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  • DE-51067 Köln
  • 02/2014
  • Ergebnis
  • (ID 2-283388)

Neues Wohnquartier Herler Straße


  • 1. Rang

    © Willi Landers

    Landschaftsarchitekten
    Förder Landschaftsarchitekten, Essen (DE), Luxembourg (LU) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Förder

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: 3pass Architekten Stadtplaner Part mbB, Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Gewöhnlich führen Strassen an Wohnquartiere ähnlicher Ausdehnung heran, die ihnen mit Adresse und Eingang einen definierten Platz im städtischen Gefüge zuweisen – wichtige Voraussetzung zur Kontaktaufnahme und für den Austausch mit der bewohnten Nachbarschaft und bestehenden Infrastrukturen.
    Das Areal der neuen Wohnbebauung Herler Strasse weist diese städtischen Merkmale erst einmal nicht auf. Es liegt im Innenbereich einer heterogenen Umgebungsbebauung, deren Charakter teils urban-städtische Züge an der südlichen Herler Strasse zeigt, daneben vorstädtisch kleinteilige Strukturen entlang der westlichen Deutschordenstrasse sowie locker und durchgrünte Lagen im nördlichen Anschluss. Es liegt sozusagen in „zweiter Reihe“, wird dabei durchgängig am östlichen Rand von dichtem Grün, einer Ausgleichsfläche, begleitet.
    Konzeptidee ist, dem neuen Quartier urbane Kraft zu geben, es strukturell und räumlich mit den bestehenden Strukturen zu verknüpfen und ihm großzügige Offenheit und Durchlässigkeit zu gewähren. Geschickt wird diese Offenheit mit halböffentlichen bis privaten Räumen kombiniert.
    Urbane Kraft verleiht ein städtisches Entree mit fünf-geschossigem Kopfbau und kleinem einladenden Vorplatz zur Wuppertaler Strasse. Der Vorplatz wird im Sockelgeschoss mit Einzelhandel und maßstabsgerechter Infrastruktur versorgt und bespielt. Der Kopfbau nimmt in Ausrichtung und Lage den Rhythmus der nördlichen Siedlungsbaukörper auf. Er bildet den Auftakt für einen beidseitig bebauten städtisch anmutenden Boulevard in die neue Siedlung hinein. Auf diese Art und Weise wird unmerklich das bestehende Straßensystem -auch wenn es hier nicht dem öffentlichen Verkehr zur Verfügung steht- in das neue Quartier hinein erweitert.
    Eine im Sinne von Stadtreparatur entwickelte ruhige Bebauung setzt ebenso selbstverständlich den Blockrand der Deutschordenstrasse in das Innere des Gebietes fort und bildet hier einen räumlich starken Rücken für das Gesamtareal. Nach Norden wird dieser durch eine weitere gerade kräftige Raumkante ergänzt, beide bieten Halt nach Innen und Abschluss nach Außen, insbesondere auch für die nördlich gelegenen Siedlungsbauten. Zusammen mit der südlichen Bestandsbebauung entlang der Herler Strasse entsteht ein klar gefasster großzügiger Binnenraum.
    Frei hinein stellen sich nun drei zeilenartige Baukörper, die als Einzelbaukörper ein gewisses Eigenleben entfalten. In ost-westlicher Ausrichtung öffnen sie den Binnenraum nach Osten hin, machen ihn durchlässig und wirken damit räumlich-hermetischer Enge entgegen. Sie bieten allen freien Blick und Kontakt zu der sich anschließenden Grünfläche „Im Paradies“. Auf kurzem Weg erreicht man von dort die S-Bahnhaltestelle.
    Im Inneren bilden sich zwei schöne öffentliche Räume unterschiedlichen Charakters aus.
    Ein kleinerer liegt auf dreieckigem Grundriss als baumbestandener Quartiersplatz mit städtischem Flair im Norden. Hier liegt auch die Kita, ein übereck eingeschobener zweigeschossiger Baukörper, mit ihren Spiel- und Gartenflächen. Der morgendliche Plausch mit Eltern und Kindern wie der Aufenthalt mit Freunden und Familie ist hier in Ruhe und unter Bäumen gleichermaßen möglich.
    Großräumig durchzieht ein in Nord-Süd-Richtung verlaufender Anger die ganze Siedlung. Als großer begrünter Begegnungs- und Freiraum stellt er die erlebbare Mitte und das für alle Bewohner räumlich verbindende Element dar. Um allen Altersgruppen und Anforderungen gerecht zu werden, liegen hier die geforderten intensiv gestalteten Spielflächen.
    Im Südosten bildet der Zeilenkörper zusammen mit der Bestandsbebauung und deren winkelförmigem Ende einen weiteren kleinen Hof von privatem Charakter. Neue geschoßweise versetzte Erker können aus dem Brandgiebel eine gestaltete Fassade werden lassen.
    Kleinteilig strukturierte dreigeschossige Reihenhauszeilen verzahnen in westliche Richtung die neue Bebauung mit der niedriger besetzten Deutschorden- / Wuppertalerstrasse und verknüpfen diese wirkungsvoll mit dem neuen Quartier.
    Insgesamt zeigt die Höhengliederung einen ruhigen und dennoch plastischen Duktus. Höhere fünfgeschossige Baukörper betonen dezent und bewusst rhythmisch gesetzt öffentliche Raumaufweitungen, niedrigere vermitteln zur bebauten Nachbarschaft, wo diese nur zwei- bis dreigeschossig ist.
    Die Architektur ist aus energetischer und wirtschaftlicher Vernunft kompakt und klar.
    Alle Wohnlagen haben leicht auffindbare Adressen und Eingänge, sind intern gut zoniert und belichtet. Die Erdgeschosse sind um ca. einen Meter angehoben, um durch diese Höhenstaffelung einen differenzierten und geschützten Übergang zum Außenbereich zu schaffen. Alle Geschoßwohnungen sind barrierefrei erschlossen.
    Private Freiflächen werden loggienartig eingeschnitten. Formal durchaus denkbar und im Sinne einer abschnittsweisen Realisierbarkeit gewünscht wäre eine Kombination unterschiedlicher sich ergänzender Architekturen, auch um gestalterische Vielfalt zu erzielen. Die sich nördlich und westlich morphologisch aus dem Stadtkörper entwickelnde Struktur zeigt beispielhaft eine ruhige massive Fassade mit regelmäßigen bodentiefen Fenstern und Loggien, die - wo nötig - leicht verspringen, ohne dabei verspielt zu wirken. Die eingestellten Zeilenbaukörper hingegen haben eine leichtere umlaufende bandartige Fassade mit großflächigen Verglasungen und plastisch wirkenden Loggien. Bewegliche lamellenartige Sonnenschutzelemente verleihen ihr als Membran eine lebendig geschichtete Ausstrahlung.
    Vertikal durchgehende Tragstrukturen und Strangführungen, ein günstiges A/V-Verhältnis, knapper Erschließungsaufwand und flexible Nutzbarkeit sind wichtige Parameter für eine gewünschte Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit. Energieeffizientes Bauen (Effizienzhaus 55 oder höherwertig) trotz begrenzten Kostenrahmens wird durch hochwertige Dämmung, kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung, Holz-Pellet-Heizung und Solarthermie erzielt.
    Die Siedlung ist im Wesentlichen autofrei. Notverkehre, Müll- und Umzugswagen können am Eingang Wuppertaler- sowie durch die Hofeinfahrt Herler Strasse hinein fahren. Die schmalere Hofdurchfahrt Deutschordenstrasse und der die nördliche Siedlung anbindende Durchgang stehen dagegen nur Fußgängern und Radfahrern zur Verfügung. „Durchgesteckte“ Grundrisse erübrigen ein Befahren begrünter Gartenbereiche der Baufelder 1, 2 und 3 durch die Feuerwehr.
    Der ruhende Verkehr wird in einer Tiefgarage untergebracht, die für alle neuen Bewohner, Besucher sowie die Bewohner der Ecke Herler Strasse ausreichend Platz bietet. Außerdem sind hier Flächen für Müllräume und -ergänzend zu denen im Außenraum- für Fahrräder ausgewiesen.
    Das freiraumplanerische Konzept unterstützt den Gedanken, über vorgefundene Grenzen hinweg das neue Quartier mit seiner Umgebung zu vernetzen. Bei der Vielfalt der Wohnkonzepte wird zur Schaffung einer starken Quartiersidentität für den Freiraum ein einheitliches Gesamtkonzept vorgeschlagen. Insbesondere betrifft das die Gestaltung der öffentlichen Plätze und Wege sowie die Zonierung der wohnungsnahen Freiflächen.
    Ein Platanen überstellter Baumplatz markiert das Entrée an der Wuppertalerstraße. Die Platanen ziehen sich über den Boulevard in das Innere bis zum Quartiersplatz hinein. Hier bilden sie ein schönes Baumdach über wassergebundener Wegedecke; mit Bänken ausgestattet lädt dieser Platz zum Boulespiel ein.
    Die ausgestaltete Landschaft des zentralen Spielangers besteht im wesentlichen aus einem Fallschutzbelag, der im Westen für Notverkehr überfahrbar und im Osten zu einer lebhaften bespielbaren Hügellandschaft ausmodelliert ist.
    Die halböffentlichen Bereiche des nachbarschaftlichen Miteinanders bilden Rasenpflasterteppiche mit vielfältigen Spiel- und Sitzangeboten. Private Terrassenbereiche liegen hinter weich geformten Gräserfeldern abgeschirmt und leicht erhaben. Sie sind über großzügige Sitzstufen an die nachbarschaftlichen Begegnungs- und Kommunikationszonen angebunden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.