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  • DE-20459 Hamburg, DE-22527 Hamburg
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-287437)

Wohnen am Spannskamp


  • 1. Preis

    Vogelperspektive, © Renner Hainke Wirth Zirn Architekten

    Architekten
    RENNER HAINKE WIRTH ZIRN ARCHITEKTEN GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Melanie Zirn

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: G2 Landschaft PartG mbB, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    8.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Einladungswettbewerb mit freiraumplanerischem Anteil –
    Wohnen am Spannskamp

    Städtebauliche Einbindung

    Die Idee der städtebaulichen Nachverdichtung ist die Verzahnung der neuen Bebauungsstruktur mit der in das Quartier hineinfließenden Landschaft. Die Hauptstruktur bildet dabei die Blockrandschließung nördlich und südlich des Spannskamp als Rückgrat für die Ausbildung von individuellen Wohnhöfen mit einer zentralen Erschließung.

    Die Körnung und die moderate Höhenentwicklung der Neubauten reagiert dabei auf die städtebauliche Matrix der Umgebung. Die Proportion der einzelnen Baukörper im Verhältnis zur Gesamtstruktur ermöglicht eine Adaption der Umgebung ohne auf die Herausbildung einer eigenen Identität zu verzichten.

    Die in Dichte und Höhe abgestufte Bebauungsstruktur fügt sich ausgewogen in das städtebauliche Umfeld ein und erzeugt einen harmonischen, meist sehr grünen Übergang zu den angrenzenden Bebauungen, die sich von den Zeilenbauten mit drei bis vier Stockwerken im Osten bis zu den zweigeschossi¬gen Reihenhäuser im Westen entlang des Basselweg unterschiedlich entwickelt haben.

    Durch die Verlagerung der PKW-Stellplätze unter die Erde, entsteht ein autoarmes Quartier mit hoher Freiraumqualität. Die kleinteiligen Gebäudestrukturen erzeugen übersichtliche städtische Räume und Höfe mit einer sozialen Mitte. Die Identität des neuen Wohnquartiers am Spannkamp wird zukünftig durch diese Nachbarschaften geprägt werden.

    Unter der Berücksichtigung des gewachsenen Umfelds entsteht ein neues Quartier von hoher individueller städtebaulicher Qualität mit einem vielfältigen Wohnungsmix, vom geför¬derten Mietwohnungsbau über freifinanzierten Wohnungsbau, Baugemeinschaften, seniorengerechte bis hin zu barrierefreie Wohnungen, der den gesunden Mix einer lebendigen Stadt wiederspiegelt.

    Die Anordnung der einzelnen Bauvolumina ermöglicht Einblicke und Durchblicke innerhalb des Quartiers. Die sensible Setzung der Gebäude ermöglicht allen Wohnungen eine optimale Ausrichtung zur Sonne.

    Der Spannskamp erhält durch die straßenbegleitende Bebauung und unter Berücksichtigung der zu erhaltenden, straßenraumbildenden Bäume eine urbane Qualität, die dieser Straßenabschnitt bisher nicht hatte.

    Durch die Stärkung der Wegeverbindungen öffnet sich das Quartier zu den angrenzenden Wohngebieten ohne seine eigene Identität zu verlieren. Die Bewohner queren auf ebenerdigen Wegen das Quartier. Die Erschließung der Wohnhäuser ist, bis auf die Bebauung am Spannskamp, ausschließlich durch das Innere des Quartiers organisiert. Hier entstehen kleinteilige Kommunikationsräume, die den städtebaulichen Raum beleben. Über dem zentralen Fahrradhäuschen mit Müllraum im Zentrum der Anlage, ist im ersten OG ein Gemeinschaftsraum für Jung und Alt geplant.

    Die Schaffung eines strukturell vielfältigen und sozial durchmischten Stadtquartiers, in dem sich unterschiedliche Generationen, Einkommensgruppen und Familienkonstellationen zu überschaubaren Nachbarschaften zusammenfinden, wird durch die Bildung verschiedener Gebäudeensembles um individuell gestaltete städtische Räume unterstützt. Diese Räume gestalten den Grundbaustein des neuen Quartiers.

    Die Verteilung der öffentlichen Plätze und Grünräume ermöglicht allen Hausgruppen ein wohnungsnahes Angebot an qualitativ hochwertigen Außenräumen und Spielplätzen. Der öffentliche Grünzug im Osten mit dem Kinderspielplatz im Süden eröffnet vielfältige Blickbezüge aus der Tiefe des Quartiers bis zum Grünen Saum, der als attraktiver Grünraum das Quartier im Süden räumlich abschließt.


    Erschließung und ruhender Verkehr

    Die Anbindung des neuen Quartiers an die bestehende Verkehrsstruktur erfolgt über den Spannskamp.

    Während der ruhende Verkehr für den Geschosswohnungsbau in insgesamt 3 Tiefgaragen untergebracht ist, befinden sich die öffentlichen Besucherstellplätze im direkten Straßenbereich des Spannskamp und der neuen Planstraße.

    Die Zufahrten zu den Tiefgaragen befinden sich direkt am Spannskamp um das Quartier möglichst autoarm ausbilden zu können.

    Somit wird die Neue Planstraße als Anlage nach dem Mischungsprinzip ausgebildet. Der Gesamtstraßenraum wird als Mischfläche niveaugleich ausgebaut und steht unterschiedlichen Nutzungen gleichermaßen zur Verfügung. Aus der Gestaltung der Straße ergibt sich, dass die Aufenthaltsqualität überwiegt und der Fahrzeugverkehr eine untergeordnete Bedeutung hat.

    Alle Wohnungen des neuen Wohnquartiers werden direkt vom öffentlichen Straßenraum heraus barrierefrei erschlossen. Sowohl die Feuerwehr als auch die Rettungsdienste können alle Wohnungen direkt erreichen. Die Wohneinheiten in den 3-geschossigen Gebäudeteilen können mit der 4-teiligen Steckleiter erreicht werden. Die Wohneinheiten, die höher liegen werden mit einem Löschfahrzeug mit Drehleiter angedient. Dazu benötigte Feuerwehraufstellflächen, sowie deren Abstände zu den Gebäuden wurden beachtet.

    Am Ende des zweiseitig angeschlossenen verkehrsberuhigten Bereichs, entsteht ein gestalteter Quartiersplatz, der die Wendemöglichkeit von Müll- und Rettungsfahrzeugen ermöglicht.


    Wohnungstypologien

    Die unterschiedlichen Alters-, Lebensstil- und Einkommensgruppen unserer Stadtgesellschaft können im neuen Wohnquartier verschiedene Wohnformen- und Konzepte verwirklichen. Von der kleinen Etagen- über Familienwohnungen mit Balkon oder Dachterrassen, sowie Maisonetten wird eine Vielfalt an Wohnungsgrößen, Grundrisstypologien und aneignungsfähigen, öffentlichen und privaten Außenräumen angeboten.

    Die Bandbreite der Wohnformen entstammt dem Verständnis des Wohnens als System, das sich in den weiteren Entwurfsebenen an die spezifischen Bedürfnisse der zukünftigen Bewohner anpasst, ohne seine sensible Grundstruktur zu verlieren.

    Im Kontext der Individualisierung und Differenzierung der Lebensstile, der gewandelten Haushaltsstrukturen und des demographischen Wandels, wachsen besonders die Nutzungsanforderungen für den Wohnungsbau. Diesen können vereinheitlichte Grundrissmuster mit festgelegten Raumnutzungen häufig nicht mehr entsprechen. Ziel des Gebäudeentwurfes sind daher Grundrisstypologien mit z.B. Schalträumen, die sich mittels versetzbarer, leichter Trennwände langfristig an sich wandelnde Bedürfnisse anpassen oder Wohnungen mit Umläufen und gleich großen Räumen, die eine flexible Nutzung aller Räume ermöglichen.

    Jede Wohnung erhält durch Mietergärten, Balkone, Loggien oder Dachterrassen einen privaten Freibereich zugeordnet, die immer süd-oder westorientierte Bezüge haben.


    Freiraumkonzept

    Das im Osten von rückwärtigen Gärten und im Westen von einem an Gärten und Terrassen angelagerten Grünzug definierte Baugebiet, grenzt im Süden an eine großzügige Kleingartenanlage. Diese von allen Seiten ruhigen Nutzungen, bieten ideale Voraussetzungen für ein neues Wohngebiet mit einem hohem Wohn- und Freizeitwert.

    Im Norden der Straße entsteht eine stark miteinander korrespondierende Bebauung entlang des im Osten angrenzenden linearen Parks. Die Gebäude im Westen bilden das leicht mäandrierende Rückgrat für die sich im Osten an die Erschließung schmiegenden Gartenhöfe mit Kinderspiel in den Gemeinschaftsflächen und Gärten an den Erdgeschoßwohnungen.

    Durch die Anordnung der Tiefgaragenzufahrten direkt am Spannskamp wird eine flächenschonende Erschließung mit einem Wohnhof ermöglicht, der nur für die Anlieferung (Kisten ausladen, Umzug etc....) und Entsorgung des Gebietes, sowie für die Andienung einiger weniger Besucherstellplätze zu befahren ist.
    Dieser von allen Bewohnern gleichberechtigt zu nutzende Raum bietet auch den Kindern gute Möglichkeiten zum Spielen!

    Der zwischen der vorhandenen Siedlung im Osten und der neuen Siedlung im Westen verlaufende lineare Park weitet sich zum Spannskamp auf.
    In die extensiv gepflegte Wiesenfläche werden Rasenspiel- und Liegeinseln gemäht.
    Parallel zu den Fassaden der Häuser nehmen Mulden das Regenwasser auf. Die mit Gräsern und Stauden bewachsenen Flächen bilden einen durchlässigen Filter zwischen Park und Wohngebiet.

    Südlich der Straße in Anlehnung an den vorbei führenden Radweg (Högenstraße) ist der große Kinderspielplatz angeordnet.
    Die vorhandene Topographie ermöglicht einen sich in Terrassen gegen Süden neigenden Spielplatz mit hohem Spielwert. Die oberste Ebene des Kinderspiels liegt ca. 1,50 m unter dem Niveau der Straße und neigt sich leicht gegen Süden.
    Eine Treppe mit einer leicht geneigten Rampe ermöglicht eine Anbindung dieser oberen Ebene auch für bewegungseingeschränkte Nutzer/Innen.
    Die Anordnung der Spielflächen in diesem Bereich wirkt wie ein Gelenk zwischen der Parknutzung und den Kleingartenflächen.
    Der westlich des Spielbereichs auf der unteren Ebene angeordnete Baukörper schirmt die Kleingärten von der Straße ab, bildet eine zurückhaltende städtebauliche Figur und vermittelt zwischen den unterschiedlichen Nutzungen.
    Um den Erhalt der in der Böschung stehenden Bäume zu sichern, wird das Erdgeschoss des Baukörpers über Stege an die Straße angeschlossen.


    Energiekonzept

    Die Massivbauten sind kompakt und mit einer Fassadenhülle aus Verblendmauerwerk umschlossen. Der verwendete Klinker als Fassadenmaterial ist dauerhaft und nachhaltig. Die Grundrisstypen sind durchgehend übereinander gestapelt, so dass Tragwerk und Schächte wirtschaftlich realisiert werden können. Die Dächer werden extensiv begrünt. Auf den Dachflächen können mittig Aufstellflächen für Kollektoren oder Photovoltaikpaneelen versteckt hinter den Attiken vorgesehen werden.

    Die Wärmeversorgung des neuen Quartieres erfolgt über ein Nahwärmenetz. Angedacht ist im Untergeschoss des höchsten Gebäudes eine Heizzentrale für das Quartier anzuordnen. Die Wärmeerzeugung erfolgt dort z.B. mittels eines gasbetriebenen Blockheizkraftwerk und einem Spitzenlastgaskessel. Auf diese Weise kann ein guter Primärenergiefaktor (0,58) sichergestellt werden.

    Das im Gebiet anfallende Regenwasser wird auf dem Grundstück zurückgehalten und nur verzögert in das Sielnetz eingeleitet. Durch die großflächigen, extensiv genutzten bzw. begrünten Dachflächen kann ein Teil des anfallenden Regenwassers verdunsten und so zu einem angenehmen Stadtklima beitragen.


    Ökologische Nachhaltigkeit

    Durch die Schaffung eines autoarmen Quartiers kann der Versiegelungsgrad im öffentlichen Raum minimiert werden. Etwaige Schallemissionen und Schadstoffe verbleiben am Quartiersrand.

    Die nicht überbauten Dachflächen der Tiefgarage werden mit einem mindestens 70 cm mächtigen Substrataufbau (im Bereich von Baumpflanzungen mindestens 80 cm) begrünt.

    Durch die Verwendung von gesundheitsverträglichen Materialien und schadstoffarmen Produkten entsteht ein hoher Raumkomfort, sowie ein gesundes Raumklima für die Bewohner.

    Ungenutzte Flachdächer werden zur Regenrückhaltung und zur Förderung der Fauna mit extensiver Begrünung bedacht. In den Außenanlagen wird auf eine Minimierung der Versiegelung Wert gelegt; so trägt die Grüngestaltung im Neuen Quartier positiv zur Ökobilanz und einem angenehmen Stadtklima bei. Eine größtmögliche Drosselung und Rückhaltung des Niederschlagswassers wird gewährleistet durch die Stauvolumen der extensiven Dachbegrünung auf allen nicht genutzten Dächern, sowie den flachen offenen Bereichen in den Höfen, die auch als Spielbereiche genutzt werden können.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Entwurfsverfasser schlagen für die nördliche Teilfläche eine perforierte, eher urbane Blockrandstruktur mit eigener Identität vor. Im Inneren werden drei unterschiedliche, qualitätsvolle, halboffene Wohnhöfe mit guter Adressbildung vorgeschlagen. Dabei vermögen die Stellung und Ausformulierung der Baukörper in der Wirkung zum Grünraum, die Bezüge zueinander wie auch das Spiel mit den Höhen noch nicht völlig zu überzeugen.

    Südlich des Spannskamps werden zwei Baukörper vorgeschlagen, die zwar in der Körnung und im Maßstab auf das städtische Umfeld eingehen, insbesondere aber bei dem östlichen Baukörper wird in Bezug auf seine stadträumliche Setzung noch Optimierungspotenzial festgestellt. Nicht ganz schlüssig bleibt in diesem Kontext noch der Umgang mit der Topographie und die Erschließung über Stege.

    Die durch die Bebauungsstruktur insgesamt erreichte Öffnung und Aufweitung des Landschaftsraumes in Richtung Süden wird als angemessene und richtige Geste empfunden. Die Lage des öffentlichen Kinderspielplatzes ist gut gewählt.

    Die Erschließung erscheint etwas überdimensioniert, eine Reduzierung der notwendigen öffentlichen Erschließung zugunsten von Ruhe und Privatheit erscheint aber möglich. Die Tiefgaragen sind hinsichtlich ihrer Lage und der vorgeschlagenen Zufahrten zu überprüfen.

    Die Ausformulierung der Wohnungstypen mit der Grundrissgestaltung und die grundsätzliche Ausrichtung der Baukörper ist gelungen.

    Insgesamt stellt die Arbeit einen guten Lösungsansatz dar, der trotz einer eher urbanen Geste in dem heterogenen Umfeld und im Kontext mit dem Landschaftsraum zu überzeugen vermag.