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  • DE Konstanz
  • 05/2007
  • Ergebnis
  • (ID 2-8369)

Konversion Great Lakes Areal


  • Ankauf


    Landschaftsarchitekten
    Levin Monsigny Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Nicolai Levin Luc Monsigny

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: GEORG • SCHEEL • WETZEL ARCHITEKTEN, Berlin (DE)
    Architekten: SKT UMBAUKULTUR, Bonn (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau
    Die Uferkante vor Petershausen am Seerhein ist geprägt durch eine dem Stadtbereich vorgelagerte industrielle Struktur, die den Bezug des westlichen Stadtquartiers zum Wasser derzeit noch stark einschränkt. Eine sich auf der Nordseite zunehmend auflösende periphere Stadtstruktur und die damit einhergehend fehlende räumliche Fassung an der vielbefahrenen Reichenaustraße trägt weiterhin dazu bei, dass die an diesem Ort vorhandenen qualitativen Potentiale der Seerheinuferlage derzeit nur bedingt wahrgenommen werden können.

    Die großräumige Befreiung des Uferstreifens von diesen Industriellen Strukturen eröffnet die einmalige Chance ein integratives Gesamtkonzept für den gesamten Bereich unter gleichzeitiger Einbezugnahme des benachbarten Nordgeländes zu entwickeln.

    Südbebauung
    Die Verknüpfung und Zusammenführung verschiedener, zum Teil zueinander in Beziehung stehender, zum Teil aber auch autarker Institutionen in ein zusammenhängendes räumliches Gesamtensemble, welches die bereits begonnene Entwicklung des Herose Geländes fortschreibt, ist der Ausgangspunkt der vorgeschlagenen Konzeption. Nicht das Nebeneinander verschiedener architektonischer Erscheinungsformen sondern die Zugrundelegung einer einfachen, verbindenden Bebauungstypologie für alle Teilbereiche ist Grundlage der gewählten Entwurfsstrategie.
    Die vorhandene Bebauungskante entlang der Reichenaustraße wird dabei durch eine qualitätvolle Verdichtung mit großzügigen Perforationen zum Seerheinufer langfristig als urbaner Bestandteil im städtischen Gefüge erfahrbar.

    Grundlage des Entwurfes bildet ein strukturelles Band, welches sich linear in dem festgesteckten Rahmen zwischen bestehender Villa mit Restaurant im Osten und Rheinbrücke im Westen aufspannt. Das neue Quartier ist dabei strukturell einerseits als Fortschreibung der auf dem Herose Gelände entwickelten Hoftypologien, andererseits als eigenständiges Bebauungsmuster lesbar, welches differenziert unterschiedliche Inhalte und Anforderungen aufzunehmen und wiederzuspiegeln vermag.

    Das neue Quartier soll in Zukunft die Zugänglichkeit zum Wasser gewährleisten und die Anbindung des Uferstreifens an das dahinterliegende städtische Gefüge thematisieren. Aus diesem Grund gliedert sich das Bauvolumen in 4 ähnliche Einheiten, die räumlich miteinander verknüpft werden.

    Die Bebauungsstrategie folgt einer Definition von Freiräumen mit unterschiedlicher Wertigkeit über die auch die Funktionen der Gebäude ihre Position innerhalb der Struktur finden. Zentrale Motive sind die Gliederung der Bebauungsstruktur mit senkrecht zwischen Seerheinpromenade und Reichenaustraße angeordneten Erschließungswegen und angehobenen Gartenterrassen zum Wasser, die räumlich über Eck in Beziehung zueinander gesetzt werden. Die Baukörper gruppieren sich windmühlenartig alternierend um diese Freiräume. Die Nutzungsbereiche des Kompetenzzentrums und des Hotels orientieren sich dabei um die diagonal zum Wasser geöffneten Gärten.

    Als weiteres verbindendes Element wird die städtisch formulierte Promenade als Uferweg mit vielfältigen Aufenthaltsbereichen aus dem angrenzenden Herose Gelände fortgesetzt und erschliesst von der Uferseite die beschriebenen Gebäudeeinheiten und Freiräume.

    Der sich wiederholenden räumlichen Gliederung der Freiflächen im neuen Quartier steht eine jeweils gestaffelte Ausbildung der Gebäudehöhen und -tiefen gegenüber, die jeden Hof individuell in Erscheinung treten lässt. Die in wechselnden Reihen ausgebildeten Höhenstaffelungen der Baukörper schaffen eine interne Topographie; es entstehen neue und mehrfachlesbare Beziehungen zwischen den Baukörpern, das Erscheinungsbild zur Straße und zum Wasser wird differenziert in verschiedene Horizonte, die ein vielschichtiges Bild erzeugen und so die Ufersilhouette prägen.
    Die Uferbegrenzungslinie determiniert die Tiefe der Bebauung (die längeren Gebäuderiegel werden entsprechend des zur Verfügung stehenden Raumes bis zur Uferpromenade angepasst) und bedingt für die vier vorgeschlagenen Einheiten jeweils unterschiedlich große Höfe als weitere Differenzierungsebene zwischen den Bauteilen.
    Die so festgeschriebenen Kubaturen lassen verschiedene Realisierungs- und Aufteilungsszenarien zu. Sie schaffen Spielräume zur Individuation der Baukörper, um dabei gleichzeitig durch ein präzises Regelwerk die Gesamtwirkung des Quartiers zu kontrollieren.

    Die Programmflächen des Kompetenzzentrums verteilen sich auf etwa zwei gleich große Gebäudeeinheiten. Eine dritte kleinere Hofeinheit, welche die Bebauung zur Rheinbrücke hin abschliesst, ist für weitere Gewerbeinheiten vorgesehen. Der vierte Gebäudeteil, welcher in Verbindung mit dem Laborgebäude geplant wird, nimmt das Hotel auf. Die Südbebauung wird vollflächig mit Tiefgaragen zur Aufnahme des ruhenden Verkehrs unterkellert.

    Materialien Südbebauung
    Sämtliche Gebäude erhalten geschosshohe Verglasungen. Zwischen den unterschiedlichen Baukörpern einer Baugruppe ist ein changierendes Farbspiel möglich um die einzelnen Bauteile weiter zu differenzieren.

    Kompetenzzentrum
    Die Anordnung unterschiedlich hoher Baukörper um die Eingangshöfe lässt unterschiedliche architektonische Interpretationen zu. Die Struktur lässt sich als gruppierte Häuser lesen von denen jedes eine eigene Adresse für eine Institution oder ein Unternehmen bildet. Gleichzeitig können die Baukörper aber auch als größere Komplexe begriffen werden, in denen einzelne Büroeinheiten von mindestens etwa 200 m2 flexibel abgeteilt werden können.
    Der Tendenz zum Zusammenschluss artähnlicher oder synergetisch arbeitender Firmen oder Institute im Kompetenzzentrum wird durch das kollektive Element des Eingangshofes Rechnung getragen. Durch die Öffnung des Komplexes im Erdgeschoss und die Situierung von Läden bzw. Gewerbe wird der halböffentliche Charakter der Höfe gestärkt und verschiedene Querungsmöglichkeiten angeboten.
    Die Kindertagesstätte wird in gleicher Weise innerhalb des östlichen Bauteils im Erdgeschoss dem angehobenen Gartenhof zugeordnet.

    Hotel
    Das Hotel erhält eine großzügige, überdachte Vorfahrt an der Reichenaustraße. Daran angegliedert befinden sich im Erdgeschoss die Rezeption mit Vertikalerschliessung sowie Gemeinschaftseinrichtungen wie Konferenz-, Frühstücksbereich und Fitnessklub, welche sich um den Hof und die angehobene Gartenterrasse gruppieren.
    Die Obergeschosse mit den Zimmern sind als 2 bündige Anlage konzipiert. Ein Großteil der Zimmer kann auf diese Weise der Rheinseite zugeordnet werden.
    Eine Verbindung zum Laborgebäude lässt sich durch die Parrallelstellung eines Gebäudeflügels zum Labor mittels eines Stichflures zu dessen bestehenden Treppenhaus einfach realisieren, der auch als erdgeschossiges Foyer für das Laborgebäude und den extern erschliessbaren Fitnessklub fungiert.

    Laborgebäude
    Das ehemalige Laborgebäude wird an seiner Längsseite mit einer einfachen Kubatur und einer einläufigen Treppe baulich ergänzt. Innerhalb dieser Erweiterungsfläche wird im Erdgeschoss auf Höhe des bestehenden Treppenhauses in der Mitte des Hauses der neuer Eingang hergestellt. Die zentrale Lage des Zuganges bedingt einer übersichtlichen Wegeführung im Haus und eine flexible Aufteilung der Büros.

    Restaurant
    Das Laborgebäude und das kleine Bauensemble der Villa werden räumlich mit eine gemeinsamen Terrasse zusammengefasst. Auf diese Weise kann ein übergreifender Bezug auch zum Hotel und zum Kompetenzzentrum hergestellt werden. Die Villa erhält einen eingeschossigen Anbau, welcher räumlich mit dem Erdgeschoss verbunden ist, jedoch nur mittelbar an diesen im Bereich des vorgelagerten Wintergartens anschliesst. Die Küche und Nebenräume werden im Erdgeschoss der Villa vorgeschlagen.
    Die gewählte Lage des Anbaus ermöglicht somit die Villa auch weiterhin in ihrer ursprünglichen Gestalt freigestellt wahrzunehmnen und den neuen Baukörper als vermittelndes Element zur neu geschaffenen Terrassenebene zu begreifen. Das zum Wasser gewandte Element des Wintergartens wird baukörperlich mit einer geschosshohen Dachlaterne als Dachaufbau beantwortet, wodurch der Gastraum im Eingangsbereich eine großzügige Raumhöhe erhält und als zusätzliches Raumangebot eine nutzbare Dachterrasse erschlossen wird. Das Ensemble zwischen Laborgebäude und Restaurant wird hergestellt durch die gewählte Lage der Anbauten und deren Bezugnahme auf Ihr jeweiliges Gegenüber unter besonderer Berücksichtigung der Bestandsbuche, welche die neu geschaffene Terrasse atmosphärisch aufwertet.

    Nordbebauung
    Die Ausgangssituation für eine Bebauung des Nordgeländes mit einem Verbrauchermarkt stellt sich wie folgt dar:
    •Die Entwicklung des Verbrauchermarktes als hybride Struktur setzt voraus, dass die in unmittelbarer Nachbarschaft zu planenden Funktionsbereiche Verbrauchermarkt, Parkgaragen und Wohnnutzung möglichst unabhängig voneinander und absolut ungestört nebeneinander funktionieren können.
    •Die städtebaulich problematische Flächenausdehnung eines Verbrauchermarktes lässt unabhängige Wohnungsstandorte nicht bzw. nur sehr bedingt zu.
    •Der aufgelassene Gleiskörper soll zur Stärkung der Grünverbindung nicht mit Andienungsverkehr belastet werden.
    •Eine städtebauliche Fassung an der Reichenaustraße mit einer städtischen Adressbildung ist das übergeordnete Ziel einer hochbaulichen Planung auf dem Nordgelände.
    •Eine Korrespondenz zu den auf dem Südgelände geplanten Bauteilen ist über die getalterische, architektonische Qualität abzusichern.

    Die beschriebene Ausgangssituation führt in der Konsequenz zu folgenden Entwurfsentscheidungen:
    Zur Erfüllung des enormen Stellplatzbedarfs wird die gesamte bebaute Fläche mit einer Tiefgarage unterkellert. Eine weitere Garage wird über anähernd die gesamte Fläche des 1. Obergeschoss geplant. Somit können etwa 480 Stellplätze nachgewiesen werden. Lärmimmissionen über das Parkhaus sind auf diese Weise kontrollierbar. Ansonsten wird das Gelände von parkenden Autos freigehalten. Die Zufahrt zu den Parkebenen, wie auch der Anlieferungsverkehr erfolgt über eine Stichtrasse auf der Nordseite der Bebauung. Der rückwärtige Anlieferungshof ist überdacht in den Gesamtkomplex integriert. Erforderliche Belüftungsöffnungen können auf der Nord, bzw. Westseite vorgesehen werden, wo sie die Wohnungen nicht beeinträchtigen.

    Der Verbrauchermarkt wird gemäß den programmatischen Vorgaben gegliedert.

    Oberhalb des Parkdecks werden introvertierte Maisonettewohnungen mit eingeschnittenen Patios und Gartenhöfen angeboten. Ein Großteil der Dachfläche wird freigehalten und bietet als intensiv begrüntes Dach weitere Angebote wie Sportfläche und Kinderspielplatz. Diese Dachebene wird durch Freitreppen zusätzlich mit der Straßenebene verbunden. Der geschaffene großräumige Freibereich auf dem Dach setzt den im Bereich des augelassenen Gleiskörpers geschaffene Grünzug in das Quartier hinein fort.

    Die Erschliessungen der Wohnungen befinden sich an der Reichenaustraße. Zusammen mit den Geschäften und den Verwaltungsräumen im 1. OG, wird an der Reichenaustraße eine städtische belebte Geschäftshausfassade entstehen, welche das städtebauliche Spektrum des Südgeländes bereichernd ergänzt.

    Materialien Nordbebauung
    Wir schlagen als Fassadenmaterial einen hellen Vormauerziegel mit changierendem Farbspiel im Wechsel mit großzügig verglasten Fassadenöffnungen vor. Im Bereich der Parkgarage im 1. OG soll die Vormauerschale durchlaufen und durch regelmäßige Aussparung einzelner Ziegel belichtet und belüftet werden. Mit der einheitlichen Verwendung des Ziegels gelingt es, die unterschiedlichen Programmteile in ein differenziertes architektonisches Gesamtbild zusammen zu binden.


    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.