loading
  • DE-54634 Bitburg, DE-54634 Bitburg
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-276395)

Neugestaltung der Stadtplätze „Petersplatz“ und „Rund um die Liebfrauenkirche“


  • 2. Preis

    Der Petersplatz erhält eine zeitgemäße und schlichte Gestaltung und fügt sich wie selbstverständlich ins Stadtbild ein

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Martin Gass, Ricardo Patings

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Leitidee

    Die Stadt Bitburg kann auf eine bewegende Siedlungsgeschichte zurückblicken, welche durch die Römer die ersten Impulse einer Besiedlung verzeichnete, viele Kriege, wechselnde Verwaltungszugehörigkeiten und Besatzungen überstand, seine Blüte Anfang des 19. Jahrhunderts erlebte und bedauerlicherweise im 2. Weltkrieg ein Großteil seiner prächtigen Altstadt verlor. Viele Jahre sind seitdem vergangen. Das Leben ist nach dem Wiederaufbau in die Stadt zurückgekehrt und überraschenderweise lassen sich noch heute zahlreiche Kulturschätze und Spuren längst vergangener Epochen in der Stadt und ihrer unmittelbaren Umgebung entdecken und ablesen. Darin liegt ein einmaliges Potenzial, das es gilt im Zuge der Gestaltung der Bitburger Innenstadt, samt ihrer zur Umgestaltung stehenden Stadtplätze, zu stärken, herauszuarbeiten miteinander zu verbinden. Dem bereits umgestalteten Bereich am Spittel und dem Abschnitt der Hauptstraße kommt dabei eine führende Rolle zu, indem die grundsätzliche Gestaltungsidee aufgegriffen und im Bereich des Wettbewerbsgebietes fortgeführt wird. Leitidee ist es, entlang der pulsierenden Hauptstraße ein einheitliches Gestaltungskonzept zu verfolgen, das der Stadt ein von der Materialverwendung bis über die Einrichtungsgegenstände identitätsstiftendes Gesicht mit Wiedererkennungswert verleiht. Darüber hinaus werden die unterschiedlichen Raumfolgen von der Hauptstraße und den Plätzen in ihren Qualitäten gestärkt. Dabei werden vor allem die Plätze deutlich hervorgehoben und wie „Perlen“ entlang der Hauptstraße aufgefädelt. Zusätzlich sind die einzelnen Platzräume mit einem entlang der Hauptstraße angegliederten Wasserthema ausgestattet, welches nicht nur die einzelnen „Perlen“ miteinander verbindet, sondern auch als Attraktion für Besucher und Einwohner dient. Die unterschiedlichen Zeiträume der Stadtgeschichte bleiben ablesbar, verbinden sich aber zu einem einheitlichen Stadtbild, der neuen charakteristischen Innenstadt von Bitburg.

    Vernetzung / Kompatibilität

    Die Gestaltung des Stadtbodens in Form eines „Pflasterparketts“ nimmt die Materialität und Farbigkeit der vorhandenen Pflasterbeläge aus den jüngst umgestalteten Abschnitten in der Hauptstraße / Am Spittel in der Bitburger Innenstadt mit ihren verschiedenen Platin-Dunkel und Platin-Schwarz-Tönen auf und schreibt sie daran orientierend fort. Es entsteht eine markante, eigenständige Belagsfläche, die eine subtile Vernetzung mit den Bestandsflächen herstellt, ohne einen störenden Bruch zu erzeugen. Die Querverbindungen werden gestärkt und aufgewertet, sodass ein zusammenhängendes Platz- und Wegenetz entsteht. Die Platzsituationen werden zusätzlich durch einen „Stadtteppich“ aus einem kleinformatigen Natursteinpflaster im Passeverband hervorgehoben und in ihrer historisch gewachsenen Bedeutung gewürdigt. Durch das geschickte Verweben des „Pflasterparketts“ mit den „Stadtteppichen“ entsteht ein spannungsvolles und einheitliches Stadtbild, welches Schwerpunkte geschickt akzentuiert ohne an Klarheit und Offenheit zu verlieren.

    Rund um die Liebfrauenkirche

    Als eine weitere Perle der Bitburger Innenstadt bildet die Liebfrauenkirche hierbei einen imposanten Höhepunkt. Die zentrale Präsenz der Architektur in dem durch mehrere Nischen stark verwinkelten, engen und dichten Raum geben Anlass zur Klarheit, Offenheit in Gestaltung und Funktionalität der Konzeption. So wird, um die Bedeutung der historisch gewachsenen Kirche hervorzuheben und stärker in das Stadtbild einzubinden, bezugnehmend auf die wichtigsten Raumkanten, ein polygonales Platzfeld aus Naturstein entwickelt, das wie eine Auftaktsituation in die Hauptstraße hineinragt. Hierbei agiert das durchgehende Pflasterparkett als gelungenes „Passepartout“, welches sich dem richtungslos verlegten Naturstein-Teppich harmonisch unterordnet. Die zum Teil hohe verkehrliche Frequentierung durch den motorisierten Verkehr wird zugunsten neuer Aufenthaltsqualitäten in angenehmer stimmungsvoller Atmosphäre auf das vorgegebene Minimum reduziert. So werden Parkierungszonen im nördlichen und östlichen Bereich an der Liebfrauenkirche angeboten und hingegen im südlichen sowie westlichen Teil Fußgänger- und Aufenthaltsbereiche geschaffen. Geometrisch ausgeführte Holzdecks, die überwiegend mit den Bestandsbäumen im Umfeld der Kirche zusammenspielen und lange Holzbänke mit Rückenlehnen bieten an geeignet Punkten robuste und multifunktionale Möglichkeiten des Verweilens. Das Glockenspiel in Blickbeziehung zur Hauptstraße und das Tastmodell finden östlich der Kirche geeigneten Standort. Zusätzlich wird die Brunnenfamilie auch an dieser Stelle um ein weiteres Element – einem bodenbündigen Fontänenfeld - ergänzt. Die Verteilerkästen können problemlos verortet werden. Die kleine Nische im Osten des Platzes wird von einer Treppenanlage geprägt, welche die Höhendifferenz zu den Bestandsbauten abfängt und mit integrierten Holzauflagen zusätzliche Aufenthaltsangebote schafft. An dieser Stelle werden zudem 5 Kurzzeitparkstellflächen zur Verfügung gestellt. Zusätzlich wird vorgeschlagen, die nördlich befindlichen Außenanlagen der Privatflächen ebenfalls mit dem Pflasterparkett zu versehen und selbiges in dem Bereich des Jugendhauses fortzuführen, damit sich das einheitliche Gesamtgefüge des Konzepts im gesamten Stadtbild vollends entfalten kann.

    Der Petersplatz

    Der im Herzen der Fußgängerzone gelegene Petersplatz erhält in seiner Bedeutung als beliebte Aufenthaltszone eine gezielt belebende Aufwertung, die ihm eine urbane wie auch zeitlose Identität verleiht. Die jetzige Situation der verwinkelten Hochbeete wird zugunsten einer offenen und durchgängigen Platzgestaltung aufgelöst. Im Vordergrund steht hierbei das entlang der Hauptstraße angliedernde Figurenprogramm des Gäßestreppenbrunnens, welches unterstützt durch ein initiiertes Fontänenfeld - als Bezug zur einstigen Quelle - einen markanten und spannungsvollen Anziehungspunkt der Bitburger Innenstadt gründet. Die vorherrschenden Höhendifferenzen werden mit Hilfe einer dezent verschränkten Treppenanlage aufgefangen, die obendrein punktuelle Holzauflagen zum Verweilen anbietet. Darüber hinaus wird ein Platzfeld aus einem kleinformatigen Natursteinpflaster aufgespannt, welches in seiner Klarheit und Offenheit beide Platzebenen eint und in Verbindung mit dem Gäßestreppenbrunnen unterschiedlichsten Veranstaltungen, gastronomischer Nutzung und somit dem Charakter als Publikumsmagnet gerecht wird. Dabei ziehen sich die Platzgrenzen leicht bis in die Hauptstraße hinein und orientieren sich entlang der südlichen Hauskanten. Die Bestandsbäume können als Gestaltungsmittel, Schattenspender und Raumbildungsaspekt aufgenommen und mit Hilfe zweier geometrischer Holzdecks sinnvoll in die neue Gestaltungskonzeption mit intimer Atmosphäre aufgenommen werden. Die barrierefreie Erschließung sowie durchgehende Verbindung zwischen der Petersstraße, Hauptstraße und Schakengasse wird weiterhin, genauso wie die Erreichbarkeit von Hauseingängen und Einfahrten, gewährleistet.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit versucht unter Beibehaltung und Fortführung der bereits begonnenen Belagsqualität in der Hauptstraße neue inszenierende Qualitäten für die Platzbereiche entlang der zentralen Stadtachse zu entwickeln. Kirchplatz und Petersplatz erhalten jeweils eine abgesetzte Belagsintarsie, die vom vorhandenen Stadtbelag wie ein Passepartout umflossen wird.

    Die zentrale Achse wird subtil durch ein leichtes Vorschieben der Intarsie in die Hauptstraße betont, um den Passanten zum Verweilen zu animieren. Der Entwurf überzeugt durch seine Ruhe, Zurückhaltung und Großzügigkeit. Ausstattung und Grün werden auf ein Minimum reduziert. Technische Aspekte und Höhenunterschiede werden in reduzierter Weise in die Beläge integriert und möglichst durch Stufen aufgelöst, die weiter für ein Sitzangebot genutzt werden können. Am Petersplatz wird das Entwurfsprinzip des Kirchplatzes stringent fortgeführt. Auch hier entsteht ein klarer offener Platzraum, der mit ganz wenigen Mitteln auskommt. Der bestehende Höhenunterschied wird durch eine Stufenanlage in minimalster Weise aufgelöst. Der Brunnen wird ohne gesonderte Fassung in die Belagsfläche integriert.

    Einzelne Ausstattungselemente am Kirchplatz wie ein ergänzendes Brunnenfeld und das Glockenspiel sowie einzelne Baumstandorte können in ihrer Notwendigkeit und Positionierung diskutiert werden, verändern aber nicht grundsätzlich die Entwurfsidee.

    Insgesamt ein sehr überzeugender robuster Entwurf, der auch mit den notwendigen Anpassungen weiter Bestand haben kann und im Zentrum Bitburgs neue Qualitäten einführt.