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  • 3. Preis

    Schrägluftbild, © ACMS Architekten / Fritzen Architekten und Stadtplaner / KRAFT.RAUM.

    Architekten
    Architektur Contor Müller Schlüter, ACMS Architekten GmbH, Wuppertal (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: Fritzen Architekten und Stadtplaner, Köln (DE)
    Landschaftsarchitekten: KRAFT.RAUM., Krefeld (DE), Düsseldorf (DE)

    Preisgeld
    16.000 EUR

    Erläuterungstext
    Den Ideen der Gartenstadt von Ebenezer Howard folgend werden aktuell abgeleitete Leitbilder für die Stadtentwicklung in verdichteten Ballungsräumen entwickelt, beispielsweise im Auftrag des BBSR in der Forschungsstudie Gartenstadt21 grün – urban – vernetzt.

    Wie in diesen Thesen beschrieben, ist der Entwurf geprägt von der Kombination von öffentlichen Räumen (Quartiersadresse, Quartierplatz und Quartierboulevard als urbanes Rückgrat), differenzierten gemeinschaftlichen Flächen für Wohngemeinschaften und privaten Bereichen um die jeweiligen Wohnungen (Vorgärten, Terrassen, kleine Gärten, die grünen Höfe). Die klare Zonierung schafft differenzierte Räume für Organisationen sowie Modelle der Mitwirkung und Teilhabe. Dies wird einerseits auf den Wohnclustern in den grünen Wohnhöfen aber besonders auch quartiersübergreifend auf dem urbanen Rückgrat ermöglicht. Hier angeordnete Angebote an gemeinschaftlichen und sozialen Einrichtungen fördern als Public Places den Austausch.

    Gut vernetzt in die vorhandene Siedlungs- und Freiraumstruktur wächst in der Gartenstadt Barbara ein neues Stück Heimat für Menschen unterschiedlichen Alters und Herkunft in der es einerseits ermöglicht wird in der Gemeinschaft zu leben, zu kommunizieren bzw. zu teilen und andererseits mit der nötigen Privatsphäre angenehm und geschützt zu wohnen.

    Die Quartieradresse wird durch einen kleinen Dreiecksplatz an der Bäuminghausstrasse gebildet. Hier befinden sich die Mobilitätszentrale, die kleinen Büros und das Boardinghouse. Von hier führt ein kurzer Boulevard zum großzügigen Quartierplatz mit Nachbarschaftstreff, Gemeinschaftseinrichtungen sowie den Sonderwohnformen für Senioren und Studierende. Zu den einzelnen grünen Wohnclustern gelangt man über Gassen. Auf jedem Cluster sind in der Regel vier, seriell gebaute Typenhäuser zu kleinen Nachbarschaften gruppiert. Jede Nachbarschaft bildet einen gemeinschaftlichen, grünen Hof in der Mitte aus. Diese Wohnhöfe sind individuell gestaltet und untereinander verbunden. Gerade für Kinder bieten diese Gemeinschaftsflächen ideale, geschützte und wohnungsnahe Spielmöglichkeiten.

    Verkehr: Urban, auto- und barrierefrei
    Die gesamte Gartenstadt Barbara ist frei von Autoverkehr geplant. Einzelne Fahrten zu den Gebäuden für nötige Einsatz- oder Anlieferfahrten sind möglich. Die Mobilitätszentrale ist vom Quartiersplatz und der Quartieradresse gut erreichbar. Die Zentrale bietet neben den individuellen PKW-Stellplätzen auch ausreichend Raum für Bike- und Carsharing sowie Ladestationen für Elektrofahrräder und -autos. Mit den vorhandenen und geplanten Radwegen ist das Quartier optimal vernetzt. Die Wege zum ÖPNV sind kurz, barrierefrei zu begehen und nachts gut beleuchtet. Die gesamte Wohnanlage ist wie die Gebäude selber barrierefrei geplant. Die Gebäude werden jeweils von den, die Wohncluster umschließenden Wegen erschlossen.

    Baukonstruktion: Typenhäuser als Hybridbau
    Auf den Baufeldern können verschiedene seriell gebaute Typenhäuser platziert werden. Für die unterschiedlichen Typen wurden Hybrid-Konstruktionen gewählt. Mit diesen werden jeweils die Vorteile der Skelett- und Tafelbauweise (hohe Gestaltungsfreiheit, geringer Transportaufwand) und die der Modulbauweise (hoher Vorfertigungsgrad, große Zeitersparnis auf der Baustelle) kombiniert. Die tragenden Bauteile und die Steigestränge werden möglichst auf wenige Fixpunkte im Gebäude reduziert, um so möglichst flexibel nutzbare Wohnregale bereitzustellen. Diese können entsprechend dem tatsächlichen Nutzerbedarf angepasst in Bauabschnitten entwickelt werden.

    Materialien, Architekturqualität und Energieeffizienz
    Die vorgefertigten Tragelemente sind derart entworfen, dass diese sowohl in Stahlbeton-, als auch in Holzbauweise konstruiert werden können. Die Module können ebenfalls als Stahlleichtbau-Konstruktion erstellt werden. Entsprechend der ausgelobten, seriellen Bauweise empfehlen wir die Verwendung von ebenfalls vorgefertigten Elementfassaden. Die Grundkonstruktion erfolgt bei den tragenden Konstruktionen wahlweise als Stahlbetonfertigteil mit Vorhangkonstruktion oder in Holztafelbauweise. Die Fassadenbekleidung kann kostengünstig mit Holzwerkstoff- und Faserzement-Bauteilen erstellt werden. Die serielle Bauweise wird im Entwurf als gestaltgebende Qualität entwickelt. In den aufgezeigten individuellen Vorfertigungssystemen ist eine differenzierte Fassadengliederung möglich.

    Energieoptimierenden Maßnahmen
    Energieoptimierende Maßnahmen werden auf mehreren Ebenen berücksichtigt. Ein erhöhter Dämmstandard und kompakte Gebäudegeometrien reduzieren den Energiebedarf pro m² Wohnfläche. Mit gleichzeitig angemessen dimensionierten Nutzflächen je Bewohner/in wird gleichzeitig auch der Energiebedarf pro Person optimiert. Die einzelnen Cluster sind jeweils im Energieverbund entworfen. Über solche Energiezentralen und ein einfaches Energiemanagement kann ein reduzierter Energiebedarf und eine Energieerzeugung mit effizienten regenerativen Gemeinschaftsanlagen abgeglichen werden. Bivalente Systeme müssen im Detail abgestimmt werden. Eine Einbindung der Versorgung der Mobilitätszentrale in die Energieerzeugungssysteme für die Wohnbebauung ist wesentlicher Bestandteil der energieoptimierenden Maßnahmen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf kennzeichnet sich durch eine zentrale Erschließungsachse in Nord-Süd- Richtung. Dieser starken Geste wird im Westen ein Parkhaus mit vorgelagerten Wohngebäuden zur Seite gestellt. Dem an der Erschließungsachse geplanten städtischen Platz in angemessener Größe steht damit keine eintönige Parkhausfassade gegenüber, sondern allseits belebte Fassaden von Wohngebäuden. Die Ausbildung des Eingangsbereichs ins Quartier wird mit einem kleinen Dreiecksplatz geformt, der in seiner Dimension und Lage als Einladungsgeste nicht ganz überzeugen kann.

    Die Nord-West-Achse knickt als öffentliche Erschließung an einem kleinen Platz in Richtung Osten ab; damit wird ein städtebaulich belastbares Grundgerüst geschaffen. Durch orthogonal angelegte Wege werden kleine Blöcke bzw. Nachbarschaften geschaffen, was begrüßt wird. In einer ansprechend aufgelösten Blockrandbebauung werden maßstabsgerechte Wohngebäude als wiederkehrende Bautypen errichtet. Als besondere Nachbarschaft entsteht nördlich des Parkhauses eine Baugruppe aus lärmabschirmenden Gebäuden, die für den Lärmschutz noch zu schließende Lücken aufweisen.

    In der Abfolge der gut proportionierten Grünräume entsteht ein abwechslungsreiches und ansprechendes Angebot für verschiedene Nutzer, auch wenn die benannte Idee der Gartenstadt nicht das richtige Bild zu sein scheint, da für ein solches Ideal die privaten Grünräume zu klein wären.

    Insgesamt erreicht der Entwurf gute städtebauliche Kenndaten. Im ersten Bauabschnitt bietet der Entwurf zu wenig Baumasse und keine städtebaulich selbstständige Teillösung an.

    Das Potential zum modularen Bauen ist deutlich zu erkennen, wobei detailliertere Angaben zu Abmessungen und Achsraster fehlen. Die vorgeschlagenen Konstruktionssysteme sind gut vorstellbar. Die Qualität des äußeren Erscheinungsbildes der modularen Bauten bietet dabei noch mehr Potential.