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  • DE-99867 Gotha
  • 09/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-8289)

Sanierung und Erweiterung Stadtbad


  • 2. Preis

    © AHM Architekten

    Architekten
    Arnke Häntsch Mattmüller AHM Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Brune Architekten, München (DE)

    Erläuterungstext
    Gliederung:
    1 Städtebauliche Einbindung und Freiraum
    2 Gebäudestruktur, Bereichsgliederung und Erschließung
    3 Energie- und Haustechnik
    4 Gestalt und Material
    1 Städtebauliche Einbindung und Freiraum
    Wilhelm Goettes Ensemble zwischen Bohnstedtstraße und Eisenacher Straße aus
    Gymnasium, Sporthalle und Stadtbad bildet bauhistorisch und bauräumlich eine sehr wertvolle
    Stadtmarke direkt vor der Altstadt Gothas. Sowohl das Bad als auch die Schulbauten sind als
    Körper, Struktur und in ihrer Erscheinung hervorragende Beispiele des ausgehenden
    Historismus und beginnenden Jugendstils. Sie bilden die Idee [der Gründerzeit] einer dichten,
    durch die Bauten der Sondernutzungen pointierten Stadt ideal ab. Eine Erweiterung dieses
    Ensembles muss hinter die Ausdrucksstärke der Bestandsbauten zurücktreten. Für die
    Wahrnehmung der erweiterten Badnutzung in und über Gotha hinaus ist der historische
    Bestand sicher der wertvollste Faktor, um in einer immer diffuser werdenden Bäderlandschaft
    Unverwechselbarkeit und zu garantieren. Der historisch wiederhergestellte und sanierte
    Bestand ist Adresse und Gesicht des neuen Stadtbades Gotha.
    Das bauhistorische Ensemble wird in seinem Kern westlich und östlich der bestehenden Halle
    linear erweitert. Die Anbindung an die Stadt erfolgt wie bislang über den Hauptzugang des
    Bestandes an der Bohnstedtstraße. Der Bestand ist umgeben von Grünräumen. Im Westen
    und im Süden des Wettbewerbsgebietes ist die Parkierung angelagert, sodass der östliche,
    sich nach Süden öffnende, Grundstücksteil zu einer wertvollen Grünfläche für das Bad und
    den übergeordneten städtischen Grünzusammenhang werden kann.
    Die westlich umlaufende Wegeführung erschließt das Parken und den nördlich gelegenen
    Betriebshof. Sie stellt die Anbindung des Gymnasiums an die Bohnstedtstraße sicher.
    Der in die Freiflächen eingebettete Neubaukörper nimmt sich dem Bestandbau und den
    Grünräumen gegenüber stark zurück und fasst alle Erweiterungen im Bäderbereich
    zusammen, mit dem Ziel, das Alleinstellungsmerkmal des Bestandes zu stärken.
    2 Gebäudestruktur, Bereichsgliederung und Erschließung
    Dem Vorrang des Bestandes entsprechend, baut die innere Erschließungsstruktur auf der
    bestehenden Zugangssituation auf. Das ovale Foyer gewährt Einblick und Überblick über die Badelandschaft. Hier sind Kassen, die Eingänge zu den jeweiligen Badebereichen, Aufgänge
    zu den Praxen, Übergänge zum Restaurant und ein Warteraum, der in der Achse des
    Eingangs Einblick in die historische Schwimmhalle bietet.
    Die historische Halle gliedert das Bad in einen ruhigeren Sauna- und Wellnessbereich und
    dem Sport- und Freizeitbad. Der Gast des spa-Bereiches geht westliche der Halle zu seinen Umkleiden, während Familien, Schüler und Sportler ihre Umkleiden in östlicher Richtung
    erreichen.
    Hierbei sind die Sammelumkleiden von den Einzelumkleiden in zwei Geschoßen getrennt.
    Vom Vorbereich der Einzelumkleiden aus hat der Gast wieder Einblicke in die historische
    Halle. Nach den Umkleiden begegnen die Besucher dem Eltern-Kind-Bereich, der durch
    brusthohe Einfassungen und Bepflanzungen von den Erschließungswegen getrennt wird.
    Schon hier ermöglichen Ausblicke in den südlichen Freibereich einen direkten Kontakt von
    Baden und Landschaft. Weiter östlich eröffnet sich die neue Schwimmhalle über Sitz- und
    Liegestufen. Östlich und südlich des Beckens öffnet sich der Blick in den angelegten
    Badegarten. Nördlich des Beckens sind Heizstufen in Nischen eingelassen. Auch hier eröffnet sich ein Ausblick in den kleinen Garten um das bestehende Baumdenkmal. Die optionalen Nutzungen finden um die neue Halle gut Platz und fügen sich bequem in den Freiraum ein.
    Der westlich der historischen Halle gelegene Sauna- und Wellnessbereich wird spiegelbildlich dem zuvor beschriebenen Bereich erschlossen. Nach den Umkleiden erreicht der Besucher
    den Saunabereich mit den dazugehörenden Anwendungen. Der Bereich ist nach Westen hin vollständig dem Saunagarten zu aufgeglast. Im Norden wird der ehemalige Kamin als
    Klangraum in die Wellnesslandschaft eingefügt. Der Besucher kann vom neuen Saunabereich einfach ebenerdig zum historischen Sauna und Dampfbadbereich gelangen. In allen
    Bereichen sind Nass- und Ruheräume, sodass der Wellnessbereich wegen dieser
    unterschiedlichen Zonen eine Vielzahl von Besuchern aufnehmen kann, ohne überfüllt zu
    wirken. Der Aussengarten liegt ein Geschoss niedriger als der Sauna- und Umkleidebereich.
    Innen und Außen verbinden großzügige Treppen die verschiedenen Niveaus. Auf
    Gartenniveau sind innen ein Bistro und der Whirlpool angeordnet. Außen fassen Liegeflächen, Außensaunen und Dampfbäder das Solebecken ein.
    Im Zentrum zwischen dem eher ruhigen um dem eher lauten Badebereichen liegt die
    historische Schwimmhalle mit ihrer Galerie, Duschen und vielfältigen Liegemöglichkeiten. Hier schwimmen die Saunagänger wie die, dem Geräuschpegel der neuen Schwimmhalle
    überdrüssigen in ruhiger historischer Atmosphere. Sie ist Schnittstelle und Rückzugsraum
    zugleich und garantiert ein unvergleichliches Badeerlebnis.


    3 Energie- und Haustechnik
    Die Kosten für Energie [Wärme wie Strom] sowie Frischwasserversorgung und
    Abwasserentsorgung bestimmen die Wirtschaftlichkeit im Betrieb. Es ist zu erwarten, dass die
    Bedeutung, diesen Bereich effizient zu organisieren, stärker zunimmt als in der
    Vergangenheit. Dabei haben wir auf folgende Punkte besonders geachtet:
    Die dem Bestand entlehnte Massivbauweise garantiert in ihrer Kompaktheit
    Wärmespeicherung und geringe Energieverluste. Alle Arten der Bauteilaktivierung können im Neu- und Altbau ideal genutzt werden. Die Gebäudehülle garantiert, dass geringer
    Wärmeverlust und passiver solarer Energiegewinn in idealem Verhältnis zueinander stehen.
    In allen Gewerken werden grundsätzlich Wärmerückgewinnungseinrichtungen vorgesehen. In erster Linie sind dies rekuperative Systeme, also Systeme ohne zusätzlichen Energieeintrag.
    Im Detail kann dann der Einsatz von Wärmepumpen auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft
    werden. Bei den Lüftungsanlagen für die Badebereiche sind in der Regel
    Entfeuchtungswärmepumpen mit Beckenwasserkondensatoren wirtschaftlich. Dadurch kann ein Jahreswärmerückgewinnungsgrad der Lüftungsanlage von 85-90% erreicht werden. Das Duschwasser wird in einem separaten Abwassersystem gesammelt, wo dem ca. 30°C warmen Duschabwasser über Wärmetauscher die Wärme entzogen wird. Die gewonnene Energie wird dem Brauchwasserkreislauf zugeführt. Bei der Badewasseraufbereitung wird die Wärmerückgewinnung im Stetsablauf installiert. Plattenwärmetauscher führen die Entzogene Energie dem Zuwasser direkt zurück. Hier können bis zu 90% Wirkungsgrad erreicht werden.
    Teile des abgebadeten Wassers können als Füllwasser dem Brauchwasserbedarf für
    Toilettenspülung o.ä. zugeführt werden. Jede einzelne Anlage erhält eine eigene Regelung
    um die Effizienz zu gewährleisten. Gebäudeleittechnik garantiert kontinuierliche und zentrale
    Überwachung der Anlagen. Zeitgesteuerte Duscharmaturen, Wasserspartasten, und
    wasserlose Urinale verringern den Wasserverbrauch. Die räumliche Anordnung der
    Technikflächen ist ausreichend dimensioniert und verbrauchsnah gesetzt.

    4 Gestalt und Material
    Der historische Bestand soll dem im Rahmen einer kritischen Rekonstruktion Saniert und
    Wiederhergestellt werden. Seine Erscheinung prägt den Ort. Der Neubau ist eine sehr
    zurückhaltende Interpretation Bestandes in der Sprache der Moderne. Wand und Öffnung sind frei komponiert, folgen dabei jedoch der Nutzung. Der Neubaukörper hat eine einfache
    Sichtbetonfassade die durch einen bossierten Sockel geteilt wird. Der Sockel darf bemoosen und bealgen um den Neubau bestmöglich in den Freiraum einzupassen. Bestand und
    Freianlagen werden durch den Neubau räumlich strukturiert und dezent ergänzt. Im Inneren wird im Alt- und Neubau der Bodenbelag aus chemikalien- und reinigungsmittelbeständigen Kalksteinen [Wärmespeicherung, Rutschfestigkeit...] seitlich hoch geführt. Die darüber liegenden Flächen sind mit frei abgeriebenen Zementputzen hell und freundlich gestaltet.
    In den Außenanlagen werden die Flächen um das Bad mit Bäumen um Sträuchern eingefasst. Als Baumart, die prägend für die Außenanlagen des Hallenbades ist, wird die Birke gewählt.
    Ein typisches Pioniergehölz, das auf sämtlichen vom Mensch als Brachflächen
    zurückgelassenen Bereichen in der Natur als Erstbesiedler die Zurückeroberung der Natur
    markiert. Der Parkplatz ist mit Mehlbeeren locker überstellt, vereinzelt werden lichte Birken (Betula papyrifera) eingestreut. Grasbänder gliedern die Parkplatzfläche. Die Anlage ist bis auf die Haupterschließungslinien mit wasserdurchlässigen Belägen gestaltet. In allen Bereichen werden Rotbuchen und Rotahorn (Acer rubrum ´Amstrong´) eingestreut. Sie sind ergänzende Farbtupfer im Herbst mit ihrer strahlend roten Herbstfärbung. Die Nordseite des Bades beinhaltet einen Garten mit dem bestehenden Baum. Dieser wird durch eine Graspflanzung (Miscanthus sinensis ´Silberfeder´) gestaltet. Vereinzelt werden Präriekerzen (Camassia leichtlinii ´Alba´) eingestreut, so ist im Frühsommer, bevor das Gras seine endgültige Höhe
    von ca. 2,20m erreicht hat bereits ein Blühaspekt vorhanden. Die große Terrasse, im Osten an die neue Halle anschließend, ist als Stufenanlage auf ganzer Breite angelegt. Durch unterschiedlich breite Heckenpflanzen zwischen dem neuen Baumbestand aus wintergrünem Liguster (Ligustrum vulgare ´Atrovirens´), wird der dem Bad zugesprochene Außenbereich wind- und blickgeschützter. Die Innengärten werden mit Blausternchen (Scilla bifolia) und im Herbst mit Herbstzeitlosen (Colchicium autumnale) und Gräsern gestaltet.
    Die Außenanlagen und der Bestand tragen die erste Wahrnehmung des neuen Ensembles. Der Neubau dient als ihr Rücken.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.