der zweigeschossigen Umrandung wenig Aufenthaltsqualität. Insgesamt bedarf die wechselseitige Erschließung von der Süd- und Nordseite noch der genauen Ausformulierung der Verfasser und lässt Schwierigkeiten in der Zuordnung von öffentlichem und privatem Freiraum erwarten. Der Abschluss der Wegeverbindung im Westen im dreieckigen Gartenhof ist nicht zufriedenstellen gelöst.
    Die Erschließung der Tiefgarage ist mit ihrer Anordnung an der Landsberger Straße ist gelungen. Die Ausformulierung der überbauten Abfahrt als nördliche Platzwand schafft einen Abschluss der zentralen Platzes. Sie erscheint in ihrer Höhe als etwas zu prominent. Die überdeckte Tiefgaragenabfahrt mit dem vorgeschlagenen Überbau als Fahrradabstellraum wird positiv gesehen, wobei gleichzeitig auch die Schallimmission ins Quartier verringert wird. Die „Kapelle“ am westlichen Ende mit der Umlegung der Einmündung der Hechenwanger Straße bildet einen gelungenen Auftakt in das neue Quartier. Die stark abschirmende Fassade des östlichsten Gebäudes an der Schondorfer Straße wird kritisch gesehen.

    Gestaltung: Die dargestellte architektonische Haltung überzeugt auf den ersten Blick mit ihrem Einfügen in die ländliche Umgebung. Allerdings zeigt ein näheres Hinsehen, dass sich einzelne Objekte nicht von Alltagsarchitektur unterscheiden. Dies zeigt sich insbesondere an den Nordfassaden der Doppelhäuser an der Landsberger Straße.

    Grundrisse: Die oft dreiseitig belichteten Grundrisse und die meist südliche Ausrichtung las-sen eine hohe Wohnqualität erwarten.

    Wirtschaftlichkeit: Die durchschnittliche Wohnungsgröße ist angemessen. Die angebotene Wohnungsanzahl liegt mit 80 Wohnungen im erwünschten Bereich. Der Bruttorauminhalt liegt mit knapp 45.000 m³ eher im höheren Bereich. Dies ist Loggien und Erschließungsbereichen geschuldet. Die Anlage sieht insgesamt acht Aufzüge vor und liegt damit im durchschnittlichen Bereich. Die Tiefgarage mit ihrer linearen Anordnung lässt eine wirtschaftliche Errichtung zu. Die Anbindung der TG-Stellplätze für den westlichen Bereich über die vorhandenen Aufzüge in den östlichen Gebäuden ist gewährleistet. Die Erschließung des OG der drei Gebäude an der Hechenwanger Straße durch einen einzigen Aufzug wird erkauft mit einem Laubengang an der Ostseite - um fünf Wohnungen zu erschließen.

    Entlang der übergeordneten Wegeachse lagern sich unterschiedliche Gemeinschaftsflächen an. Die Platzausweitung an der Schondorfer Straße kann auf Grund der Stellplatzanordnung nicht überzeugen. Auch die Quartiersmitte mit Obsthain und Kommunikationsfläche lässt Frage offen. Der Kinderspielplatz liegt im Umfeld der Tiefgaragenzufahrt ungünstig. Die Aufweitung des Moosgrabens ist überdimensioniert. Leider kann auch die Gestaltung des Gartenhofes nicht überzeugen. Das angebotene Regenwassermanagement erscheint nachvollziehbar.

    Insgesamt überzeugt die Arbeit als gelungener Beitrag zum Wohnbauprojekt „Schmucker“ in Utting.