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  • DE-46483 Wesel
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-278033)

St. Mariä Himmelfahrt-Kirche


  • ein 3. Preis

    Perspektive, © behet bondzio lin architekten

    Architekten
    behet bondzio lin architekten, Münster (DE), Leipzig (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Pavla Briksova

    Preisgeld
    1.500 EUR

    Erläuterungstext
    LEITGEDANKEN ZUR LÖSUNGSENTWICKLUNG

    Der Kirchenraum, der in den 50er Jahren von Prof. Rudolf Schwarz entworfen wurde, wird durch unseren Entwurf neu erlebbar gemacht.
    Mit einer Skulptur aus einer Holz-Skelettkonstruktion über drei Ebenen, die sich losgelöst vom Bestand und ohne in ihn konstruktiv einzugreifen im Kirchenraum aufstellt, werden Durchblicke, Ausblicke und neue kommunikative Räume erlebbar.
    Diese Skulptur, die fast alle Funktionen des Raumprogramms aufnimmt, wird durch einen Anbau ergänzt, der die vertikale sowie barrierefreie Erschließung ermöglicht und bestimmte Nebenräume sowie den Sanitärbereich aufnimmt.

    ERSCHLIESSUNG UND FUNKTIONEN

    Weiterhin betritt der Besucher das Kirchengebäude über das denkmalgeschützte Westportal der Kirche. An der Außentreppe wird ein Plattformlift angeboten, um auch den barrierefreien Zugang zum Gebäude zu gewährleisten. Auf der linken Seite im Portal befindet sich die Garderobe sowie die Information. Im Weiteren öffnet sich der Raum geradeaus zum neuen Erschließungskern oder rechter Hand direkt in den ehemaligen Kirchenraum.
    Im Erdgeschoss der eingestellten Skulptur befindet sich hier neben der EFL Beratungsstelle die Küche inkl. Anlieferung sowie die Archiv- und Lagerbereiche. Durch einen Vorflur, der im Bereich der Beratungsstelle zusätzlich durch eine Glastür zum offeneren Bereich abgegrenzt wird, entsteht der notwenige Rückzugsraum der Beratungsstelle, wobei weiterhin der Durchblick zum ehemaligen Altarraum ermöglicht wird. Die Erhebung des ehemaligen Altarraums wird beibehalten und soll für Chorproben mit einer neuen Orgel ergänzt werden.

    Die alte Orgel wird abgebaut und die Stufen werden mit neuen Sitzmöglichkeiten als Aufenthaltsbereich angeboten. Der Zugang zur Krypta und Grablege, der hinter diesem Podest liegt, ist nur noch als Nebeneingang bzw. zweiter Rettungsweg gedacht.
    Der Hauptzugang sowie die barrierefreie Erschließung erfolgt über den neuen Anbau, über den auch die Obergeschosse der Holzskelettkonstruktion zu erreichen sind.

    Betritt man die Skulptur im 1. Obergeschoss öffnet sich auf der neuen Empore der Blick zur Fensterrose „Rosa Mystica“ und bietet einen großzügigen Raum für Ausstellungen. Der Multifunktionsraum stellt sich als teilbarer Raum dar, von dem ein Teil eingeschossig und abtrennbar in der Holz-Skelettkonstruktion untergebracht wird und sich der zweite Raum zu einem fließenden Raum über die Empore im 1. Obergeschoss, der Apsis im Erdgeschoss sowie dem zur Lichtkranz offenen Raum verbindet und somit neu erlebbar macht.

    Im 2. Obergeschoss sind die Gruppenräume, mit einem zugehörigen großzügigen Wartebereich sowie Lagerräume angeordnet. Durch die Lage im Gebäude kann dies als Rückzugsort für Trauerarbeit und Meditation genutzt werden.

    Die Sakristei dient in erster Linie für den Gottesdienstraum in der Krypta, ist aber ebenfalls über den Aufzug gut an den Multifunktionssaal im 1. Obergeschoss angebunden. Zusätzlich könnte hier das Lager am Saal für die Vorbereitung bei Gottesdiensten genutzt werden.

    Sichtbeziehungen zwischen den verschiedenen Räumen und Ebenen vermitteln eine neue Offenheit und unterstützen die Vernetzung der verschiedenen Angebote im ehemaligen Kirchenraum.

    KONSTRUKTION UND MATERIAL

    Der Anbau wird als wesentlich geschlossener Massivbau in Betonbauweise in der Nische zwischen dem Westportal und dem Kirchenraum aufgestellt.
    Der Übergang zum Bestand wird als vertikal und horizontal umlaufende Glasfuge ausgebildet. Der Treppenraum öffnet sich zum Innenhof über eine gelochte Struktur mit etwa 40% Glasanteil.
    Die Gründung muss entsprechend der vorzufindenden Grundmauern der Klosterkirche entschieden und geplant werden. Für eine günstige Leitungsführung sind die Sanitär-bereiche im neuen Anbau angesiedelt.

    Die Ausfachung der Rundbögen sowie die Beichtstühle werden zurückgebaut und die Büros der EFL Beratungsstätte sowie der Multifunktionssaal im 1. Obergeschoss erhalten ihre natürliche Belichtung über die großzügigen Öffnungen. Nachdem die abgehängte Decke im Kirchenschiff ebenfalls zurückgebaut ist und das Kirchengebäude insgesamt saniert wurde, wird die neue Holz-Skelettkonstruktion bestehend aus drei Ebenen aufgestellt.
    Für die Konstruktion wird ein Nadelholz mit gebeizter Oberfläche vorgeschlagen. Der Bodenaufbau der verschiedenen Ebenen wird als Holztragwerk mit Trittschalldämmung, Heizestrich und Parkettboden ausgeführt.

    In geschlossenen Bereichen der Holz-Skelettkonstruktion werden die Räume mit einer Pfosten-Riegel-Fassade ausgeführt und somit akustisch sowie thermisch zum Kirchenraum abgegrenzt. Bei den Lagerbereichen für die Kunstgegenstände werden anstatt der Pfosten-Riegel-Fassade Dämmelemente angeordnet, die auf die speziellen Anforderungen des Raumes reagieren.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit bringt konsequent alle geforderten Funktionen innerhalb des bestehenden Kirchenraumes unter. Neubauten außerhalb der Kirche werden auf ein Minimum reduziert.
    Lediglich die logische Erweiterung des Eingangsbereiches wird als dreigeschossiges Erschließungsbauwerk in angemessener Architektursprache ergänzt.
    Durch den Verzicht auf Erweiterungsbauten bleibt die städtebaulich wichtige Nordwestecke frei. Allerdings relativiert die Nutzung des Freiraums mit Parkplätzen diese Qualität.
    Die geforderten Funktionen werden im Kirchenraum mit einer eingestellten, transparenten Holzskelettkonstruktion über drei Ebenen realisiert, die sich flächenmäßig nach oben verjüngt. Dabei wird die sehr großzügige, höhere und durchsichtige Hauptebene mit Multifunktionsbereich im 1. Obergeschoss realisiert und nutzt dabei das deutlich größere Erdgeschoss als Terrasse.
    Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Erdgeschoss hat eine unabhängige Funktionalität und Erschließung.
    Die Gruppenräume liegen im 2. Obergeschoss und sind erschließungs- und belichtungstechnische etwas abgehängt. Die Küche im Erdgeschoss wird hier ebenfalls kritisch gesehen.
    Die Krypta ist ebenfalls direkt erschlossen und funktioniert aus Nutzersicht optimal.
    Aus Sicht von Frau Schwarz (vertreten durch Herr Rüenauver) sind die Einbauten in den Kirchenraum zu massiv.
    Allerdings werden sowohl Chorbereich wie auch die Westseite mit Rosa Mystica vollständig freigehalten und im 1. Obergeschoss durchsehbar verbunden.
    Der Radleuchter wird mit seinem umgebenden Raum freigestellt.
    Die Fragen des baulichen Brandschutzes und des zweiten Rettungsweges aus dem 1. Obergeschoss müssten noch beantwortet werden.
    Die Arbeit besticht durch ein konsequent umgesetztes Konzept, wird unter baudenkmalpflegerischen Aspekten jedoch kritisch bewertet.


INFO-BOX

Angelegt am 01.12.2017, 16:03
Zuletzt aktualisiert 04.12.2017, 10:39
Beitrags-ID 4-149326
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