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  • CH-4509 Solothurn
  • 11/2008
  • Ergebnis
  • (ID 2-8363)

Bürgerspital Solothurn


  • 2. Rang

    Perspektive Promenade

    Architekten
    Arcass Freie Architekten BDA, Stuttgart (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Jan Escher

    Erläuterungstext
    In einem heute sehr heterogenen, teilweise unübersichtlichen Ensemble ordnet unser Konzept das Spitalareal neu und bereitet dieses auf die Zukunft vor.

    In einem einfachen, orthogonalen Wegesystem entwickeln sich sämtliche Neubauten und integrieren den erhaltenswerten Bestand in sinnfälliger Weise. Diese starke städtebauliche Fügung ermöglicht auf lange Zeit eine geordnete und damit bleibende Entwicklungsstruktur für das Bürgerspital Solothurn.

    Über nur zwei Erschließungsachsen gelingt es, die neue Ordnung herzustellen und die Orientierung im Areal nachhaltig zu verbessern. Die bestehenden Gebäudestrukturen und Achsen werden selbstverständlich in das neue System eingebunden. Sämtliche Eingänge sind damit für Besucher gut auffindbar. Die klare und eindeutige Erschließung und Zugänglichkeit für Patienten und Besucher ist für uns ein primäres Ziel.

    Die städtebauliche Körnung konzentriert die eigentliche Spitalnutzung im Herzen des Areals. Nach außen werden die spitalnahen Nutzungen in kleineren, maßstäblicheren Einzelbaukörpern angeordnet.

    Der Übergang zu benachbarten Quartieren erfolgt über einen „grünen Ring“ aus Vegetation. Durch diesen Abstand wird das neue Bürgerspital als Gesamtensemble erfahrbar gemacht, das erzeugt Signifikanz, Identität und dient der Orientierung im gesamten Stadtgrundriss.

    Die „Besonderheit des Ortes“ wird im Bereich des Bürgerspitals im wesentlichen durch die historischen Gebäude geprägt. Dieses Bild erzeugt bei allen Besuchern Vertrautheit, einen erinnerungsfähigen Ort und damit Konstanz.
    Die Ergänzungsbauten hatten darauf kaum Rücksicht genommen.

    Wir möchten diese Verbindung wieder herstellen und die erhaltenswerten Altbauten in unser Konzept übernehmen, ohne diese in den Vordergrund zu rücken. Dies gelingt auch durch die klare, neue Erschließungsstruktur. Die Bestandsbauten drängen sich nicht nach vorn, sondern arrondieren z.B. den neu geschaffenen „Park“ und übernehmen damit den gewünschten räumlichen aber auch atmosphärischen Part im Ensemble.

    Die zum Teil diskutierte Axialität ist von untergeordneter Bedeutung und räumlich für die Besucher kaum erlebbar. Durch die konzeptbedingte Erschließungs- und Wegestruktur ergeben sich neue und beeindruckende Blickperspektiven.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Grundmuster der Bebauung wurde aus dem Wettbewerbsprojekt der 1. Phase übernommen. Hinter dem alten Spitalhauptgebäude liegt, auf der gleichen Symmetrieachse, das neue Spital; vor und hinter einem alten Spital-Nebengebäude (Pavillon Ost) sind die neuen Nebenbauten als Einzelgebäude linear aufgereiht. Es entsteht eine campusartige Gesamtanlage, die aber, nach der Behebung der Flächendefizite und der funktionalen Mängel, gegenüber dem Wettbewerbsprojekt der Phase 1 stark an Transparenz und Leichtigkeit eingebüsst hat und den wünschbaren Bezug vom Gebäude zum Park vermissen lässt. Die Kernfunktionen sind kompakt und rationell in einem einzigen Baukörper zusammengefasst. Die Axialität zum alten Hauptbau wirkt aber, wegen der dominierenden Mächtigkeit des neuen Gebäudes und der um 90° gedrehten Hauptausrichtung, eher gesucht. Auch die Aufreihung der gleichförmigen Nebengebäude wirkt stereotyp und nüchtern. Weiterhin nachteilig ist die schon zu Beginn nötige Verlegung des Schulheims für körperbehinderte Kinder.

    Funktional gut situiert ist die Parkierung, die auf der Hauptzugangsseite an einem Ort konzentriert ist und so keinen Parkplatzsuchverkehr aufkommen lässt. Der Spitalzugang ist klar definiert, aber sehr lang, nicht sehr attraktiv gestaltet und nicht witterungsgeschützt. Die Vermischung von Fussgängerzugang und Taxizufahrt ist ungünstig. Unklar bleibt die Wertigkeit der zweiten Achse, welche die Nebenbauten erschliesst. An der Schöngrünstrasse bilden das Ökonomiegebäude und das neue mächtige Parkhaus keinen angemessenen Übergang zu den angrenzenden Wohngebieten. Die Grundrisse sind zweckmässig orientiert aber relativ determiniert, so dass eher wenig Nutzungsflexibilität besteht. Besonders gut gelöst ist der gesamte Pflegebereich mit den Akutbettenstationen, der Tagesklinik, der Intensivpflege, dem IMC und der Pflegeleitung. Nur wenige, aber heilbare Mängel bestehen im Untersuchungs- und Behandlungsbereich sowie im Diagnostik- und Therapiebereich. Die vom Publikum stark frequentierten Zonen sind übersichtlich und rasch erreichbar. Die Grundrissorganisation, in Verbindung mit der zentralen Lage des Hauptgebäudes im Gelände, schränkt aber eine spätere Erweiterung des Spitals ein. Dies beeinträchtigt eine langfristig nachhaltige Lösung.

    Ausnahmen von der sonst hohen Funktionalität der Grundrisse sind die eher langen Versorgungswege aus der Küche und der Wäscherei, die zum Teil umständlichen Betriebsprozesse im Bereich Pflege und der weite Weg zum Personalrestaurant. Der ambulante Patient hat zum häufig aufgesuchten Labor ebenfalls eine grössere Strecke zu überwinden. Auch der häufige Weg vom Ambulatorium zur Radiologie und zur Funktionsdiagnostik ist umständlich. Im fünfgeschossigen Bereich sind die Lichthöfe für eine ausreichende Belichtung der untersten Geschosse relativ eng. Vorteilhaft ist indes die grundrissliche und betriebliche Integration der geschützten Operationsstelle in die Gesamtanlage.

    Die Fassade bietet interessante Effekte, wirkt aber etwas kulissenhaft. Die vorgesetzten, geschlossenen Fassadenelemente sind nur auf der Aussenseite und nicht auch auf der ebenfalls sonnenexponierten Hofseite dargestellt. Unklar bleibt auch die Funktion der relativ breiten, umlaufenden Balkonzone, die als reine Unterhaltszone eher überinstrumentiert ist. Die energetischen Anforderungen (Richtung Minergie P) sind erfüllbar. Vorbildlich gelöst ist bei diesem Projekt das Haustechnikkonzept.

    Eine Etappierung ist vor allem durch die gestaffelte Erstellung der Nebenbauten möglich. Der Hauptbau muss aus baulogistischen und betrieblichen Gründen in einem Zug erstellt werden. Dabei ergeben sich Konflikte im Bereich der unterirdischen Logistik-Verbindung und durch die nötige Erstellung eines Parkplatzprovisoriums. Sowohl die Investitionskosten als auch die Lebenszykluskosten wurden bei allen vier Projekten der 2. Wettbewerbsphase, unter Berücksichtigung der Schätz-Ungenauigkeiten, als gleich bewertet.

    Zusammenfassend handelt es sich um ein Projekt von hoher Funktionalität, das aber im Umgang mit dem Ort und in der architektonischen Ausgestaltung Schwächen aufweist. Eine spätere Erweiterung des Spitals ist nur eingeschränkt möglich.