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  • 3. Preis

    Lageplan, © WGG.

    Architekten
    WerkGemeinschaft Guttenberger . Architektur • Stadtplanung, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Dieter Guttenberger

    Mitarbeit
    Alexander Kunert, Andre Gabriel Peric, Hyoung Jun Lim, Merve Orhan

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Jedamzik + Partner Landschaftsarchitekten, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    ORT UND FREIRAUM
    Der Ort der Wettbewerbsaufgabe ist sehr stark geprägt durch die Christuskirche mit ihrer exponierten Aussichtslage, auf einer großen Wiese am Hang und die freie, unverbaute Aussicht auf den Dom des Kollegs der Jesuiten und die Stadt St. Blasien.
    Das hat uns dazu veranlasst, eine städtebauliche Idee und bauliche Lösung zu finden, welche diese unverwechselbare, ortsbildprägende – freie – Situation vollkommen respektiert.
    Die neue Sport- und Mehrzweckhalle, als 1. Bauabschnitt, und die Erweiterung der Schule
    (2. Bauabschnitt), werden von uns daher im direkten Anschluss an die Fürstabt-Gerbert-Schule (FGS) entworfen und organisiert, als Intarsie in die Gesamtanlage der FGS.
    Diese Gesamtanlage als Ensemble mit der benachbarten Christuskirche bildet den neuen südlichen Stadteingang von St. Blasien.
    Der offene Wiesenhang und der, in sich geschlossen angeordnete, Schulcampus mit der benachbarten Christuskirche bleiben das wesentliche Element der Freiraumgestaltung.
    Ein durchgängiges Wegesystem vernetzt alle Schulbereiche mit der Stadt.
    Sport- und Spielgeräte für die bewegte Pause sowie Sitzbänke befinden sich auf, oder direkt am Schul-Campus.
    Auf einem modellierten Plateau im Wiesenhang können Ballspiele stattfinden.
    Die geforderten Fahrradstellplätze werden konzentriert auf der oberen Etage angeordnet.
    Als Materialien für den Schulcampus schlagen wir sandsteinfarbene Betonplatten vor, weitere Verkehrsflächen erhalten einen farbigen Asphaltbelag.
    Eine kleine Sitzbastion oberhalb der Christuskirche mit Sitzwürfeln lädt zum Verweilen ein.

    HAUS UND FUNKTION
    Ein über zwei Geschosse offenes, vielfältig bespielbares Foyer bildet das repräsentative Entree der Halle und der Grundschule als Aula mit angeschlossener Mensa.
    Durch unsere Grundrissorganisation bekommt die Grundschule für die zukünftigen Anforderungen als möglicher Ganztagsbetrieb und der Inklusion im Verbund mit der Werkreal- und Realschule eine eigne Adresse. Die Schulstrukturen werden ablesbar.
    Die Halle ist geeignet sowohl für den Schul- als auch für den Vereinssport. Durch ihre Organisation und Ausrichtung bietet sie Raum für jede Art von Veranstaltung.
    Die Erweiterung der Grundschule ist über einen Verbindungsgang mit dem Bestand verknüpft, damit eine funktionale Einheit gebildet wird.
    Damit erreichen wir eine Barrierefreiheit auch für die Gesamtanlage der FGS.
    Die vom Straßenbauamt vorgegebenen Abstände zu den Landesstraßen L 149 und L 150 haben wir eingehalten.
    Für die Feuerwehr haben wir eine ergänzende Zufahrt geplant.

    MATERIAL UND KONSTRUKTION
    Für den Hallenneubau wird das bestehende Schulgebäude nach DIN 4123, wie bereits bei dessen Planung angedacht, abschnittsweise unterfangen.
    Da es sich bei der Anlage 7 der Auslobung um kein Bodengutachten, sondern um eine nachträgliche Rechtfertigung der Tiefbaufirma für Nachträge handelt, sehen wir, bei qualifiziertem Gutachten, fachgerechter Planung und Ausschreibung der Gründung bei dem vorgefundenen Boden keine unüberwindbaren Hindernisse, eine vertretbare, wirtschaftliche, Lösung zu bewerkstelligen.
    Die Halle ist mit Dachbindern aus feuerbeständigen Stahlverbundträgern, in Verbindung mit massiven, dünnen (weniger Gewicht) Deckenplatten überspannt. Die Last wird über Stahlverbundstützen abgeführt.
    Das Haus der FGS-Schulerweiterung wird in Holzbauweise mit Brettstapeldecken und Aufbeton, u.a. für den Trittschall, errichtet.
    Bei der von uns vorgeschlagenen Lösung mit einer Teilüberbauung der Halle kommt, gegenüber einer konventionellen Massivbauweise, das, um 50% geringere, Eigengewicht zum Tragen.
    Die Schindeln der Fassade, die Dachschindeln und die weiteren Konstruktionshölzer stellen regionale und nachhaltige Baumaterialien dar.
    Dieser monolithisch gehaltene Baukörper als gestalterischen Abschluss der bestehenden Gebäude der FGS nach Osten steht damit im nachbarschaftlichen Dialog mit der Christuskirche.

    KLIMA UND ENERGIE
    Ziele:
    • Optimierung des thermischen und visuellen Komforts
    • Minimierung der Transmissionsverluste und Lüftungsverluste
    • Reduzierung bzw. Vermeidung von Kühllast
    • Minimierung des Einsatzes fossiler Energieträger

    Maßnahmen:
    • Kompakte Bauweise mit hochgedämmter Hülle
    • Grundlüftung nach dem Quellluftprinzip für Halle und Mensa
    • Nachtlüftung zur Speicherung von Kälte
    • Zuluft über Erdkanäle vorkonditioniert (Sommer Kühlung, Winter Vorerwärmung)
    • überbaute Halle: optimierte Tageslichtausleuchtung mit integriertem tageslichtoptimierten Beleuchtungssystem für eine homogene und blendungsfreie Lichtversorgung im Hallenbereich.
    • optionale Nutzung solarer Energien (integrierte thermische Kollektoren und PV)

    Für den Neubau wird ein Konzept verwirklicht, welches den Energieverbrauch minimiert, natürliche Ressourcen nutzt und damit nachhaltig und ganzheitlich ist. Eine optimierte Gestaltung des Gebäudeentwurfes und seiner Technik stellt die Basis dar, um den Primärenergieeinsatz und Betriebskosten zu minimieren. Zur Deckung des Energiebedarfs wird das Gebäude an das Nahwärmesystem des Kollegs St. Blasien angeschlossen.
    Dem architektonischen Entwurf sind energetische Grundüberlegungen vorausgegangen. So wurde als erste Maßnahme der Energiebedarf minimiert, indem z. B. ein kompakter Baukörper entworfen wurde. Die Außenflächen sind hochgedämmt und die transparenten Bauteile als 3-fach Verglasung ausgeführt, was wiederum die Wärmeverluste reduziert.
    Eine weitere Maßnahme stellt die Maximierung von passiven solaren Wärmegewinnen und die Nutzung von Tageslicht dar. Um möglichst wenig Energie für das Beheizen des Gebäudes zu benötigen wird im Winter soviel Sonnenstrahlung eingefangen wie möglich – durch die transparenten Fassadenbereiche. Die Belüftung der Sporthalle erfolgt zu entsprechende Zeiten über eine Quelllüftung mit Wärmerückgewinnung. Die Frischluft der mechanischen Belüftung wird nach dem Quellluftprinzip über die Geräteräume eingebracht. Dadurch können die Luftmengen auf den hygienischen Bedarf reduziert werden. Dies reduziert zudem den Strombedarf für die mechanische Lüftung. Die Duschen und Umkleiden erhalten die Zuluft über die Halle. Die Umkleiden, Duschen und Toiletten besitzen lediglich eine mechanische Abluft. Die Zuluft für diese Bereiche wird aus der Halle über Überströmöffnungen angesaugt. Die Nachtemperierung erfolgt mittels statischer Heizkörper. So wird der Installationsaufwand für Luftkanäle erheblich reduziert.
    Abluftöffnungen in der vertikalen Fassade dienen zur Entlüftung an warmen Tagen.
    Das Klimakonzept sieht eine Strahlungsheizung vor. Für warme Sommer und zur Unterstützung einer effizienten Betriebsweise sind öffenbare Fenster in den Fassaden eingeplant. Damit ist eine natürliche Lüftung in fast allen Bereichen möglich. Optional besteht die Möglichkeit zur aktiven Solarenergienutzung (z. B. Photovoltaikkollektoren oder thermische Kollektoren). Im Dach können diese Techniken integriert werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Tragende Idee des Entwurfs ist der konsequente Umgang mit dem vorhandenen offenen Wiesenhang, wie er ortstypisch für St. Blasien ist. Die Freihaltung des Wiesengeländes mit dem respektvollen Abstand zur Christuskirche ermöglicht weiterhin den uneingeschränkten Blick zum Dom.
    Die große Kubatur der Halle verschwindet in der Hangsituation. Der sichtbare Baukörper der Erweiterung der Grundschule entspricht der Maßstäblichkeit des umgebenden Bestands. Trotz der eingeschobenen Lage im Hang ist die Halle gut belichtet, mit hoher Raumqualität und besticht mit bestem Blickbezug zum Dom von der Tribüne aus.
    Es entsteht ein übersichtlicher Campus für die Gesamtanlage, der aber durch den Höhenversprung nochmals die Grundschule geschickt von der Werkrealschule abtrennt. Somit entstehen für beide Schularten eigene Identifikationsräume. Der Abstand der Schulerweiterung wird geschickt mit dem eingeschossigen Foyer belegt, was für eine optimale Belichtung der Klassenräume im Bestand bzw. im OG der Erweiterung sorgt. Es müsste allerdings geprüft werden, ob die geplante Höhe des Foyers, das sich in den vorhandenen Rücksprung des Bestands einfügt ausreichend ist.

    Auf der Südostseite wird der geforderte Abstand zur L 149 geringfügig überschritten. Eine hier geplante Feuerwehrzufahrt kann bisher nicht in der notwendigen Breite bzw. mit Wendefläche nachgewiesen werden.
    Der Höhenversprung innerhalb des Schulhofs ist zu steil und nicht barrierefrei. Die geplante Rampe müsste über das Gelände der Christuskirche geführt werden, um den Höhenlinien entsprechend eine geringere Differenz zu überbrücken. Der barrierefreie Zugang der Grundschule erfolgt nur umständlich über die Sekundarschule.

    Die Grundrisse sind schlüssig nachgewiesen und erfüllen das Raumprogramm. Die Mensa hat eine tolle Lage mit bester Aufenthaltsqualität. Der rückwärtige Spielbereich kann im Bedarfsfall noch zugeschaltet werden. Die breiteren Flure mit Nischenbildung vor den Klassenräumen bieten Ansätze für zukünftige andere Schulformen, die aber noch konsequenter hätten ausgearbeitet werden können.

    Der Entwurf funktioniert auch problemlos, sollte der 2. Bauabschnitt erst mit größerem zeitlichen Abstand ausgeführt werden. Die schlichte Gestaltungssprache in Form und Material führt zu einer ruhigen, angemessenen Qualität, die den Wert der vorhandenen Gebäude als Gesamtensemble erhöht und in angenehmen Dialog zur Christuskirche steht.

    Insgesamt bietet der Entwurf einen prägnanten neuen Ortseingang für St. Blasien, nimmt sich aber doch in seiner Gesamtwirkung unspektakulär zurück und fügt sich wie selbstverständlich in die Situation ein.