loading
  • DE-20459 Hamburg, DE-22527 Hamburg
  • 11/2017
  • Ergebnis
  • (ID 2-287437)

Wohnen am Spannskamp


  • 2. Preis

    Blick Quartiersplatz

    Architekten
    coido architects, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Sven Ove Cordsen

    Mitarbeit
    Jirka Bars, Katharina Cordsen, Adrian Götz

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Bruun & Möllers GmbH & Co. KG, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau:
    Der Entwurf setzt sich zum Ziel ein eigenständiges neues Quartier in die bestehende Stadt zu integrieren und fort zu schreiben. Konzeptionell übernimmt er die Stärken der Stadtlandschaft des umgebenden Nachkriegs-Städtebaus, ohne dessen Fehler zu wiederholen. In ihrer Dimension und Körnung vermitteln die neuen Baukörper zwischen den Zeilenbauten und den kleinmaßstäblichen Baukörpern der direkten Umgebung. Zugleich respektieren sie den Baumbestand als Raumkante.
    Durch gezielte Verschiebungen verzahnen sich gut belichtete (Ost-West ausgerichtete) Baukörper mit einem luftigen Grünraum. Somit bilden sich lokale, den Gebäuden zugeordnete Räume, mit denen sich die Bewohner identifi zieren können. Anders als in den 50er Jahren orientieren sich die Gebäude mit einer offi zielleren Erschliessungsseite zu einem gemeinsamen Quartiersplatz und zonieren den öffentlichen Raum. Rückseitig bilden sie privatere Räume, welche für private Gärten oder als Spielfl ächen für Kinder unterschiedlichen Alters genutzt werden.

    Erschliessung:
    Die Haupterschliessung des Quartiers erfolgt über den Spannskamp, von dem aus – ähnlich der Umgebung – ein öffentlicher Stich in die Tiefe des Quartiers führt. Dieser führt zu dem zentralen Quartiersplatz, welcher das Herz der neuen Bebauung bildet und an dem der private Autoverkehr enden soll. Die möglichst reduzierte Anzahl an Tiefgaragenzufahrten versuchen möglichst nahe am Spannskamp den Autoverkehr bereits aus dem Quartier fern zu halten. Wege für Rettungs- und Versorgungsfahrzeuge können dennoch bis vor die Gebäude fahren. Die Anbindung an die übergeordnete Velo-Achse ermöglicht auch eine autoarme Mobilität. Der ruhende Verkehr mit den öffentlichen Stellplätzen liegt konzentriert an der Strasse um den öffentlichen Stichweg als Spielstrasse auszubilden.

    Außenraum:
    Trotz der städtischen Nachverdichtung über den ehemaligen Schrebergärten wird versucht den genius loci der kleinteiligen Außenräume zu behalten. Ein möglichst umfangreicher Baumerhalt soll dem Ort von Beginn an grüne Raumkanten bieten und Kontinuität vermitteln. Neupfl anzungen von Großbäumen werden durch die Anordnung der Tiefgaragen unter den Gebäudekörpern möglich. Kleinteilige Grünräume, Kinderspielbereiche und private Gärten gliedern den Freiraum und Bereiche, in denen sich die Bewohner zu Hause fühlen oder sie sich aneignen können.
    Ein fliessender Übergang zwischen der neuen Bebauung und dem bestehenden Grünraum verwebt Neu und Alt miteinander. Bewusst werden keine klaren Kanten nach Außen erstellt, damit sich der Baumbestand, die existierenden Wegebeziehungen, die Freiflächen zwischen den südlich gelegenen Schrebergärten und die Veloroute sich durch das Quartier hindurchziehen können. Der zentrale Quartiersplatz dient dabei als Begegnungs- und Orientierungsbereich. Die wohnungszugeordneten Spielfl ächen hingegen sind dezentral organisiert: Im Osten zwischen den Gebäuden und dem Baumbestand liegen nach Alter differenzierte Kinderspielräume. Die Erdgeschosswohnungen erhalten (anders als in den 50er Jahren) Privatgärten im angemessenen Maßstab und beleben somit das notwendige Grün zwischen den Häusern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit entwickelt mit Respekt zur benachbarten Zeilenbebauung der Spätmoderne eine neue Typologie im Sinne einer feineren Körnung und durchlässigen Bebauungsstruktur im fließenden Grünraum.

    Die Bebauung orientiert sich um eine zentrale Erschließung mit Wohnhofcharakter. Die öffentliche Erschließung wird nur bis zum zentralen Platz geführt, der nördliche Abschnitt bleibt frei vom Fahrverkehr. Dadurch wird eine hohe Aufenthaltsqualität geschaffen.

    Dem vorhandenen Grünzug im Osten sind private und öffentliche Grünflächen mit den geforderten Spielplätzen zugeordnet. Dadurch wird der vorhandene Grünzug gestalterisch und räumlich funktional aufgewertet. Trotz der offenen, durchgrünten Konzeption gibt es eine eindeutig belebte und eine ruhigere Seite.

    Der Topographiesprung südlich des Spannskamp ist noch nicht bewältigt. Die Reihenhaustypologie im Norden entspricht nicht der Vorgabe. Ein Ersatz durch Geschosswohnungsbau ist möglich. Das westlichste Gebäude nördlich des Spannskamp hat einen zu geringen Abstand zur vorhandenen Bebauung.

    Die Tiefgaragenzufahrt am zentralen Platz ist zu präsent. Die Höhenstaffelung erscheint zufällig und wäre zu überarbeiten. Die Teilbarkeit in unterschiedliche Bauabschnitte ist sehr gut möglich.